Outlander 2x10

Diese Autorin ist kein Fan von blutigen Schlachten - weder in Filmen noch in Büchern, auch wenn sie einsieht, dass es aus dramaturgischen Gründen manchmal einfach nicht anders geht. Wer aber die Episode Prestonpans gesehen hat, der muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die Schlacht von Culloden nicht im Nebel versinken wird.
Der alte Mann und das Moor
Es war nicht gelogen, als Jamie (Sam Heughan) Prince Charles (Andrew Gower) erklärte, dass die Clanchefs sich nicht mal aufs Wetter einigen könnten. Zum weiteren Vorgehen gibt es so viele Meinungen wie Anwesende am strategischen Planungstisch. Daran krankt der erste Teil der Folge etwas, dauernd warf jemand etwas in einem anderen Akzent ein, den man nicht zuordnen kann. Weder den Dialekt noch den Mann, der sprach, daher kann man schon leicht aufgeben. Abgesehen davon sind solche Gespräche auch nicht wirklich interessant, wenn man sie komplett versteht.
Doch Jamie ist ein Mann der Tat und versucht, seine Taktik eben mit List und Tücke durchzusetzen. Er manipuliert Dougal (Graham McTavish) so, dass dieser erkundet, inwieweit das Moor zu überqueren ist, das sie von den britischen Soldaten trennt. Zwar muss der Onkel umkehren, weil er beschossen wird und auch noch stecken bleibt - doch er kehrt als Held zurück, genau das, was die schottischen Truppen gebraucht haben. Und das, was Prince Charles für sich geschickt zu nutzen weiß.

In der Zwischenzeit schnappt sich Claire (Caitriona Balfe) einige Frauen und bereitet ein Lazarett vor. Dies tut sie genauso generalstabsmäßig wie Jamie versucht hat, seine Männer vorzubereiten. Dabei hilft ihr, dass sie eine Lady ist - ein Status, den sie mittlerweile sehr gut angenommen hat und ihn gut nutzt. Claire macht sich als Lazarettleiterin/Schwester/Ärztin in Personalunion nicht nur sehr nützlich, sie kommt auch aus ihrer Lethargie heraus, die sie in Je suis prest befallen hatte.
Sie kamen im Nebel
Nun ist der Weg über das Moor versperrt, doch kommt den Schotten ein Einheimischer zur Hilfe, der ihnen einen Weg zeigen will, wie sie sicher zu den Engländern kommen, um diese zu überfallen. Trotz des Risikos entscheidet sich die Mehrheit dafür und bei Nacht und sehr, sehr viel Nebel machen sich die Männer auf.
Aber nicht, ohne vorher für den Fall des Falles ihren Besitz aufgeteilt zu haben. Oder sich am Beispiel von Angus den Kuss einer Lady abgeholt zu haben. Die Stimmung ist eine seltsame - einerseits scheinen alle froh, dass es losgeht, da alle rastlos werden. Andererseits ist eine Schlacht eben immer noch eine Schlacht.
Deutlich spürbar ist Claires Zerrissenheit. Einerseits will sie natürlich, dass die Schotten gewinnen und heil zurückkommen, so wie die Geschichte es sie gelehrt hat. Andererseits weiß sie, dass, wenn die Schotten dieses Mal siegreich sind, sich gar nichts geändert hat und Culloden aller Wahrscheinlichkeit nach so ausgeht, wie sie es kennt.
So ziehen die Schotten in die Nacht, die Briten abzuschlachten. Erwähnte ich, dass ich Schlachtszenen nicht mag? Tue ich immer noch nicht, doch diese hier ist von einer bizarren Faszination und fast eine Schönheit. Ja, es ist Nebel und doch sieht man mehr, als zumindest ich sehen will, aber es passt. Die Szenen überlassen nichts der Fantasie, aber sie haben auch nichts von dieser gerade so modischen „Schaut her', was wir alles zeigen!“-Mentalität. Sie sind eindrucksvoll und stark.
Ein Teil davon ist, dass Fergus (Romann Berrux) seine erste Schlacht erlebt und traumatisiert aus ihr heimkehrt. Im krassen Gegensatz dazu tötet sich Dougal in den Rausch und metzelt alles nieder, was einen Rotrock trägt und nur ansatzweise noch atmet. Übrigens etwas, was den Helden Dougal zum Verlierer der Schlacht werden lässt, als Charles ihn deswegen fast entlässt, weil der die abzuschlachtenden Briten zwischendurch immer mal gern als Brüder sieht, hätte Jamie nicht wieder eine Eingebung gehabt.

Überhaupt Bonnie Prince Charles, genannt Mark me - es mag schlechtere Anführer in der Geschichte gegeben haben, aber nicht viele. So viele Fehlentscheidungen und -einschätzungen kann ein einzelner Königssohn doch gar nicht machen. Langsam beschleicht einen das Gefühl, dass Jamie einen groben Fehler gemacht hat, als er ihn nicht mit in die unmittelbare Schlacht genommen hat. Vielleicht wäre alles anders ausgegangen und Culloden verhindert worden, wäre er dort gefallen.
So aber sind andere gestorben, unter anderem Angus (Stephen Walters), der witzige, zotige Angus, der erst den verletzten Rupert (Grant O'Rourke) zu Claire getragen und seine eigene innere Verletzung verschwiegen hat. Sein Tod macht allen die gesamte, reale Tragweite eines Krieges wirklich bewusst. Um es mit Murtaghs (Duncan Lacroix) Worten zu sagen: „I expected the flavor of victory to taste sweeter.“
Fazit
Als das Gequengel unter den Männern endlich aufhörte, war es eine sehr gute Folge, die Angst vor dem macht, was kommt - im positiven Sinne natürlich. Es sind nicht nur alle Charaktere in Stellung gebracht, es ist auch fast klar, wie Culloden ausgehen wird und dass nichts und niemand mehr den geschichtlichen Ausgang, wie wir ihn kennen, verändern kann. Allen ist klar, dass Angus erst der Anfang von einer großen Anzahl von Opfern sein wird. Die nächsten Folgen werden sehr intensiv, so viel ist klar. Doch wenn die Umsetzung der harten Schlachten und kommenden Entbehrungen so sein werden wie die in Prestonpans, dann wird es auch sehr sehenswert sein.
Verfasser: Sabine Stevenson am Dienstag, 14. Juni 2016Outlander 2x10 Trailer
(Outlander 2x10)
Schauspieler in der Episode Outlander 2x10
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