Outlander 1x02

Es war ein gigantischer Erfolg, den der Pilot Sassenach der Serie Outlander eingefahren hat. Kaum ein amerikanisches Medium, das sich nicht damit befasst hat. Und schon vor der Ausstrahlung der zweiten Episode Castle Leoch und dem Abdrehen der ersten Staffel hat Starz sich entschlossen, auch das zweite Buch von Diana Gabaldon „Dragonfly in Amber“ (deutscher Titel „Die geliehene Zeit“) zu verfilmen „61813“. Es geht also auf jeden Fall weiter. Aber jetzt stehen wir ja erst am Anfang.
Claire and Jamie
Claires (Caitriona Balfe) Reise durch die schottischen Highlands des Jahres 1743 führt sie in die Burg Leoch. Genauer: Sie wird von Dougal (Graham McTavish) und seinen Männern dorthin verschleppt. Da steht sie nun auf dem durchweichten Boden in ihrem dünnen und zerrissenen Kleidchen und wird von Mrs. FitzGibbon (Annette Badland) argwöhnisch bis fast feindselig in Empfang genommen. Aber das Eis beginnt schnell zu tauen, denn Claire beweist ihre Fähigkeiten als Heilerin sehr schnell, indem sie Jamie (Sam Heughan) erneut verarztet.
Da ist sie dann auch schon, die erste Szene, in der man Jamie halbnackt sieht. Und in der er erzählt, wie er zu den Narben auf seinem Rücken gekommen ist: Sein Hof wurde überfallen, seine Schwester Jenny (Laura Donnelly) von Captain Randall (Tobias Menzies) bedroht und Jamie erst vor ihren Augen ausgepeitscht und dann ins Gefängnis abtransportiert. Bei dieser Sequenz zeigt sich deutlich, dass Starz keine Angst vor Gewalt und nackter Haut hat. Zwar spritzt das Blut noch nicht, aber es zeigt doch schon die Intensität, die man gewillt ist zu zeigen.
Intensiv ist dann auch die Szene, in der Claire einen kleinen Zusammenbruch für den Hausgebrauch hat, an Frank denkt und Jamie ihr - in der Annahme, ihr Mann sei tot - versichert, sie müsse vor niemandem Angst haben, er sei für sie da. Hier bekam man eine Ahnung, dass es zwischen Claire und Jamie funktionieren und man ihnen die Liebesgeschichte abnehmen könnte.
Claire und Colum
Eine mehr oder minder frisch gewaschene und repräsentable Claire wird am späten Nachmittag zum Clan-Chef Colum MacKenzie (Gary Lewis) gebracht, der sie näher unter die Lupe nimmt und ihr zusichert, dass sie in fünf Tagen mit einem Krämer nach Inverness ziehen darf - was er dann gegen Ende der Episode Castle Leoch aber wieder zurücknimmt.
Ob es nun Claires Verhalten seinem Sohn Hamish gegenüber war, dass sein Misstrauen geweckt hat, ob es doch Dougals Lakai war, oder die Unterhaltung mit Geillis, die Colum schon lange ein Dorn im Auge ist, oder der generelle Verdacht, dass sie eine englische Spionin sei, oder alles vier zusammen? Wer weiß das schon. Fakt ist, am Ende der Folge wird Claire in ihr neues Reich geführt - das Zimmer des alten, verstorbenen Heilers. Sie ist solange „Gast“ auf der Burg, wie es Colum beliebt. Und es gibt sehr wenig, was sie dagegen tun kann.
Claire und Geillis
Die erste Begegnung mit der für Claire so schicksalhaften Geillis (Lotte Verbeek) ist eigentlich recht verträumt. Sie trifft Claire, als diese nach Pilzen sucht und verwickelt sie in ein interessantes Gespräch über allerlei wirksame Kräutertränke. Auch dem unbeleckten Zuseher wird klar - das wird nicht das letzte Zusammentreffen der beiden sein. Geillis wirkt sehr jung, fast schon naiv in dieser ersten Szene, die die beiden zusammen haben - was allerdings verfliegt, sobald man auf das hört, was und wie sie es sagt.

Ebenso ist es Geillis, die für Claire (und damit für uns) übersetzt, als des Abends der Hall gehalten wird, eine Art Gerichtsabend, bei dem Streitigkeiten in Burg und Dorf geklärt werden. Und bei der Jamie wieder Haue einstecken muss. Dieses Mal freiwillig, da er sich für das Mädchen Laoghaire (Nell Hudson), gesprochen übrigens Lieri, opfert, die von ihrem Vater wegen Ungehorsam angeklagt wird.
Jamie opfert sich, um der Jugendlichen die Schande zu ersparen. Zwar wird ihm das erlaubt, aber die Blicke, die sich Colum und Dougal dabei zuwerfen, sprechen Bände. Ebenso die Tatsache, dass die Strafe in diesem speziellen Fall heftiger als üblich ausfällt. Auch hier wird klar, dass da unterschwellig noch was ganz anderes im Gang sein muss.
Fazit:
Im Podcast zu Outlander habe ich ja gelernt, dass ich ein Buch-Snob bin, weil ich immer wieder aufs Buch verweise. Sorry, ich kann nicht anders. Aber ich kann auch zugeben, wenn etwas abweicht und es trotzdem gut ist. So ist die Tatsache, das Colum Claire nicht sofort behält, sondern ihr erst in Aussicht stellt, bald gehen zu dürfen, nur um sie dann doch als „besonderen Gast“ zu behalten, gar nicht so schlecht. Vor allem, wenn man bedenkt, welche Rolle Geillis noch spielen wird.
Gut auch die Rück- oder sind es in diesem Fall Vorblenden (Zeitreisen sind echt der logische Tod für jeden Rezensenten!) auf ihre Momente mit Frank. Diese Szenen mit ihrem Mann zeigen, wie sehr sie noch an ihm und ihrem Leben hängt und wie fremd sie eigentlich in ihrer neuen Zeit ist.
Noch mal zum Thema Gewaltumsetzung - was mir als nicht unbedingte Liebhaberin expliziter Gewaltszenen aufgefallen ist: Moore übertreibt es nicht. Er findet für mein Dafürhalten einen sehr guten Weg mit durchaus eindringlichen Bildern eines Mannes, der auf mehrere Arten verprügelt wird, ohne dass das Blut aus der Bildschirmecke fließen muss. Ich denke, er hätte gekonnt, wenn er gewollt hätte (und ich bin sicher, spätestens wenn die echten Schlachten in „Dragonfly in Amber“ kommen, wird es sehr viel heftiger), aber er muss niemandem etwas beweisen. Sehr angenehm.
Wirklich angenehm zu verstehen, ist der schottische Akzent hingegen auch in der zweiten Folge nicht. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um alles mitzubekommen. Aber das stört seltsamerweise genauso wenig wie das Gälische - von beidem hört man naturgemäß sehr viel mehr in Castle Leoch. Aber das ist OK, man wächst da tatsächlich mit rein, so wie Moore es vorausgesagt hat.
Ich selbst habe mit Claire immer noch nicht meinen Frieden gemacht. Ich bin zwar noch der Meinung, dass die Gute besser besetzt hätte werden können, aber ich bin nicht mehr ganz so pessimistisch. Obwohl mir ihre Leidenschaft und ihre Spritzigkeit immer noch fehlt. Das gilt im übrigen auch für das Voice-over - ein klitzeklein weniger und mehr Lebendigkeit in der Stimme und Claires Gedanken würden viel besser angenommen werden.
Ach so, und ich hoffe, die Gute passt sich mit dem Essen in Zukunft ein wenig an und isst nicht weiterhin wie ein kleiner englischer Spatz Brotkrume für Brotkrume.
Ansonsten denke ich, dass Outlander auf Kurs ist. Die Szenen mit Colum und Dougal sind weiterhin sehr intensiv, die mit Jamie haben Potential und Charaktere wie Mrs. FitzGibbon geben dem Ganzen den humoristischen Touch, den ich bisher etwas vermisst habe. Wenn man also mich fragt: Outlander ist auf dem richtigen Weg.
Verfasser: Sabine Stevenson am Sonntag, 17. August 2014Outlander 1x02 Trailer
(Outlander 1x02)
Schauspieler in der Episode Outlander 1x02
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