Grey's Anatomy 9x23

Die Chirurgen aus dem Grey Sloan Memorial Hospital bereiten sich auf ein schweres Unwetter vor, das sich auf Seattle zubewegt. Doch von der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm kann in Grey's Anatomy keine Rede sein. Viele einschneidende Begebenheiten sorgen in schneller Abfolge für große Gefühle. Shonda Rhimes, du kannst es noch immer!
Hemmungslose Kontrollfreaks
Seit Dr. Lauren Boswell (Hillarie Burton) in der vorangegangenen Episode Do You Believe in Magic (9x22) im Krankenhaus auftauchte, hat sich eine tiefgehende Verbindung zwischen ihr und Arizona (Jessica Capshaw) abgezeichnet. Dank der ausgezeichneten Chemie zwischen den beiden blonden Schauspielerinnen wird die gegenseitige Anziehungskraft so gekonnt nach außen getragen, dass eine sexuelle Entladung unausweichbar scheint. Und genau dazu kommt es in der Episode Readiness Is All, als ein Gewitter den Weg für große Leidenschaft ebnet: Arizona verliert im Zwielicht den Kampf gegen ihre Disziplin und gibt sich ihrer kontrollfreakigen Seelenverwandten hin. Obwohl der Rezensentin bei dem Gedanken an Callie (Sara Ramirez) ganz schlecht wird, sorgt die knisternde Begierde zwischen Boswell und Robbins für Gänsehaut.
Arizona ist übrigens nicht die einzige, die von der aufgeweckten Kollegin begeistert ist. Als Jackson Avery (Jesse Williams) sich durch Lauren an seinen Mentoren Mark Sloan erinnert fühlt, wird einem ganz warm ums Herz: „She is just one of those people that make you feel like you are capable of anything...“
Vaterträume
Obwohl Owen (Kevin McKidd) seiner Christina (Sandra Oh) in Do You Believe in Magic seine Hingabe versichert hatte, war es doch abzusehen, dass sich der Arzt am Ende nicht mehr von Ethan (Kyle Silverstein) trennen können würde. Sein starkes Bedürfnis, Vater zu werden, verdeutlicht sich noch einmal eindrucksvoll in der feinfühligen Konversation mit Meredith (Ellen Pompeo). Die Wendung, dass der Vater des Jungen nun endlich doch aus dem Koma erwacht, ist insofern angenehm, dass sie der Vorhersehbarkeit der Handlung vorerst ein Ende bereitet.

Der menschliche Döner
Ein mehrfach durchspießter Bauarbeiter gibt verschiedenen Chirurgen die Gelegenheit, sich zu profilieren: Leah Murphy (Tessa Ferrer) macht dank ihrer Durchsetzungsfähigkeit auf der Suche nach einem Trennschleifer eine ebenso gute Figur wie Callie, die sich während der prekären OP durch ihren Kampfschrei („Sparks!“) hervortut.
Peckwell verprügelt
Wem hat Chest Peckwell aka Jos (Camilla Luddington) Lover Jason (Charles Michael Davis) seine Gehirnblutung zu verdanken? Obwohl im Rahmen der Inszenierung zunächst alles dafür getan wird, um Alex Karev (Justin Chambers) verdächtig zu machen, hält man den kratzbürstigen Chirurgen mit dem butterweichen Kern nicht für schuldig. Als sich dann das ehemalige „Problemkind“ Jo als Schlägerin outet, ist es schwer, nicht gequält die Augen zu verdrehen. Dass ein zierliches Mädchen den kräftigen Jason - selbst mit der Hilfe von fiesen Straßentricks - derartig zugerichtet haben könnte, erscheint fraglich.
Immerhin kann sich Alex dank des unglücklichen Zwischenfalls als guter Freund zu erkennen geben und sich somit in den Augen seiner Jo rehabilitieren. In diesem Zusammenhang ist es auch rührend zu sehen, wie sehr Christina und auch Meredith ihren Kollegen über die vielen Jahre hinweg ins Herz geschlossen haben.
Die Rezensentin hat sich im Zuge der letzten Episoden zu einem ausgesprochenen Fan von Christina Yang entwickelt. Obwohl sie in dieser Folge im Hintergrund verharrt, bleiben ihre wütenden Rufe „No! Mousy, no!“ in lebhafter Erinnerung.
Kind in Gefahr
Meredith nimmt von allen Menschen in ihrem Umfeld am wenigsten Rücksicht auf ihr ungeborenes Kind. Als man bereits befürchtet, dass sie damit beginnt, in dieser Hinsicht ihrer eigenen Mutter nachzueifern, belehrt uns Grey's Anatomy zum Glück eines Besseren. Als Meredith sich nach dem erheblichen Schock-Moment, den ihr Treppensturz darstellt, bei Owen über dessen unangemessene Rücksichtnahme und Bevormundung im OP beschwert, fügt sie kleinlaut noch ein „Danke“ hinzu. Es ist schön, dass sie ihren chirurgischen Eifer dem Wohl ihres Kindes unterordnet. Und jetzt hat sich das kleine Wesen auf den Weg in die Außenwelt begeben. Somit stehen uns in der finalen Episode der neunten Staffel von Grey's Anatomy ganz sicher turbulente Zeiten bevor. Jetzt erhalten Meredith und Derek (Patrick Dempsey) aber noch kurz die Gelegenheit, dem Wunder des Lebens mit einem ungläubigen Lächeln entgegen zu blicken.
Derek und sein merkwürdiger Schützling
Seit sich Derek in der Folge She's Killing Me (9x20) gegen den liebenswerten Shane Ross (Gaius Charles) und für die Zusammenarbeit mit Heather Brooks (Tina Majorino) entschieden hat, wird er mit der unorthodoxen Art der Assistenzärztin konfrontiert. Shepherd hat es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, Heathers hirnchirurgische Fähigkeiten zu fördern, sondern auch, sie normaler zu machen: „So now it is my job is to make you feel confident - and less weird.“
Noch schöner als Heathers eigensinnige Antwort darauf („Whatever twists your knickers!“) und ihre realitätsnahen Pacman-Geräusche ist dann am Ende aber Dereks Einsicht: „Stay weird, Brooks!“ Es ist ein sehr vorteilhafter Wesenszug für den zukünftigen Doppelvater, auch die eigenwilligeren Eigenheiten der Menschen zu akzeptieren.

Ein Fiebertraum?
Verfolgen wir die Handlung gerade durch die Augen eines Koma-Patienten? Leidet April (Sarah Drew) an einem bislang unentdeckten Hirntumor? Warum fangen Patienten und Sanitäter plötzlich an zu tanzen? Der musikalische Flash-Mob, der April überfällt, ist so albern wie kitschig und - im Grunde genommen - sehr, sehr unrealistisch. Trotzdem ist es schön, die labile junge Frau derartig euphorisch zu sehen. Außerdem deutet der Blickaustausch zwischen ihr und Avery an, dass es in Bezug auf das Problempärchen keine nervenbelastenden Entwicklungen mehr geben wird. Hoffentlich. Trotz des nicht zu leugnenden Kitsch-Faktors kann das Spektakel, das Matthew (Justin Bruening) für seine Angebetete veranstaltet, sogar Alex ein wenig neidisch machen...
Fazit
Über den eigenwilligen Geschmack, den Matthew durch seine romantische Geste beweist, lässt sich sicherlich vortrefflich streiten. Über die Qualität der Folge Readiness Is All dürfte aber weniger diskutiert werden müssen: Abseits der recht billigen falschen Fährte, die uns Alex als Schläger verkaufen möchte, bietet Grey's Anatomy seinen Zuschauern eine ganze Reihe von spannenden Entwicklungen und kreiert - ganz nebenbei - kräftige emotionale Aufwallungen. Dabei ist es auch sehr schön zu sehen, dass sich Bailey (Chandra Wilson) endlich wieder dazu in der Lage sieht, ihr Können im OP unter Beweis zu stellen. Ihre Fähigkeiten werden sicherlich noch von großem Nutzen sein, denn - Storm is coming...
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 10. Mai 2013(Grey's Anatomy 9x23)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x23
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