Outlander 2x08

© ie Frasers sind zurĂŒck in Schottland. / (c) Starz
Ich habe es schon mal angedeutet: Outlander kann nur komplett Action oder extrem Dialog. Das ist nicht zwingend schlecht. Aber es ist doch manchmal recht mĂŒhsam.
Einmal Kehrtwendung, marsch, marsch!
Die Frasers sind also endlich wieder in Schottland und versuchen sich von Paris und allem, was dort passiert ist, zu erholen. Was auch klappt, bis Jamie (Sam Heughan) ein Brief erreicht. Dieser kĂŒndigt an, dass unser aller Lieblingsprinz mit seinen Truppen auf dem Weg ist, die Briten herauszufordern und die Clans dazu auffordert mitzumarschieren. Gezeichnet unter anderem von Jamie. Gut, gefĂ€lscht, aber das weiĂ ja niemand. Damit sind zwei Dinge sicher: Erstens war alles, was unsere beiden Helden in Paris getan, erlitten und versucht haben, komplett umsonst. Sie haben nichts verhindert und sĂ€mtliche Opfer fĂŒr nichts und wieder nichts gebracht. Das kann einen schon frustrieren. Und zweitens hĂ€ngt Jamie jetzt mit drin. Denn niemand wird ihm glauben, wenn er sagt, diese Unterschrift sei gefĂ€lscht. Damit ist er - wieder mal - auf der roten Liste der Briten, egal was er jetzt tut.
Anstatt nun aber zu fliehen, wie Claire (Caitriona Balfe) in einem Anfall von weiser Voraussicht vorschlĂ€gt, will er bleiben und versuchen, seine Leute zu retten. Seine Logik dabei ist denkbar einfach, aber auch ein wenig verquer. Denn eigentlich haben die Ereignisse bewiesen, dass die beiden nicht in der Lage waren, die Zukunft zu verĂ€ndern - die Schotten werden gegen die Briten marschieren. Doch Jamie ist der festen Ăberzeugung: Wenn er nur genug Leute aufbringt, dann könne man das Ruder noch herumreiĂen und die EnglĂ€nder besiegen.

In genau diesem Punkt hĂ€tte Claire einschreiten mĂŒssen, denn selbst mit ihren (doch eher beschrĂ€nkten) Kenntnissen des Jakobitenaufstandes wusste sie, dass es nie an der Anzahl der MĂ€nner gelegen hat, weshalb die Briten gewonnen haben. Die Schotten waren einfache Menschen, die von der Landwirtschaft lebten, wĂ€hrend die Briten ausgebildete Soldaten mit fĂŒr die Zeit modernen Waffen aufgeboten haben. Sie hatten eine gute Infrastruktur hinter ihren Linien, wĂ€hrend die Schotten mehr als nur improvisieren mussten. Doch sie schweigt dazu und will an Jamies Vision glauben. So trifft Jamie tatsĂ€chlich eine folgenschwere Entscheidung - zu Ende gedacht sorgt er dafĂŒr, dass mehr Menschen in den Tod gehen.
Wobei man aber auch nicht weiĂ, ob das nicht sowieso passiert wĂ€re. Denn das ist das, wo sich Outlander gerade nicht entscheiden kann - ist die Zukunft verĂ€nderbar oder nicht? Oder geht vielleicht sogar beides? Was, wenn die kleinen Dinge verĂ€nderbar wĂ€ren, die groĂen aber nicht? DafĂŒr sprechen die frisch geernteten Kartoffeln, welche die Bewohner von Lallybroch vor dem Hungertod bewahren werden, wĂ€hrend um sie herum die Menschen aufgrund von Missernten sterben werden, wie die Geschichte belegt. Hier war eine Ănderung durchaus möglich. Schwierig, schwierig das alles.
Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht
Sei es, wie es will: Den Entschluss gefasst, ziehen die Frasers zu Jamies GroĂvater Lord Lovat (Clive Russell), dem alten Fuchs, um ihn davon zu ĂŒberzeugen, gegen den britischen König zu ziehen. Ebenfalls anwesend, um Lovat vom Gegenteil zu ĂŒberzeugen, ist ein alter Bekannter: Colum MackKenzie (Gary Lewis), der wie schon in der ersten Staffel eine erstaunliche Weitsicht beweist. Er versucht mit Hilfe von Lord Lovat neutral zu bleiben.
Lovat selbst mag es ganz offensichtlich umgarnt zu werden und so spielt er seine Karten gut. Da er selbst seinen Ruf mit harter Arbeit aufgebaut und zu verteidigen hat, droht er Jamie. Entweder dieser ĂŒberschreibt ihm Lallybroch oder er vergewaltigt Claire. Was ein freundlicher Opa. Doch es zeigt sich, dass Jamie eben sein Enkel ist und so wirft er die Drohung ganz lapidar zurĂŒck - sowas wie ihn wĂŒrde seine Frau zum FrĂŒhstĂŒck vertilgen. Jedenfalls sowas in der Art. Weil die Vorlage einfach zu gut ist und er die esoterische Ader seines GroĂvaters kennt, wirft er noch in den Raum, dass Claire La Dame Blanche ist - eine Hexe.

Ob das nun eine so gute Idee ist? Sicher, es mag in den RĂ€umen der Burg hilfreich sein - aber die Zeiten, in der Hexen verbrannt werden, sind noch nicht vorbei. Colum und eine scheinbar sehr reumĂŒtige Laoghaire (Nell Hudson) sollten Mahnung hierfĂŒr genug sein. Und wo wir gerade bei Laoghaire sind: Wir wissen alle, dass ihr Kniefall vor Claire nicht wirklich reuevoll gemeint und eher dem Druck von auĂen denn innerer Einsicht geschuldet war. Auch dass Claire nicht gut auf sie zu sprechen ist - geschenkt. Dass sie kurz danach die blonde Maid als VerbĂŒndete sucht - riskant, aber okay. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Aber in dieser Situation, in der die VerrĂ€terin sich entschuldigt, war Claire so gar nicht ĂŒberzeugend. NatĂŒrlich versteht man, dass sie auf ihrer Asche tanzen will. Was fĂŒr mich aber nicht einsichtig ist, ist dass sie mit ihr so hart ins Gericht geht, wĂ€hrend sie mit dem Comte St. Germain in der letzten Episode, der immerhin nicht nur sie, sondern auch ihr Ungeborenes töten wollte, doch Mitleid zeigte. Da passt was nicht zusammen.
Wie dem auch sei, die Frasers bedienen sich Laoghaires um den Sohn Lovats, Simon (James Parris), zu manipulieren, was trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer doch sehr direkten Art funktioniert. ZusĂ€tzlich bekommt Claire im rechten Moment eine Vision, die Jamie davor bewahrt Lallybroch zu ĂŒberschreiben - eine der wirklich guten Szenen in The Fox's Lair, in der deutlich wird, wie gut die beiden wieder als Team arbeiten. Claire gibt die Hexe, Jamie macht auch dem Letzten im Raum klar, dass sie den Tod voraussieht, wenn man sich ihm nicht anschlieĂt, Colum kriegt die Krise ob soviel Schauspielkunst, Simon steht endlich mal gegen seinen Vater auf und sagt was er meint, dank Laoghaire.
Obschon es aussieht, als ob sich Lord Lovat davon wenig beeindrucken lÀsst, haben irgendwie doch alle ihr Ziel am Ende erreicht. Lovat unterschreibt das NeutralitÀtsabkommen mit Colum, schickt aber trotzdem seinen Sohn mit seinen Mannen in den Kampf. Jamie hat mehr MÀnner bekommen und trotzdem Lallybroch behalten. Theoretisch also eine Win-Win-Situation. WÀre da nicht das Detail, dass die Schlacht von Culloden bevorsteht.
Fazit
Die Kontrollgruppe war unfassbar gelangweilt, weil genau gar nichts passierte, auĂer dass viel geredet wurde. Ich selbst musste mich sehr anstrengen; man ist nach so viel französisch (teilweise mit Untertiteln) das harte Schottisch nicht mehr gewohnt und muss sich erst wieder einfinden. Doch wirklich schlecht und langweilig war die Folge nicht, sie bereitet sehr viel vor und das tut sie eben auf eine spezifische, eher ruhige Art und Weise. Lord Lovat war wunderbar widerlich und konnte einem bei dem Sohn fast leid tun. Doch die oben angesprochenen Dinge (wie die Ăberlegung, einfach mehr MĂ€nner zu sammeln und dann wird das schon, oder die Hexe Claire in Schottland wieder auferstehen zu lassen), finde ich jetzt nicht so wirklich logisch.
Und jetzt auf in die Wildnis Schottlands.

Outlander 2x08 Trailer
(Outlander 2x08)
Schauspieler in der Episode Outlander 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?