Grey's Anatomy 9x18

Das frisch umgetaufte Grey Sloan Memorial Hospital feiert sein Debüt in einer ungewohnt harmonischen Folge von Grey's Anatomy. Weil momentan kein wahrhaftiges Drama vorhanden ist, geraten die verschiedenen Chirurgen in Versuchung, sich stattdessen in kleine Problemchen hineinzusteigern oder sich gar Komplikationen herbeizureden. Einige der Kollegen sind in der Episode Idle Hands (9x18) derartig unterfordert, dass sie sich auf unterhaltsame Weise in ihre Kindheit zurückversetzen...
Endlich Arzt sein
Das Krankenhaus und insbesondere der Schwarm der Assistenzärzte freut sich über die Anschaffung des Lodox. Die neue Hightech-Maschine kann einen Patienten in nur 13 Sekunden durchleuchten und bedeutet somit eine heilbringende Revolution für die wieder-eröffnete Notaufnahme.
Cristina Yang (Sandra Oh) und Jackson Avery (Jesse Williams) leiden unter dem gleichen Phänomen: Seit sie zu den Leitern des Krankenhauses gehören, müssen beide Chirurgen viel Zeit für administrative Prozesse opfern. Um in Bezug auf den medizinischen Fortschritt nicht den Anschluss zu verlieren, hängt sich Yang an die Fersen des Herzchirurgie-Pioniers Dr. Russel (Dominic Hoffman) - nur um durch ihn als potentielle Geldquelle für die Finanzierung eines neuen Verfahrens missbraucht zu werden. Auch ihr Leidensgenosse Jackson, der seinen Bedarf an Arzt-Zeit am liebsten durch die Erprobung des Lodox decken möchte, kommt vorerst nicht zum Zuge. Abgesehen von der Murmel, die seit geraumer Zeit irgendwo in dem Körper der durchweg sonderbaren Heather Brooks (Tina Majorino) lagert, will sich partout kein Anlass für die Premiere des kostspieligen Gerätes finden.
Phantom-Probleme
Meredith (Ellen Pompeo) beschwört unterdessen die abwegigsten Horrorszenarien herauf, was die Gesundheit ihres ungeborenen Babys betrifft. Die Schwarzmalerei, in der sich die Angst vor ihrer „feindlichen Gebärmutter“ manifestiert, ist dem eigenen Gemütszustand ebenso wenig zuträglich wie dem des zusehends frustrierten Kindesvaters Derek (Patrick Dempsey). Immerhin führen Merediths dunkle Prophezeiungen zu amüsanten Auseinandersetzungen mit Christina (Sandra Oh): „It probably has three arms and a tail.“ „We own a hospital. Whatever is wrong with your baby - we will fix it.“
Lausbuben und Doktor-Spielchen
Alex Karev (Justin Chambers) findet in seinem zwölfjährigen Krebspatienten einen Verbündeten, um Jo Wilsons (Camilla Luddington) neuen Freund Jason (Charles Michael Davis) zu trietzen. Dabei bedienen sich die beiden aus der Trickkiste von Bart Simpson, indem sie den ungeliebten Konkurrenten dazu bringen, laut nach „Jenny Talia“ zu verlangen. Selbst als sich Richard Webber (James Pickens Jr.) dem schlitzohrigen Duo anschließt, werden die Streiche nicht unbedingt reifer. Dafür darf sich Miranda Bailey (Chandra Wilson) an einer lauwarmen Probe von Jasons Urin erfreuen...

Am Ende lacht allerdings Jason am längsten - schließlich wird er es sein, der sich mit der attraktiven Jo später Doktor-Spielchen der anderen Art hingeben darf. Obwohl die Sympathien der Rezensentin in dem Wettstreit um Jo auf Seiten von Alex liegen, kann sich Jason durch seine scharfzüngige Retourkutsche zumindest einmal etwas markanter hervortun. Ob es Jo wohl gefallen würde, was für Blüten der Kampf um ihre Gunst so treibt?
Bis zum Lebensende
Wie aus einem Hinterhalt wird man in dem Erzählstrang um die Vollblut-Lehrerin Madeline (Annette O'Toole, Smallville) von einer wahren Gefühlswallung überrollt: Die Frau hatte sich mit ihrer gesamten Existenz stets den Schülern verschrieben. Jetzt wird bei ihr ein tückisches Krebsleiden diagnostiziert, das ihrem Leben bald ein Ende bereiten wird. Gerade als man durch ihre Schädeldecke hindurch den Gedanken zu erkennen glaubt, wichtige Zeit durch ihr selbstloses Engagement vergeudet zu haben, kommen ein paar Schüler zu Besuch. So kann Madeline die Kraft schöpfen, um ihren Schutzbefohlenen den Weg in die Zeit zu ebnen, in der sie nicht länger bei ihnen sein wird. Besonders wegen der eindrucksvollen schauspielerischen Präsenz von O'Toole kann man sich der ergreifenden Wirkung dieser Geschichte kaum erwehren.
Erfahrungswerte
Shane Ross (Gaius Charles) sieht sich mit dem höchst aggressiven Vater eines jungen Mädchens konfrontiert, das nach einem Fahrradunfall von Derek am Hirn operiert wird. Da es unseren Chirurgen momentan praktisch an nichts fehlt, müssen eben die Patienten das obligatorische Leid beisteuern.
Als Derek den tobenden Vater schließlich mit einer Prise tough love zur Räson bringt, kommt hinter dessen harter Schale sein zutiefst gequälter Kern zum Vorschein. Dank Dereks geschultem Umgang mit Menschen, die gerade den schlimmsten Tag ihres Lebens bestreiten müssen, kann der Vater seinen blinden Zorn ablegen, um sich ganz den Tränen und der Sorge um seine Tochter hinzugeben. Wie so oft zeichnet sich Derek nicht nur als sensibler Arzt und weiser Mentor aus - er unterstreicht auch gleichzeitig sein ausgezeichnetes Vater-Potential.
Jungfräulichkeitsirrsinn 2.0
April (Sarah Drew) hat sich in den vorangegangenen Episoden dafür rehabilitiert, die Nerven der Zuschauer über lange, lange Zeit hinweg mit ihrem „Religion vs Sex“-Konflikt zu malträtieren. Sowohl als clevere Koordinatorin im OP als auch als feinfühlige Ärztin hat sie in der jüngeren Vergangenheit eine sehr gute Figur gemacht. Dass sie jetzt dank ihrer Jungfräulichkeits-Lüge gegenüber dem Rettungssanitäter Matthew (Justin Bruening) erneut mit dem zwiegespaltenen Psychoterror beginnen darf, nervt. Darüber können auch ihre irrwitzigen Sex-Metaphern nicht hinwegtrösten.

Endlich Sex
Man kann Callies (Sara Ramirez) Frustration in Bezug auf die sexuelle Zurückhaltung ihrer Frau mittlerweile durchaus nachvollziehen. Seit einer gefühlten Ewigkeit wird Arizonas (Jessica Capshaw) Selbstwertgefühl durch die Amputation ihres Beines klein gehalten. In der Atmosphäre der verhältnismäßigen Sicherheit, die das frühere Seattle Grace momentan umgibt - und nicht zuletzt dank Callies Massagetechnik - kann sich Arizona jetzt aber endlich so weit entspannen, dass der intimen Durststrecke in Idle Hands endlich ein Ende bereitet wird. Dank der hervorragenden Chemie zwischen den Schauspielerinnen Ramirez und Capshaw gehören ihre gemeinsamen Passagen zu den einfühlsamsten in dieser Folge von Grey's Anatomy.
Wünsche werden wahr
Cristina erobert sich auf clevere Weise ihren Platz in der Spitze der Herzforschung zurück und Miranda Bailey (Chandra Wilson) muss nicht länger bei ihren Kollegen hausieren gehen. Sie bekommt die Erlaubnis, mit ihrer geliebten Genom-Forschung zu beginnen. Auch der besorgten Meredith gönnt Shanda Rhimes in dieser Episode ein Happy End:
Um ihrem paranoiden Wahn ein Ende zu setzen, bedienen sich die werdenden Eltern des Ultraschalls. So dürfen neben Meredith und Derek auch wir einen ersten Blick auf „McBaby“ werfen! Dabei offenbart sich neben der korrekten Anzahl von Fingern und Armen auch, dass es die kleine Zola bald mit einem Brüderchen zu tun bekommen wird...
Fazit
Die Episode Idle Hands beschert den Ärzten eine derartige Überdosis an Sorglosigkeit, dass sich so mancher Chirurg zu Schabernack berufen fühlt. Weil es den Patientengeschichten gelingt, die nötige Portion Rührung beizusteuern, ist der Mangel an Tragödien recht problemlos zu verschmerzen. Schließlich kann sich der routinierte Zuschauer von Grey's Anatomy ziemlich sicher darüber sein, dass die Harmonie auch in einem „hospital run by doctors“ nicht ewig währen wird. Drama is coming!
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 22. März 2013(Grey's Anatomy 9x18)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?