Grey's Anatomy 9x21

Mirandas schwere Prüfung
Miranda Bailey (Chandra Wilson) muss sich in Grey's Anatomy nach den mysteriösen Todesfällen in ihrem Umfeld vor einer Untersuchungskommission verantworten. Wieder und wieder muss die Chirurgin einem der Inquisitoren bis ins kleinste Detail schildern, wie sie in den betreffenden Operationen vorgegangen ist. Mithilfe von Rückblenden in den OP, die sich je nach Baileys Schilderungen verändern, wird sehr gekonnt veranschaulicht, wie die tägliche Routine den Blick aufs Detail verschleiern kann.
Während man Alex (Justin Chambers) am liebsten für seine beiläufige Loyalitätsbekundung („These guys are trying to take down Bailey. They don't deserve nice.“) in den Arm nehmen würde, denkt Jackson Avery (Jesse Williams) in seiner Funktion als Aufsichtsratschef als Erstes an das Wohl des Krankenhauses.
Obwohl Averys Forderung nach bedingungsloser Transparenz ihm wohl den Zorn von so manchem Bailey-Fan einbringen dürfte, handelt er doch eigentlich nach bestem Wissen und Gewissen - und somit richtig. Ohnehin formiert sich dank Merediths (Ellen Pompeo) Vorreiterrolle eine starke Front für die verzweifelte Miranda.
Fatales Timing
Zusätzlich zu ihren ausgeprägten Schuldgefühlen wird Miranda auch noch mit dem vermeintlichen Verrat durch einen engen Freund konfrontiert. So lauscht sie den Worten von Richard Webber (James Pickens Jr.) ausgerechnet in dem Moment, in dem er - alleine um die Angehörigen des dritten Infektionsopfers Seth zu beruhigen - die Schuld einzig „einem der Ärzte“ zuschreibt. Leider ist Bailey schon nicht mehr zugegen, als Richard unmittelbar danach gegenüber Leah (Tessa Ferrer) das Gesagte relativiert.
Es stellt sich heraus, dass die Schuld nicht bei Bailey - als Trägerin der Staphylokokken - liegt, sondern bei fehlerhaften Handschuhen. Dennoch ist Miranda verständlicherweise tief davon betroffen, den Tod von drei Patienten herbeigeführt zu haben. Ihren Schmerz und ihre Enttäuschung schmettert sie dem ehemaligen Krankenhauschef Richard entgegen. Dank des verhängnisvoll konzipierten Timings treibt die Serienschöpferin Shonda Rhimes einen tiefen Keil zwischen Miranda und Richard.

April=stupid, Jackson=awesome
Nicht nur beruflich glänzt Jackson durch sein reifes Betragen, auch privat agiert er feinfühlig - und überhaupt großartig. Als der selbstmitleidige Jammerlappen namens April (Sarah Drew) schon wieder mit dem ganzen Jungfräulichkeitsnonsens beginnt, lässt er sich - im Gegensatz zur Rezensentin - nicht provozieren und reagiert sehr vernünftig. Fast gönnt man es April nicht, dass ihr Rettungssanitäter am Ende doch zu ihr zurückkehrt. Doch auch Matthew (Justin Bruening) hat ja in der vorangegangenen Episode She's Killing Me (9x20) unter Beweis gestellt, dass er ebenfalls gerne unverhältnismäßig intensiv reagiert. Die beiden sind dementsprechend wie geschaffen füreinander.
Five fingers and a turkey dog
Mit den streitlustigen Mitgliedern der Familie Keller, die sich im Rahmen eines Verwandtentreffens versehentlich eine Reihe von Fingern amputiert haben, kommt auch eine angehende Journalistin ins Grey Sloan Memorial Hospital. Die Tatsache, dass einem Frankie bereits nach einer Minute ernsthaft auf die Nerven geht, spricht für das authentische Spiel der Schauspielerin Abbie Cobb, die bereits in Suburgatory, 90210 und zahlreichen anderen Serien mitgewirkt hat. Richtig ans Herz wächst einem in dieser Patientengeschichte allerdings Frankies vertrottelter Onkel Al, der von Mike Hagerty auf sehr liebenswerte Weise porträtiert wird.
Cristina rocks!
„When babys come out, people poop on the table.“ Mit dieser nüchternen Feststellung steuert die großartige Cristina Yang (Sandra Oh) routiniert den humoristischen Höhepunkt der Episode Sleeping Monster bei. Überhaupt begeistert Cristina in jeder Szene: Als eine hochschwangere Patientin kurz vor ihrem Kaiserschnitt in Panik gerät, kann Cristina sie dermaßen einfühlsam beruhigen, dass sich die Tränendrüsen der Rezensentin kurz etwas seltsam anfühlten. Selbst für den Liebeskummer von Alex hat Cristina ein offenes Ohr und gestattet ihrem Kollegen sogar, es sich auf ihrem Bett bequem zu machen.
Während der arme Alex trotz guter Absichten von seiner großen heimlichen Liebe Jo Wilson (Camilla Luddington) abgestraft wird, sieht es auch für Cristinas Beziehung zu Owen (Kevin McKidd) momentan nicht allzu gut aus. So wird die neuerliche Annäherung der beiden Ärzte nach wie vor von ihren konträren Ansichten zum Thema Kinder überschattet.
Nach dem überraschenden Tod von Ethans (Kyle Silverstein) Mutter ist Owen unverhältnismäßig besorgt. Cristina möchte sich trotzdem in den Feierabend verabschieden: „... Because I am his doctor. Not his family.“ Dass Owen bleibt, kann in diesem Zusammenhang fast schon als konkrete Aussage verstanden werden. Die Rezensentin kann sich bereits seit mehreren Episoden nicht dem Eindruck erwehren, dass zwischen Ethan und Owen etwas Langfristigeres heranwächst.

Falls der komatöse Vater von Ethan nicht mehr erwachen sollte, könnte sich Owens Traum von der Vaterschaft recht schnell realisieren. Und mit Ethan hätte der Chirurg keinen schlechten „Fang“ gemacht: „I need to go to my grandma. She needs someone to hold her hand.“ Nicht nur Owen Hunt hat nach diesen tapferen Worten des kleinen Jungen Probleme damit, seine Rührung nicht in Tränen ausufern zu lassen.
Bevor man Dr. Hunt jedoch bei dem Streichen des Kinderzimmers zur Hand geht, sollte man bedenken, dass langfristige Happy Ends in Grey's Anatomy nicht die Regel sind...
Fazit
Die Episode Sleeping Monster beschert den Zuschauern wieder einmal eine emotionale Achterbahnfahrt. Grey's Anatomy kann einem in dieser Folge selbst dann einen Lacher entlocken, wenn man kurz zuvor noch mit den Tränen zu kämpfen hatte. Es ist angenehm, dass Baileys liebgewonnene Figur am Ende durch den Handschuh-Twist „gerettet“ wird. Sie wird in Zukunft wahrscheinlich ohnehin genug zu leiden haben.
Es bleibt zu hoffen, dass sich für sie, aber auch für Yang und Karev, am Ende alles zum Besten wenden wird. Schließlich haben es sich besonders die beiden mit ihren liebenswerten Auftritten in dieser Folge mehr als verdient. Baileys letzte Worte aus dem Off zeichnen allerdings ein pessimistisches Bild: „The monster is awake now and there is nothing you can do about it.“ Aber, nun gut. Das sadistische Monster im Inneren von Mrs. Rhimes scheint ohnehin selten zu schlafen...
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 26. April 2013(Grey's Anatomy 9x21)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x21
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