Outlander 1x04

Outlander 1x04

Man könnte The Gathering mit einem Satz umschreiben, der da lautet Claire versucht zu fliehen und scheitert. Das wäre nicht falsch, aber eben auch nicht nicht richtig. Denn im Hintergrund geschieht viel. Man muss nur richtig hinschauen

Jamie in der Episode „The Gathering“ der Serie „Outlander“ / (c) Starz
Jamie in der Episode „The Gathering“ der Serie „Outlander“ / (c) Starz

In The Gathering setzt sich fort, was sich die ersten drei Episoden schon andeutete - wir haben Zeit. Hier wird nichts überstürzt, lieber etwas zu genau als zu oberflächlich behandelt, aber dazu später. Tatsächlich ist „The Gathering“ übrigens eine der Folgen, die gewinnen, wenn man sie ein zweites oder drittes Mal sieht. Wer kann, sollte das probieren.

Claire und Dougal

Das Verhältnis zwischen den beiden ist ja das einfachste nicht. Man nimmt nichts vorweg, wenn man behauptet, dass es eher noch komplizierter wird. Wir erinnern uns, Dougal (Graham McTavish) hält Claire (Caitriona Balfe) für eine englische Spionin und lässt sie bewachen. Nach zu viel Wein am Abend des Treueschwurs rettet er sie erst vor drei ebenfalls trunkenen Clan-Mitgliedern, die sie - na, was wohl - vergewaltigen wollen, nur um genau das dann selbst tun zu wollen (wobei man sich in Dougals Fall darüber streiten kann, ob er sie vergewaltigen oder verführen wollte). Dass Claire sich mit einem beherzten Schlag auf seinen Schädel retten kann, vergisst er in seinem Rausch praktischerweise. Dougal wird mit der Aktion der weiblichen Zuseherschaft noch einen Tick unsympathischer.

Was sich aber ändert, als er den bei der Jagd tödlich verletzten Geordie (Bryan Larkin) nicht nur bis zum Tode hält, sondern diesen auch aktiv durch das Lösen der Schlinge herbeiführt, nachdem er sich bei Claire versichert hat, dass sie nichts mehr für ihn tun kann. Diese Szene ändert viel zwischen den beiden, denn plötzlich gibt es etwas, woran sie gemeinsam arbeiten müssen, um das Beste für einen anderen Menschen herauszuholen. Und sei es ein gnädiger, schneller Tod.

Ironischerweise ist es dieser Tod, für den Dougal so dankbar ist, dass er Claire mit auf eine Reise durch das Land nimmt. Die Tatsache, dass er Claire vor dem wütenden Wildschwein rettet (die Frau, das muss man schon sagen, wird ziemlich oft gerettet), ist dabei fast zu vernachlässigen.

Claire und Geordie

Eigentlich nur eine Randnotiz der Geschichte und doch zeigt diese Szene so viel. Gab es noch irgendwelche Zweifel, so ist jetzt auch dem Letzten klar, dass Claire in der Lage ist, auch sehr unschöne Dinge wie eine Frau durchzustehen. Dass sie in der Lage ist, die richtige Entscheidung mitzutragen. Dass sie mitfühlend genug ist, nicht nur den gnädigen Tod zu gestatten, sondern es auch dem Sterbenden zu erleichtern. Was es aber auch zeigt ist, dass Claire ab jetzt in den Augen der Männer gestiegen ist. Denn diese Geschichte ist eben nicht nur eine, bei der ein Mensch aus dem 20. ins 18. Jahrhundert katapultiert wird. Es ist auch eine, in der eine emanzipierte Frau in eine sehr patriarchalisch geprägte Gesellschaft kommt.

Claire und Jamie

Tja, da hat sie ihn ziemlich reingeritten. Wollte der gute Jamie (Sam Heughan) doch das einzig Richtige machen und sich verstecken, bis der Treueschwur vorbei ist, so macht ihm Claires Fluchtversuch einen Strich durch die Rechnung. Als sie über ihn stolpert, macht er ihr klar, dass sie sofort wieder aufgegriffen wird - kleinere Denkfehler in ihrem fast perfekten Plan tun sich auf. Aber da er ein Gentleman ist, bringt er sie ins Schloss zurück, damit sie nicht wieder einmal irgendwem in die Hände fällt. Tja, da erwischt es ihn dann - er muss vor Colum (Gary Lewis) treten, was ihn so oder so in Schwierigkeiten bringt. Schwört er den Eid, wird er von Dougal und Colum eliminiert, denn dann hat er Anspruch auf den Thron. Schwört er nicht, bringt ihn die Meute um, denn dann wird er als Feind gewertet.

Claire entkommt endlich Castle Leoch entkommen. © Starz
Claire entkommt endlich Castle Leoch entkommen. © Starz

Doch Jamie wäre nicht Jamie, würde er nicht einen Ausweg finden. Er scheint es Claire seltsamerweise auch nicht übel zu nehmen, dass sie ihn in diese Lage versetzt hat, was einiges über seine Gefühle für sie aussagt. Das war es aber auch schon, was sich an Gefühlsduselei zwischen den beiden in The Gathering zeigt. Diese Episode birgt eindeutig mehr Gewalt, denn Romanze.

Claire und die Schotten an sich

Ich habe es schon mal gesagt und ich sage es wieder - der beziehungsweise die Bewacher von Claire sind einfach klasse. Ihre Interaktion ist nicht nur der so dringend benötigte witzige Part. Sie zeigt auch, wie sehr Claire sich anpasst und mehr und mehr in der Lage ist, die Schotten in den Griff zu bekommen. Alleine die Szene, bei der Angus (Stephen Walters) sich über sie stellt und sie fragt, ob ihr gefällt, was sie sieht, ist einfach grandios. Wie sie Rupert (Grant O'Rourke) und Angus nicht nur gegeneinander ausspielt, sondern auch los wird, das ist schon die hohe Schule der weiblichen Manipulation. Aber es zeigt auch, wie sehr sich die Männer an sie gewöhnen.

Dann ist da noch Murtagh (Duncan Lacroix), der nicht nur freimütig die Schwur-Zeremonie übersetzt, sondern ihr auch unmissverständlich klar macht, dass wenn Jamie selbige nicht überlebt, sie ihn quasi auf dem Gewissen hat. Das Leben in Schottland ist hart in der Zeit und Murtagh hält nichts von Kopftätschelei. Man muss ihn einfach lieben. Von so etwas will man einfach mehr.

Was sonst nirgends reinpasst

Das Hockey-Spiel ohne Regeln. Ja, was sollte das? Das kann man jetzt nur vermuten und ich vermute, es hatte zwei Gründe, warum es plötzlich und unmotiviert auftauchte. Erstens musste Dougal, der sich ja nun wirklich gut im Griff hatte und in Geordie einen guten Freund verloren hat, seine Wut und Trauer abbauen, da kommt so ein Spiel gerade recht. Aber natürlich zeigt es auch die Rivalität zwischen Dougal und Jamie, Dougals Angst, er könnte dem Clan schaden und wahrscheinlich auch seinen Grimm, wie gut sich Jamie beim Schwur aus der Affäre gezogen hat.

Fazit

Zugegeben, es war langsam und bei der oberflächlichen Betrachtung könnte man davon ausgehen, dass Moore nicht so richtig weiß, was er da tut. Wie aber die Kontrollgruppe neben mir auf der Couch anmerkte, merkt man deutlich, dass man immer mehr in die Strukturen des Clans hineingezogen wird und dass das Ganze anscheinend schon sehr kompliziert und verschachtelt ist. Man muss sich darauf einlassen können, wenn man es tut, dann bleibt der eine oder andere Aha-Moment nicht aus.

Allerdings könnte es gerne ab und an wenigstens etwas offensichtlicher sein. Beispielsweise hätte Jamie im Stall so etwas sagen können wie „Also eigentlich wollte ich da ja nicht hin, der Schwur kann mich in echte Probleme bringen, aber da Du sonst nicht sicher von A nach B kommst... was soll's also.“ Das wäre nicht ganz so verwirrend gewesen, vor allem, wenn man die immer noch vorhandene Sprachbarriere Englisch - Gälisch bzw. Englisch - schottischer Akzent betrachtet.

Noch mal eine Bemerkung zur Gewalt in Outlander. Ich bin sicher, man hätte zeigen können, wie das Wildschwein Geordie den Bauch aufschlitzt, aber es wurde darauf verzichtet. Die Serie tritt damit sehr bewusst nicht in Konkurrenz zu Game of Thrones, was eine sehr kluge Entscheidung ist. Outlander beschäftigt sich eher mit den Folgen der Gewalt und die sind nicht Angst und Bange zu zeigen. Somit geht Moore weiterhin einen interessanten Weg zwischen „Wir zeigen alles, yeah“ und der heilen Welt vieler Historienschinken. Ich hoffe, er kann das so durchziehen.

Wo wir bei dem sind, was man zeigt: Die jeweiligen Intros enden mit einem anderen Bild - es hat mich vier Episoden gekostet, das herauszufinden. Aber nicht nur das, es sind wunderschöne, stimmige Bilder, die auch einem Buchcover von Gabaldon entsprungen sein könnten. Sehr schöne Einstimmung auf die jeweilige Folge

Womit wir beim Cameo von Frau Gabaldon sind. Sehr nett, verständlich, dass sie dabei sein wollte, aber wir wissen, warum sie Autorin und nicht Schauspielerin geworden ist. Die Frau hat da eine sehr weise Entscheidung getroffen. Wobei die Szene nett und mit Humor gestaltet war.

Wunderbar auch, dass viele der Szenen mit Musik aus den 30er, 40er Jahren des letzten Jahrhunderts untermalt war. Das hat einfach gepasst und zeigte noch einmal die Zerrissenheit von Claire.

Sehr klasse übrigens die Referenz an „The Wizard of Oz“ mit den Zusammenschlagen der Schuhe und dem Aufsagen eines Sprüchleins. Auch wenn man sich darüber streiten mag, ob es eine gute und vor allem glaubhafte Idee war, von der wissenschaftlichen Seite abzuweichen und Claire zur Hexe werden zu lassen.

Alles in allem eine Folge, die eher vorbereitend, den fortschreitend war. Aber schlecht war sie nicht. Beim dritten Mal sehen, wird sie sogar noch besser.

Outlander: Promo zur Epiusode 1x05:

Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 1. September 2014

Outlander 1x04 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 4
(Outlander 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Die Jagd
Titel der Episode im Original
The Gathering
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 30. August 2014 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 27. Januar 2015
Regisseur
Brian Kelly

Schauspieler in der Episode Outlander 1x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?