Grey's Anatomy 9x10

Grey's Anatomy 9x10

Die Episode Things We Said Today der Krankenhausserie Grey's Anatomy nimmt Abschied von einer altbekannten Figur. Am Ende triumphiert dennoch die Hoffnung - sowohl über weniger gelungene Passagen der Folge als auch über den Abschiedsschmerz.

Wird aus Jackson (Jesse Williams) und Stephanie Edwards (Jerrika Hinton) ein neues Traumpaar in „Grey's Anatomy“? / (c) ABC
Wird aus Jackson (Jesse Williams) und Stephanie Edwards (Jerrika Hinton) ein neues Traumpaar in „Grey's Anatomy“? / (c) ABC

Der unheilschwangere Handlungsstrang „Absturzopfer verklagen Krankenhaus“ kommt glücklicherweise auch in der Folge Things We Said Today (9x10) noch nicht in Fahrt. Dafür bedienen eine Reihe von bewegenden Ereignissen sämtliche Facetten des emotionalen Spektrums. Vor allem der schauspielerischen Präsenz von Chandra Wilson und James Pickens Jr. ist es zu verdanken, dass man auch über weniger gelungene Sequenzen dieser Episode von Grey's Anatomy gnädig hinwegsieht.

Zweifellos Hochzeitszeit

Im Kampf um das Leben von Adele Webber (Loretta Devine) entfällt Miranda Bailey (Chandra Wilson) temporär die Tatsache, dass sie gerade eigentlich vor dem Traualtar stehen sollte. Deswegen wird sie gleich dazu veranlasst, ihre gemeinsame Zukunft mit Ben Warren (Jason George) infrage zu stellen. Doch glücklicherweise kann ihr liebenswerter Verlobter sie einfühlsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Indem Bailey die Latexhandschuhe dem Trauring in dieser Situation vorzieht, kann sie Richard Webber (James Pickens Jr.) einen wahren Freundschaftsdienst erweisen. Gleichzeitig kann sich Miranda durch ihre Entscheidung wieder einmal als beherzte Vollblutchirurgin profilieren, deren Beruf eine wahre Berufung darstellt.

Der ehemalige Chefarzt Webber muss in der Episode Things We Said Today eine emotionale Achterbahnfahrt durchmachen. Zu dem ohnehin hohen Belastungsfaktor, den der Überlebenskampf des Lebensgefährten bedeutet, kommt im Falle der Webbers auch noch deren bewegte Vergangenheit hinzu. So muss sich Richard mit jedem Blick in die verletzlichen Augen seiner Frau darüber bewusst werden, wie sehr er sie in der Vergangenheit verletzt hatte. Alle Selbstvorwürfe, die aus seiner Affäre mit Ellis Grey, seiner neuen Zuneigung für Catherine Avery und Adeles „Abschiebung“ in ein Heim resultieren, platzen endlich heraus. Richard kann es nicht ertragen, von einem Pfleger dafür kritisiert zu werden, sich bei Adele vollkommen aus der Verantwortung gezogen zu haben: „When I said you should visit less frequently, I certainly didn't mean for you to stop altogether.

Obwohl sich Richard in der Vergangenheit lange aufopferungsvoll um seine demenzkranke Ehefrau bemüht hatte, wird sein schlechtes Gewissen in diesem Moment praktisch physisch spürbar. Deswegen kann man auch problemlos Richards hitzige Reaktion nachvollziehen, als der Pfleger ihn mit der unangenehmen Wahrheit konfrontiert.

Adeles Abschied

Insgesamt kann James Pickens Jr. im Laufe der Episode wieder und wieder positiv auf sich aufmerksam machen. So begeistert er vor allem als abgeklärter Mentor, der die Operation an seiner langjährigen Lebensgefährtin mit dem sterilen Vokabular der Mediziner begleitet.

In seinem Moment der Hoffnung kann er ebenso überzeugen wie in dem Augenblick der tiefsten Trauer. Als Richard Meredith auf Baileys Hochzeit Adeles Tod eingesteht, verhilft Pickens Jr. seiner Figur zu einer ausgeprägten Authentizität.

Entgegen der normalen Machart von Grey's Anatomy ist der Zuschauer nicht dabei, als Adeles Körper den Kampf ums Leben verliert. Diese Eigenheit tut dem Herzschmerz aber keinen Abbruch, sondern bereitet der liebenswerten Ehefrau von Richard Webber einen sehr würdevollen Abschied. Die letzte Ehre wird Adele zuteil, indem Richard sie in Form einer Erinnerung an glücklichere Tage für einen letzten Tanz in die Gegenwart zurückholt.

Eine Hochzeit mit Alibihindernissen

Neben dem Schicksal von Adele soll in dieser Folge von Grey's Anatomy vor allem die Frage für Spannung sorgen, ob Bailey ihren Ben - allen schmachtenden Blicken zum Trotz - doch noch am Altar stehen lassen wird. Obwohl Shonda Rhimes in den vergangenen Staffeln zur Genüge bewiesen hat, dass sie selbst vor den tragischsten Wendungen nicht zurückschreckt, war diese potentielle Gefahr für die Liebe nur halbherzig angedeutet. Dass Callie (Sara Ramirez) in diesem Zusammenhang die undankbare Aufgabe zufällt, die Zweifel an der Trauung wiederholt durch ihre Aussprüche anzufachen, bekommt dadurch einen etwas bitteren - weil allzu durchschaubaren - Beigeschmack.

Callzona

Wie um sich bei Ramirez für diese platten Unkenrufe zu entschuldigen, gesteht Rhimes ihrem Charakter großzügigen Spielraum in ihrem eigenen Handlungsstrang zu: Während sich Arizona (Jessica Capshaw) Millimeter für Millimeter an die Normalität heranpirscht, wird Callie ein Opfer von unfreiwilliger Abstinenz. Die sexuelle „Aufgeregtheit“ der Chirurgin dient als humoristisches Element, um Arizonas komplexen Kampf mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu etwas mehr Leichtigkeit zu verhelfen. Außerdem verhilft Callies rallige Grundstimmung auch Derek (Patrick Dempsey) zu einem Stückchen Spielzeit. Dank ihres „Sex Talk“ darf der frisch operierte Derek einen sehr amüsanten - weil komplett überforderten - Gesichtsausdruck an den Tag legen.

Die Mischung aus Humor und quälender Unsicherheit bei Callie und Arizona endet zwar nicht mit dem ersehnten sexuellen Befreiungsschlag. Dennoch gibt es für die beiden ein sehr versöhnliches Ende, indem sich die Frauen des gegenseitigen Zusammenhaltes versichern. Es ist einfach zauberhaft, dass Arizona später nach der Hand ihrer Ehefrau greift und ihr dabei so intensiv entgegenstrahlt, als sei sie ein frisch verliebter Teenager.

Scheidung als Neubeginn

Die Liebe zwischen Owen (Kevin McKidd) und Cristina (Sandra Oh) hat - Hunt selbst zufolge - sehr unter dem „Käfig“ gelitten, den die Ehe für ihre zwischenmenschliche Verbindung bedeutet hatte. Die Scheidung, die für Beziehungen normalerweise das Ende bedeutet, stellt ausnahmsweise einen befreienden Neubeginn dar. Wie bei einem Phoenix, der seinen aufgezehrten Körper schließlich in Asche zerfallen lässt, um daraus neue Lebenskraft zu ziehen, kann sich die Liebe zwischen Yang und Hunt nun von allen Verwerfungen und Altlasten der Vergangenheit befreien, um in der Zukunft wieder eine Chance zu haben.

Motorrad-Einerlei

Nach einer Massenkarambolage werden gleich mehrere Mitglieder einer Motorradgang in das Seattle Grace eingeliefert. Diese Storyline profitiert eindeutig durch die unverwechselbare Erscheinung der Dale Dickey (Breaking Bad, True Blood) als Mrs „My body is 85 percent metal“ Gasoline. Doch damit sind die positiven Merkmale dieses Handlungsstranges bereits erschöpft. Die Rocker sind so eindimensional wie die Geschichte, die um sie herum erzählt wird. Dass sich hinter den harten Bikern am Ende doch Menschen mit großen Herzen verbergen, ist nicht nur vorhersehbar, sondern wirkt darüber hinaus wie ein kitschiges Promotionvideo für mehr Toleranz im Alltag.

Integration der Neuen

In der Episode Things We Said Today dürfen sich Jo Wilson (Camilla Luddington), Shane Ross (Gaius Charles) und Stephanie Edwards (Jerrika Hinton) etwas stärker profilieren. Dabei müssen jedoch alle Assistenzärzte als Anhängsel für einen der altbekannten Chirurgen herhalten.

Das unendliche Hin und Her zwischen April Kepner (Sarah Drew) und Jackson Avery (Jesse Williams) geht nicht nur weiter, sondern beschwört nun indirekt neue Verwirrungen der romantischen Art herauf. Die einen (Team Avery) fallen über einander her, die anderen (Team Kepner) können Missverständnisse aus dem Weg räumen, um sich letztendlich auf kollegiale Platonie zu einigen. Dabei glänzt keiner der beiden Handlungsstränge durch Originalität.

Die Verbrüderung von Jo und Alex Karev (Justin Chambers) kann dabei immerhin die eine oder andere Schlagfertigkeit präsentieren. Auch wenn Wilson in ihrem vorgetäuschten Weinkrampf eher Nerv- als Sympathiepunkte sammelt, stellt ihr feuchtfröhlicher Raubzug mit Karev durch das Hotel einen erfrischenden Exkurs dar.

Fazit

Die Biker-Patienten enttäuschen ebenso wie die Tatsache, dass Cristina und Meredith mit ihrer Freundschaft im Stillstand verharren. Kleine Höhepunkte wie Cristinas Gesichtsausdruck, als sie den Namen „Gasoline“ von der Patientenakte abliest, können diese Mankos aber entschärfen.

Neben einer vor Glück strahlenden Bailey steuert Webber einen großen Teil der emotionalen Intensität zu dieser Folge bei. Es ist schön, dass dem ehemaligen Chefarzt die Gnade zuteil wird, bis zum Schluss an der Seite von Adele zu verweilen. Diese Tatsache sollte ihm in Zukunft die Trauerarbeit erleichtern und sich positiv auf seine Liebschaft mit Jacksons Mutter auswirken.

Stephanie und Avery können sich durch ihre wunderschönen Augen wunderbar anschmachten. Vielleicht bringt ja die offensichtliche Chemie zwischen den beiden den entscheidenden Impuls, um April doch noch zum Handeln zu bewegen. Doch im Angesicht von weiteren Endlosquerelen der Kollegen ist es fast wünschenswert, dass Avery und Neuling „Stef“ sich in der nächsten Folge spontan in Vegas trauen lassen, um der nervenzehrenden Liebschaft aus Jackson und April ein für allemal den Riegel vorzuschieben...

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 14. Januar 2013
Episode
Staffel 9, Episode 10
(Grey's Anatomy 9x10)
Deutscher Titel der Episode
Der Kreis schließt sich
Titel der Episode im Original
Things We Said Today
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 10. Januar 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 13. März 2013
Autor
Austin Guzman
Regisseur
Ron Underwood

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x10

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