Grey's Anatomy 9x24

Grey's Anatomy 9x24

Der Sturm, der Seattle im neunten Staffelfinale von Grey's Anatomy erreicht, stürzt das Grey Sloan Memorial in ein düsteres Chaos. Während die meisten Ärzte zumindest körperlich unversehrt bleiben, sieht es für einen der Chirurgen finster aus.

Miranda Bailey (Chandra Wilson), Callie Torres (Sara Ramirez) und ein Patient beim Anblick des Busunfalls in „Grey's Anatmy“ / (c) ABC
Miranda Bailey (Chandra Wilson), Callie Torres (Sara Ramirez) und ein Patient beim Anblick des Busunfalls in „Grey's Anatmy“ / (c) ABC

Das große Finale der neunten Staffel von Grey's Anatomy wird mit unheilschwangeren Worten eingeleitet, die der Vorfreude auf die Episode Perfect Storm einen Dämpfer versetzen. Obwohl die gebärende Meredith (Ellen Pompeo) am Ende mit dem Schrecken davonkommt, hat Shonda Rhimes mit ihrer Ankündigung von emotional death für das Staffelfinale nicht übertrieben...

Unüberbrückbare Differenzen

Vor der Kulisse eines tobenden Gewitters entladen sich die unüberbrückbaren Differenzen zwischen Cristina (Sandra Oh) und Owen (Kevin McKidd), die ihr Beziehungsglück bereits seit einer gefühlten Ewigkeit zu überschatten drohen. Während Yang für ihre Arbeit lebt und die erfüllende Zeit im OP keiner anderen Priorität unterordnen möchte, hat der Kontakt zu Ethan (Kyle Silverstein) aufseiten von Hunt eindrucksvoll untermauert, wie stark sein Bedürfnis nach Vaterschaft tatsächlich ist. Gerade weil ihre Verbindung zu Owen so tief geht, erkennt Cristina, dass sie alleine dieses Loch im Leben ihres Partners nicht füllen kann. Obwohl - oder eben weil - ihre Liebe für Owen so stark ist, bereitet sie ihrer Beziehung ein Ende. So traurig diese Entwicklung auch sein mag, hat sie sich insbesondere in den letzten Episoden doch als unausweichlich angedeutet.

Die Ruhe vor dem Sturm

Mit ihrem „everything is just fine“-Mantra scheint Arizona (Jessica Capshaw) im Angesicht des furchtbaren Sturmes - der an den superstorm Sandy denken lässt - genauso sich selbst beruhigen zu wollen wie ihre Kollegen. Trotz ihrer vorangegangenen Untreue gelingt es ihr routiniert, die Übersicht über die Geburtenstation zu bewahren. Im Gespräch mit Alex manifestiert sich zwar ihr ausgesprochen schlechtes Gewissen gegenüber Callie (Sara Ramirez), doch dies geschieht, bevor ihr ganz persönliches Unwetter aus der Chirurgin herausbricht...

Liebe im Sturm

Als Jo (Camilla Luddington) den besorgten Eltern auf einfühlsame und beruhigende Weise erklärt, wie sie ihre Babys beatmen können, kündet das warme Lächeln, das über das Gesicht von Alex (Justin Chambers) huscht, die nachfolgenden Ereignisse an.

Beide Chirurgen haben in ihrer Vergangenheit viel durchmachen müssen. Diese teuer erkaufte Gemeinsamkeit zahlt sich nun endlich aus: Nach Alex' mehr als überfälligem Liebesgeständnis kommt es zwischen den beiden zu einem leidenschaftlichen Kuss. Nachdem dieser Schritt vollzogen ist, steht ihrem Glück wohl hoffentlich nichts mehr im Wege.

Meredith (Ellen Pompeo) bekommt ihr Kind zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt... © ABC
Meredith (Ellen Pompeo) bekommt ihr Kind zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt... © ABC

Eskalation überall

Gerade, als Meredith die Hiobsbotschaft überbracht wird, dass ihr Baby per Kaiserschnitt auf die Welt kommen muss, fällt im Grey Sloan Memorial Hospital der Strom aus. Nach der Operation kommt es zu quälenden Sekunden des Schweigens, bis das außergewöhnlich saubere McBaby endlich ein Lebenszeichen von sich gibt. Doch Merediths einführende Worte vom Beginn der Episode sorgen dafür, dass noch keine Erleichterung aufkommen will.

Als wäre die Situation nicht ohnehin schon prekär genug, müssen Callie und ihre Kollegen fassungslos mit ansehen, wie auf spektakuläre Art und Weise ein Bus verunglückt - und Feuer fängt. Zur gleichen Zeit eskaliert die Lage in gleich zwei Erzählsträngen: Nicht nur in Bezug auf Meredith, deren Sturz in der vorangegangenen Episode Readiness Is All (9x23) glimpflich abgelaufen zu sein schien, fährt Shonda Rhimes ihre dramaturgischen Krallen aus. Denn außerdem scheint Jackson (Jesse Williams) mitsamt des Busses in die Luft zu fliegen...

Wankelmut

Die Rezensentin ist der Figur der April Kepner (Sarah Drew) gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt. So hat der Rotschopf sie bereits oft genug mit ihrer Gabe beeindruckt, selbst im unübersichtlichsten Trubel beim Managen der Notaufnahme zu brillieren. Auch ihr Durchhaltevermögen, nach der gescheiterten Ärzteprüfung weiterzumachen, ist bewundernswert. Gegen die Leistung der Schauspielerin Sarah Drew ist erst recht nichts einzuwenden - schließlich gelingt Drew das Kunststück, einer fiktiven Figur so viel Leben einzuhauchen, dass man ihr echte Emotionen entgegenbringt. Leider nimmt Aprils Wankelmut in Bezug auf Männer immer wieder Unmengen von Spielzeit in Anspruch und reißt sowohl Jackson als auch Matthew (Justin Bruening) mit ins emotionale Verderben.

Kepners wütender Überfall auf Avery („You could have died!“) unterstreicht die Intensität ihrer Gefühle für den Kollegen ebenso eindrucksvoll wie ihre unmittelbare Reaktion auf die Explosion. Während man durchaus nachvollziehen kann, wie ein Schockmoment einem die Augen öffnen kann, ist es in keinem Fall akzeptabel, dass die Ärztin sich Matthew als „Notlösung“ warmhält, als sie Jackson ihre Liebe gesteht. Der herzensgute Rettungssanitäter hat als Charakter zwar nicht durchgehend begeistert, doch eine derartige Behandlung hat er nicht verdient. Auf der anderen Seite ist es nicht gänzlich abwegig, beim Anblick von Averys entblößtem Oberkörper auf dumme Gedanken zu kommen...

Angst und Rettung

Die frisch gebackene Mutter Meredith kämpft plötzlich um ihr Überleben - und weder Derek (Patrick Dempsey) noch Cristina sind an ihrer Seite.

Do not let me bleed out on the table!“ Es ist beruhigend und furchtbar erschreckend zugleich, dass die Chirurgin bei Bewusstsein ist und dem Assistenzarzt Shane Ross (Gaius Charles) so die richtigen Impulse geben kann. In dieser Sequenz wird die große Kunst der Serie deutlich, den Zuschauer auch in der nunmehr neunten Staffel noch in ein Wechselbad der Gefühle stürzen zu können.

Meredith Grey has survived a bomb, a drowning, a gunman and a plane crash - and she is still here.“ In Cristinas Aufzählung der Katastrophen, die Meredith bereits überstanden hat, scheint auch ein kleines Augenzwinkern der Schreiberlinge von Grey's Anatomy mitzuschwingen. Zum Glück wird Cristina an dieser Stelle nicht eines Besseren belehrt.

Genau im richtigen Moment kann Miranda Bailey (Chandra Wilson) nämlich ihre irrationale Angst davor überwinden, ihre Patienten zu kontaminieren. Während selbst Webbers (James Pickens Jr.) Strategie der tough love fehlschlägt, wird die Chirurgin durch die Nachricht von Merediths Zustand aus ihrem Trauma herausgerissen. Dafür wird ihr die Ehre zuteil, dass das McBaby nach ihr benannt wird. Doch gerade, als Miranda zu ihrer alten Form zurückkehrt, manifestiert sich für sie unbemerkt ein weiterer herber Rückschlag: Bailey Sr. will sich nun endlich bei ihrem Freund und Mentoren Richard entschuldigen, doch...

Ist Richard tot?

Cristina, die sich stets durch ein immenses Selbstbewusstsein auszeichnet und generell die fleischgewordene Abgeklärtheit verkörpert, gerät bei einer Herz-OP ohne ausreichende Beleuchtung an ihre Grenzen. Ihre temporäre Schwäche gibt Richard die Gelegenheit, sich noch einmal als erfahrenes Urgestein zu profilieren, dem es immer wieder gelingt, seinen Kollegen zu greatness zu verhelfen.

Nach dem Stromausfall tappt auch Jackson (Jesse Williams) im Dunkeln. © ABC
Nach dem Stromausfall tappt auch Jackson (Jesse Williams) im Dunkeln. © ABC

Während die Handlungsstränge um Meredith und Jackson die Aufmerksamkeit der Zuschauer wie falsche Fährten auf sich ziehen, wird Dr. Webber verdächtig beiläufig bei seinen Reanimierungsbemühungen gezeigt, während sich in seiner feucht gewordenen Umgebung immer wieder elektrische Spannungen entladen. Die Tatsache, dass Richard im Zuge der Episode der - auch sprichwörtlich - verheerendste Schicksalsschlag zuteil wird, ist trotz der Vorhersehbarkeit schockierend. Schließlich hat der liebenswerte Arzt die Serie von Beginn an maßgeblich geprägt und sich in den Herzen der Zuschauer eingenistet. Die Gänge des Grey Sloan Memorial Hospitals wären ohne den ehemaligen Chefarzt ein sehr viel kälterer Ort...

Offene Wunden

Während man Richards Unglück durchaus mit schwerem Herzen herbeiahnen konnte, gelingt es im Falle von Calzona umso großartiger, den Zuschauer damit zu überrumpeln, dass Callie die Untreue ihrer Frau so schnell erkennt.

Vielleicht liegt es darin begründet, dass die Storyline um Arizonas Untreue aus derartig heiterem Himmel einsetzte, aber irgendwie fällt es schwer, der Schauspielerin Jessica Capshaw den wütenden Anfall und die grausamen Vorwürfe an Callie abzunehmen.

Zudem schien Arizona den Verlust ihres Beins doch endlich akzeptiert zu haben. Auf der anderen Seite ist es unmöglich, sich in die Lage einer derartig traumatisierten Person hineinzuversetzen, deren Urteilsvermögen scheinbar nach wie vor durch posttraumatischen Stress getrübt wird. Im Nachhinein spricht vieles dafür, dass bereits die Affäre an sich einen Versuch darstellte, sich für einen Moment wieder in die ausgelassene und unversehrte Arizona von früher zu verwandeln. Und die hatte zwar keine Callie - aber immerhin auch keine Höllenbilder im Kopf - und zwei Beine.

Fazit

Das neunte Staffelfinale ist düster - was nicht allein im allgegenwärtigen Dämmerlicht begründet liegt. In dem wahren Schleudergang der Emotionen, den Perfect Storm darstellt, kann sich der Zuschauer auch in der nunmehr 196. Folge noch intensiv bewegen lassen. Obwohl das potentielle Ende von Richard in seiner Vorhersehbarkeit enttäuscht, vollziehen sich an anderer Stelle Wendungen wie Donnerschläge.

Während Mrs. Rhimes Meredith und ihrer gesamten Familie einen Moment der vollkommenen Glückseligkeit zugesteht und sich für Jo und Alex - und vielleicht auch für April und Jackson - ein Happy End andeutet, stehen anderen liebgewonnenen Charakteren aus der Welt von Grey's Anatomy schwere Zeiten bevor. Dennoch manifestieren sich sowohl im Guten als auch im Bösen eine Vielzahl von verschiedenen Ausgangssituationen, die den Beginn bis zur zehnten Staffel der Serie inakzeptabel lang erscheinen lassen...

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 17. Mai 2013
Episode
Staffel 9, Episode 24
(Grey's Anatomy 9x24)
Deutscher Titel der Episode
Der Sturm
Titel der Episode im Original
Perfect Storm
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 16. Mai 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 28. Dezember 2013
Autor
Stacy McKee
Regisseur
Rob Corn

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x24

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