Legends of Tomorrow Staffel 3
Legends of Tomorrow Staffel 3 Episodenguide
Review zu Legends of Tomorrow Staffel 3
Mir kommt es so vor, als hätte ich ein Déjà-vu. Vor weniger als einem Jahr feierte die The CW-Serie Legends of Tomorrow das Finale ihrer zweiten Staffel, in der nach einer sehr gemischten ersten Staffel eine Kehrtwende für das Superheldendrama aus der DC-Schmiede eingeläutet wurde. Schon damals war ich voll des Lobes ob der Neuausrichtung durch die Macher, „Legends of Tomorrow“ weitaus weniger ernst zu gestalten und das Hauptaugenmerk auf launige Unterhaltung und einfachen Spaß zu verlagern. Nach dem Abschluss der dritten Staffel, die vor kurzem mit dem „grand finale“ The Good, The Bad and The Cuddly zu Ende ging, bleibt einem erneut nichts anderes übrig, als den Hut zu ziehen. Die Verantwortlichen bestätigen nicht nur ihre gute Form aus dem Vorjahr, sie packen in weiten Teilen der Erzählung sogar noch eine Schippe drauf. Das Resultat: „Legends of Tomorrow“ ist so gut wie selten zuvor. Aber woran liegt das?
Erinnern wir uns kurz an die Anfänge des Formats zurück: Das Ensemble der „Legends“ um den ersten Anführer Rip Hunter (Arthur Darvill) war von Beginn an ein Haufen Verlierer, die wahrlich keine große Rolle in den Serienwelten spielten, in denen sie ihre ersten Auftritte hatten. Ob in Arrow oder The Flash - für viele der aktuellen Teammitglieder war in beiden Serien schlichtweg kein Platz, so richtig von ihnen trennen wollte sich aber auch niemand bei The CW. Was tun? Man entwickelt einfach eine Serie, die sehr offen damit umgeht, dass es sich bei den „Legends“ um eine Bande von unbedeutenden Niemanden dreht und bedient sich ein wenig bei diversen DC-Comics, um Abenteuer im zeitlosen Raum zu erzählen, die das wild und beliebig zusammengewürfelte Team bestreiten muss.
Man fand einen Platz für diese Figuren, doch zu Beginn wirkte „Legends of Tomorrow“ vielmehr wie eine dunkle Abstellkammer, in die man die unerwünschten Tanten und Onkel auf einer Familienfeier schiebt, die sicherlich alle ganz nett sind, aber eben auch immer wieder unangenehm auffallen und die gesamte Party versauen können. „Wir haben Euch wirklich gerne und Ihr seid ja auch ganz witzig, aber im Moment ist es wirklich ungünstig. Vielleicht ein anderes Mal?“ Und so mussten diese Charaktere irgendwie Zeit zusammen verbringen und schleppten sich durch eine erste Staffel, in der weder die Handlung um den faden Oberbösewicht Vandal Savage überzeugen konnte noch die Teamdynamik unter den „Legends“ ausgereift war. Das „Problem Vandal Savage“ war mit dem Ende der ersten Staffel gegessen, die große Herausforderung war nun jedoch, aus der Gruppe aus „Halbtagshelden“, ehemaligen Schurken und gescheiterten Persönlichkeiten ein Team zu formen, mit dem man auch mitfiebert.
Da man eh nicht viel zu verlieren hatte, krempelte man in der zweiten Staffel von „Legends of Tomorrow“ einiges um. Es schien fast so, als wären sich die Drehbuchautoren selbst endlich im Klaren darüber, was den Helden und Heldinnen von „Legends of Tomorrow“ längst bewusst war: Wir sind die B-Mannschaft. Die Außenseiter aus der letzten Reihe, die beim Schulsport immer als Letztes gewählt werden. Warum gegen dieses Stigma ankämpfen, warum sich nicht mit dieser Rolle abseits der „Musterschüler“ wie „Arrow“, „The Flash“ und mittlerweile auch Supergirl anfreunden und voller Inbrunst das sein, zu dem man ohnehin von allen gemacht wird? Und siehe da, es folgte der Umschwung. „Legends of Tomorrow“ gab weniger auf das geteilte „Arrowverse“, aus dem die Figuren entsprungen sind, und konzentrierte sich mehr auf sich selbst, die Charaktere und bizarre Geschichten. Dabei kam viel Quatsch herum. Aber eben auch mehrfach großartige Unterhaltung auf einem anderen Niveau, als man es von den DC-Serien bis dato gekannt hatte.
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In der dritten Staffel von „Legends of Tomorrow“ hat man sich nun derartig gut eingespielt, dass nicht wenige Fans des „Arrowverse“ von The CW haben verlauten lassen, dass die Abenteuer der „Legends“ mittlerweile wesentlich mehr Spaß machen, als es bei den „Mutterserien“ „Arrow“ und „The Flash“ der Fall ist. „Legends of Tomorrow“ führt dabei die Erfolgsformel seiner zweiten Staffel unbeirrt weiter und baut dabei sogar stellenweise auf etwas mehr Wahnsinn als zuvor. Gleichzeitig übt man sich in grandioser Selbstreferentialität und nimmt sich so immer wieder selbst aufs Korn. Doch zu einer reinen Lachnummer verkommt man ebenfalls nicht, da die Charaktere nach drei Jahren zu komplexeren Persönlichkeiten gereift sind und die Beziehungen dieser untereinander eine neue Wertigkeit auszeichnet. Wie man ein solches Gesamtpaket für 18 Episoden wiederum zusammenhalten kann, wissen wahrscheinlich nur die Serienmacher.
Für mich persönlich fühlt sich „Legends of Tomorrow“ stets wie eine kleine Pause von den entweder sehr formellastigen oder eben recht düsteren Superheldenserien an, die man bei The CW, Netflix oder wo auch immer finden kann. Auch in „Legends“ folgt man in Staffel drei stets einem Grundschema: Das Team muss eine Anomalie in der Zeitlinie fixen, verursacht dabei zumeist ein noch viel größeres Problem, kann aber auch dieses am Ende des Tages irgendwie beheben. Doch die Art und Weise, wie sich diese Probleme gestalten, auf welche verrückte Einfälle die Autoren kommen, um Realität mit Fiktion zu verknüpfen, das ist es, was „Legends of Tomorrow“ so kurzweilig, unbekümmert und sehenswert macht.
Der Absurdität sind dabei keine Grenzen gesetzt (Stichwort Beebo) und interessanterweise verfehlt man auch nur selten sein Ziel (der größte Reinfall in der dritten Staffel ist eine Episode um den zukünftigen „King of Rock'n'Roll“, Elvis Presley, in der es tatsächlich mal zu lächerlich wird). Neben der Devise, dass die Zuschauer vor allem ihren Spaß mit den Folgen haben sollen, hat man nun auch seine Lehren aus einem Bösewicht wie Vandal Savage gezogen, der völlig unnahbar und in seiner simplen Motivation uninteressant war. Nach der „Legion of Doom“, bestehend aus Malcolm Merlyn, Professor Zoom und zwischenzeitlich auch Captain Cold holt man in Staffel drei einen alten Bekannten zurück, der ebenfalls ein Mitglied der Superschurkenvereinigung war: Damien Darhk. Nicht nur, dass wir mit dem Charakter bereits vertraut sind, Neal McDonough geht auch noch hervorragend in dieser oft karikaturesken Figur auf. Er ist sich absolut im Klaren darüber, welch überzeichnete Persönlichkeit Damien Darhk ist - und spielt dementsprechend befreit auf, was einem immer wieder ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern kann.
Hier liegt einer der Hauptgründe, warum „Legends of Tomorrow“ so ausgezeichnet funktioniert: der ungemein hohe Grad an Selbstwahrnehmung und die Fähigkeit, nicht alles so bierernst zu nehmen, wie es auf den ersten Blick erscheint. Selbstverständlich muss sich das Team mit teils übermächtigen Gegnern herumschlagen, darunter ein uralter Dämon aus einer Zwischenwelt, der die ganze Welt auslöschen will. Auseinandersetzungen wie diese, in denen es um Leben und Tod geht, haben aber gerade deswegen Gewicht, weil sie mit einer Lockerheit und Lässigkeit konterkariert werden, die die Handlung zugänglich machen. So groß die aktuelle Hürde auch sein mag, ein gewisser Grundoptimismus sowie eine Art Beschwingtheit ist in „Legends of Tomorrow“ immer greifbar. Es könnte so oft unfassbar finster, bieder und fatalistisch sein. Ist es aber nicht. Die „Legends“ sind gekommen, um zu unterhalten. Und in einer Welt, in der man dank Zeitreisen quer durch die Menschheitsgeschichte springen kann, ein genveränderter Riesengorilla dem jungen Barack Obama an die Gurgel geht, um die Zukunft entscheidend zu verändern, oder Helena von Troja unverhofft zum Hollywoodstar wird, sollte es bitte auch so sein.
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Aber Halt, mal kurz Spaß beiseite. Wie bereits erwähnt hat Legends of Tomorrow neben den vielen kurzweiligen Ausflügen des Teams in den Wilden Westen, das viktorianische London oder die Zeit der Wikinger in seiner dritten Staffel auch mehr von seinem bunten Ensemble zu bieten. Von schmerzhaften Abschieden und neuen Gesichtern abgesehen ist es der Kern der Gruppe, der wächst und gedeiht und somit jeder Mission eine persönliche Note sowie das Risiko verleiht, dass der Verlust eines Teammitglieds extrem nachhallen würde. Insbesondere Caity Lotz hat als designierte Anführerin Sara einen großen Sprung nach vorne gemacht, wovon die Serie nur profitieren kann. Dass die ultrafitte Lotz für ihre Rolle körperlich voll auf der Höhe ist, war vorher bereits bekannt. Ihr Charakter hat sich vom weiblichen Gigolo nun aber auch zu einer mit komplexen Emotionen beladenen Frau entwickelt, die die Chance auf eine erfüllende Liebe mit der Time-Bureau-Angestellten Ava Sharpe (Jes Macallan) hat.
Diese komplizierte Beziehung hat Substanz und geht zu Herzen, ebenso wie das Verhältnis zwischen Nate (Nick Zano) und Amaya (Maisie Richardson-Sellers), das kein einfaches Zuckerschlecken, sondern für letztere ein permanentes Abwägen ist, ob sie sich egoistisch ihrem eigenen Glück hingeben kann, während gleichzeitig ihre gesamte Familiendynastie auf dem Spiel steht. Die Charaktere gehen bisweilen gewaltige Opfer ein, was hier und da gerne etwas überdramatisiert wird, grundsätzlich aber stets nachvollziehbar und mitunter sehr mitreißend gestaltet ist. Selbst Bösewicht Damien Darhk durchläuft aufgrund einer verzwickten Vater-Tochter-Beziehung eine spannende Entwicklung. Möglicherweise profitiert die Serie auch davon, dass man ihr als Zuschauer solche Dinge nicht wirklich zutraut, da der Fokus so stark auf die eigenwilligen, spaßigen Geschichten gelegt wird, die man erzählt. Fast wie ein trojanisches Pferd werden diese aber eben genutzt, um zu den Befindlichkeiten, Sorgen und Problemen der Charaktere vorzudringen, von Trauerbewältigung über lähmende daddy issues bis hin zum Aufarbeiten und Verarbeiten von Traumata aus der Kindheit sowie handfester Beziehungskrisen.
Im Staffelfinale The Good, The Bad and The Cuddly kommen nun all diese Aspekte von „Legends of Tomorrow“ zusammen: die obskuren Anomalien der zerrütteten Weltgeschichte, große Emotionen, ein gigantischer, geflügelter CGI-Dämon, der bei aller Liebe auch aus dem Nachtprogramm von Tele 5 stammen könnte und sich mit einem zotteligen Mega-Beebo misst, welcher wiederum von den „Legends“ gesteuert wird, die mithilfe von mächtigen Amuletten die Menschheit retten wollen... Es wird noch einmal ein Potpourri des Wahnsinns aufgetischt, doch irgendwo zwischen charmant-billigen Effekten und dem mit einer ordentlichen Portion Quatsch angereicherten Plot pocht nicht nur ein großes Herz, es verbergen sich dort auch greifbare Charaktere, die ihre Reise als die größten Verlierer aller Zeiten begonnen haben, über sich hinausgewachsen sind, sich stetig weiterentwickeln und mit denen man als Beobachter mittlerweile gerne Zeit verbringt.
Natürlich geht diese Rechnung im Laufe der dritten Staffel von Legends of Tomorrow nicht immer auf. Wie oft dies jedoch gelingt, ist erstaunlich. Und es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Macher nicht nur einfach Glück haben, sondern längst ihre eigene Mixtur gefunden haben, die funktioniert und all die Facetten der Serie - die unterschiedlichen Figuren, die bescheuerten Abenteuer, das überraschende Drama, die B-Movie-Effekte und den generellen Spaß an der Freude - erfolgreich miteinander vereint. Nach der ersten Staffel von „Legends“ war ich mir unsicher, ob ich wirklich eine Fortsetzung des Formats brauche. Nach der dritten Staffel empfinde ich bereits jetzt schon einen Hauch von Vorfreude auf die vierte Staffel der Ensembleserie, die sich auch dann weiterentwickeln und verändern wird. So zum Beispiel durch die Rückkehr von Matt Ryan ins „Arrowverse“ als John Constantine, der nonchalante Dämonologe, der dem Team in der dritten Staffel immer wieder unter die Arme gegriffen hat und in der nächsten Staffel zu einem festen Mitglied der Heldengruppe wird. Und warum denn auch nicht? „Legends of Tomorrow“ hat sich auf wundersame Art und Weise das Vertrauen seines Publikums erarbeitet. Wer hätte dies für möglich gehalten?!?
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Der Plan der Legends, Mallus durch Totems zu besiegen, geht schief und zwingt Rip (Arthur Darvill) zu improvisieren. Das Team gruppiert sich neu im Wilden Westen, wo sie auf ihren alten Kumpel... weiterlesen