Outlander 1x05

Outlander 1x05

Von der Reise durch die Highlands verspricht Claire sich in der Episode Rent die Freiheit, die sie braucht, um ĂŒber den Steinkreis in ihre eigene Zeit zurĂŒck zu kommen. Leider sehen das Dougal und seine MĂ€nner anders und so verlĂ€uft die Reise nicht ganz so, wie Claire sich das vorgestellt hat.

Claire und Dougal in „Outlander“ / (c) Starz
Claire und Dougal in „Outlander“ / (c) Starz

MĂŒhsam nĂ€hrt sich das Eichhörnchen - aber es ist immer noch schneller als Outlander. Wobei man sich fragen kann, ob Rent wirklich so langsam dahinplĂ€tschert oder ob es einem nur so vorkommt, weil man einen guten Teil sprachlich schlicht nicht versteht. Da hĂ€ngt man natĂŒrlich an jedem Wort, das man zuordnen kann.

Claire und Ned Gowan

Die GesprĂ€che zwischen Claire (Caitriona Balfe) und dem Advokaten Ned Gowan (Bill Paterson) sind schon allein aus diesem Grunde die reine Erholung. Er ist der einzige, der sich die MĂŒhe macht, mit ihr kontinuierlich Englisch zu reden, ihr Dinge zu erklĂ€ren und sich als vertraulicher GesprĂ€chspartner andient. Was sich im Endeffekt dann leider als Trugschluss herausstellt, denn als Claire versucht, ihn vor den Folgen des kommenden Aufstandes zu warnen, erzĂ€hlt er wie ein altes Waschweib genau das Dougal (Graham McTavish) weiter. Womit Claire ihre Rolle als Kassandra mehr als ĂŒbererfĂŒllt hat.

Herrlich ĂŒbrigens die Szene, als es im Wirtshaus zur SchlĂ€gerei kommt und Ned sich sehr angstvoll an Claire klammert, das hatte schon was von Comic Relief und in dieser Folge wurden auch kleine Dinge gern angenommen.

Claire und Dougal

Dougal spielt in Rent die wohl wichtigste Rolle. Nicht nur, dass er derjenige ist, der die Abgaben eintreibt, er hat auch zwei ganz zentrale Funktionen.

Zum einen zeigt sich in Rent wie vielschichtig er ist. Er ist nicht in einfachen Worten zu fassen, der Dougal. Da nimmt er einer Familie die Ziege weg und ein Baby muss hungrig ins Bett gehen, was ihn anscheinend total kalt lĂ€sst und was eine sehr herbe, öffentliche und augenscheinlich weitreichende Auseinandersetzung mit Claire zur Folge hat. Auf der anderen Seite ist er nicht nur verstĂ€ndnisvoll einem Untergebenen gegenĂŒber, der aufgrund einer Ausraubung durch die EnglĂ€nder, keine Abgaben zahlen kann, sondern gibt ihm im Gegenteil noch Korn, damit er seine Familie durch die Woche bringen kann. Sicherlich, es hat was mit Politik zu tun, aber dennoch kann man nicht sagen, er sei wirklich schlecht, kalt und herzlos.

Zum anderen wird Claire klar, dass Dougal ein höheres Ziel verfolgt. Er will die EnglĂ€nder aus dem Land jagen und einen Stuart auf dem Thron sehen - was dann wiederum auch erklĂ€rt, warum er so unbarmherzig hinter Claires Schicksal kommen will, da er sie immer noch fĂŒr eine Spionin hĂ€lt. DafĂŒr kann man sogar VerstĂ€ndnis entwickeln, wenn man sieht, wie die englische Armee mit sogenannten VerrĂ€tern umgeht. Leichen an den Kreuzen mitten im Nirgendwo lassen da sehr wenig Interpretationsspielraum.

Selbst Claire stellt fest, dass vielleicht nicht alles so schwarz und weiß ist, wie sie es sich vorgestellt hat. Was sie allerdings nicht daran hindert auch Dougal Hinweise zu geben, warum sie meinte, dass ein Aufstand eine ziemlich schlechte Idee ist. Was wiederum in ihrer Situation auch nicht wirklich als gute Idee zu bezeichnen ist.

So oder so, die Szenen mit Dougal gehören zu den intensivsten der gesamten Serie - Graham McTavish spielt nicht Dougal, er ist es. Hut ab.

Claire und die Schotten

Wenn diese Folge neben der Charakterdarstellung von Dougal einen Sinn hatte, dann den die VerhaltensĂ€nderung der schottischen MĂ€nner Claire gegenĂŒber. Am Anfang der Reise war sie komplett ausgeschlossen. Nicht nur, dass sie stĂ€ndig außerhalb des Kreises saß (wobei man nicht weiß, ob dies freiwillig geschah oder sie ausgeschlossen wurde). Es wurde, sehr zum Leidwesen des gemeinen Zuschauers, auch stĂ€ndig gĂ€lisch gesprochen. Weder sie noch wir hatten auch nur eine Ahnung, worum es da gehen mochte, auch wenn sie irgendwann wenigstens herausfindet, dass Dougal Geld fĂŒr den Aufstand sammelt, was ihrem Zugehörigkeitsempfinden nicht wirklich zutrĂ€glich war.

Doch wie so hĂ€ufig sieht man seine wahren Freunde erst, wenn es hart auf hart kommt - selbst, wenn man es nicht direkt merkt. So hören sich die Schottenfreunde ein oder zwei bösartige Bemerkungen ĂŒber Claire noch mehr oder minder ruhig an, bevor Angus (Stephen Walters) den Startschuss zu einer ordentlichen PrĂŒgelei gibt, die Claires Ehre wieder herstellen soll, von der sie selbst gar nicht wusste, dass sie in Gefahr war. Denn „Du bist unser Gast, wir dĂŒrfen Dich beleidigen, aber Gott helfe jedem anderen, der es tut.

Ab dem Zeitpunkt war Claire inkludiert und die Zoten werden zwar nicht geschmackvoller, aber sie werden in Englisch erzĂ€hlt. Und Claire? Sie hat soviel Hirn und Verstand, sich nicht empört abzuwenden, sondern schlagfertig was zu erwidern. Vor allem Angus mutiert daraufhin zu dem schottischen Äquivalent eines Gentleman. Da ist einem schon ein wenig das Herz aufgegangen und man ist gewillt einen halben Stern mehr zu geben als die Folge eigentlich verdient hĂ€tte.

Claire und Jamie

Es hat einen Grund, warum dieses Duo wieder am Schluss steht - sie haben nicht viel Zeit miteinander, was sehr schade ist. Denn immer wenn die beiden zusammen treffen, dann ist es wirklich gut und sehenswert. Dabei zeigt die Szene der beiden im Wald sehr genau, dass auf Jamies (Sam Heughan) Schultern ein kluger Kopf gepflanzt ist, wenn er sagt, sie solle sich nicht in Dinge einmischen, von denen sie nichts versteht, und dass es vor allem völlig egal ist, wo sie herkommt. Sie sei jetzt hier. Punkt. Er scheint sie also durchaus sehr realistisch zu sehen.

Was ihn nicht daran hindert, vor ihrer TĂŒr Wache zu halten, damit sie keinen Schaden durch etwaige ĂŒber die StrĂ€nge schlagenden Dorfbewohner nehmen wĂŒrde. Jamies Gesicht, als sie ihn ins Zimmer laden will, war absolut unbezahlbar. Und auch die DeckenĂŒbergabe hatte etwas unbestreitbar romantisches. Aber es wird echt Zeit, dass auch an der Front mal voran gemacht wird.

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Fazit

Ronald D. Moore hat ja ganz zu Anfang gesagt, er setzt das GĂ€lische als Stil-Mittel ein, damit der Zuschauer genauso viel versteht wie Claire und sich in sie hineinversetzen kann. Das ist zwar sehr löblich, aber spĂ€testens gegen Ende der zweiten Pub-Szene, die sich immer wieder wiederholt und bei der man genauso wiederholt nichts versteht, wird es langweilig. Auch Jamies RĂŒcken verĂ€ndert sich von Szene zu Szene nicht wirklich. Dazu kommt, dass die meisten anderen Konversationen der MĂ€nner untereinander in GĂ€lisch verlaufen. Ich verstehe, dass Moore dieses GefĂŒhl des Ausgeschlossenseins und der Einsamkeit klar machen will. Wenn der Zuschauer aber nicht mehr mit der Protagonistin, sondern sich selbst aus der gesamten Handlung ausgeschlossen fĂŒhlt, dann ist das nicht schön. Sogar das Voice-Over wurde als echte Bereicherung empfunden, weil man sich dann wenigstens nicht so komplett verloren vorkam.

Aber nicht nur deswegen ließ die Spannung in Rent sehr zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Sicherlich ist es sehr interessant, wie damals die Abgaben der jeweiligen Dorfbewohner eingetrieben wurden, aber es in dieser AusfĂŒhrlichkeit zu zeigen, war ein wirklich gewagtes Unterfangen, was in diesem Fall zumindest schief gegangen ist. Zumal es sehr voraussehbar war, dass Claire mit einigen Dingen echte Probleme haben wird. Interessant wĂ€re im ĂŒbrigen auch die Frage, ob Claire sich in ihrer Zeit auch so gegen eine absolute AutoritĂ€t aufgelehnt hĂ€tte - wir erinnern uns, Mitte der 40er Jahre des ausgehenden Jahrtausends waren die Frauen nun auch nicht so gleichberechtigt wie sie es heute sind. Die Kontrollgruppe und ich hatten mangels fesselnder Szenen auf dem Bildschirm viel Zeit, darĂŒber zu philosophieren.

Daneben gibt es noch einen großen Kritikpunkt: der Cliffhanger. Mal ehrlich, hat das die Serie nötig? Die Kontrollgruppe und ich haben uns beide nur angeschaut und unisono gesagt „Das war jetzt billig.“ Diese Art von Effekthascherei ist eigentlich der gesamten Serie unwĂŒrdig und war so ĂŒberflĂŒssig wie durchsichtig. Das geht wahrlich besser.

Hoffen wir also mal, dass Outlander zu seiner Form zurĂŒckfindet und Rent nur ein Luftholen vor den richtig spannenden und romantischen Dingen, die da kommen werden, war.

Trailer zu „Outlander“ (1x06):

Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 8. September 2014

Outlander 1x05 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 5
(Outlander 1x05)
Deutscher Titel der Episode
Tribut
Titel der Episode im Original
Rent
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 6. September 2014 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 3. Februar 2015
Regisseur
Brian Kelly

Schauspieler in der Episode Outlander 1x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?