Peter Quill, der noch immer unter dem Verlust von Gamora leidet, muss sein Team um sich scharen, um das Universum zu verteidigen und gleichzeitig einen der seinen zu schützen. Eine Mission, die, wenn sie nicht erfolgreich abgeschlossen wird, möglicherweise zum Ende der Guardians, wie wir sie kennen, führen könnte.
Filmkritik „Guardians of the Galaxy - Volume 3" durch Adam Arndt exklusiv für Serienjunkies.de
Der dritte Spielfilm rund um die Guardians of the Galaxy ist hier und stellt den bittersüßen Abschluss der James-Gunn-Ära im Marvel Cinematic Universe dar. Vor allem die Hintergrundgeschichte der Figur Rocket steht bei „Guardians of the Galaxy: Volume 3“ im Zentrum.
Erinnert man sich an das Jahr 2014 zurück, dann war man sich nicht so sicher, was es mit diesen „Guardians of the Galaxy“ auf sich hatte. Wenig später jedoch gehörten sie auch schon zu den fan favorites im MCU. Inzwischen gibt es nicht nur drei Teile, ein Special, eine Zeichentrickserie und Auftritte in „Avengers“-Filmen und dem vierten „Thor“-Film, sondern auch reichlich Merchandise und mehrere eigene Vergnügungsparkattraktionen rund um die zusammengewürfelten Weltraumhelden.
Neben dem Ensemble, das relativ konstant blieb und im Lauf der Zeit um neue Mitglieder anwuchs, ist das wohl vor allem dem Regisseur und Drehbuch-Autor James Gunn zu verdanken, der dem Superheldenteam seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte. Zwischen 2018 und 2019 sah es zwar so aus, als würde er wegen früheren, unpassenden Gags auf seinem Social-Media-Account von seiner Rolle entbunden werden, doch dank einer aufrichtigen Entschuldigung und dem Kampf seiner Castmitglieder durfte er nun doch seine Trilogie vollmachen, nebenbei „The Suicide Squad“ für DC inszenieren und inzwischen sogar so was wie der Kevin Feige von DC werden als Co-Chef der neuen DC Studios von Warner Bros. Discovery.
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Es gibt wenige Regisseure, die so viele Projekte im MCU gestemmt haben wie Gunn. Peyton Reed bei „Ant-Man“ und die Russo-Brüder über „Captain America“ und „Avengers 3“ und „Avengers 4“ verteilt erhielten ähnlich viel Vertrauen, was wohl schon einiges über die Zufriedenheit der Marvel-Studios-Bosse aussagt.
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Wie im Holiday-Special etabliert, leben die Guardians auf Knowhere und bieten dort Asyl für diejenigen, die es brauchen. Der Frieden wird durch den plötzlich auftauchenden goldenen Krieger Adam Warlock (Will Poulter), der von den Sovereign erschaffen wurde, gestört. Denn dieser schafft es, Peter Quills (Chris Pratt) Gruppe zu überrumpeln und zu verprügeln. Weil Quill noch Gamora (Zoe Saldana) nachtrauert, die zwar lebt, aber durch eine zeitlich versetzte Version ersetzt wurde, ist er nicht auf den Angriff vorbereitet und Rocket (Bradley Cooper) wird schwer verletzt.
Dabei stellt sich heraus, dass es eine gewisse Vorrichtung in seinem Körper gibt, die sein Leben bedroht und eine Rettung kompliziert macht... Dennoch wollen seine Kameraden nichts unversucht lassen, um ihn zu retten. Es steht also ein Weltraumheist an und nebenbei erfahren die Zuschauer einiges über die tragische Entstehungsgeschichte des extrem schlauen Nagers und Waffennarren.
Was genau hat der High Evolutionary (Chukwudi Iwuji, Peacemaker) damit zu tun? Welche Pläne entdecken die Guardians bei dem Versuch, ihren Kumpel zu retten?
Wieder mit dabei sind auch Karen Gillan als Nebula, Pom Klementieff als Mantis, Sean Gunn als Kraglin und Elizabeth Debicki als Ayesha. Maria Bakalova („Borat 2“) spricht derweil im englischen Original den Charakter Cosmo the Space Dog.

Nachdem Peter Quills Walkman von seinem Vater Ego (Kurt Russell) zerstört wurde, sorgt der fortschrittliche mp3-Player Zune für musikalische Beschallung in Knowhere und an Bord der Raumschiffe des Teams. Direkt von Anfang an wird wieder gezeigt, was für ein tolles Gespür Gunn für Songs hat. In diesem Teil sind auch etwas „neuere“ Songs dabei, wie zum Beispiel „Creep“ von Radiohead, „No Sleep Till Brooklyn“ von den Beastie Boys oder der vielleicht beste Songdrop des Films: „Dog Days Are Over“ von Florence and the Machine.
Dabei etabliert das melancholische „Creep“ direkt den deutlich ernsteren Ton des Threequels, das über weite Teile durch die Hintergrundgeschichte von Rocket bestimmt wird, der wiederum einen großen Teil des Filmes aussetzen muss. Doch gerade die Gelegenheit, seine origin story zu erforschen ist Gold wert, da somit viel bittersüßes Storytelling möglich wird - und zwar mit anderen genetisch modifizierten Tierfreunden, die es so auch in der Comic-Vorlage gab. Ich wurde außerdem stellenweise an die Comic-Miniserie „We3“ von Grant Morrison und Frank Quitely oder Sweet Tooth erinnert. Letzteres ist - neben der Comicvorlage - auch durch die Netflix-Serie bekannt.
Die unfreiwillige Auszeit von Rocket schweißt den Rest des Teams zusammen und gibt ihnen eine Mission, bei der alle an einem Strang ziehen, ihre Haut aufs Spiel setzen und natürlich auch ein paar neue Planeten erkunden. Gunn geht dabei wieder mal in die Vollen, was das Design einiger Stationen angeht, was aber wiederum glücklicherweise meistens handgemachter und irgendwie auch liebevoller aussieht als etwa beim häufig kritisierten „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“. Und das, obwohl Cameos von Nathan Fillion und Gunn-Ehefrau Jennifer Holland (Peacemaker) inklusive sind.
Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Reise, die hier unternommen wird, etwas unberechenbarer ist als bei ähnlichen Marvel-Filmen, was ich jedoch begrüße, da so Raum für Überraschungen bleibt. Natürlich verlässt sich Gunn auf Figurenpaarungen, die sich eingespielt haben, wie Drax und Mantis oder Peter und Gamora. Er überrascht aber auch mit Nebula als deutlich geläuterte und verlässliche Anstandsdame, die moralisch anständiger und bodenständiger daherkommt, weswegen sie vielleicht ein heimlicher Favorit des Films ist. Gamora, der die Zeit mit den Guardians fehlt, wird derweil nicht magisch geheilt, sondern muss ihr Team neu kennenlernen und dann entscheiden, ob sie weiterhin mit ihnen unterwegs sein will. Peter hingegen weint ihr bei jeder Gelegenheit nach und will nicht wahrhaben, dass es nicht „seine“ Gamora ist... Drax hält sich selbst für Peters besten Freund und Groot hat die Teenphase überstanden und zeigt einige neue Formen seiner selbst, spielt aber eine vergleichsweise kleine Rolle.
Ein weiterer scene stealer, besonders für Hundefreunde, dürfte der kleine Arc vom telekinetisch begabten Weltraumhund Cosmo sein. Die Screentime ist zwar begrenzt, aber man holt im Zusammenspiel mit Kraglin eine nette, kleine Nebenhandlung heraus.

Obwohl Gunn im ersten Teil jemand war, der den Marvel-Humor womöglich perfektioniert hat, ist dieser Film stellenweise zwar witzig, aber er sabotiert die vielen echten, emotionalen Momente wenigstens nicht. So war es beispielsweise noch in „Thor: Love and Thunder“ der Fall oder auch im direkten Vorgänger „Guardians of the Galaxy, Vol. 2“. Es ist ein Film, in dem große Gefühle bei den Zuschauern von einem weiblichen Otter mit Robo-Gliedmaßen geweckt werden können oder von anderen kleinen Nebenfiguren, die stellenweise besser durch ihre Stimmperformance spielen als waschechte menschliche Darsteller.
Konsequent ist dafür, wie oft Mantis als Punchingball herhalten muss, etwa wenn sie auf den Kopf fällt oder sich beispielsweise in der Schwerelosigkeit nicht so intuitiv zurechtfindet, wie der Rest es tut...
Den gefühlvollen Performances in Rockets origin story steht jedoch die größenwahnsinnige Charakterisierung von der Figur High Evolutionary entgegen, der ganze Welten mit seinen intelligenten Tierhybriden bevölkert, aber nie ein zweites Exponat wie Rocket findet, welcher sogar seinen Intellekt in den Schatten stellen kann.
Während Iwuji anfangs noch recht zurückhaltend spielt, dreht er später womöglich zu überzogen auf und muss seine Dialogzeilen oft etwas zu oft schreiend darbieten, womit die Figur ihre Gravitas verliert. Immerhin gibt er den vereinten Guardians so eine Chance, ihm und seinen Plänen eine Abreibung zu verpassen, die die Zuschauer durchaus zufriedenstellen dürfte.

Undefiniert bleibt auch Adam Warlock, der leider in die Falle tappt, aufgrund seiner Naivität zur Witzfigur zu werden, weil der Film etabliert, dass er noch nicht genug in seinem Post-Credits-Sarkophag gereift ist. Comicfans kennen ihn als jemanden, der auf einer Machtebene wie Thanos agiert. Hier darf er zwar die Guardians verkloppen, aber seine Hintergründe oder genauen Kräfte bleiben innerhalb des Films blass und nichtssagend. Irgendwie wäre hier mehr drin gewesen, aber gleichzeitig dürfte das auch nicht sein letzter Auftritt sein...
Die Actionszenen des Films sind ordentlich und gefallen mir in der Mehrzahl besser als vieles aus dem zweiten Teil, dessen Endkampf dann schwammiges CGI-Hintergrundgewitter wurde. Besonders eine Korridorszene im letzten Drittel des aktuellen Teils weiß dabei zu gefallen. In meiner Pressevorführung konnte ich die IMAX-Fassung des Films sehen, die zudem noch einmal deutlich imposanter ist, was die audiovisuelle Ebene angeht, weil die gewaltige Leinwand dort vollkommen ausgefüllt wurde.
Im Kern des Filmes geht es aber um das Team als Wahlfamilie für die Figuren, die durch dick und dünn füreinander gehen würden, auch wenn das bedeutet, sich auf einen explodierenden Planeten zu begeben, der jederzeit verschwinden könnte... Und ebenso setzen sie sich für die Underdogs ein, sind offen und geben zumindest jedem eine zweite Chance, um sich zu beweisen. Stark ist wieder einmal der Bogen bis zum Filmende, bei welchem man als Fan der „Guardians of the Galaxy“ durchaus emotional werden könnte, weil ein song drop ein wenig so wirkt, als hätte man einfach einen Tanz bei der Wrap-Party mitgefilmt...
Gunn spielt im Verlauf des Films mit den Erwartungen und ist nicht allzu sentimental, wenn es darum geht, neue Richtungen für manche Figuren auszuprobieren. Wie im Vorfeld schon angedeutet, dürfte es das (vorerst) letzte Mal sein, dass das Team sich genau aus diesen Mitgliedern zusammensetzt. Trotzdem lässt man eine offensichtliche Chance liegen, einen gewaltigen Bruch mit dieser Ära der Guardians zu inszenieren und verspricht sogar in einer der beiden Post-Credits-Szenen ein Wiedersehen mit mindestens einer Figur. Man kann also gespannt sein, was Marvel in Zukunft mit den Figuren plant und ob zumindest dieses Sequel wieder wie einst am Box Office abräumen kann.

Mit „Guardians of the Galaxy - Volume 3“ gelingt den Marvel Studios nach einem etwas schwächeren Mittelteil ein guter Abschluss für die Trilogie und ein guter Absprungspunkt für das aktuelle Team, was natürlich auch in den Comics immer wieder wechselnde Mitglieder begrüßt hat. In einer der Abspannszene sieht man sogar schon das wahrscheinliche neue Line-up... Nun muss man nur abwarten, ob es einen vierten Film gibt oder wo man das Team wiedersehen wird - und vor allem, wer nach Gunn das kreative Ruder übernehmen darf...
Die Balance zwischen Emotion, Humor und Herz gelingt diesem dritten Teil relativ gut und es macht Spaß, den Guardians bei ihren Eskapaden zuzuschauen. Persönlich kommt man für mich zwar nicht an den grandiosen ersten Teil ran, aber man hinterlässt immerhin einen schönen Eindruck, auf dem man aufbauen kann, aber nicht zwingend muss. Vier von fünf Zunes.
Podcast zum Film „Guardians of the Galaxy - Volume 3“
als Gamora
Dave Bautista
als Drax the Destroyer
Pom Klementieff
als Mantis
als Rocket (voice)
Sean Gunn
als Kraglin / On-Set Rocket / Young Rocket
Nico Santos
als Martinex
Mikaela Hoover
als Floor
als Teefs
Stephen Blackehart
als Steemie
Dane DiLiegro