Joker: Folie à Deux

Joker: Folie à Deux

Joker: Folie à Deux im Stream

Eine Fortsetzung des Films Joker aus dem Jahr 2019 mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle.

Zwei Jahre sind seit den Ereignissen des ersten „Joker“-Films vergangen, als "Joker: Folie à Deux" einsetzt. Der Protagonist Arthur Fleck, besser bekannt als Joker, wartet im psychiatrischen Arkham Asylum auf seinen Mordprozess. Das Schicksal führt ihn dort mit Harleen Quinzel zusammen, einer Mitpatientin, die seinem düsteren Charme erliegt. Ihre wachsende Beziehung wird zum Katalysator für neue Ausbrüche des Wahnsinns. Der Film verwebt geschickt Elemente des Gerichtsdramas mit musikalischen Sequenzen, in denen Realität und Illusion ineinander übergehen.

Joker: Folie à Deux Kritik

Joker: Folie à Deux Kritik
Szenenfoto aus der Serie „Joker: Folie à Deux“
Warner Bros.

Filmkritik „Joker: Folie à Deux" durch Adam Arndt exklusiv für Serienjunkies.de

Nach dem Milliardenerfolg des ersten Teils will „Joker: Folie à Deux“ nun Charakterstudie, Gerichtsdrama und Musical vermischen. Dazu hat man Lady Gaga als Harley Quinn gewinnen können. Lässt sich die Formel erfolgreich wiederholen?

2019 gehörte „Joker“ mit Joaquin Phoenix als Arthur Fleck wohl zu den größten Überraschungserfolgen an den weltweiten Kinokassen, denn mit einem schmalen Budget von etwa 55 Millionen US-Dollar gelang ein Einspielergebnis von weltweit 1,078 Milliarden US-Dollar. Bis „Deadpool & Wolverine“ ins Kino kam, hatte der Killerclown die Krone auf, was Filme mit R-Rating anging.

Der erste Teil wurde von der Kritik oftmals gefeiert und räumte mehrfach bei den Oscars ab, beispielsweise für seinen Hauptdarsteller, wurde aber auch kontrovers besprochen - wie bei Serienjunkies.de. Das Budget wurde für „Joker: Folie à Deux“ nun ordentlich angehoben und Fleck beziehungsweise dem Joker die Figur Lee Quinn aka Harley Quinn (Lady Gaga) an die Seite gestellt. Der Titel bedeutet etwas wie eine „gemeinsame psychotische Störung“ beziehungsweise „symbiontischer Wahn“, was auch recht zutreffend ist...

Statt eine Hommage an die Scorsese-Filme der 1970er vermengt man nun die Charakterstudie über den medialen Personenkult mit einem Gerichtsfilm und einem Musical der alten Schule. Dabei kann man auf eine unkonventionelle Liebesgeschichte und die Gesangstalente beider Hauptdarsteller setzen - auch wenn sich eventuell vieles davon nur in der Fantasie abspielen könnte... Gelingt dieser Mix oder lässt das Ergebnis zu wünschen übrig?

Worum geht es im Film „Joker: Folie à Deux“?

Arthur Fleck oder Joker? Wer ist der wahre Drahtzieher?
Arthur Fleck oder Joker? Wer ist der wahre Drahtzieher? - © Warner Bros.

Arthur Fleck (Phoenix) wartet in der psychiatrischen Anstalt Arkham auf seinen Prozess für die Verbrechen, die er als Joker begangen hat. Die Öffentlichkeit glaubt, dass er fünf Menschen auf dem Gewissen hat, während es eigentlich sogar sechs sind. Experten sollen seine Zurechnungsfähigkeit klären und ob er für die Taten die Verantwortung tragen kann. Seine Anwältin kämpft derweil darum, mildernde Umstände walten zu lassen. Denn: Sollte er vor Gericht verurteilt werden, würde ihm die Todesstrafe drohen...

Durch Medikamente wurde Fleck in Gefangenschaft offenbar zu einem besseren Menschen. Doch dann lernt er eine Frau kennen, die im Nachbarstrakt als Teil eines Chors singt, und verliebt sich unsterblich in sie. Sie erweckt den Joker in ihm und der Kult um seine Persönlichkeit erhält neuen Zunder.

Erneut steht Todd Phillips („Hangover“) zusammen mit Scott Silver hinter der Geschichte und Phillips nahm auch auf dem Regiestuhl Platz, wobei es durch Oscargewinnerin und Popsensation Lady Gaga („A Star Is Born“) diesmal deutlich musikalischer zugeht.

Ebenfalls mit dabei: Catherine Keener als Anwältin Maryanne Stewart, Brendan Gleeson mimt Wärter Jackie Sullivan, Harry Lawtey ist Ankläger Harvey Dent, Steve Coogan spielt den Journalisten Paddy Meyers, Bill Smitrovich übernimmt die Rolle des Judge Herman Rothwax und Zazie Beetz kehrt kurz als Nachbarin Sophie Dumond zurück.

Sind hier alle etwas Gaga?

Liebe auf den ersten Blick bei Joker und Harley.
Liebe auf den ersten Blick bei Joker und Harley. - © Warner Bros.

Schaut man sich die kommerziellen Fakten zum Film „Joker“ an, war es nur eine Frage der Zeit, wann eine Fortsetzung folgen würde. Denn die Entscheider bei Warner Bros. Discovery wollten sich eine solche zweite Chance auf einen großen Kinokassenerfolg wohl nicht entgehen lassen. Das 70er-Jahre-Setting wird konsequent beibehalten und dem wahrscheinlich bodenständigsten, aber dennoch angsteinflößendem Joker eine ebenso in der Realität der Epoche verankerte Interpretation von Harley Quinn auf den Leib geschneidert.

Phoenix bringt, wie man eventuell leicht vergessen haben könnte, Gesangserfahrung durch sein Biopic „Walk the Line“ über Johnny Cash mit. Über Gagas Gesangsqualitäten muss man eigentlich kaum ein Wort verlieren und auch schauspielerisch liefert sie meist ganz ordentlich ab, erinnerte mich oft an ihre Rolle in „A Star Is Born“. Man wird das Gefühl nicht los, dass man mehr aus der Figur hätte machen können, auch wenn es eine durchaus unübliche Dynamik gibt, die man in sonstigen Interpretation der Beziehung der beiden so bisher wohl noch nicht gesehen hat. Das Machtgefüge wird nämlich auf den Kopf gestellt und Lee sitzt am längeren Hebel...

Der Streifen will jedoch nicht nur ein Genre bespielen, sondern gleich auf mehreren Hochzeiten tanzen. Verbrecherdrama, Period-Piece, Gerichtsdrama und Musical sind hier einige der Haken, die man auf einer Checkliste setzen kann. Vielleicht mutet man sich hier dabei etwas zu viel zu, denn manchmal ist weniger doch mehr, wenn man die Zuschauer bei der Stange halten will...

Zwischen Möchtegern-Arthouse und Jukebox-Musical

Phillips vermittelt den Eindruck, als habe er gewisse Lektionen aus dem ersten Teil gelernt und will seine Figur wohl nicht mehr so glorifizieren, hat dabei aber immer wieder Schwierigkeiten, nicht zu einseitig in eine Richtung auszuschlagen. Ist Fleck eine gebrochene Figur oder der abgeklärte Killerkomiker, der nur allen eine große Show abliefert? Will er geliebt und verehrt werden oder ist ihm das alles zu viel? Begreift er, welche Konsequenz seine Handlungen in der Öffentlichkeit haben können oder hat er Angst davor, was er auslösen kann? Lässt er sich von einer Frau manipulieren, die ihm schöne Augen macht oder oder sitzt er am Steuer?

Mein Eindruck ist, dass man ähnlich wie der Vorgänger große filmische Vorbilder hatte - diesmal vor allem im Musicalbereich - diesen aber nicht das Wasser reichen kann. Die Gesangseinlagen, ebenso wie der Schnitt, die Kamera-Arbeit, die Stimmung und die Performances, sind alle ziemlich gut gelungen, aber der Funke, was Unterhaltung oder Mehrwert für den Zuschauer angeht, will einfach nicht überspringen.

Thematisch sind die Songs zwar gut ausgewählt und passen jeweils in die emotionale Lage der Figuren mit bekannten Liedern wie „Smile“, „That's Entertainment“, „Close to You“ oder „That's Life“. Oftmals ist es so, dass die beiden zärtlich oder gebrochen anfangen zu trällern und dann gemeinsam in die fiktive Musicalwelt entfliehen. Dies wiederum vor allem, um dort zu gefeierten Stars beziehungsweise Celebrities zu werden, was dann aber wiederum mit der realen Welt kollidiert - etwa bei einem Ausbruchsversuch...

Erinnerungen an alte Musicalklassiker der Zeit und dortige Bilder werden immer wieder geweckt, wie etwa Ballsäle, fiktive TV-Shows oder das romantische Blau des Himmels. Letzteres war auch bei „La La Land“ immer wieder referenziert worden, weswegen ein Alternativtitel wie „Ga Ga Land“ auch durchaus passend wäre.

Ohrwürmer hatte ich nach dem Kinobesuch aber nicht und ehrlicherweise musste ich die Songliste für die Kritik noch einmal nachschlagen, weil so wenig im Kopf hängen geblieben war. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man ähnlich wie eine Figur zu einem späteren Zeitpunkt sagt: „Hör' auf zu singen und sprich mit mir!“ Wahrscheinlich hätte man viele Stücke auch ersatzlos streichen können und der Film wäre dadurch etwas knackiger geworden. Oder gehört die Geduldsprobe und das Nerven des Publikums zum Konzept, was Phillips und Co hiermit umsetzen wollten?

Denn auch vor Gericht sehen und hören wir viel Altbekanntes, was somit zwangsweise wenig Neues und Frisches bietet. Einzig die Frage der Zurechnungsfähigkeit und der Strafe für die Taten bleibt zu klären. Irgendwann fragt man sich als Zuschauer bei den Szenen im Gefängnis und vor Gericht, warum Arthur Fleck eigentlich ohne Widerworte oder Konsequenzen so viel durchgelassen wird. So beispielsweise vom Richter, der seelenruhig seine Provokationen und Ausführungen erduldet, was man womöglich mit Joker als unzuverlässigen Erzähler erklären könnte, aber eben auch nur, wenn man ein Auge zudrückt...

Die Frage der Moral

Joker und Harley vor Gericht
Joker und Harley vor Gericht - © Warner Bros.

Ohne zu viel zu verraten, gibt es spät im Film diverse Wendungen und Twists, die mich persönlich an Gangsterfilme der 1930er erinnert haben. Es stellt sich ebenso die Frage, wie die Umwelt von einer Person wie Arthur Fleck oder dem Joker beeinflusst wird. Gibt es also Konsequenzen, wenn ein Verbrecher so in der Öffentlichkeit - und der Prozess wird in den 70ern im Fernsehen übertragen - präsentiert wird? Der Film hat dazu eine eindeutige Antwort, die manche überraschen könnte... Parallelen zu gewissen öffentlichen Figuren der Gegenwart sind sicherlich auch kein reines Zufallsprodukt...

Ich persönlich bin mir unsicher, ob es eine andere zufriedenstellende Lösung gegeben hätte und finde die Entscheidung recht konsequent. Klar ist, dass das nicht bei allen auf Zustimmung stoßen wird...

Fazit

Eine TV-Show stellen sich die beiden auch vor
Eine TV-Show stellen sich die beiden auch vor - © Warner Bros.

Wie schon der Vorgänger ist auch „Joker: Folie à Deux“ in Teilen schwer zu greifen. Handwerklich stimmt vieles und ist überdurchschnittlich gut bis sehr gut erzählt und inszeniert. Audiovisuell gibt es sicherlich wenig zu meckern. Allerdings gibt es beim Drehbuch, der Geschichte und dem Pacing einige Unstimmigkeiten, die dazu führen, dass ich persönlich eher ernüchtert aus dem Kino ging. Man hätte aus der Joker-Harley-Beziehung sicherlich mehr herausholen und vielleicht insgesamt mehr Neues bieten können, was nicht ohnehin schon im ersten Teil etabliert wurde.

Daher reicht es bei mir dieses Mal lediglich für drei Coversterne für den zweiten „Joker“-Streifen.

Joker: Folie à Deux Trailer

Joker: Folie à Deux Schauspieler

Joaquin Phoenix

als Arthur Fleck / Joker

Lady Gaga

Lady Gaga

als Harleen Quinzel / Harley Quinn

Zazie Beetz

als Sophie Dumond

Leigh Gill

als Gary

Jacob Lofland

Sharon Washington

als Social Worker

Troy Fromin

als E Ward Inmate (Troy Larkins)

Bill Smitrovich

als Judge Herman Rothwax

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