Outlander 2x09

Nur für den Fall, dass man sich gefragt hat - wenn man es nicht verdrängt hatte - wie Claire (Caitriona Balfe) durch den zweiten Weltkrieg gekommen ist: Je Suis Prest gibt darauf Antwort, auch wenn man sie gar nicht hören will.
Gut trainiert ist halb gewonnen
Jamie (Sam Heughan) und Claire machen sich mit Lord Lovats Männern zu einer Art Bootcamp auf, in dem sie die Männer fit machen wollen, um gegen die Briten überhaupt eine Chance zu haben. Es stellt sich sehr schnell heraus, dass Lord Lovat ihnen nicht unbedingt seine Elite mitgegeben hat und selbst davon macht sich die Hälfte vom Acker. Es sind, wie vermutet, Farmer, Handwerker und Stallburschen, die das Kämpfen nicht gelernt haben und die von einer Armee so weit entfernt sind, wie man es sich nur vorstellen kann.
Dazu kommt, dass es um die richtige Vorbereitung Diskussionen gibt - Dougal (Graham McTavish), der ebenfalls mit einigen Männern im Camp eintrifft, mag es traditionell - nackter Oberkörper, bemalte Gesichter und „Auf sie mit Gebrüll!“-Rufe. Jamie jedoch, der für seinen Truppenteil der Oberbefehlshaber ist, sieht es anders. Er hat in einem richtigen Krieg gekämpft und weiß, dass ein Haufen zusammengewürfelter Schotten gegen eine gut ausgerüstete und gut trainierte englische Armee keine halbe Stunde durchhalten würde. Auch ist er der Meinung, dass er Leute braucht, auf die er sich verlassen kann und keine von Dougal unter Druck gesetzten „Freiwilligen“, die bei der ersten Komplikation Land gewinnen.
Dass Dougal, der Onkel und vermeintlich Erfahrenere, das nicht gut aufnimmt liegt in der Natur der Sache. Die Momente, in denen Jamie ihm klar macht, wer hier Herr im Hause ist und das Sagen über die sogenannte Armee hat, waren nicht nur lange überfällig. Sie zeigen auch, wie sehr unser Lieblings-Highlander innerlich gewachsen und hier in den Bergen Schottlands in seinem Element ist. Er wird zum Feldherrn durch und durch mit allem, was dazu gehört - Training, Strategie, Bestrafung. Er ist sich nicht zu schade, auch sich selbst abzustrafen, wenn es denn nötig erscheint. Ein kluger Schachzug, denn mit der (verhältnismäßig moderaten) Auspeitschung und dem Anblick seines bekanntlich schon sehr geschundenen Rückens hat er sich die letzte ausstehende Anerkennung verdient, um sich der Loyalität seiner Männer sicher zu sein. Zumindest ist das der Plan.
Niemals vergeht es so ganz
Claire hat währenddessen ihre eigenen Dämonen der Vergangenheit zu bekämpfen. Die Vorgänge im Camp erinnern sie in fataler Weise an die Erlebnisse, die sie als Krankenschwester im Zweiten Weltkrieg hatte und die sie, wie es scheint, nie so ganz verarbeitet hat. Sie wird immer stiller, redet nicht mit Jamie darüber, um ihn in dieser Situation nicht zu belasten und bricht schließlich zusammen.
Nun steht völlig außer Frage, dass ein posttraumatisches Belastungssyndrom viele Gesichter hat und es noch mehr Arten gibt, wie der Einzelne damit umgeht. Auch die Umsetzung mit den einzelnen Flashbacks war handwerklich sehr gut gemacht und fing die einzelnen Stimmungen sehr gut ein. Und doch - es wollte nicht so richtig funktionieren. Es kam mir so vor, als wolle man Je Suis Prest daran hindern, zu sehr eine „Jamie“-Folge zu werden und deswegen hat man noch so ein klein wenig Claire reingeschoben. Es war weder wichtig noch brachte es die Story weiter noch trug es zu Claires Persönlichkeitsentwicklung bei. Es war über.
Außerdem wäre dieser Ausflug überhaupt nicht nötig gewesen. Denn ihre beiden stärksten Szenen waren zum einen die mit Dougal und dann die mit Lord John William Grey (Oscar Kennedy). Als Dougal versucht, Claire nach altbewährter Manier zu manipulieren, sagt sie ihm sehr direkt, was sie von ihm hält und dass er sich zum Teufel scheren kann. Man kann ja sagen, was man will, aber bei den beiden fliegen ebenso die Funken wie bei Claire und Jamie - nur eben im umgedrehten Sinne.
Die andere Szene, in der Claire brillierte, hat mit einem jungen englischen Aristrokraten zu tun.
Zu ihren Diensten, Mylady
Wobei, auch hier ein kleiner Abstrich - würde Jamie, der ja nun wahrlich die Effekte von Folterungen auch Monate und Jahre später kennt, wirklich einen 16-Jährigen foltern? Das finde ich eher unglaubwürdig. Ob er dazu tatsächlich fähig ist? Wir werden es nicht erfahren, denn gerade als das heiße Eisen die zarte Haut des jungen Aristokraten Lord John William Grey berühren will, legt Claire eine neue Schauspieleinlage ein und gibt die verschleppte englische Dame, die ihre Unschuld gegen die Unversehrtheit des Knaben eintauscht, der wiederum Informationen über die englischen Truppenbewegungen gegen die Tugend der vermeintlichen Lady preisgibt.
Sicherlich, es war ein klein wenig konstruiert, dass sie so kurz nach ihrer „Vision“ in The Fox's Lair wieder die Muse küsst und sie den Tag rettet, aber es war amüsant anzusehen. Außerdem kennen wir alle Outlander - hier passiert nichts ohne Grund. Lord John William Grey wird uns in der einen oder anderen Form wieder begegnen, da können wir wohl sicher sein. Schließlich hat er noch seine Lebensschuld zu begleichen.
Und sonst?
Murtagh (Duncan Lacroix) als Drill-Instructor war einfach wunderbar. Wie er versucht hat, aus einem Haufen Farmern mit Heugabeln disziplinierte Soldaten zu machen, war schlicht grandios. Der Mann hat darin echt seine Aufgabe gefunden.
Ach, und Dougal und seine Männer, wie sie in Braveheart-Manier den Übungsplatz stürmen… Dougal mag einiges an Jahren auf dem Buckel haben, aber für sein Alter ist er noch verdammt gut in Form und durchaus eine Augenweide. Danke dafür!
Fazit
Eine solide Folge, um den Zuschauer darauf vorzubereiten, was da kommen wird. Der Ton wird wieder ernster, aber der Horror der Schlacht, die mit Sicherheit bevorsteht, ist noch nicht da. Es gibt noch heitere Elemente, Hoffnung wird geschöpft. Letztendlich haben wir noch vier Folgen und müssen so langsam Fahrt für die Schlacht von Culloden aufnehmen.
Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 6. Juni 2016Outlander 2x09 Trailer
(Outlander 2x09)
Schauspieler in der Episode Outlander 2x09
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