Outlander 2x13

Outlander 2x13

Viele, sehr viele Zeitsprünge, ein Mord und die Abwesenheit einer Schlacht - Dragonfly in Amber ist nicht unbedingt das, was man vom 90minütigen Finale der zweiten Staffel von Outlander erwartet hätte.

Caitriona Balfe und Sam Heughan im Finale der Serie „Outlander“ / (c) Starz
Caitriona Balfe und Sam Heughan im Finale der Serie „Outlander“ / (c) Starz

Bekanntlich ist diese Autorin ein echter Fan von Zeitsprüngen und in Dragonfly in Amber sind die Sequenzen der 60er Jahre wirklich gut gelungen. Aber ich weiß nicht, ob etwas weniger in diesem Falle nicht doch mehr gewesen wäre. Denn die Neuzeit-Szenen waren intensiver als die der Vergangenheit „and that's a damn shame“.

Willkommen in Schottland in den wilden 60ern

Aber starten wir einfach mal - ein letztes Mal für eine lange Zeit - am Anfang der 90-Minuten-Episode mit Emma Peel. Eine Claire (Caitriona Balfe) mit Betonfrisur der 60er ist beim Begräbnis des alten Reverend. An ihrer Seite eine sehr rothaarige, erwachsene Brianna, die ihrem wahren Vater verflucht ähnlich sieht. Obwohl Claire alles tut, um die Geister der Vergangenheit auch in Schottland genauso im Zaum zu halten, wie sie es zwanzig Jahre lang in den USA getan hat - es will ihr einfach nicht gelingen.

Roger und Brianna in %26bdquo;Outlander%26ldquo; © Starz
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Während Claire sich auf den Spuren der Vergangenheit befindet, viele der Plätze von „früher“ besucht und versucht, für sich einen Abschluss zu finden, beginnen Pfarrerssohn Roger (Richard Rankin) und Tochter Brianna (Sophie Skelton) zarte Bande zu knüpfen. Auf einen Impuls hin fangen beide ebenfalls an, ein wenig zu recherchieren, was sich als nicht unbedingt seelenberuhigend für alle herausstellt. Denn Brianna, ausgestattet mit der Intelligenz ihres leiblichen Vaters und der wissenschaftlichen Methodik ihres Ziehvaters, findet heraus, dass sie nicht die ist, die sie immer dachte zu sein. Was sie zu Recht sauer auf ihre Mutter macht und ihr den Zeitreise-Bullshit natürlich nicht glaubt.

Claire wiederum findet nicht nur heraus, dass Roger McKenzie der Nachfahre von Geilis (Lotte Verbeek) ist, sondern auch dass die Schottlandaktivistin, die jetzt noch Gillian heißt, auf dem Sprung in die Vergangenheit ist, in der sie als Hexe verbrannt werden wird. Das können alle drei zwar nicht verhindern, aber immerhin sehen sie durch die Steine gehen und somit ist zumindest das „Meine Mutter hatte einen Geliebten und lügt mich an“-Gerede vom Tisch. Genau diesen Moment suchen sich die Turteltäubchen dann auch aus um Claire zu eröffnen, dass Jamie gar nicht in Culloden ums Leben gekommen ist. Rumms.

Meanwhile in 1746

Das alles würde schon locker eine 90 Minuten-Episode alleine füllen, aber wir hätten ja noch den Tag des 16. April 1746.

Am Anfang des Tages stellen Claire und Jamie (Sam Heughan) erneut fest, dass alles, aber auch alles, was sie getan haben, umsonst war. So kommen sie zu dem, was Murtagh (Duncan Lacroix) schon in Paris vorgeschlagen hat - Prince Charles (Andrew Gower) als Anführer des Aufstandes zu ermorden. Nach dem Motto - kein Anführer, keine Schlacht. Leider wird dieses Vorhaben durch Dougal (Graham McTavish) verhindert - wobei nicht so ganz klar ist, ob die Flasche mit dem Gelben Jasmin wirklich im Kampf zersprungen ist. Oder ob unsere beiden Helden es nicht mehr tun, weil sie Dougal gemeinsam erstochen haben. Jedenfalls schicken sie danach Fergus mit einer rückdatierten Besitzurkunde für Lallybroch heim, um ihn in relative Sicherheit zu bringen. Danach wird Murtagh beauftragt, Jamies Männer (und sich selbst) unauffällig nach Hause zu bringen (was dieser natürlich nur zur Hälfte tun will, der sture Schotte). Was bleibt, ist mit Claire zum Steinkreis zu reiten, um sie und ihr Ungeborenes zu Frank zu schicken. Um des Kindes willen willigt sie ein und geht in tiefster Trauer zurück.

Soweit die Fakten.

Jamie versucht alles um Culloden in %26bdquo;Outlander%26ldquo; zu verhindern. © Starz
Jamie versucht alles um Culloden in %26bdquo;Outlander%26ldquo; zu verhindern. © Starz

Gutes und Schlechtes

Selten war ich so hin und hergerissen, was ich von der Folge halten soll.

Wir erinnern uns: Die gesamte zweite Staffel drehte sich darum, Culloden zu verhindern. Claire und Jamie haben ihre Liebe und ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um die Schlacht nicht geschehen zu lassen. Doch dann wird sie am Ende der Staffel einfach nicht gezeigt. Sicherlich, Moore ist hier sehr nah am Buch, auch wenn er viele andere Details verändert hat und in dem Moment, in dem er wusste, dass er eine dritte Staffel bekommt, war es wahrscheinlich klar, dass die eigentliche Schlacht erst in der nächsten Staffel zu sehen sein wird. Aber es war doch irgendwie unbefriedigend und man kam sich irgendwie betrogen vor. Es wird schwer sein, diesen Spannungsbogen über die Pause hinaus zu retten.

Dann gab es Details, die nicht so richtig passten: Man hätte Charles immer noch umbringen können, es hätten sich Mittel und Wege gefunden, nachdem Dougal tot war, aber diese Kleinigkeit wurde so schnell wieder fallengelassen, wie sie aufgekommen war.

Gibt es noch eine Lösung in %26bdquo;Outlander%26ldquo;? © Starz
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Dann die Sachen, dass Claire schwanger ist und Jamie es weiß, weil sie zwei Monate ihre Tage nicht bekommt. Mal ehrlich, die beiden sind seit Paris seit einem Jahr auf Reisen, die letzten acht Monate davon hatten sie nicht immer genug zu essen, sie froren und Schlaf war auch nicht immer genug da. Dazu die Sorgen um die Männer und Culloden, doch Jamie hat Zeit, sich den Zyklus seiner Frau zu merken? Das nenne ich mal eine Fokussierung auf das nicht Offensichtliche.

Auch waren die Zeitsprünge nicht immer nachvollziehbar. Brianna findet heraus, dass sie nicht ihres Vaters Tochter ist und Claire kommt mit einer Geschichte der Urkunde zur Übertragung von Lallybroch - huh? Was sollte das? Da hatte das eine mit dem anderen nicht wirklich etwas zu tun.

Aber was ich am traurigsten fand - die Zeitsprünge in die Zukunft haben den Fokus von der Vergangenheit genommen. Nicht nur von der Zeit her, die sie in Anspruch nahmen, auch von der Qualität her. Tatsächlich war in der gesamten 60er Jahre Zeitlinie nur eine einzige Szene, die ich absolut over the top und damit nicht gelungen fand. Die letzte Einstellung mit der aufgehenden Sonne über den Steinen und einer „I have to go to him“ murmelnden Claire war selbst für hoffnungslose Romantiker ein wenig zu viel Groschenroman und der Staffel nicht würdig.

Davon abgesehen war der gesamte Plot um Roger, Brianna und Claire einfach gut und spannend gemacht. Er war in sich schlüssig und man hatte das Gefühl, dass sich etwas entwickelt. Es wurde deutlich, wie Claire eine gute Mutter und erfolgreiche Frau geworden ist, auch wenn sie einen Teil von ihr für immer im 18. Jahrhundert gelassen und sich nie völlig auf ihr neues Leben eingelassen hat. Sie war immer ein wenig reserviert ihrer Tochter gegenüber - jetzt öffnet sie sich.

Die Romanze zwischen Roger und Brianna ist ebenso glaubhaft wie schön. Bei beiden stimmt die Chemie, die Geschichte wird wunderbar aufgebaut und ihre Interaktionen mit Claire sind spannend und wunderbar anzusehen. Sehr klasse übrigens die Szene, als Brianna Claire zur Rede stellt und Roger eigentlich gar nicht da sein will, Brianna ihn aber nicht gehe lässt. Ich hoffe wirklich, wir bekommen mehr davon.

Abschied für Claire und Jamie in %26bdquo;Outlander%26ldquo; © Starz
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Fazit

Eine sehr gemischte Folge. Ich glaube, was mich am meisten ärgert ist, dass wir in der Mitte der Staffel so viel Zeit mit Unwichtigem verloren haben und jetzt in den letzten 90 Minuten Stoff für vier Episoden reingelegt wurde. Man hat einfach das Gefühl, dass die Vergangenheit dabei ein wenig zu kurz gekommen ist. Das ist schade und das haben die Schotten absolut nicht verdient. Aber man kann sich seine Staffelabschlüsse nicht selbst backen.

Der Rest hingegen war durchaus sehr gut gemacht und macht Lust auf die dritte Staffel. Und deswegen, und weil ich weiß, es dauert, bis wir wieder etwas zu sehen bekommen, gibt es trotzdem noch 4 Sterne.

Verfasser: Sabine Stevenson am Sonntag, 10. Juli 2016

Outlander 2x13 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 13
(Outlander 2x13)
Deutscher Titel der Episode
Die geliehene Zeit
Titel der Episode im Original
Dragonfly in Amber
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 9. Juli 2016 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 10. Juli 2016
Regisseur
Philip John

Schauspieler in der Episode Outlander 2x13

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