Outlander 1x09

Ich gebe zu, nach dem ersten Anschauen hat mich The Reckoning etwas ratlos zurückgelassen, was meine Meinung zu der Folge angeht. Anfang und Ende rasant und dynamisch, in der Mitte eher ein wenig langatmig, wenn man nicht so ganz firm in der schottischen Geschichte des 18. Jahrhunderts ist. Wie gesagt, beim ersten Hinsehen.
Ein sehr interessanter Kniff war, dass dieses Mal die ganze Geschichte nicht aus Claires (Caitriona Balfe), sondern aus Jamies (Sam Heughan) Sicht erzählt wurde. Zwar hatte auch seine Voice-over-Stimme durchaus noch Luft nach oben, was die Dynamik angeht, aber der Perspektivwechsel war sehr einsichtsreich.
Wenn Du zum Weibe gehst, vergiss den Gürtel nicht
Die wahrscheinlich längste Sitzung der Filmgeschichte auf einem Fensterbrett fand endlich ihr Ende, als Jamie Claire aus Randalls (Tobias Menzies) Fängen befreite, in dem er nicht nur sein, sondern auch ihr Leben aufs Spiel setzte. Wir können getrost davon ausgehen, dass der Captain das nicht auf sich sitzen lassen wird. Im Nachklang kam es zu der interzeitlich gesehen besten Szene der bisherigen Serie: Jamie ist unglaublich wütend und frustriert, dass Claire nicht einfach das tun kann, was man ihr sagt und wie eine gute Ehefrau einfach da bleibt, wo man sie abstellt. Claire hingegen ist sauer, weil sie nun wirklich nicht sieht, wie es ihre Schuld sein soll, dass sie gekidnappt und fast vergewaltigt wurde. Da klaffen eben nicht nur nur Welten, sondern auch Jahrhunderte auseinander.
Doch nicht nur darüber herrscht Uneinigkeit. Ist Claire noch der Meinung, dass mit einer ordentlichen, mehr oder minder gesitteten Diskussion die Sache aus der Welt ist, ist Jamie ein Mann seiner Zeit. Was bedeutet, dass die Frau für ihr Ungehorsam gezüchtigt gehört und er tut den Teufel, das nicht durchzuziehen. Wobei er auch da die Rechnung ohne seine emanzipierte Frau gemacht hat. Zwar kann sie sich nicht wehren - obschon sie das sehr tapfer versucht -, weil sie ihm körperlich nicht wirklich was entgegenzusetzen hat. Allerdings ist sie sehr wohl in der Lage ihn auf unabsehbare Zeit aus ihrem gemeinsamen Leben zu verbannen.
Wenn auch nur für eine gewisse Zeit, denn am Ende kam dann die Szene, die wohl das limbische System vieler Zuschauer ansprach und uns wieder ins Gedächtnis rief, warum Versöhnungssex angeblich der beste Sex sein soll. Und das in epischer Breite, Game of Thrones lässt grüßen. Wobei die Szene als solche von daher wichtig war, als dass sie den weiteren gemeinsamen Weg von Jamie und Claire aufzeigt - nämlich dass das zu der Zeit klassische Rollenbild aufgehoben ist und die beiden einen gemeinsamen Weg finden wollen/sollen/müssen.

Zwei Brüder sollt ihr sein
Während es in den zwischenmenschlichen Szenen von Jamie und Claire hoch hergeht, werden die globalen Themen wie „wer unterstützt wen im schottischen Wirrwarr“ vorgeblich erst Mal nicht ganz so laut. Wenn auch nicht weniger spannend. Colum (Gary Lewis) findet heraus, dass Dougal (Graham McTavish) nicht nur seine Miete eintreibt, sondern auch Bonnie Prince Charles unterstützt. Eine Tatsache, die der Clanchef so gar nicht klug findet, hat er doch die Mitglieder seines Clans zu beschützen, was aber nicht geht, wenn man eine Rebellion gegen die herrschende Macht mehr oder minder offen unterstützt.
Ein sehr interessantes Detail hierbei ist, dass Colum auch Jamie beschuldigt, mitgewirkt zu haben. Doch Dougal stellt sehr schnell und sehr vehement klar, dass dieser von ihm nur benutzt wurde. Mag Dougal also sein, wie er will - er hat zumindest Ehre im Leib. Wobei diese nicht so weit geht, Colum nicht unter die Nase zu reiben, wer hier den Thronfolger gezeugt hat.
Jamie hingegen sitzt zwischen den Stühlen und entscheidet sich für den Weg der Diplomatie, indem er Colum überzeugt, Dougal gewähren zu lassen, denn es gibt weder eine offene Rebellion noch eine Armee gegen den englischen König - no harm done. Colum willigt ein, denn die Einigkeit zwischen den Brüdern scheint wichtiger als alles andere. Von ihrem Standpunkt gesehen ist das wahrscheinlich sogar nichtig, denn noch weiß niemand, was wir wissen. Außer Claire, aber die wird ja mal wieder nicht gefragt.
Ich wünsch Dir die Hölle auf Erden
Und dann wäre da noch Laoghaire (Nell Hudson). Wir erinnern uns, für sie hat Jamie die Prügel am Anfang eingesteckt, und sie ist ziemlich verliebt in ihren Helden. Nun kann sie zwar auf einer rationalen Ebene verstehen, dass Jamie Claire heiraten musste, um sie zu schützen. Aber das meint ja nicht, dass sie und Jamie nicht die eine oder andere nette Stunde erleben können.
Seine Ablehnung und ihre offensichtliche Reaktion, wie die Zuhilfenahme der schwarzen Magie, bilden noch zusätzlichen Zündstoff, der uns mit Sicherheit noch einige Folgen begleiten wird.
Fazit
Eine sehr wechselhafte und, wenn man genauer darüber nachdenkt, auch mutige Folge. Denn bisher war Jamie der strahlende Ritter mit der weißen Weste auf dem schwarzen Pferd. Jetzt verwandelt er sich in Caveman, ordert sein Weibchen herum und bestraft sie so, wie es ihm beliebt, ohne ihre Seite wirklich verstehen zu wollen. Das Ganze dann unter dem Label „Ja, das ist halt so, wie er sozialisiert ist. Das war damals halt so!“ Hm. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Abgesehen davon, frage nicht nur ich mich, ob ich langsam alt und prüde werde oder ob diese elaborierten, doch sehr detaillierten Szenen nun wirklich sein müssen. Das fand ich in der Länge eher langweilig und ehrlich gesagt auch nicht wirklich überzeugend gespielt.
Auch die politische Entwicklung fand ich anfangs sehr langatmig, wenn man sich die Folge allerdings ein zweites Mal ansieht, entwickelt sich hier der Charakter Jamies sehr viel mehr, als er das bei allen Szenen mit Claire in dieser Folge tut. Dazu gehört auch die Szene mit Laoghaire - er stößt sie nicht sofort weg, sondern er kämpft mit sich. Ehre gegen Sex, die Interaktion mit ihr gehört zu den glaubwürdigsten in The Reckoning und hat einiges wiedergutgemacht.
Promo zu „Outlander“ (1x10): Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 6. April 2015Outlander 1x09 Trailer
(Outlander 1x09)
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