Outlander 1x07

Einige Reviews können kĂŒrzer ausfallen, als andere. Vor allem, wenn sich die Folge hauptsĂ€chlich um ein Thema dreht, auch wenn es sich um drei Variationen handelt. StĂŒrzen wir uns also mit Claire und Jamie in die Hochzeitsnacht.
Die Hochzeit findet statt
Dass Claire (Caitriona Balfe) von Haus aus nicht die romantischste aller Frauen auf diesem Planeten ist, beweist sie bei Franks (Tobias Menzies) Heiratsantrag, als er sie bittet „Mrs. Frank Randall“ zu werden. Ăbrigens eine Tatsache, die wir nie aus den Augen verlieren sollten - Claire ist kein Kind unserer Zeit. In den 40ern des ausgehenden Jahrtausends tickten die Uhren noch ein wenig anders, ganz egal wie unkonventionell man aufgewachsen ist.
Daher wundert es vielleicht gar nicht so sehr, dass sie ihre Hochzeit - auch aufgrund ihres ganz erstaunlichen, fast schon besorgniserregenden Alkoholkonsums - so schemenhaft in Erinnerung hat, dass Jamie (Sam Heughan) ihr erzĂ€hlt, wie er den Tag erlebt hat. Die RĂŒckblenden waren so geschickt gewĂ€hlt (wenn sie auch die Hölle fĂŒr jeden Reviewer sind), dass der Abend nicht zu langweilig wurde. Jedenfalls fĂŒr den weiblichen Teil der Zuseher.
Womit wir auch gleich schon bei Awe-Moment Nummer eins wĂ€ren: „You have my name. My Clan. My family. And if necessary I protect you with my body.“ Was in den Highlands des 18. Jahrhunderts nicht die schlechteste Option ist. Genau das fasst auch zusammen, warum er sie augenscheinlich geheiratet hat - um sie vor Randall zu beschĂŒtzen. Vorgeblich erst mal.
Es bedarf Rupert (Grant O'Rourke) und Angus (Stephen Walters), die Dinge ins Rollen zu bringen, denn schlieĂlich sind sie die Zeugen des ehelichen Vollzugs. Also macht sich unser Hochzeitspaar auf, ihre ehelichen Pflichten zu erfĂŒllen. Wobei es bei diesem ersten Mal auch nicht bleibt, was allerdings dem Plot eher zutrĂ€glich ist. Jemand, der noch nie Sex hatte, kann einfach keine Ahnung von Tuten und, nun, Blasen haben und ewig lange aushalten. So fand die Entjungferung von James Alexander Malcom MacKenzie Fraser nur halb entkleidet auf einem mit Fellen ausgelegten Bett ziemlich unprĂ€tentiös und klischeehaft statt.
Aber: Nach einem kurzen Intermezzo, bei dem sĂ€mtlichen Zeugen dann klar wird, dass die Ehe vollzogen wurde, geht es weiter. Halt, Dougal (Graham McTavish) gibt noch RatschlĂ€ge und Tipps. Anscheinend nur, weil er das alles aus den verschiedensten GrĂŒnden hinter sich bringen will. Und doch willigte er tags zuvor noch in eine kirchliche Hochzeit ein (jetzt wissen wir, woher all die schönen Kirchenfenster kommen), einen vernĂŒnftigen Ring und ein Kleid fĂŒr Claire (Ned Gowan...wun-der-bar) zu besorgen. Das waren die geschickt gewĂ€hlten Kleinigkeiten, die verhindert haben, dass die Folge allzu erhaben wirkt.

Dann Awe-Moment Nummer zwei:„I never forget. I came out of the church and I saw you for the first time. It was as if I stepped out on a cloudy day and suddenly the sun came out.“ Was die anwesenden Schotten, allen voran Dougal, wohl ganz Ă€hnlich sahen.
Die Hochzeit selbst, nach religiösem und schottischem Ritus, verblasste daneben etwas, zumal es gleich danach zu einem der Highlights kam - Jamies durchaus wohlgeformter Hintern in Aktion, was Tausende von Fandamen mehr als nur aufseufzen lieà (in diesem Zusammenhang - kann irgendjemand Claire mal etwas zu essen geben?). Gleich gefolgt von seinem sehr trÀumerischen Gesichtsausdruck, als Claire nicht mehr nur Schimpfworte in den Mund nimmt.
Als Jamie dann selig vor sich hinschlÀft, wer will es ihm verdenken, trifft Claire unten auf Dougal und endlich wird klar, warum er den ganzen Tag schlechte Laune hat - er begehrt sie selbst und sieht, nach ihrer Weigerung sich auch ihm hinzugeben, seine Felle davonschwimmen. Das verspricht den einen oder anderen Konflikt zu geben.
Derweil wacht Jamie auf und legt Claire die Perlen seiner Mutter um und beweist damit, dass nichts eine nackte Frau so sehr kleidet wie eine schöne Kette. Was zu Awe-Moment Nummer drei fĂŒhrt: „They belonged to my mother. One of the few things I have left from her. They are very precious to me. As are you, Claire!“
Das muss, jede Frau aus Fleisch und Blut wird mir da zustimmen, belohnt werden. Was im Ăbrigen die Kontrollgruppe mit „Was, schon wieder? Ich sag ja, Frauenporno! Mir glaubt ja keiner.“ kommentierte.
Doch da am nÀchsten Morgen alles anders aussieht, verfliegt die Euphorie bei Claire in dem Moment, in dem sie auf ihre HÀnde mit beiden Hochzeitsringen starrt.
Fazit
Jemandem was aufgefallen? Wenn man sich im Gegensatz zu The Wedding noch einmal die erste Folge Sassenach anschaut, dann fÀllt eine Parallele ins Auge: Claire hatte dort drei Mal Sex mit Frank, einmal davon war Oralsex und es wurde von Mal zu Mal leidenschaftlicher und besser. Moore ist ein zu guter Produzent, als das es Zufall ist. Es zeigt ganz klar, dass er damit klar macht, wie sich beide in Claires Herz schleichen. Sehr geschickt gemacht.
An dieser Stelle muss ich meinem Kollegen Mario Abbitte leisten. Im ersten Outlander-Podcast hatte er die politisch korrekte Genderkappe auf und hat zur Diskussion gestellt, dass es eine Frauenserie ist und dass das an sich nichts Abwertendes ist, auch wenn das in der allgemeinen Wahrnehmung so zu sein scheint. Damals habe ich ihm widersprochen. Nach The Wedding sollte auch dem Letzten klar sein, dass die Zielgruppe ganz klar bei den Frauen liegt und das, verflucht noch einmal, ist lediglich eine Feststellung und keine Wertung. AuĂerdem wurde bewiesen, dass diese Zielgruppe sehr gut bedient wurde - um mal im Bild zu bleiben.
Die Kontrollgruppe meinte dann auch sehr richtig, dass der Impuls zum Vorspulen eindeutig auf dem Y-Chromosom gelegen haben wird - dieses Mal, wobei ihm das ja auch nichts genĂŒtzt hĂ€tte, da die gesamte Handlung fĂŒr die Hochzeit auf Halt gesetzt wurde. Aber gut, er könne das ja verstehen. Irgendwie. Wobei er nicht mehr verstehen kann, warum es so viele Sterne gibt, aber dafĂŒr hat er eben einfach die falschen Hormone.
In einem hat er recht, es war ein sehr hohes Risiko, in The Wedding eben nur diese zu zeigen und sonst gar nichts. Da dies aber mit so viel Liebe zum Detail geschehen ist - der versteckte Ring von Frank beispielsweise - machen aber gerade diese Kleinigkeiten nicht nur die Episode sondern die ganze Serie Outlander so glaubwĂŒrdig.
Dazu gehört, wie gut Claire und Jamie miteinander harmonieren und man ihnen die Leidenschaft abnimmt. Aber eben auch, dass die Waage zwischen Herz und Erotik gehalten wird. Und zumindest ein wenig Humor noch mit einflieĂt. Was sich unter anderem in meinem Lieblingszitat von Claire widerspiegelt: „There it was. Not only was I a bigamist, and an adulteress... but I had enjoyed it as well.“ Aber ich gebe zu, ich bin in etwa so romantisch wie Claire.
Weswegen ich auch nur 4,5 Punkte vergeben habe, denn so ein klitzeklein wenig mehr Handlung hĂ€tten der Folge zur Krönung noch gut getan. Ebenso wie ein Kleid, dass nicht nur wunderschön, sondern auch an der Brust passend gewesen wĂ€re und mich nicht mit Druckschmerz im DekolletĂ© zurĂŒck gelassen hĂ€tte.
NĂ€chste Woche ist dann das Halbfinale und wir werden ein ZwischenresĂŒmee ziehen. Ich bin sehr gespannt.
Outlander: Promo zur Episode 1x08: Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 22. September 2014Outlander 1x07 Trailer
(Outlander 1x07)
Schauspieler in der Episode Outlander 1x07
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