Outlander 1x08

Outlander 1x08

Kaum angefangen, so scheint es, sind wir auch schon beim Staffelhalbfinale von Outlander angekommen. Erst im April geht die Serie weiter und so, wie sie sich mit Both Sides Now in die Halbzeit verabschiedet hat, wird die Zeit bis dahin sehr lang werden.

Ein Herz und eine Seele: Claire und Jamie in „Outlander“ / (c) Starz
Ein Herz und eine Seele: Claire und Jamie in „Outlander“ / (c) Starz

Both Sides Now ist wohl die Folge, die sich am weitesten vom Buch Outlander entfernt. Allerdings beweist die Episode auch, dass das nicht unbedingt schlecht sein muss. Ganz kurz zum Einordnen für die Nicht-Buch-Kenner: So gut wie alle Szenen nach dem Vorspann (mit Ausnahme der Erwähnung von Lord Sandringham), in denen es um Claires Verschwinden geht und die somit im 20. Jahrhundert spielen, waren auch für uns Buch-Snobs neu. Auch die Szene in Randalls Gemächern war eher frei interpretiert. War das nun schlimm? Ich meine nicht. Ganz im Gegenteil.

Tot oder Ehebrecherin

Es beginnt in einer Amtsstube in Inverness, in der Frank (Tobias Menzies) von der Polizei beigebracht bekommt, dass die Suche nach Claire (Caitriona Balfe) aufgegeben wird. Anfangs noch sehr gefasst und kontrolliert, werden seine Reaktionen immer heftiger, während sein Umfeld mehr und mehr überzeugt ist, dass Claire ihn für einen jungen Schotten verlassen hat. Unbezahlbar in diesem Zusammenhang, ist die Referenz des Detective Collins (John Wark) auf Sherlock Holmes, dass manchmal auch das Unmögliche möglich ist.

Nachdem Frank dann auch noch in eine Falle getappt ist, ein räuberisches Pärchen fast umgebracht und damit bewiesen hat, dass in ihm immer noch das Blut von Black Jack Randall fließt, befolgt er den Rat des Reverends (James Fleet), dass es besser für ihn und den Rest der Bevölkerung sei, Inverness zu verlassen.

An diesem Punkt klärt Mrs. Graham (Tracey Wilkinson), die Haushälterin des Reverends, Frank über die Bedeutung der Steine auf und dass sie glaubt, dass Claire in die Vergangenheit gezogen wurde - was Frank gelinde gesagt für eher unwahrscheinlich hält. Er beginnt, sich in das Unvermeidliche zu fügen und bereitet seinen Umzug nach Oxford vor.

Frank hört sich die Steinkreis-Saga in %26bdquo;Outlander%26ldquo; an. © Starz
Frank hört sich die Steinkreis-Saga in %26bdquo;Outlander%26ldquo; an. © Starz

Wie man einen Vergewaltiger tötet

Rund 200 Jahre in der Vergangenheit haben Jamie (Sam Heughan) und Claire eine Art Honeymoon-Picknick und es wird klar, dass zwischen beiden mehr ist, als nur eine Pflichtehe. Jamie hat echte, wirkliche Gefühle für Claire und auch sie lässt sich langsam aber sicher in dieses Arrangement fallen.

Die beiden werden jäh durch einen Bettler namens Hugh Monro (Simon Meacock) unterbrochen, der nach einigem Gratulieren, Jamie erklärt, dass ein Mann namens Harrocks ihn entlasten könnte (wir erinnern uns, auf Jamies Kopf ist immer noch ein Kopfgeld wegen Mordes ausgesetzt) und ihn treffen will.

Vorher jedoch werden unsere Schotten abends überfallen und es zeigt sich, dass Claire sich nicht selbst verteidigen kann - also bringt Angus (Stephen Walters) ihr das kleine Einmaleins der Selbstverteidigung mit dem Messer bei, was im Übrigen von allen anwesenden Schotten sehr begrüßt wird. Eine echte Frau der Highlands hat sich wehren zu können. Punkt. So geschieht es also, dass Claire lernt, wie man mit einem Messer einen Menschen tötet. Zugegeben, sie scheint ein Naturtalent zu sein, denn lange dauert die Lektion nicht, aber die Männer haben ja auch nicht viel Zeit.

Dass sie es keine Minute zu früh gelernt hat, beweist sie, als sie kurz danach ihre Kenntnisse anwenden muss. Beim kurzen Stelldichein mit Jamie, werden sie von zwei Deserteuren überfallen und als einer von beiden die vermeintlich wehrlose Frau vergewaltigen will, nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand und ersticht ihren Angreifer. Jamie nutzt die Gelegenheit und schneidet dem anderen die Kehle durch.

So nah und doch so fern

Der Vorfall lässt Claire einerseits im Schock zurück, andererseits holt er sie aus ihrer eigenen kleinen Blase heraus. Durch ihre durchaus existenten Gefühle für Jamie hat sie sich von ihrem eigentlichen Ziel abbringen lassen: Der Rückkehr zu den Steinen, um in ihre Zeit zurückzukommen. Aber wenn man einmal wieder auf dem richtigen Pfad zurückgebracht wurde, dann ist es ganz einfach. Als Jamie mit den anderen loszieht, Harrocks zu finden, findet sie heraus, dass sie ganz in der Nähe von Craigh na dun ist.

Claire ist Frank nah und doch so fern in %26bdquo;Outlander%26ldquo;. © Starz
Claire ist Frank nah und doch so fern in %26bdquo;Outlander%26ldquo;. © Starz

Währenddessen stellt Frank in der Zukunft fest, dass es nicht schaden kann, sich den Steinkreis zumindest noch einmal anzuschauen. So laufen beide in unterschiedlichen Jahrhunderten auf die Steine zu und scheinen sich gegenseitig zu hören. Diese Szene war ganz unglaublich ergreifend und plötzlich hat man nur noch gehofft, dass Claire den Weg durch die Steine schafft. Es war einfach nur herzzerreißend als die englischen Dragoner sie weg und damit von Frank und ihrer Zukunft mit ihm fortgerissen haben.

Which Gentleman has a rope in his desk?

Doch sie hat, einmal in Fort Williams, immer noch den Vorteil ihres, wenn auch nur rudimentären, Wissens der damaligen politischen Lage. Sie versucht sich mit ihren wenigen Kenntnissen über Jack Randall (Tobias Menzies) und seinem augenscheinlichen Auftraggeber Lord Sandringham aus Randalls Fängen zu befreien. Doch sie pokert zu hoch, nach anfänglicher Verwirrung fängt sich der Captain wieder und lockt Claire in eine Falle, in die sie sehenden Auges tappt.

Womit die Arme zum zweiten Mal innerhalb eines Tages vergewaltigt werden soll, dieses Mal mit Wissen des armen Corporal Hawkins, der einem fast leid tun kann. Dumm, dass er nicht mehr reinkommen sollte, egal was er hört, denn als Jamie mit seinem „I'd thank if you took your hands off my wife“ und einem Revolver im Fenster hockt, würde sich Jack Randall über ein wenig Hilfe sicherlich sehr freuen.

So aber muss er wie wir eine sehr lange Zeit warten, bis er merkt, zu was ein sehr wütender schottischer Ehemann fähig ist.

Fazit

Um es kurz zu machen, für mich war Both Sides Now die beste Folge der Serie bisher. Das hat mehrere Gründe, aber der Hauptgrund ist, dass ich mir vor Spannung fast die Lippen durchgebissen habe. Obwohl ich natürlich zumindest grob weiß, was passiert, hat mich die Handlung mitgerissen.

Ein zweiter Grund war ganz klar die Darstellung von Frank, seiner verzweifelten Suche nach seiner Frau, die ihn sogar zu den Steinen führt, wo er nach dem letzten Strohalm greift. Nicht nur von der Dramaturgie grandios gemacht, auch die schauspielerische Leistung von Menzies überzeugt. Wie schon angedeutet, diese Szenen mit Frank sind für die Serie geschrieben, aber sie sind genau das, was gefehlt hat. Sie zeigen, wie verzweifelt er ist und wie er sich gegen ein Leben ohne sie stemmt. Sie machen deutlich, dass er Claire unglaublich liebt und es wird klar, dass die Liebe der beiden auf Gegenseitigkeit beruht.

Außerdem, endlich, endlich war Claire die Claire, die zumindest ich von Anfang an erwartet habe - mutig, für sich selbst einstehend, leidenschaftlich (über den Sex hinaus meine ich) und clever. Caitriona Balfe wirkt endlich in ihrer Figur angekommen und es war so schön zu sehen, wie sie Randall wirklich schon hatte, bevor sich das Blatt dann leider noch mal wendete.

Wunderbar auch die optische Umsetzung von Both Sides Now. Jamie und Claire im Nebel auf dem Berg - das war ganz großes Kino. Die bedrückenden, gedämpften Braun- und Beigetöne um Frank herum sprechen ihre ganz eigene Sprache. Das Dunkel, das von nur einigen Kerzen innerhalb der Garnison erleuchtet ist, sagt ebenfalls alles. Dazu die Kostüme und die Opulenz - wäre man der Serie nicht wohlgesinnt, man könnte sich an einen Mantel- und Degenfilm der 60er erinnert fühlen. Ist man wohlgesonnen, so genießt man das Setting mit allem Drum und Dran und lässt sich nur zu gerne entführen.

Ganz herzig übrigens der kleine Roger Wakefield (Rory Burns), der Neffe des Reverends - dass er in einigen Einstellungen vorgestellt wurde, ist ein weiteres Indiz dafür, dass es mehrere Staffeln geben wird.

So fügte sich die Summe der kleinen und großen Dinge zu einer ganzen, rundum wunderbaren Folge zusammen und ich kann mir kein besseres Halbfinale vorstellen - außer, dass es gar keines geben würde und wir bitte einfach weitermachen könnten.

Wer mit Hanna und mir noch mal die ersten Folgen von Outlander Revue passieren lassen möchte, der kann dies übrigens mit dem neuen Podcast tun, der im Laufe des Montags online gehen wird.

Verfasser: Sabine Stevenson am Sonntag, 28. September 2014

Outlander 1x08 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 8
(Outlander 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Im Steinkreis
Titel der Episode im Original
Both Sides Now
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 27. September 2014 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 24. Februar 2015
Regisseure
Anna Foerster, Brian Kelly

Schauspieler in der Episode Outlander 1x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?