Outlander 2x12

Die Episode The Hail Mary ist gekennzeichnet von Verzweiflungstaten, Verlusten und Menschen, die gezwungen werden, etwas zu tun, was sie aus tiefster Seele verabscheuen. Aber selbst das ist erst ein Vorgeschmack zum Vorhof der Hölle.
Bis die Tode Euch scheiden
Fünf Monate ist es her, dass wir Claire (Caitriona Balfe) und Jamie (Sam Heughan) das letzte Mal gesehen haben. Seitdem irren sie durch Schottland, kommen in Inverness an und stellen fest, wie abgerissen und hungrig die ehemals so stolzen Highlander mittlerweile sind. Immer noch tun Jamie und Claire alles, um Culloden zu verhindern, sie greifen auch nach dem letzten Strohalm. Dabei hilft - man soll es nicht meinen - Black Jack Randall (Tobias Menzies). Auf den trifft nämlich Claire, nachdem sie über Mary (Rosie Day) in einer Apotheke gestolpert ist.
Wir erinnern uns, Mary hat sich in Vengeance is Mine gerächt und ihren Vergewaltiger umgebracht. Danach wurde sie wohl von den Frasers zur Familie geschickt, taucht aber an der Seite des sehr kranken Alex Randall (Laurence Dobiesz) wieder in Inverness auf. Sie ist verständlicherweise nicht gut auf Claire zu sprechen, hatte diese doch Alexander erklärt, es wäre nicht gut, also so gar nicht gut, wenn er sich um Mary bemühen würde. Das darf man schon guten Gewissens als Betrug ansehen. Nun ist sie schwanger, Alexander todkrank und zu allem Übel taucht auch noch sein Bruder auf - Jack Randall. Dieser wird bei seinem Bruder zum Lamm und bettelt quasi Claire an, ihm zu helfen. Sie fordert im Gegenzug die Stellung der britischen Legion und bekommt sie.

Nun sieht ihr Teil der Abmachung vor, dass sie Alex die Schmerzen nehmen soll, so gut sie kann, heilen kann sie ihn nicht. Bleibt die Frage, was aus Mary und dem Kind wird, wenn Alex stirbt und so unterstützt sie, man glaubt es kaum, den Sterbenden in der Idee, dass „Johnny“ Mary heiratet. Einerseits will Claire natürlich Mary und das Kind versorgt wissen - denn das Kind muss überleben, damit Frank in der Zukunft geboren werden kann. Dafür geht Claire über Leichen, dafür „verkauft“ sie die Freundin auch an einen kranken Sadisten. Aber, und das sei ihr zugutegehalten, sie weiß ja, dass er keine Chance hat, Mary oder das Ungeborene in seine Fänge zu bekommen, denn sein Todestag ist der 16. April - also der folgende Tag. Wie sie selbst sagt, sie macht Mary nicht zu Jacks Frau, sie macht sie zu seiner Witwe. Einer Witwe, der ein beträchtliches Erbe zusteht. So heiraten die beiden also widerwillig an Alexanders Sterbebett und Claire hat zumindest eine Mission erfüllt - Frank wird leben.
Wer bisher der Meinung war, dass Claire sich nicht verändert hat innerhalb der Serie, der sollte es spätestens hier begriffen haben. Die Frau kollaboriert mit dem Teufel um Informationen zu bekommen und sie verkauft ihr liebe Menschen, um noch liebere zu retten. Wer hätte das von ihr gedacht. Oder, um es mit Jack Randalls Worten zu sagen: „My, you would barter over an innocent man suffering? Madame Fraser, you impress me.“
Bruder, mein Bruder
Der andere Todesfall, der uns ereilt, ist Colums (Gary Lewis), der in Inverness auftaucht, einmal um mit Dougal (Graham McTavish) und Jamie zu reden, aber auch um von Claire so was wie Sterbehilfe zu erbitten. Außerdem teilt er ihr mit, dass Geillis Duncan nicht als Hexe verbrannt wurde und ihr damals noch ungeborenes Kind in der Obhut seiner Verwandten ist - ist es doch auch Dougals Kind.
Des Weiteren benennt er den jungen Hamish als seinen Nachfolger und als seinen Berater, solange das Kind noch zu jung ist, nicht etwa Dougal, sondern Jamie, was seinen Bruder nicht unbedingt glücklich macht. Trotzdem, oder gerade deswegen, kommt Dougal noch einmal zurück zu ihm und will mit ihm ein letztes Mal über Dinge reden, die nie gesagt wurden. Doch es ist zu spät - Colum hat das Gift genommen, dass Claire ihm zur Verfügung gestellt hat. All das, was Dougal noch sagen wollte, um seinen Frieden mit seinem Bruder zu machen, verhallt ungehört.

Doch anstatt seiner Wut darüber Luft zu machen, wird Dougal still und trauert um seinen Bruder, wie man es erwartet. Während Jack Randall seine Trauer in der einzigen Art ausdrückt, die ihm möglich ist - Gewalt. Beide Reaktionen auf den jeweiligen Tod waren hochemotionale Momente, so unterschiedlich sie auch waren und sie zeigen, dass niemand wirklich aus seiner Haut kann. Wobei das im Falle von Randalls sogenannten „Impulsen“ eh eher Wunschdenken, als alles andere war.
Und sonst noch?
Ach ja, Culloden. Der letzte Strohhalm, den die Frasers noch hatten, ist abgebrochen. Bonnie Prince Charles und seine Mannen haben die letzte Chance Culloden zu verhindern, indem sie General (LORD?) Cumberlands Geburtstagsparty stürmen (nach der Info des guten Jack Randall), vertan. Damit ist klar: Die Schlacht in Culloden wird stattfinden. Und mit ihr das Massaker. Claire und Jamie hatten nie wirklich eine Chance, es zu verhindern.
Fazit
Die letzte Folge vor dem Finale, in der wir vom Vorhof der Hölle in selbige eingelassen werden. In The Hail Mary wurden noch einmal lose Enden verknüpft, letzte Dinge geklärt und wirklich noch mal alles versucht, was es zu versuchen gab. Die Frage ist eben wirklich, ob Claire so abgebrüht und egoistisch ist, wie sie sich gibt und wenn ja, ob das die Sympathie für die Figur überlebt. Auf der anderen Seite war Outlander immer als Serie mit starken Frauenfiguren angelegt, dann kann man jetzt nicht meckern, wenn eine davon tatsächlich mal durchzieht.
Letzten Endes ist jetzt aber wahrlich nichts mehr offen und wir können uns ganz auf die letzte Episode konzentrieren, die das Ende der Schotten, wie wir sie kennen, besiegeln wird. Ich geh schon mal Taschentücher in der Klinikpackung kaufen.
Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 27. Juni 2016Outlander 2x12 Trailer
(Outlander 2x12)
Schauspieler in der Episode Outlander 2x12
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