Outlander 1x06

FĂŒr eine Folge, in der die Leute hauptsĂ€chlich miteinander reden, war es tatsĂ€chlich alles aber nicht langweilig. Ganz im Gegenteil, The Garrison Commander war wohl die bisher intensivste Folge von Outlander.
Claire und die britischen Aristokraten
Nachdem Claire (Caitriona Balfe) mehr oder minder gegen ihren Willen in ein englisch besetztes Dorf gebracht wurde, trifft sie dort auf eine Gruppe von augenscheinlich adeligen EnglĂ€ndern, angefĂŒhrt vom Brigade General Lord Thomas (John Heffernan). Diese sind nicht nur Ă€uĂerst entzĂŒckt, in Claire eine englische Dame am Tisch zu haben, sie sind auch das Paradebeispiel der degenerierten Mitglieder der englischen Oberklasse, mit einem Akzent, der fast schon ins Groteske abgleitet. Was sich besonders zeigt, als sie versuchen Dougal (Graham McTavish) runterzumachen, der dies jedoch sehr stoisch mit sehr viel schottischem Stolz ertrĂ€gt und sich nach unten zum Volke verabschiedet, bevor es ernsthaft brenzlig wird.
Nun kann also Claire ihre Geschichte erzĂ€hlen und um Geleit nach Inverness bitten, von wo sie plant schnellstmöglich zum Steinkreis zu kommen. Die begleitete Reise nach Inverness wird ihr gewĂ€hrt, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem Captain Jack Randall (Tobias Menzies) den Raum betritt - ab da geht es bergab fĂŒr Claire. Er lockt sie so sehr aus der Reserve, dass sie anfĂ€ngt die Schotten zu verteidigen, was wiederum den Unmut der englischen Lordschaften nach sich zieht und aus GutmĂŒtigkeit ziemlich schnell Argwohn wird. Genau dort, wo die Stimmung sich gegen Claire wendet, begreift man zum ersten Mal, warum Tobias Menzies als Black Jack Randall gecastet wurde - diese hintergrĂŒndige Abscheu und Ironie, die er zu Tage trĂ€gt als er da am Fenster steht, ist brillant.
Gleich hier am Anfang zeigen sich die beiden einzigen Schwachstellen der Folge. Einmal nĂ€mlich, dass sich die gesammelte Lordschaft aufmacht, die TĂ€ter einer Straftat zu suchen, wĂ€hrend der Commander da bleibt. Das ist etwas unglaubwĂŒrdig, lĂ€sst aber Claire allein mit Randall zurĂŒck, was fĂŒr den weiteren Verlauf unablĂ€ssig ist und somit fast verziehen werden kann.
Zum zweiten, dass Claire sich zu mehr oder minder anti-englischen Kommentaren hinreiĂen lĂ€sst - das passt einfach nicht zu einem Menschen, der verzweifelt nach einem Ausweg sucht und sich eigentlich ihren Rettern anbiedern mĂŒsste. Aber gut, wir schieben es darauf, dass Randall auch sie so manipulieren kann, ohne dass sie es merkt.
Claire und Capitan Randall
FĂŒr den weiteren Verlauf des Zusammentreffens und dessen Logik unablĂ€ssig ist denn auch gleich die erste Szene, in der Randall mit dem gleichen Messer rasiert wird, dass auch noch Frank Mitte des 20. Jahrhunderts benutzt und mit dem Claire ihren Mann rasierte. Diese RĂŒckblende erklĂ€rt sehr plausibel, warum Claire Randall so leichtfertig auf den Leim gehen wird. Sie sieht in ihm immer noch ihren Ehemann aus einer anderen Zeit. Das kann schon mal die Sinne verwirren.

Nach dem ĂŒblichen Katz-und-Maus-Spiel, das die beiden sehr zivilisiert hinter sich bringen und die Weigerung Claires, Dougal ans Messer zu liefern, dann die SchlĂŒsselszene, in der Claire Randall beschuldigt, einen „Scottish Boy“ gleich zwei Mal ausgepeitscht zu haben. Ich erspare mir und den Lesern Einzelheiten ĂŒber den Zustand von Jamies RĂŒcken - nur soviel, die Angst, bestimmte Szenen wĂŒrden zu weichgespĂŒlt dargestellt werden, ist spĂ€testens ab jetzt unbegrĂŒndet. Viel interessanter ist aber auch der Einblick in Randalls Seele und sein Wesen.
Er hatte Claire die Wahrheit versprochen und die hat sie bekommen. SpĂ€testens nach „I think all they could see was the horror. I could see the beauty. I saw the truth. That boy and I we were creating a masterpiece. An exquisite, bloody masterpiece. It was the most beautiful thing I'd ever seen.“ hĂ€tte sie erkennen mĂŒssen, dass er ein sadistischer Psychopath ist, wenn auch ein sehr kluger. Nicht der Krieg mit den Schotten hat ihn zu einem solchen gemacht, er war immer schon einer. Die Belagerung Schottlands war nur eine Entschuldigung, nicht der Grund fĂŒr seinen pathologischen, abgrundtiefen Sadismus.
Doch zu Claires Ehrenrettung sei gesagt, dass sie gerade den Zweiten Weltkrieg hinter sich gebracht hat. Sie hat gesehen, wie der Krieg aus guten MĂ€nnern Monster gemacht hat und so glaubt sie, dass auch in Randall noch etwas Gutes steckt, was sie gedenkt hervorzukitzeln und fĂŒr sich zu nutzen. Leider ist dem nicht so. Nachdem Randall sie niederboxt und dann Corporal Hawkins (Edmund Digby-Jones) befiehlt, die auf dem Boden liegende Claire zu treten („Corporal, have you ever kicked a woman? It's very freeing“) ist klar, hier ist keine Seele mehr zu retten. Dieser Mann ist krank und gerade deswegen sehr gefĂ€hrlich.
Claire und Dougal
Etwas, was Dougal schon lĂ€ngst weiĂ - er war bei der zweiten Auspeitschung Jamies dabei und gedenkt nicht, Claire in Randalls HĂ€nden zu lassen. So stĂŒrmt er in den Raum, stellt sich vor sie (wunderbar, wie Hawkins beim reinen Anblick von Dougal zurĂŒckweicht) und handelt mit Randall aus, sie zur weiteren Untersuchung am nĂ€chsten Abend zurĂŒckzubringen. Augenscheinlich eine ZwickmĂŒhle, denn es ist klar, dass Randall sie auch dann misshandeln wird. Wird sie aber nicht zurĂŒckgebracht, dann ist Dougal Freiwild fĂŒr die EnglĂ€nder.
Doch Dougal wĂ€re nicht der Kriegsherr der MacKenzies, wenn er nicht einen Ausweg wĂŒsste. Nachdem er Claire aus der Quelle der Wahrheit hat trinken lassen (herrlich, Claires Blick, als er ihr erklĂ€rt, dass sie jetzt nicht lĂŒgen kann), ist er ĂŒberzeugt, dass sie keine Spionin ist und jetzt nur noch einen Schotten heiraten muss. Damit wird sie formell zur Schottin und ist nicht mehr Eigentum der englischen Krone, womit er sie nicht ausliefern muss. Da er sie nicht heiraten kann, fĂ€llt diese Rolle - wir ahnen es - Jamie (Sam Heughan) zu.

Claire und Jamie
Es ist wieder nicht viel Zeit, die die beiden miteinander haben, aber am Ende ihres Dialogs rief die Kontrollgruppe sehr erstaunt "What!" aus. Dazu, Achtung, der Buchsnob muss mal ganz kurz wieder rauskommen, muss man wissen, dass der Dialog „Doesn't it bother you that I'm not a virgin?" "As long as it doesn't bother you that I am“, zu den meistgeliebten im gesamten Buch gehört und sehr viele Herzen auf genau diesen Moment gewartet haben. Wenn ich von meinem auf andere Herzen schlieĂen darf - sie wurden nicht enttĂ€uscht.
Fazit
Eines der vielen Dinge, die ganz hervorragend gelöst worden sind bei The Garrison Commander ist die Schlussszene. Nach einer Folge voll Gewalt, in der das Blut nur so tropfte und sich menschliche AbgrĂŒnde auftaten, sehen wir eine Claire, die auf eine MĂ€nneransammlung zugeht, den Ehevertrag in der Hand, sich im Vorbeigehen eine Whiskyflasche greift, Dougal einen vernichtenden Blick zuwirft und einfach geht. Wun-der-bar. Diese Szene gibt etwas von dem Humor und der Leichtigkeit zurĂŒck, um den Zuschauer nicht zutiefst traurig und schockiert zurĂŒck zu lassen.
Was nun die Schauspielkunst von Tobias Menzie angeht, die ich noch im ersten Review als einigermaĂen hölzern bezeichnet habe, so ziehe ich diese Aussage zurĂŒck und behaupte das Gegenteil. Er hat Randall sowohl in den ruhigen Dialogszenen mit Claire als auch in der Auspeitschungsszene mit Jamie so intensiv und glaubwĂŒrdig dargestellt, dass ich hier das wiederhole was ich letztens MacTavish im Bezug auf Dougal attestiert habe. Menzies spielt nicht Randall, er ist es und zwar auf eine sehr verstörend faszinierende Art und Weise. Wenn der Mann nicht in seiner Rolle angekommen ist, dann weiĂ ich nicht wer. Seit The Garrison Commander habe ich fast ein wenig Angst vor den Szenen, die am Ende der Staffel noch kommen werden. Aber auch Balfe scheint mehr und mehr bei Claire angekommen zu sein, in der langen Szene mit Randall hatte ich das erste Mal das GefĂŒhl von Wahrhaftigkeit in ihrer Darstellung.
Insgesamt hat „The Garrison Commander“, unglaublich viel fĂŒr Outlander getan. Sie hat nicht nur Randall die schon angesprochene Tiefe gegeben, sie hat auch die Natur der Beziehung zwischen Schotten und EnglĂ€ndern dargestellt sowie die Ausweglosigkeit dargelegt, in der sich Claire wirklich befindet. Im Ăbrigen schadet es nicht fĂŒr die EmotionalitĂ€t, dass ausgerechnet diese Folge, bei der die Briten die Schotten verbal niedermachen, nur einige Tage vor der UnabhĂ€ngigkeitsabstimmung im Schottland der Wirklichkeit ausgestrahlt wurde.
Eine weitere wichtige Sache wird in dieser Episode noch einmal sehr deutlich, auch wenn es schon erwĂ€hnt wurde: Das Setting der Serie ist unglaublich gut. Nicht nur die Landschaft, der aufgeweichte Boden, der Unterschied zwischen der Schankstube und den oberen RĂ€umen, die KostĂŒme - alles das bietet eine perfekte Illusion, der man sich nur zu gerne hingibt.
Und nĂ€chste Woche sind wir dann wohl alle zu einer Hochzeit eingeladen, wenn man der Vorschau glauben darf. Endlich mal wieder was fĂŒrs Herz - auch schön.
Trailer zu âOutlanderâ (1x07):
Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 15. September 2014Outlander 1x06 Trailer
(Outlander 1x06)
Schauspieler in der Episode Outlander 1x06
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