Slow Horses 1x01

© zenenfoto aus der Serie Slow Horses (c) Apple TV+
MI5-Agent River Cartwright (Jack Lowden) hat es hart getroffen. Nachdem er eine Trainingsmission gründlich verbockt und den britischen Geheimdienst damit lächerlich gemacht hat, hat man ihn als Slow Horse (lahmer Gaul) ins Slough House (Dreckloch) verbannt. Hier fristet er ein tristes Berufsdasein mit niederen Jobs, wie Müll durchwühlen und Akten sortieren. Sein Boss, Jackson Lamb (Gary Oldman) ist ein versoffener, zynischer alter Mann, der ihn nicht leiden kann und dazu drängt, den Dienst zu quittieren.
Eigentlich könnte es nicht schlimmer kommen, doch plötzlich nimmt das Leben der ansonsten völlig nutzlosen Slow-Horse-Abteilung eine dramatische Wendung. Rivers Kollegin Sid und er hängen sich an einen Fall rund um den abgehalfterten Journalisten Hobden und dann erscheint auf YouTube auch noch das Video einer Terrorgruppe, die mitten in London einen Komiker entführt und ihn brutal köpft. Warum ist der britische Geheimdienst hinter dem Reporter her und was hat dieser mit der Enthauptung des jungen Bühnenkünstlers zu tun?
Superstars bei Apple TV+
Jason Momoa, Samuel Jackson, Jared Leto, Anne Hathaway, Nicole Kidman: Das sind nur einige große Hollywood-Namen, die Apple in den letzten Monaten für den hauseigenen Streamingdienst Apple TV+ und die dort zu sehenden Serien gewinnen konnte. Entsprechend hoch ist die Qualität. Das trifft auch auf die Agentenserie Slow Horses zu, die mit Gary Oldman als Zugpferd aufwartet.
Die Liste der hochgelobten Streifen, in denen der Superstar zu sehen ist, ist lang: „Bram Stoker's Dracula“ (1992) „The Fifth Element“ (1998), vier Harry-Potter-Filme (2004 bis 2011), „The Dark Knight Rises“ (2012) und „Dawn of the Planet of the Apes“ (2014) sind nur einige der erfolgreichen Blockbuster, die sein Portfolio zieren. Im Fernsehen war der BAFTA-, Saturn- und Golden-Globe-Award-Gewinner bisher allerdings selten zu sehen. Ihm zur Seite steht in einer Nebenrolle Jonathan Pryce (High Sparrow in Game of Thrones) sowie Chris Reilly (Devils), Jack Lowden (The Tunnel), James Hawes (Penny Dreadful) und einige weitere bekannte Gesichter.
Agenten einmal anders
Der klangvolle Cast verspricht tolle Serienunterhaltung und in der Tat macht die erste Folge von „Slow Horses“ durchaus Spaß. Der Plot basiert auf dem gleichnamigen Roman von Mick Heron und punktet mit einer ungewöhnlichen Prämisse, die ansonsten in der Filmindustrie eher für albernen Klamauk a la „Johnny English“ herhalten muss. Im Fokus stehen nämlich nicht irgendwelche James-Bond-Superagenten, sondern ausrangierte Versager, die in eine Art „Spionageabteils-Fegefeuer“ namens Slough House verbannt wurden.
Geleitet wird diese völlig nutzlose Abteilung von dem abgehalfterten Jackson Lamb, der herrlich zynisch von Gary Oldman porträtiert wird. Schon sein erster Auftritt nach dem circa fünfminütigen Teaser und dem kurzen Intro hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Er liegt schlafend, mit fettigen Haaren und Loch in den Socken auf einer Couch, in dessen Vordergrund ein vollgemüllter Wohnzimmertisch und eine halbleere Flasche Whiskey zu sehen ist. Sein eigenes Flatulieren, nein, eigentlich ist es ein kräftiger Furz aus allen Rohren, lässt ihn hochschrecken und der nächste Tag der langweiligen Sinnlosigkeit beginnt. Das ist überraschend und vermittelt einen perfekten Eindruck davon, wo die einstige Agentenhoffnung River Cartwright (Jack Lowden) gelandet ist.
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Tempowechsel

Im Teaser gehörte er noch zum Top-Team des im Regent's Park angesiedelten MI5, bis er aufgrund des Fehlers seines einstigen Freundes und Kollegen Spider Webb (Freddie Fox) ins Aus katapultiert wird. Dieser schiebt River die Schuld in die Schuhe und landet zur Belohnung, in teure Designer-Anzüge gekleidet, auf einem hochdotierten Posten, während Cartwright sich mit Müll, Uralt-Akten und den Nadelstichbemerkungen seines Chefs begnügen muss. Die ersten fünf Minuten sind in typischer Spionagefilmmanier rasant gedreht und geschnitten, wohingegen die restliche Episode einen interessanten Kontrast bildet.
Regisseur James Hawes (unter anderem: Black Mirror) arbeitet zunächst mit viel Bewegung und Action, fährt das Tempo dann aber merklich herunter. Bis ins dritte Drittel präsentiert sich die Episode dialoglastig, mit ruhigen Einstellungen und in mancher Situation fast schon kammerspielartig. Die gewählten Stilmittel schaffen allerdings nicht nur Raum, um die Hauptfigur näher kennenzulernen. Sie dienen auch als Vorbereitung auf das Abenteuer, in das die Slow Horses (man beachte das Wortspiel) bald hineinschlittern werden. Damit kann die Serie ihren britischen Touch nicht verleugnen, denn wir erleben hier kein Actionspektakel in der Richtung von Hawaii Five-0, sondern den Beginn einer hoffentlich mitreißenden Spionagegeschichte, angereichert mit einem Schuss Humor.
Die Spannung steigt, als Rivers Kollegin Sid (Olivia Cooke, Fans bekannt aus Bates Motel) dem ausrangierten Reporter Hobden wichtige Daten auf einem USB-Stick abluchst. Diese haben offenbar eine Verbindung zu einem Terrorakt, der kurz darauf das Netz erschüttert. Unbekannte haben einen jungen Komiker entführt und ihn grausam ermordet. Die Beantwortung der Frage, was genau die Files und die Tat miteinander zu tun haben oder ob sie überhaupt wirklich miteinander verknüpft sind, bildet den übergreifenden Spannungsbogen der folgenden fünf Episoden. Hinzu kommt, dass die Agenten des Slough House von ihren Kollegen in der Regent's Street offensichtlich schamlos als Kanonenfutter missbraucht werden, was wiederum neue Fragestellungen ermöglicht.
Fazit

Die Pilotfolge von Slow Horses ist technisch hochwertig produziert, wartet mit tollen Schauspielern auf und bietet eine unverbrauchte Prämisse. Dennoch flacht das Tempo nach dem mitreißenden Beginn so stark ab, dass man ein leichtes Ungleichgewicht im Rhythmus der Episode spürt. James Hawes geht den Mittelteil dann doch recht gemütlich an, auch wenn er sich bemüht, den Spannungsbogen hochzutreiben.
Der Grund mag im, vom Rezensenten gern so bezeichneten, „Pilotfilmsyndrom“ liegen. Die Figuren müssen vorgestellt, das Thema eingeführt und das Bedrohungsmoment in nur einer Stunde aufgebaut werden. All das gelingt in Failure's Contagious im Endeffekt und deshalb ist die Hoffnung, dass der Rest der Staffel Spannung und Humor auf höchstem Niveau bietet, berechtigt.
Hier abschließend noch der Originaltrailer zur Serie „Slow Horses“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 1. April 2022Slow Horses 1x01 Trailer
(Slow Horses 1x01)
Schauspieler in der Episode Slow Horses 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?