Outlander 3x01

© lack Jack Randall in „Outlander“ / (c) Starz
Schon in der zweiten Staffel von Outlander wurde klar, dass die Verfilmung des dritten Buches eine Herausforderung werden wird. Es müssen nicht nur insgesamt drei Zeitsprünge zusammengebracht werden, sie sind auch noch Jahrhunderte voneinander entfernt, spielen auf verschiedenen Kontinenten, es gibt unterschiedliche Charaktere und noch nicht mal die Zeitdauer ist dieselbe.
Die Auftaktepisode The Battle Joined geht in Jamies (Sam Heughan) Welt über ein paar Tage, in Claires (Caitriona Balfe) über mehrere Monate. Es muss also etwas anderes geben, was den Plot irgendwie zusammenhält. In diesem Fall bedeutet das, salopp ausgedrückt: „Hinfallen, aufstehen, Staub abklopfen, Krone richten, weitergehen.“ Oder anders ausgedrückt: „Wie zum Geier soll man weiterleben, wenn man gerade alles verloren hat, was im Leben wichtig ist?“
Am Ende von „The Battle Joined“ halten beide ihren Grund in Händen, warum sie weiterleben. Doch so weit sind wir noch nicht. Fangen wir mit den ersten beiden Zeitlinien an, die nicht nur lediglich ein paar Stunden auseinander liegen, sondern auch am gleichen Ort spielen.
Die Schlacht ist geschlagen
Jamie liegt mehr tot als lebendig auf dem Schlachtfeld. Auf ihm liegt ein offensichtlich toter englischer Soldat, von dem wir schon ahnen, dass es sich um Jack Randall (Tobias Menzies) handelt. Um ihn herum Tote und wenige Verwundete, die von den Engländern regelrecht abgeschlachtet werden. Vor seinem geistigen Auge laufen immer wieder Szenen aus den letzten Stunden ab - das letzte Treffen mit dem völlig überforderten „Mark me“-Prince Charles, die Schlacht, seine Männer, der Abschied von Claire und das letzte, tödliche Zusammentreffen mit Black Jack Randall.

Ob man blutige, realistische Schlachtszenen nun mag oder nicht - „Outlander“ ist sich treu geblieben, es wird nichts verharmlost oder beschönigt. Die Schlacht von Culloden ist brutal, blutig, grausam und dreckig. Sie hat absolut nichts von den romantischen, sauberen Darstellungen von Schlachten, die immer noch gern gezeigt werden, um dem Zuschauer einen wohligen Schauer über den Rücken fahren zu lassen. Gleichzeitig verzichten die Produzenten aber auf zu detailgetreue Darstellungen, in denen Eingeweide und Hirne nur so durch die Luft fliegen, weil die Devise gerade „mehr hilft mehr“ zu sein scheint und man gern einen Eimer für etwaige rausfließende menschliche Exkremente unter den Fernseher stellen möchte.
„The Battle Joined“ ist somit eine sehr gelungene Mischung aus realistischer Darstellung der Schlacht einerseits, aber auch der Fokussierung auf die Handlung andererseits. Genau deswegen geht auch der letzte, finale Kampf zwischen Randall und Jamie nicht unter, sondern bekommt den Raum eingeräumt, den er braucht. Zugegeben, die Endszene zwischen den beiden mag leicht überzeichnet sein, aber sie ist eben auch ein Symbol dafür, dass Randalls Tod das Letzte war, was Jamie noch tun wollte. Zumindest, nachdem er seine Männer in Sicherheit gebracht sowie seine Familie versorgt hat und seine schwangere Frau aus der Zeitlinie entflohen wusste. Damit konnte er jetzt mit seinem Leben in Ruhe abschießen.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden sterben
Doch ein Mann kann nicht in Ruhe sterben, wenn man ihn nicht lässt. In Jamies Fall holt ihn eine gute Tat in Gestalt eines englischen Offiziers ein, Lord Hal Melton (Sam Hoare), dessen Bruder John Grey Jamie einst verschonte. Dieser Offizier hält im Übrigen die Balance und verhindert, dass alle englischen Soldaten als sadistische und gefühllose Bastarde in die Geschichte der Serie eingehen.
Zwar ist Lord Melton ein Soldat durch und durch, der seine Befehle hat und sie bis auf eine Ausnahme auch ausführt, aber er tut es in einer Art und Weise, die den Schotten einen letzten Rest Ehre erhält. Für den Menschen des 21. Jahrhunderts mag es ziemlich egal sein, ob man durch die Kugel oder den Strick stirbt. In der Lesart der damaligen Zeit wurden jedoch nur Gesetzesbrecher erhängt, ehrbare Soldaten wurden erschossen. Aufrecht. Diesen letzten Respekt zollt Melton den Schotten.
Ehrenmann, der er ist, respektiert er aber auch die Schulden seines Bruders als Familienschulden und wenn das bedeutet, dass er Jamie laufen lassen muss, dann sei es so. Ehrenschulden wiegen mehr als Befehle. Egal, ob alle Beteiligten damit einverstanden sind oder nicht. Denn was für Lord Melton schlicht eine unerwartete Unannehmlichkeit ist, ist für Jamie keine Option. Er will sterben, er bettelt um seinen Tod - doch er ist nicht in der Position, etwas zu fordern.
So wird er auf einen Karren verladen und nach Lallybroch gebracht, wo ihn Jenny (Laura Donnelly) und Ian (Steven Cree) empfangen. Jetzt liegt es an ihm, zu überleben und den Willen für ein neues, sinnvolles Leben zu finden. Aber Jamie wäre nicht Jamie, wenn er Dinge, die er ändern kann, akzeptieren würde. Sein ausgestreckter Arm zu Jenny ist Beleg dafür, dass er es versuchen wird.

Von einem Korsett ins nächste
Geht man von Jamies Situation aus, könnte man annehmen, dass Claires eigentlich recht komfortabel ist. Frank (Tobias Menzies) hat ein sehr großzügiges Haus in Boston besorgt und bemüht sich nach Kräften, ihr wieder näherzukommen. Doch Claire hält ihn auf Abstand - denn auch sie hat alles verloren, was ihr wichtig ist. Mehr noch, sie hat Jamie nicht nur verlassen müssen - nach allem, was sie weiß, ist er in den sicheren Tod gegangen. Dazu ist sie schwanger, mit allen hormonellen Schwankungen, die dieser Zustand schon unter normalen Bedingungen mit sich bringt. Getoppt wird das Ganze noch dadurch, dass ihr Gatte in dieser Zeit aussieht wie ihr schlimmster Feind einer anderen Zeitlinie. Da darf man schon mal eine depressive Phase haben.
Es hilft auch nicht, dass Ende der 1940er und Anfang der 1950er Frauen rein auf das Hausfrau- und Muttersein nach dem Kriegsdienst reduziert wurden. Claire war aber nicht nur im Krieg Krankenschwester, sie hat auch im 18. Jahrhundert gearbeitet und war mehr oder minder selbstbestimmt. Obwohl Frank durchaus progressiv ist und weiß, dass seine Frau wohl niemals das Mütterchen am Herd sein wird, macht ihr die gesellschaftliche Struktur in Boston schwer zu schaffen. Ihre Fremdbestimmtheit gipfelt darin, dass sie kurz vor der Geburt vom Arzt übergangen wird und ihr nicht erlaubt wird, überhaupt ein Wörtchen zum Thema Geburt mitzureden.
Wofür wir leben
Noch ein Wort zu Frank - so wie der englische Lord Melton ist auch Frank ein Charakter, der den Zuschauer wunderbar ambivalent zurücklässt. Natürlich ist kein echter „Outlander“-Fan Team Frank, aber es ist verflucht schwer, ihn zu verteufeln. Man stelle sich vor, man verliert einen geliebten Menschen, der einfach weg ist. Dann ist er wieder da, schwanger, tischt eine krude Geschichte auf und hält einen immer eine Armeslänge auf Distanz. So sehr man Claire auch versteht, dies hier ist ein klassischer Fall von „Man kann alle verstehen, irgendwie“.
Denn Frank macht im Grunde alles richtig, er verteidigt sie sogar bis zu einem gewissen Grad vor seinem Boss. Doch er kommt nicht an sie ran und weiß, dass er nie wieder in ihrem Herzen die erste Rolle spielen wird. Damit ist sein Ultimatum für sie mehr als verständlich. Kleine Randnotiz: Hat beim Streit am Frühstückstisch noch jemand darauf gewartet, dass er ausflippt und ihr gegenüber handgreiflich wird, so wie es Jack Randall tun würde? Stattdessen war er die Stimme der Vernunft, während eine trauernde, wütende und hormonell geplagte Claire tätlich wurde.
Aber wie dem auch sei, die Tochter ist geboren und für beide ist es der Zeitpunkt für einen Neuanfang. Für Claire, weil sie jetzt den lebenden Beweis in den Händen hält, dass sie im Hier und Jetzt lebt, sich zusammenreißen muss und ihrem Kind verdammt noch mal eine Zukunft zu bieten hat. Für Frank, weil er tief in sich drin wohl ahnt, dass es das einzige Kind ist, das er je haben wird, und weil er, wenn alles gesagt und getan ist, ein anständiger Kerl ist.

Fazit
Ich gebe zu, ich war nicht so sonderlich aufgeregt, was die dritte Staffel anging. So ein klein wenig war die Luft raus.
Es hat aber keine fünf Minuten gedauert und ich war wieder drin - bei „The Battle Joined“ stimmt einfach alles. Wenn Outlander eins immer gut konnte, so war es der Umgang mit Rückblenden, aber ich wage die Behauptung, dieses Mal hat sich die Serie selbst übertroffen. Die nahtlosen Übergänge der einzelnen Stränge ohne jegliche Brüche sind nicht nur beeindruckend und fügen sich passend ein, sie machen auch einen Großteil dessen aus, warum man keine Sekunde verpassen will.
Als Zuschauer wird man jedes Mal wieder von den unterschiedlichen Atmosphären der drei Stränge eingefangen, was einerseits anstrengend ist, einen aber andererseits auch immer wieder mitnimmt. „The Battle Joined“ ist so bildgewaltig und musikalisch passend untermalt, dass man gar nicht anders kann, als beeindruckt zu sein.
Dazu kommt, dass es dieses Mal eben keine klassisch guten oder bösen Charaktere gibt, man kann mit allen mitfühlen, kann jeden verstehen, was wiederum einige Taschentuchmomente beinhaltet. Wenn es ein Serienauftakt geschafft hat, dass ich die nächste Folge nicht abwarten kann, dann ist es dieser hier.
Bis dahin gucke ich die Folge einfach noch mal. Jemand noch ein Taschentuch?
Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 11. September 2017Outlander 3x01 Trailer
(Outlander 3x01)
Schauspieler in der Episode Outlander 3x01
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