Legends of Tomorrow 1x15

Legends of Tomorrow 1x15

Die vorletzte Episode der ersten Staffel von Legends of Tomorrow trägt den Titel Destiny und lässt das Team hinterfragen, ob es dieses Konzept überhaupt gibt. Denn irgendwie wird mal wieder alles auf den Kopf gestellt.

Szenenbild aus der „Legends of Tomorrow“-Episode „Destiny“ / (c) The CW
Szenenbild aus der „Legends of Tomorrow“-Episode „Destiny“ / (c) The CW

Die Serie Legends of Tomorrow und ihre Zeitreiseregeln sind so eine Sache für sich. Ständig wird eine sogenannte Regel präsentiert, um dann doch wieder unterminiert zu werden. Eine Situation als unumstößlich dargestellt, um dann doch sofort eine Lösung oder eine Ausnahme zu zeigen. Das hat schon am Anfang der Serie begonnen, als die Legends als ebensolche angeworben wurden, nur um kurz darauf als unwichtig für die Zukunft zu gelten.

An den Rekrutierungsmoment erinnert nun die Episode Destiny, die verdeutlicht, dass mindestens die Hälfte des Teams die Reise gar nicht antreten wollte. Jax (Franz Drameh) wurde sogar massiv zu seinem Glück gedrängt - oder besser mit Drogen dazu gezwungen. Außerdem erinnert man uns daran, dass Captain Cold (Wentworth Miller) so überhaupt keine Lust auf die Heldennummer hatte, was natürlich noch wichtig wird und schon wichtig wurde, denn mit der Zeit entwickelt er sich zu einem der moralischen Aktivposten der Serie, dessen Ehrencodex über allem steht.

Nach Jax' Verletzung wurde er in die Gegenwart geschickt, wo er Professor Stein aus dem Jahr 2016 abfängt. Das tut er, um ihn dazu zu bringen, einen Teil des Jumpships zu reparieren, um dann wieder zum Rest des Teams zu reisen. Natürlich sollte man dabei vorsichtig sein, weil man keine Dinge über die Zukunft sagen sollte, die alles verändern könnten, doch wir wissen, wie gut so etwas meistens gelingt. Er hält die Informationen jedoch größtenteils vage und belässt es dabei, dass das Team Hilfe braucht.

Dem Stein in der Zukunft geht es, von Jax getrennt, erwartungsgemäß schlechter; doch insgesamt fragt man sich, was die Time Masters mit ihnen wollen und warum sie überhaupt noch leben. Rory (Dominic Purcell) beispielsweise soll wieder zu Chronos werden, dem angeblich besten Kopfgeldjäger, den die Time Masters je hatten (da kann die Messlatte ja nicht besonders hoch gelegen haben, wenn man sieht, was ihm in der Serie gelungen ist). Der Prozess ist allerdings mit einigen Nebenwirkungen verbunden: So kann man etwa dabei den Verstand verlieren, außer man hat etwas wie den Rachegedanken, der einen schützt, wie es bei Heat Wave war.

Kendra (Ciara Renee) wird von Savage auf eine Privatreise in einem Time Ship entführt und kriegt eine Sonderbehandlung, wobei auch Carter dabei sein soll - ihn sehen wir jedoch nicht in dieser Episode.

No Destiny

Rip Hunter (Arthur Darvill) erfährt durch Time Master Druce (Martin Donovan), dass die Zusammenarbeit mit Savage (Casper Crump) ein Zweckbündnis ist, denn ohne seine Herrschaft wird die Erde durch einen Angriff aus Thanagar, übrigens der Heimatplanet der Hawks, im Jahr 2175 zerstört werden. Rip will nicht wahrhaben, dass Savage die einzige Chance der Menschheit ist, erhält jedoch bald den Beweis durch das geheime Zeitorakel der Time Masters, von dem nur die wenigsten wissen: Die Oculus Viewing Chamber. Dort kann man keine Prognosen, sondern die echte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen, die festzustehen scheint. Die Time Masters haben nicht nur mit Savage zusammengearbeitet, sondern obendrein auch noch Hunter und das Team bis ins kleinste Detail manipuliert und gelenkt. Zudem sind sie noch die Auftraggeber für den Mord an seiner Familie.

Die Autoren stellen sich diesen Twist wohl wieder so unglaublich clever und schockierend vor. Doch meinem Empfinden nach ist das nur ein weiterer schwacher Versuch einige missglückte narrative Entscheidungen auszubügeln. Dieser Nichts-is-so-wie-man-denkt-Moment funktioniert nämlich so überhaupt nicht und macht die Staffel noch egaler als sie ohnehin bis dato war. Wo sind die Konsequenzen, die Risiken, die Emotionen?

Hunter, der gescheiterte Protagonist

Szenenbild aus der %26bdquo;Legends of Tomorrow%26ldquo;-Episode %26bdquo;Destiny%26ldquo; © The CW
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Das liegt auch daran, dass Hunter im gesamten Arrowverse eine der unsympathischsten Hauptfiguren ist, die wir bisher gesehen haben. Zum Teil wegen des Egoismus, der ihm inne wohnt. Sicherlich, der Verlust der Familie schmerzt. Doch Figuren wie Barry Allen (Grant Gustin) und auch Oliver Queen (Stephen Amell) wachsen daran, mit dem Verlust und der Trauer umzugehen und riskieren deswegen nicht das Raum-Zeit-Kontinuum. Und selbst wenn sich schon Gelegenheiten boten, den Feind aus dem Weg zu räumen, war sich die Gruppe und oft auch Hunter selbst im Weg, den Abzug zu drücken - und das mehrfach.

Nun sind also alle wichtigen Momente durch die Time Masters choreographiert und die Gruppe noch weniger wert als ohnehin schon. So funktioniert effektive Erzählung in einer Serie einfach nicht. Vielmehr führt es dazu, dass die Zuschauer der Serie den Rücken kehren und die Figuren ihnen am Allerwertesten vorbei gehen. Dabei haben die Autoren in meinen Augen auch große Probleme die Stakes abzustecken. Wenn man etwa behauptet, dass ein Chronos der beste von allen ist oder aber eine Pilgrim, nur um sie dann so lockerleicht innerhalb weniger Minuten aus dem Verkehr ziehen zu lassen, verpufft der Aufbau im Nichts.

In dieser Episode zeigt man Hunter nach der Offenbarung wieder mal als gebrochenen Captain, dessen Welt keinen Sinn ergibt. Arthur Darvill spielt auch vergleichsweise schön emotional auf - dennoch ist das, wie man im Englischen sagt, too little, too late.

Der angeblich unabwendbare Tod von Ray (Brandon Routh), der natürlich verhindert beziehungsweise auf eine andere Figur, zu der wir nachher noch kommen, verschoben wird, ist ein weiteres Beispiel für die frustrierende Vorgehensweise der Autoren.

Die Autoren halten fest, dass Wahl und freier Wille eine Illusion sind, da die Time Masters alles in der Hand haben, arbeiten dann aber darauf hin, dass die Vorhersehbarkeit durch das Team zerstört wird, was aber in meinen Augen auch nur eine lahme Regelerweiterung ist.

X-Faktoren: Sara und Snart

Snart (Wentworth Miller) und Sara (Caity Lotz) konnten sich vor den allwissenden Time Masters verstecken, weil Captain Cold jeden Zentimeter der Waverider kennt - er hat sie ja auf potentielles Diebesgut untersucht. Kurzzeitig überlegt er, einfach zu fliehen, was seine Entwicklung kaputtmachen würde. Doch Sara gelingt es, seine Meinung zu ändern. Glücklicherweise hilft die AI-Ex-Machina Gideon, die sich per Sicherheitskopie retten konnte, aus und kann die Flotte der Time Masters mit der Power von Ohrwürmern ausschalten.

Die erneute Gehirnwäsche von Mick geht schief und er schaltet seinen Peiniger direkt aus, sodass die Rogues wieder vereint sind und der Folterer getötet wird. Die Verbindung der Rogues wird in dieser Episode schön durch einen Ring dargestellt, der Snart an seinen ersten Einsatz mit seinem Partner erinnert und daran, dass selbst die best-ausgeklügelsten Pläne mit der meisten Vorbereitung schief gehen können.

Captain Sara und Co gelingt es, sich durch Rays Hack der Chronosrüstung vom Traktorstrahl zu lösen und zu fliehen, um anschließend einen Schlachtplan aufzustellen. Dabei muss man sich nach den neuen Informationen jedoch fragen, ob es nicht genau das ist, was die Time Masters von ihnen erwarten.

Szenenbild aus der %26bdquo;Legends of Tomorrow%26ldquo;-Episode %26bdquo;Destiny%26ldquo; © The CW
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Was also tun: den Vanishing Point zerstören? Möglich wäre es, weil er sich außerhalb der normalen Raum-Zeit-Achse befindet. Dennoch ist es ein riskanter und verrückter Plan, weswegen ihn alle gut finden.

Doomsday Cupcakes

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Da Ray glaubt, ihm stünde sein Tod bevor, erlaubt er sich ein paar Weltuntergangs-Cupcakes, die er mit Heat Wave teilt. Dabei verrät ihm der Feuerteufel, dass er sich der Gehirnwäsche erwehren konnte, weil er diesmal an das Team und die Mission dachte und schmatzt dabei genüsslich sein Gebäck.

Jax verabschiedet sich in der Gegenwart von Stein, dem er das Unterdrogensetzen verzeiht, weil es sich als die beste Entscheidung, die er niemals (!) getroffen hat, herausgestellt hat. Mit repariertem Schiff kann er nun seinen Kameraden helfen.

Snart entschuldigt sich dafür, dass er Sara kurzzeitig mit seiner Freeze Gun bedroht hat und stellt fest, dass er eigentlich nicht der Typ ist, der nach den Regeln spielt. Nachdem in der Staffel schon oft angeteasert wurde, dass die beiden Figuren sich sehr gut verstehen, macht Snart nun den nächsten Schritt und flirtet sehr offensiv mit ihr. Die bisexuelle Sara will aber erstmal die weitere Mission abwarten, ehe sie ihm einen Kuss gewährt.

It's a trap!

Das Team tappt in die Falle, denn Druce und seine Mannen erwarten sie bereits in der Nähe des Oculus. Doch rechtzeitig kommt Jax mit dem Jumpship und mäht die Angreifer minus Druce um. Ray kümmert sich um die technische Abwicklung und wird von Rip und Mick unterstützt. Als er seinen Helm und seine Handschuhe abnimmt, befürchtet Rip schon das schlimmste. Doch - what a twist! Rory nimmt seinen Platz ein, denn die Zerstörung funktioniert nur, wenn man die Hand auf einem Schalter lässt. Rip nimmt den ausgeknockten kleinen Atom mit und Rory hält die Stellung. Zumindest bis Snart davon erfährt und nun wiederum seinen Partner K.o. schlägt. Hau den Lukas im DC-Universum! Nebenbei gibt es ordentlich „Pew Pew Pew“ und einen kurzen Fake-Out rund um Rip, den Rory vor dem Sturz ins Verderben rettet.

There are no strings on them

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Im Endeffekt ist es also Snart, der die Stellung hält, seinen Kuss von Sara kassiert und Druce in die Luft sprengt und sich opfert, aber ich glaube keine Sekunde daran, dass Captain Cold tot bleibt. Ich bin mir noch unschlüssig, was ich von dem Kuss halten soll. Eine kleine Romanze zwischen den beiden ist zwar besser aufgebaut als manche andere im Arrowverse, aber irgendwie fühlt sich das merkwürdig bei Sara an, die noch ihre Krankenschwester oder Nyssa hat. Cold wird nun also tatsächlich durch sein Opfer womöglich mehr als Held denn als Schurke gewürdigt werden. Das heißt, sofern die Legends Erfolg haben werden und irgendwer was von ihrer Arbeit mitkriegt. Rory jedenfalls will Blut sehen und da bietet sich bekanntlich Savage an. Doch halt: Sind es nicht nur Kendra oder Carter, die ihn töten können? Hat die Serie das für den coolen Cliffhanger-Spruch mal wieder vergessen? Und warum ist Kendras Plot eigentlich so strunzlangweilig und ihr Schauspiel so verbesserungswürdig?

Savage lässt sich nämlich nicht von ihr beeindrucken, sondern tötet Rips Sohn ohne groß mit der Wimper zu zucken. Ihr Schrei sollte wohl Gefühle wecken. Tat er aber bei mir nicht.

Szenenbild aus der %26bdquo;Legends of Tomorrow%26ldquo;-Episode %26bdquo;Destiny%26ldquo; © The CW
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Durch die Zerstörung der Orakelmaschine steht sowohl dem Team als auch Savage die Zukunft frei, was für das Finale wohl bedeutet, dass es keine klare Regeln mehr gibt. Genau das, was die Serie nicht gebraucht hat, denn dann könnte sich die Logik vollends verabschieden.

Je länger Legends of Tomorrow läuft, desto mehr verliert man die Lust daran. Mal schauen, ob die Autoren im Finale noch Schadensbegrenzung betreiben können. Aktuell fände ich eine Tabula Rasa am sinnvollsten sowie den Tausch eines Großteils des Casts und der Mission, was auch von Showrunnerseite schon angedeutet wurde. So kann es jedenfalls nicht weitergehen, sonst drohen die Zuschauer abzuspringen.

"Trailer zur nächsten Episode Legendary (1x16) der US-Serie Legends of Tomorrow:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 13. Mai 2016

Legends of Tomorrow 1x15 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 15
(Legends of Tomorrow 1x15)
Deutscher Titel der Episode
Im Bann des Oculus
Titel der Episode im Original
Destiny
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 12. Mai 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 6. Dezember 2016
Regisseur
Olatunde Osunsanmi

Schauspieler in der Episode Legends of Tomorrow 1x15

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