Grey's Anatomy 9x19

Nach der Explosion eines Tankwagens wird das Grey Sloan Memorial Hospital in der Episode Can't Fight This Feeling (9x19) von einer Flut von Unfallopfern heimgesucht. Das bedeutet für unsere Chirurgen, sich von ihren jeweiligen Liebsten loszumachen, um sich den herbeirauschenden Herausforderungen zu stellen. Zwischen Owen Hunt (Kevin McKidd) und seine Kollegen mischt sich dabei eine junge Dame, die über Jahre hinweg in der Krankenhauscomedy Scrubs mit von der Partie war. In der neuen Folge von Grey's Anatomy ist Sarah Chalke allerdings als verzweifelte Patientin zu Gast.
Instinkte
Das Hauptthema, das der Episode einen Rahmen verleiht, sind mütterliche Instinkte. Meredith (Ellen Pompeo) erspürt ebenso intuitiv die Präsenz ihrer kleinen Tochter Zola, wie die Kellnerin Casey Hedges (Chalke; Dr. Elliot Reid aus Scrubs) ahnt, dass etwas mit ihrem kleinen Sohn Parker (amüsanterweise gespielt von den eineiigen Drillingen Raedin, Hunter und Kaine Reid) nicht in Ordnung ist.
In diesem Erzählstrang wird sehr schön mit den Erwartungen und Mutmaßungen der Zuschauer gespielt. Man wird zwischen dem Verdacht, es bei Casey mit einer überängstlichen Verrückten zu tun zu haben und der gegenteiligen Vermutung, dass der kleine Parker doch ernster erkrankt sein könnte, hin und hergerissen. Besonders die Tatsache, dass Casey neben dem Grey Sloan Memorial Hospital immer wieder auch noch andere medizinische Einrichtungen aufgesucht hatte, nagt an ihrer Glaubwürdigkeit. Im Gegensatz zu Jo Wilson (Camilla Luddington) hat die schwangere Meredith bereits selbst Erfahrungen damit gemacht, von der Angst um den eigenen Nachwuchs heimgesucht zu werden. Entgegen allen rationalen Anzeichen kümmert sie sich zeitintensiv und liebevoll um die verzweifelte Casey, die bereits selbst an ihrer Intuition zweifelt: „I can hear myself sounding crazy, but this feeling won't go away.“
Es gelingt Sarah Chalke in ihrem Gastauftritt dabei ausgesprochen gut, die Zuschauer durch ihr überzeugendes und facettenreiches Spiel in den Bann zu ziehen und zum Miträtseln anzuregen.

Gewissheit
Wie sich herausstellt, lag Casey mit ihren Befürchtungen richtig - ihr Sohn leidet tatsächlich an der Kawasaki disease. Dass diese Krankheit bislang in keinem der Krankenhäuser diagnostiziert wurde, ist zwar etwas merkwürdig, führt aber auf Seiten von Meredith zu dem Entschluss, auch ihrem eigenen Instinkt zu vertrauen. Die Ärztin weist ihre Kollegin Miranda Bailey (Chandra Wilson) an, im Rahmen ihrer zukunftsweisenden Genomforschung sowohl bei Zola als auch bei ihr selbst das Erbgut auszuwerten. Meredith will ihre Tochter so gut wie möglich vor medizinischen Gefahren bewahren und gleichzeitig endlich Gewissheit darüber erhalten, ob sie - wie ihre Mutter - an Alzheimer erkranken wird.
Action
Gerade als April (Sarah Drew) davon schwärmt, wie reibungslos die erste Welle von Unfallopfern in der wieder eröffneten Notaufnahme versorgt werden konnte, erschüttert ein lauter Knall die Gemüter. Eine Luftaufnahme wie aus einem Katastrophenfilm zeigt den explodierten Tanklaster und deutet unheilschwanger an, was noch auf die Ärzte zukommt. Außerdem tragen die Bilder eines brennenden Mannes vor dem Krankenhaus zu dem allgemeinen Aufruhr bei. Weil der einfältige Patient sich trotz seines treibstoffbedeckten Körpers nicht vom Rauchen abhalten lassen wollte, sind die gesundheitlichen Auswirkungen seines Lasters bei dieser Zigarette besonders verheerend. Obwohl der störrische Raucher seine Verbrennungen fraglos selbst zu verantworten hat, ist es doch immer wieder verstörend, wie abgeklärt und empathielos die Ärzte in solchen Momenten erscheinen können. Selbstverständlich tun sie bei allem Zynismus aber trotzdem alles, um dem „human fireball“ zu helfen.
Gleichberechtigung
Das eingespielte Team aus Derek Shepherd (Patrick Dempsey) und seinem begabten Schützling Shane Ross (Gaius Charles) wird um Heather Brooks (Tina Majorino) erweitert. Der Drahtzieher Dr. Hunt möchte sicherstellen, dass von dem Lehrauftrag des Krankenhauses alle Assistenzärzte gleichermaßen profitieren können.
Derek hatte den fraglos überdurchschnittlich belesenen und hochmotivierten Shane bislang stets bevorzugt. Jetzt stellt sich heraus, dass Brooks nicht nur ein Talent dafür hat, grundsätzlich das Falsche - beziehungsweise das Merkwürdigste - zu sagen, sondern dafür immerhin hervorragend fangen kann.
Dank ihrer „schnellen Hände“ gibt Derek auch Heather nun die Chance, an seiner Seite in die Wunderwelt der Neurochirurgie einzutauchen - zum Ärger von Shane, der sich nun gezwungenermaßen auch mit den anderen chirurgischen Fachrichtungen auseinandersetzen muss.
Zu viel des Guten
In einem mitreißenden Strudel aus Leben und Sterben können zwei Erzählstränge nicht gänzlich überzeugen, da sie zu konstruiert wirken. Weder die Tatsache, dass Aprils Rettungssanitäter Matthew (Justin Bruening) am Unfallort heldenhaft das Leben eines Kindes rettet, noch Callies heroische Neuerfindung in ihrer Rede für die renommierte TED („Technology, Entertainment and Design“)-Konferenz wirken authentisch. Dabei ist es aber mehr als schön zu sehen, dass im Hause „Calzona“ endlich wieder die nebensächlicheren Dinge des Lebens Einzug halten.

April nimmt für ihr neuerliches Hadern mit Gottes undurchsichtigem Plan zwar weit mehr Spielzeit in Anspruch, als nötig gewesen wäre. Dafür steuert sie aber in Jackson Averys (Jesse Williams) tröstenden Armen eine der rührendsten Szenen dieser Folge von Grey's Anatomy bei - bis sich zwischen den beiden Ärzten unvermittelt ein Kuss andeutet. Die Vorstellung einer weiteren Portion von „April vs. Jackson vs. Jungfräulichkeit“ ist schlichtweg niederschmetternd.
Owen als Ersatzvater
Der kleine Ethan (Kyle Silverstein) wird vom Schicksal besonders hart getroffen. Zwar können die Chirurgen seine Eltern zunächst am Leben erhalten. Doch der Zustand von Ethans Vater ist weiterhin kritisch und seine Mutter kann ihren Sohn aufgrund einer Hirnverletzung bislang nicht erkennen. Während Cristina (Sandra Oh) gewohnt selbstbewusst und eigenständig um das Leben des Vaters kämpft, hat das ängstliche Kind mit Owen glücklicherweise einen feinfühligen Mann an seiner Seite. Es bleibt abzuwarten, ob Ethan innerhalb der kommenden Episoden noch ein Happy End zuteil werden wird.
Es bleibt spannend
Die Spannungen zwischen Alex Karev (Justin Chambers) und Jos neuem Freund Jason (Charles Michael Davis) sind nicht länger von albernen Streichen dominiert, sondern infiltrieren mittlerweile den ärztlichen Alltag. Zusammen mit Merediths alles entscheidender Genomauswertung („I want to know if I am going to get Alzheimer's“) kann man so auch der Auflösung dieses Konfliktes entgegenfiebern.
Fazit
Die Episode Can't Fight This Feeling überzeugt durch ein hohes Erzähltempo, indem jede Menge Action, Drama und Emotionen mit einem verunsichernden Cliffhanger verwoben werden. Auch wenn dramaturgisch nicht alle Erzählstränge gleichermaßen begeistern, dürfen sich doch viele der Chirurgen in der neuen Folge von Grey's Anatomy verwirklichen. Gleichzeitig ist es besonders für Scrubs-Nostalgiker schön, Dr. Elliot Reid einmal wieder durch die Gänge eines Krankenhauses wandeln zu sehen - auch wenn sie dabei ihren Arztkittel gegen die Uniform einer Kellnerin getauscht hat.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 2. April 2013(Grey's Anatomy 9x19)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x19
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