Outlander 1x01

Outlander 1x01

An die 20 Jahre hat es gedauert, bis sich endlich jemand an Outlander (deutscher Titel „Feuer und Stein“) von Diana Gabaldon herangetraut hat. Kein Geringerer als Ron Moore hat sich des Stoffes angenommen und nun das erste Buch der Highland-Saga in einer 16-teiligen Serie verfilmt.

Claire (Caitriona Balfe) und Jamie (Sam Heughan) in „Outlander“ / (c) Starz
Claire (Caitriona Balfe) und Jamie (Sam Heughan) in „Outlander“ / (c) Starz

Vorweg: Die Autorin dieser Zeilen ist ein absoluter Outlander-Fan. Ich kenne die Bücher jetzt seit über 15 Jahren und lese sie sehr zum Augenrollen des Ehemannes (der übrigens der Meinung ist, die Serie sei eigentlich ein Frauenporno) immer mal wieder. Aber zum Thema „Männer und Outlander“ kommen wir noch. Lehnen wir uns also zurück und beginnen die Reise durch die Highlands der 1940er und 1740er Jahre.

Ganz kurz für die drei Leser dieses Reviews, die die Bücher noch nicht kennen: Wenn man so gar nicht weiß, worum es geht und auch die betreffende Folge noch nicht gesehen hat, dann enthalten diese Ausführungen ganz erhebliche Spoiler!

Claire und Frank

Eines kann man dem Piloten nicht vorwerfen, nämlich dass er sich Hals über Kopf in die Handlung stürzt. Ganz im Gegenteil, langsam und sehr sorgfältig wird die Hintergrundgeschichte von Claire Randall, geborene Beauchamp (Caitriona Balfe), aufgebaut; einer Krankenschwester, die im Zweiten Weltkrieg Verwundete versorgt hat, während ihr Mann Frank (Tobias Menzies) beim militärischen Geheimdienst war. Beide waren fast fünf Jahre lang getrennt und versuchen jetzt, während ihrer Ferien, wieder neu zusammenzufinden.

Im Laufe der ersten 40 Minuten wird ihre Beziehung wieder neu belebt, was sich hauptsächlich - aber nicht nur - in Sexszenen zeigt, die immer ausführlicher werden. Nicht die schlechteste Art, dem Zuschauer klar zu machen, wie sehr sie sich wieder annähern. Vor allem wenn dem subtile Zeichen wie verliebte Blicke oder kleine, liebevolle Gesten folgen. Zwar ist das Transportieren von Informationen, die Claire braucht, um in der Vergangenheit zu überleben, ebenfalls ein wichtiger Aspekt dieser ersten Hälfte. Aber wichtig ist vor allem, woher Claire kommt und wie sie zu ihrem Ehemann steht. Das ist sehr gut und sehr stimmungsvoll gelöst worden. Ebenso wie der schottische Fremde, der Claire beim kämmen zuschaut, Frank sehr verwirrt zurückläßt und Unstimmungen zwischen den beiden hervorruft.

Highlight dieser ersten Hälfte ist aber die Tanzszene der Hexen, die die beiden gemeinsam sehen und die zu den besten Szenen der gesamten Episode Sassenach gehört. Wunderschön gedreht, sehr passend musikalisch untermalt und eindrucksvoll vorbereitend auf die Dinge, die da kommen werden. In zwei Worten: einfach schön.

Claire wird in eine andere Zeit katapultiert. © Starz
Claire wird in eine andere Zeit katapultiert. © Starz

Und dann kommt sie - die Schlüsselszene: Claire geht unfreiwillig durch die Steine und wacht in den Highlands im Jahre des Herrn 1743 wieder auf - auch wenn sie das genaue Jahr natürlich noch nicht weiß. Von Fans war mit großer Spannung erwartet worden, wie Ron Moore das wohl lösen würde. Und es wird durchaus kontrovers diskutiert, ob der Übergang durch die Steine die Dramatik bekommen hat, den er verdient hat. Man kann da sehr geteilter Meinung sein. Ich persönlich finde die Szene hervorragend eingebettet und gut umgesetzt - denn ganz ehrlich, wie hat man sich „schreiende Steine“ vorzustellen? Ich denke, so wie der Übergang dargestellt wurde, passt es sehr gut in den Rest der Episode.

Claire und Jack

Claire wird also aus dem verhältnismäßig sicheren Schottland des Jahres 1946 direkt in ein Scharmützel zwischen Engländern und Schotten im Jahre 1743 katapultiert. Der erste Mensch, dem sie in dieser neuen Welt begegnet, ist nicht nur ein Abziehbild ihres Mannes Frank, sondern er will sie auch gleich vergewaltigen. Jack Randall (Tobias Menzies), seines Zeichens Capitain der Armee Ihrer Majestät, fackelt nicht lange, wenn es um die Erfüllung dringender Bedürfnisse geht. Aber da lag in dieser Szene auch die Krux, denn Moore hat sie nur darauf reduziert. Eigentlich ist diese Begegnung aber ein schöner Beweis dafür, dass sowohl Randall als auch Claire wortgewandte und durchaus zur Ironie fähige Personen sind. Leider kommt genau das in dieser Szene zu kurz. Was sicherlich auch dem Fakt geschuldet ist, dass man auf jeden Fall noch Jamie hat auftreten lassen müssen.

So aber war der Höhepunkt ein fliegender Murtagh (Duncan Lacroix), der Claire erst rettet, sie dann niederstreckt und zur Hütte bringt, in der es zum ersten Zusammentreffen kommt.

Claire und Jamie

Sind wir doch bitte mal ehrlich zu uns selbst: Alles andere war Vorgeplänkel. Eigentlich wollten wir doch alle endlich, endlich nur das Zusammentreffen von Claire und Jamie (Sam Heughan). Aber bevor es soweit ist, steht sie vor Dougal MacKenzie (Graham McTavish), dem Anführer der Schotten, und soll jetzt Rede und Antwort stehen. Nicht alle Fragen können geklärt werden, da nun erstmal die ausgekugelte Schulter von Jamie gerichtet werden muss.

Und jetzt das, wovon die Fangemeinde seit Jahren geträumt hat: Die beiden treffen aufeinander. Sie kugelt seine Schulter wieder ein, er erträgt das tapfer. Fliegen die Funken? Nein, müssen sie aber auch nicht. Es reicht zu sehen, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Und das Jamies Schulter so lange mitmacht, bis sie in Castle Leoch sind, vom kleinen, erneuten Zwischenfall mit einem englische Hinterhalt abgesehen. Und der Tatsache, dass Claire den jungen Schotten erneut verarztet - eine Begebenheit von der wir später, viel später, noch hören werden.

Und das war sie dann, die erste Folge, auf die Fans so lange gewartet haben. Was man aus der amerikanischen und teilweise auch deutschen Fanbase so hört, ist vor allem eins: Begeisterung. Ich sehe das etwas differenzierter.

Was gut gelungen ist:

Auf jeden Fall das opulente Optische gepaart mit der passenden Musik. Sicherlich, die Highlands sind nicht gerade abgewrackte rumänische Industrieanlagen und an sich schon mal dankbare Kulissen (man müsste sich schon sehr bemühen, sie unschön darzustellen). Aber wenn man nicht aufpasst, dann gleiten die Landschaftsaufnahmen ganz schnell in die Rosamunde-Pilcher-Ecke ab. Das ist aber bei Outlander ganz sicher nicht der Fall - seit dem „Highlander“ gab es nicht mehr so eindrucksvolle und doch realistische Bilder. Und wo wir bei realistisch sind: Moore hat es wunderbar verstanden, seine Charaktere dreckig und abgewrackt aussehen zu lassen. Nicht nur die Schotten, die seit Tagen unterwegs sind, auch die Engländer haben keine komplett sauberen Uniformen mehr. Das wirkt sich auch auf den Plot aus und macht die Sache sehr glaubwürdig.

Ebenso die Entscheidung, das Gälische nicht zu untertiteln, damit der Zuschauer sich wie Claire fühlt und erstmal nichts versteht. Was gut in das Konzept paßt, die Serie nicht nur aus Claires Perspektive zu erzählen, sondern auch ihren Gedanken und inneren Monologen durch die Erzählerstimme Raum zu geben. Das, zusammen mit der sehr buchnahen Verfilmung bis hin zu teilweise absolut wortgetreuen Zitaten, erfreut nicht nur das Fanherz - es macht bei dem Stoff auch einfach Sinn. Die Menschen lieben die Bücher, daher wäre es widersinnig, die Serie zu weit vom Orginal zu entfernen. Was das angeht also: alles richtig gemacht.

Seine Rolle am besten verkörpert hat für mich im übrigen Graham McTavish als Dougal - er und seine Männer sind das Sinnbild der Schotten des 18ten Jahrhundert, wie Claire sie anfangs kennenlernt. Und auch Sam Heughan, auf dem ja ein enormer Druck lastet den "wahren" Jamie (und zwar bitte für alle!) zu verkörpern, macht seine Sache gut. Nun hatte er noch nicht so viel Raum, aber ein Anfang ist gemacht und gibt berechtigte Hoffnung auf die Funken, die da hoffentlich noch fliegen werden.

Dinge, die nicht so gut gelaufen sind

Stellt sich die Frage nach Claire, und damit kommen wir gleich zu den Dingen, die nicht so gut gelungen sind. Nicht weil ihre Augen nicht braun sind und sie deutlich größer ist als im Buch - das sind Dinge, die man großzügig übersehen kann. Aber bisher finde ich, dass sie sehr neben ihrem Charakter liegt. Sie ist eigentlich als witzige, schlagfertige, selbstironische und vor allem sehr leidenschaftliche Frau angelegt. Ihre Erzählerstimme hingegen klingt distanziert und kühl. Sie agiert, als ob sie das alles nicht wirklich etwas angeht. Von Selbstironie oder Witz keine Spur. Ja, sie flucht ein wenig, aber das klingt eher aufgesetzt (außer in der Szene, als sie den heiligen Paulus zum Teufel schickt, da blitzt echtes Potential auf). Und ihre Leidenschaft beschränkte sich darauf, immer und überall den guten Frank zu verführen - und das finde ich sehr schade.

Ähnlich verhält es sich mit Tobias Menzies, er scheint weder in der Rolle als Frank noch als Jack angekommen zu sein (wobei Jack ja eh nur einen sehr kurzen Auftritt hatte, daher sei ihm das nachgesehen). Gerade in der Interaktion mit Claire wirkte Frank einfach hölzern - was zwar theoretisch die Entfremdung der beiden sowie seine britische Art widerspiegeln könnte, faktisch aber nicht so rüberkommt.

Aber vielleicht müssen beide erst noch in ihren Rollen ankommen, daher halte ich mich mit zu harscher Kritik noch zurück. Ich erinnere an die schauspielerische Leistung der Akteure in anderen Serien (How I Met Your Mother ist da ein gutes Beispiel), die zu Beginn noch viel schlechter waren und die nachher dennoch mit ihrer Rolle verwachsen sind.

Und obwohl es sehr langsam angefangen hat: Ein etwas längerer Pilot hätte Sassenach gut getan. Einige Dinge, wie die schon angesprochene Szene zwischen Jack und Claire, aber auch der Aufenthalt im Hause des Reverends, hätten sich für weitere Erklärungen angeboten.

Stellt sich nun die Frage, wer sich die Serie ansehen wird. Die große Fanbase auf jeden Fall, und ein Großteil davon ist jetzt schon begeistert. Ron Moore bringt seine ganz eigenen Fans mit, und die sind hoffentlich willens, einer Serie eine Chance zu geben, die eher mit irdischen denn mit intergalaktischen Schlachten zu tun hat. Beispielsweise fand mein Ehegatte den Piloten gar nicht so schlecht und erwägt ernsthaft, die zweite Episode auch noch zu gucken.

Alles in allem war der Pilot nicht perfekt und es gibt noch erheblich Spielraum nach oben. Trotzdem werden die nächsten gesellschaftlichen Serienabende in diesem Hause immer auch die Vorstellung von Outlander beinhalten - männlicher Besuch oder nicht.

Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 4. August 2014

Outlander 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Outlander 1x01)
Titel der Episode im Original
Sassenach
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 9. August 2014 (Starz)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 6. Januar 2015
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode Outlander 1x01

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