Grey's Anatomy 9x17

Grey's Anatomy 9x17

In Grey's Anatomy sieht sich Jackson Avery mit einer überwältigenden Herausforderung konfrontiert. Neben der interessanten Entwicklung des jungen Chirurgen liefert die ABC-Serie in dieser Folge jede Menge Spaß - doch es darf auch mitgelitten werden.

Jackson (Jesse Williams) muss sich in dieser Episode von „Grey's Anatomy“ beweisen. / (c) ABC
Jackson (Jesse Williams) muss sich in dieser Episode von „Grey's Anatomy“ beweisen. / (c) ABC

Die Chirurgen im Umfeld von Meredith Grey (Ellen Pompeo) und den anderen Käufern des Krankenhauses sind in der Episode Transplant Wasteland (9x17) - gelinde gesagt - ungehalten über ihren neuen Chef. Jackson Avery (Jesse Williams) sieht sich in seiner Funktion als Vertreter der Harper Avery Foundation mit einer wahren Flut aus Gegenwehr konfrontiert, als er seine Geschäfte aufnimmt.

Neben internen Streitigkeiten bietet Grey's Anatomy in der neuen Folge aber noch sehr viel mehr. Shonda Rhimes beschert den Zuschauern eine große Portion Humor, große Gefühle und ein sehr versöhnliches Ende.

Widerstand und Doughnuts

Als Jackson etwas zu großspurig mit einer Packung Gebäck den Konferenzraum betritt, zieht er schnell den Zorn von Cristina Yang (Sandra Oh) auf sich. Die begabte Chirurgin will sich nicht klaglos den Weisungen von irgendeinem Jungspund aus der plastischen Chirurgie unterordnen. Insbesondere dann, wenn dieser andeutet, Owen Hunt (Kevin McKidd) seiner Funktion des Chief of Surgery zu betrauen.

Kränkung und Schuld

Dr. Webber (James Pickens Jr.) ist ebenfalls nicht davon überzeugt, dass es eine gute Idee seiner Freundin Catherine (Debbie Allen) war, ihrem noch recht unerfahrenen Sohn eine derartig verantwortungsvolle Position zu bescheren. Die erzieherische Uneinigkeit wird aber gegen Ende wieder aufgelöst: Beide Parteien schaffen den Konflikt mithilfe Kommunikation aus der Welt, anstatt ihn durch gekränkte Eitelkeiten eskalieren zu lassen. Catherine Avery macht dabei dank ihrer ehrlichen Entschuldigung eine sehr gute Figur und erscheint gleichermaßen authentisch und sympathisch.

Owen reagiert unterdessen sehr offensiv auf die Tatsache, dass über seine Ersetzung beraten wird. Dies liegt neben den nervlichen Anspannungen der letzten Wochen nicht zuletzt auch darin begründet, dass sich Dr. Hunt noch immer mit dem Gedanken quält, für den verheerenden Flugzeugabsturz verantwortlich zu sein. Als sich dann noch Derek Shepherd (Patrick Dempsey) in einem dramatischen Streitgespräch dazu verleiten lässt, seinem Kollegen ebenfalls die Schuld zuzuweisen, kündigt Owen wutentbrannt.

Schließlich kommt es doch zu einer Aussprache zwischen Derek und Owen. Leider wirkt die gesamte Auseinandersetzung doch reichlich konstruiert, als Shepherd seine unsensiblen Äußerungen vage mit einer Wut gegen seinen alten Freund Mark und die Welt im Allgemeinen rechtfertigt. Immerhin tragen die beiden durch ihre Versöhnung zu der generellen Harmonie dieser Episode bei, über die man in einer derartig von Schicksalsschlägen heimgesuchten Serienrealität durchaus glücklich sein darf.

Blanke Nerven führen zwischen Derek und Owen zu einem Streit. © ABC
Blanke Nerven führen zwischen Derek und Owen zu einem Streit. © ABC

Welcome to my funeral

Der angehende Arzt Brad Parker (Logan Fahey), mit dem April im Mercy West-Krankenhaus zusammengearbeitet hatte, ist todkrank. Statt den Kampf um sein Leben bis zum Ende zu führen, hat sich der Mediziner für eine Donation After Cardiac Death (DCD) entschieden. Durch die zeitnahe Entnahme seiner Organe möchte Parker anderen zu neuem Leben verhelfen.

Unverhofft wird man in diesem Erzählstrang gerade durch Aprils (Sarah Drew) Verhalten sehr gerührt. Nach eingehender Bedenkzeit entwickelt sie sich von Parkers hartnäckiger Kritikerin zur wichtigen Stütze. Ihre Worte „Your kidney could be president some day“ treiben allen Betroffenen in Seattle und wohl auch so manchem Zuschauer die Tränen in die Augen.

Als Brads Mutter (Suzanne Ford) in dem Moment des Todes doch nicht von ihrem Sohn lassen möchte und dadurch die Organspenden gefährdet, bleibt April stark. Dadurch glänzt sie gleichzeitig als empathisches Wesen und als Ärztin.

Crum vs. Schulz

In einer weiteren Patientengeschichte geht es um die hoffnungslos zerstrittenen Nachbarn Mr. Crum (Dave Florek) und Mr. Schultz (Tom Bower). Während Schulz ein neues Herz und neue Lungen von einem fremden Spender bekommt, soll Crum mit dem Herzen seines erklärten Feindes vorliebnehmen. Glücklicherweise findet Cristina die richtige - wenn auch recht morbide - Strategie, um den Streithahn mit dem angeschlagenen Herzen doch noch zum Einlenken zu bewegen. Wie sonst sollte Crum später noch auf Schultzes Grab tanzen können?

Isolation

Ein hartes Los fällt in dieser Folge von Grey's Anatomy dem Chirurgen Alex Karev (Justin Chambers) zu. Nicht nur fühlt er sich durch die verschwörerischen Tätigkeiten seiner besten Freunde hintergangen. Hinzu kommt noch, dass er seine Chance in Bezug auf Jo Wilson (Camilla Luddington) verpasst hat, die nun mit ihrem neuen Freund Jason (Charles Michael Davis) herumturtelt.

Etwas Ablenkung verschafft ihm seine pubertierende Patientin Jaelyn (Tiffany Boone), die er einfühlsam zu ihrem Glück und einer neuen Niere überredet, indem er sich sein eigenes Fehlverhalten vor Augen führt. Als der Arzt in diesem Zusammenhang eine SMS an seine bockige Patientin verschickt, kommt es zu einem erquicklichen - und nicht gänzlich lebensfernen - humoristischen Highlight. Leah Murphy (Tessa Ferrer) artikuliert ihre Bestandsaufnahme von Karevs unbeholfener Nachricht derartig ungläubig, dass die Rezensentin laut auflachen musste: „You sent her an emoticon of a bee and an ice cube?“ Really?

Am Ende kann Meredith ihren alten Freund aber zur Besinnung bringen und Alex entschuldigt sich bei Jo für seine kindischen Anwandlungen. Dass er seinen Konkurrenten Jason dabei stringent ignoriert, lässt Alex zwar nicht gerade reif erscheinen, passt dabei aber gut zu seinem Charakter. Und dass der Arzt sich gegenüber Jo zumindest um eine faire Behandlung bemüht, ist seiner hübschen Kollegin keineswegs entgangen...

Callie und Arizona sind anscheinend überrascht von Averys Entwicklung. © ABC
Callie und Arizona sind anscheinend überrascht von Averys Entwicklung. © ABC

Jacksons Emanzipation

Jackson wurde durch seine Mutter tatsächlich in eine vertrackte Situation manövriert. Seine verkrampften Bemühungen, sich von Catherine zumindest vor den anderen Kollegen zu distanzieren, sabotiert die energische Frau beiläufig durch seine Adressierung als „Sweetheart“.

Auch im Zwiegespräch mit Miranda Bailey (Chandra Wilson) muss sich Jackson gegen neue Widrigkeiten behaupten. Das Erbe der Fast-Übernahme durch Pegasus lastet auf den Ärzten, die sich deswegen noch mit einer Reihe von unbequemen Regelungen konfrontiert sehen. Überall wird die Aufmerksamkeit von Jackson „Boss Man“ Avery verlangt.

Zu allem Überfluss muss Jackson auch noch mit anhören, wie Dr. Webber sich über sein unvermeidliches Scheitern echauffiert. Doch anstatt an dem ungeheuren Druck zu zerbrechen, wächst Avery Junior über sich hinaus.

Boss Man

Die momentane Unterversorgung des Seattle Grace durch Krankenschwestern eskaliert, als gleich drei Patienten komplexen Organspendeoperationen unterzogen werden sollen, aber nur ein OP zur Verfügung steht. Dabei ist nicht schlüssig, was zu diesem Zeitpunkt mit Mr. Crum geschieht. Dessen Operation hätte schließlich zeitgleich mit dem Eingriff von seinem Erzfeind Schultz geschehen müssen und wäre damit zur vierten OP avanciert.

Statt im Angesicht dieser mehr als chaotischen Zustände in die kollektive und aggressionsgeladene Schreckstarre zu verfallen, spricht Jackson ein Machtwort. Dabei profiliert er sich als kompetenter Entscheidungsträger, der auch in turbulenten Situationen nicht die Übersicht verliert. Auch im Ansehen der frischgebackenen Krankenhausbesitzer kann sich Avery feinfühlig rehabilitieren: Owen erhält seinen Posten als Chief of Surgery zurück und auch die Wiedereröffnung der Notaufnahme ist beschlossen. Darüber hinaus initiiert Jackson die Umbenennung des Seattle-Grace-Krankenhauses in das Grey/Sloan Memorial Hospital, wodurch er bei den Hinterbliebenen von Lexie und Mark definitiv den richtigen Ton trifft.

Fazit

Durch die gesamte Episode Transplant Wasteland zieht sich der Humor wie ein roter Faden. Sei es die frustrierte Cristina, die die OP-Übersichtstafel mit einem Rubik's Cube (Zauberwürfel) vergleicht, oder eine Niere, die sich scheinbar eigenständig auf den Weg nach Seattle begeben hat.

Gleichzeitig kommen auch ernstere Elemente nicht zu kurz. Das Gedenken an einen Menschen über dessen Tod hinaus wird nicht nur anhand des neuen Krankenhausnamens thematisiert. Der Kampf gegen das Vergessen reflektiert sich auch in Brads Willen, in Form seiner Organe am Leben zu bleiben. Man darf gespannt sein, ob das hospital run by doctors sich seinem neuen Namen als würdig erweisen wird.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 19. März 2013

Grey's Anatomy 9x17 Trailer

Episode
Staffel 9, Episode 17
(Grey's Anatomy 9x17)
Deutscher Titel der Episode
Transplantationschaos
Titel der Episode im Original
Transplant Wasteland
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 14. März 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 21. Dezember 2013
Autor
Zoanne Clack
Regisseur
Chandra Wilson

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x17

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