Grey's Anatomy 9x22

Nicht alle Patientengeschichten aus der Episode Do You Believe in Magic (9x22) können in Bezug auf ihre emotionale Wirkung dem hohen Standard von Grey's Anatomy gerecht werden. Auf Seiten der Chirurgen kann man sich zeitweise nicht des Eindrucks erwehren, sich im Kreis zu drehen. Für die Lichtblicke der neuen Folge sind besonders Cristina Yang (Sandra Oh) und Calzona (Sara Ramirez und Jessica Capshaw) verantwortlich.
Ethans langer Leidensweg
Während sich Owen Hunt (Kevin McKidd) mit seinem kleinen Schützling Ethan (Kyle Silverstein) beim Fußballspielen vergnügt, tut auch Cristina alles, um dem kleinen Jungen zu helfen - auf professionelle Weise. Bei ihrer hingebungsvollen Suche nach Fehlern bei ihrer Behandlung von Ethans komatösem Vater Paul (Michael Buie) schreckt sie nicht einmal vor einer aufwändigen Korrespondenz mit den Kollegen aus Übersee zurück. Doch am Ende werden auch die abwegigsten Therapieversuche nicht von Erfolg gekrönt. Als Nancy (Jennifer Bassey), die Großmutter des Kindes, sich auf rührend-verzweifelte Weise eingesteht, dass sie sich nicht um ihren Enkel kümmern kann, sieht man im Geiste schon vor sich, wie Ethan seinen Rucksack in Owens Hausflur abstellt. Obwohl alle Beteiligten in diesem Handlungsstrang gute Arbeit leisten, zieht sich die episodenübergreifende Geschichte langsam in die Länge.
Als Hunt dann schließlich doch seine Prioritäten klarstellt und Cristina dabei seine bedingungslose Hingabe zusichert, scheint Owen seine väterlichen Ambitionen zu begraben. Doch wie wird sich der Arzt in dem Moment verhalten, in dem sein Schützling von einer Mitarbeiterin des Jugendamtes abgeführt wird? Außerdem scheint Cristina instinktiv zu spüren, dass ihrem Geliebten zum vollständigen Glück noch ein wesentlicher Bestandteil fehlt...
Magischer Fauxpas
Ein misslungener Zaubertrick führt dazu, dass Meredith (Ellen Pompeo), Richard (James Pickens Jr.) und ihre Kollegen gleich „handvollweise“ zerschreddertes Gedärm aus dem Bauchraum ihrer Patientin herausschaufeln müssen.
Es ist zwar ein gern genutztes Charakteristikum von Grey's Anatomy, dass sich die Chirurgen - aufgrund der besonderen Abgebrühtheit, die sie sich in ihrem Berufsfeld aneignen - in unseren Augen oft reichlich geschmacklos verhalten. Die Euphorie, die sich den Assistenzärzten jedoch beim Betrachten eines Videos des fatalen „Eine Frau wird in zwei Hälften gesägt“-Tricks im Internet bemächtigt, ist dennoch nicht leicht zu verdauen.

Die magische Patientengeschichte kann aber auch sonst nicht überzeugen. So ist der Zeitpunkt, an dem die Zaubererassistentin dem Ehemann der Verletzten ihre Affäre mit der Angesägten gesteht, mehr als unplausibel. Auch, dass Meredith und ihre Kollegen mit den lebensrettenden Maßnahmen einhalten, bis das soapige Intermezzo ausgestanden ist, versetzt einer authentischen Wirkung der Sequenz einen erheblichen Dämpfer.
Aprils volltrunkene Strafe
April (Sarah Drew) wird im Rahmen eines weiteren medizinischen Notfalls zur gleichen Zeit endlich für das schlechte Karma abgestraft, das sie sich in den vergangenen Episoden hingebungsvoll erarbeitet hatte. Zwar hat es zweifellos einen gewissen Reiz inne, dem wankelmütigen Rotschopf beim Leiden zuzusehen. Auch stellt das Phänomen der verhängnisvollen Trockeneiscocktails einen interessanten Exkurs in die Realität dar. Doch leider ist die Umsetzung im Rahmen der Serie Grey's Anatomy mit Makeln behaftet.
Trunkenheit bringt zwar selten das Positivste in den Menschen zum Ausdruck. Dass Kims (Jenna Willis) Freundinnen jedoch schlichtweg blind gegenüber der Gefahr sind, in der ihre Kommilitonin schwebt, ist zu überzogen geraten, um gleichzeitig noch realistisch zu wirken. Zum Glück wird der ausufernden Albernheit ein verhältnismäßig schnelles Ende bereitet - es ist nur schade, dass Kim dafür erst Blut spucken muss. Bei der anschließenden Reparatur ihres Magens läuft der Rezensentin dann aber eine ganz andere Flüssigkeit im Mundraum zusammen. Es ist schlichtweg übelkeiterregend, wie sich Jackson und seine Exfreundin dabei schon wieder hingebungsvoll Honig um ihre Münder schmieren. Leider, leider, leider scheint noch ein Hauch von Restmagie zwischen den beiden vorhanden zu sein. Der impulsive Kuss, mit dem Jackson (Jesse Williams) dann aber doch die Lippen der durchweg liebenswerten Stephanie Edwards (Jerrika Hinton) benetzt, ist Balsam für die Seele.
An der Schwelle zum Wahnsinn
Wo ist nur Miranda Bailey (Chandra Wilson)? Die sonst so versierte Chirurgin scheint sich nach dem schrecklichen Trauma aus der vergangenen Episode hinter ihren Genomen zu verschanzen - doch es steht noch schlimmer um das Grey's Anatomy-Urgestein als erwartet.
Beiläufig wird an Callies Ausspruch - „How can you go work when you know Bailey is mad at you?!“ - deutlich, um was für eine wichtige Instanz es sich bei Miranda handelt. Dieser Eindruck wird noch einmal erquicklich untermauert, als ihr ein ganzer Schwarm von besorgten Kollegen vor den sanitären Anlagen auflauert.
Doch weder Callie noch Arizona oder Cristina können in diesem Moment zu Bailey durchdringen, die sich in ihrem Labor einer erschreckend wahnhaften Suche nach eigenen Erregern hingibt. Vielleicht möchte Miranda mit ihrem alten Vertrauten Dr. Webber nichts mehr zu tun haben. Doch der ehemalige Chefarzt weiß genau, was seine alte Freundin jetzt braucht: ihren Ehemann Ben Warren (Jason George).

Lichtblicke und eine böse Überraschung
Sehr schön geraten ist die Dreiecksgeschichte zwischen Arizona, Callie und dem chirurgischen „Superstar“ Dr. Lauren Boswell (Hilarie Burton). Die Faszination, die die attraktive Frau - besonders auf eine der beiden Ehefrauen - ausübt, wird ebenso intensiv spürbar wie Arizonas Versuche, sich gegen die ungewollte Anziehungskraft zu stemmen. Burton wirkt in ihrer Rolle der Boswell so charmant wie natürlich. Zwar ist der Gedanke an Beziehungsprobleme in der Welt von Calzona nicht sonderlich erfreulich. Dennoch bringt Lauren als Lichtgestalt im Ärztekittel eine neue Dynamik in das etablierte Beziehungsgeflecht.
Cristina gibt sich zwar so zynisch wie eh und je - „What is that? The sound of your broken heart?“ - doch nach ihrer Verbrüderung mit Alex (Justin Chambers) in der vorangegangenen Episode Sleeping Monster (9x21) legt sie ihm gegenüber außerdem einen ausgeprägten Beschützerinstinkt an den Tag. Trotz ihrer abschirmenden Bemühungen findet sich am Ende Jo Wilson auf Karevs Türschwelle wieder. Mit ihrem finalen Auftauchen geht jedoch ein gewaltiger Schockmoment einher: Alles deutet darauf hin, dass Alex' großer Schwarm von ihrem Freund Jason (Charles Michael Davis) geschlagen wurde. Das hätte dem hübschen jungen Mann wohl niemand zugetraut. Umso spannender wird es, zu erfahren, wie der impulsive Alex nun reagieren wird...
Fazit
Die Rezensentin tut sich stets ein wenig schwer mit Kinderfiguren, die allzu altklug geraten sind. So kann die Geschichte um die kleine Iris (Caitlyn Leone) sie ebenso wenig berühren wie das überinszenierte Spektakel mit der Magie oder die gackernden Saufnasen mit ihrer Vorliebe für toxische Getränke.
Abgesehen von den bereits angesprochenen Highlights im Handlungsverlauf kann auch das Ende von Do You Believe in Magic besänftigen. Hier kehrt ein Tiefgang in die Serie zurück, der durch seine Lebensnähe bewegt. Die Art und Weise, wie Derek (Patrick Dempsey) und Meredith mit ihrer kleinen Tochter spielen, wirkt nämlich so schnörkellos und natürlich, dass man die Erweiterung der zauberhaften Familie kaum erwarten kann. Ein Blick auf das - lediglich zwei Folgen entfernte - Finale der neunten Staffel von Grey's Anatomy kündigt allerdings einen Sturm an...
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 3. Mai 2013(Grey's Anatomy 9x22)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x22
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