Grey's Anatomy 9x11

Grey's Anatomy 9x11

Die Serie Grey's Anatomy zeigt den Ärztealltag in dieser Folge von seiner harmonischsten Seite. Es gibt Liebe, Sex, Freundschaft, Heilung, Geld und ein Baby. Doch die allgemeine Glückseligkeit wird von einer Hiobsbotschaft bedroht.

Cristina (Sandra Oh) lässt auch die Kolleginnen an ihrer guten Laune teilhaben. / (c) ABC/ Foto: Danny Feld
Cristina (Sandra Oh) lässt auch die Kolleginnen an ihrer guten Laune teilhaben. / (c) ABC/ Foto: Danny Feld

Die Episode The End is the Beginning is the End setzt ein, als bereits ein Monat seit dem Tod von Adele Webber vergangen ist. Dennoch hat Meredith (Ellen Pompeo) Cristina (Sandra Oh) noch immer nicht von ihrer Schwangerschaft erzählt. Dafür steht die Auflösung des Rechtsstreits zwischen den Überlebenden des Flugzeugabsturzes und dem Krankenhaus kurz bevor.

Geschieden glücklich

Cristina und Owen (Kevin McKidd) sind frisch geschieden und glücklicher denn je. Obwohl sich die Differenzen der beiden zum Thema Kinderwunsch nicht einfach in Luft aufgelöst haben, schöpfen sie aus ihrem neuen Beziehungsstadium frischen Elan und turteln herum, dass es eine Freude ist.

Der Überschuss an Glückshormonen resultiert auf Seiten von Yang in einer erquicklichen Ausgelassenheit: Egal, ob sie April (Sarah Drew) anhand einer Keksmetapher die „Problematik Avery“ erläutert oder mit einem entspannten Schulterzucken darüber hinwegsieht, dass Meredith ihr die Schwangerschaft verschweigt („She will tell me when she is ready to be happy about it“).

Das Wunder der Platonie

Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) können Zeit miteinander verbringen, ohne sofort miteinander zu schlafen. Weil eine derartig platonische Beziehung in dem Kupplungsmarkt namens Grey's Anatomy einen gewissen Seltenheitswert aufweist, muss die - zumindest temporäre - Abwesenheit von Sex immer wieder aufgegriffen werden. Anstatt es einfach bei Jos „I had to sleep on your livingroom floor“ zu belassen, wird noch eine Fülle von Klarstellungen à la „Being your friend is basically ruining my life“ in ihren Text integriert.

Prickelnder geht es gerade beim Kollegen Jackson (Jesse Williams) zu. Während Averys romantisches Intermezzo mit April die Nerven des Publikums auf eine harte Probe stellte, erweist sich sein Arrangement mit der Assistenzärztin Stephanie Edwards (Jerrika Hinton) als überaus undramatisch. Von der Auflösung der fatalen Kepner-Avery-Konstellation kann auch die Figur der ehemaligen Schweinezüchterin profitieren: Dank ihrer unhysterischen und reifen Reaktion auf Averys „I am kind of sleeping with Stephanie“-Beichte hinterlässt April einen ungewöhnlich angenehmen Eindruck.

Ping-Pong-Manie

Callie beglückt Dr. Shepherd (Patrick Dempsey) und die Zuschauer gleichermaßen mit einer unorthodoxen Rehamaßnahme. Um die Leistungsfähigkeit seiner operierten Hand zu testen, soll Derek sich einem achtstündigen (Konferenz-)Tischtennismarathon beweisen. Sein Spielpartner ist Shane Ross (Gaius Charles). Dank seiner sympathischen Mischung aus untertäniger Zurückhaltung und passioniertem Kampfgeist kann man sich in dieser Episode besonders für diesen Neuzugang erwärmen.

Patientenflut

In der Episode The End is the Beginning is the End wird den Patienten außergewöhnlich viel Sendezeit zuteil. Obwohl gleich drei medizinische Fälle die Expertise der Chirurgen herausfordern, kann keiner davon wirklich hervorstechen: Ein in die Jahre gekommenes Paar gerät durch eine Stripeinlage der Ehefrau in Bredouille. Ein Mädchen wird operiert, weil sie die aggressive Bevormundung durch ihre Mutter nur damit kompensieren konnte, ihre eigenen Haare zu verspeisen. Ein Jugendlicher erhält eine Operation, die sein deformiertes Gesicht ästhetisch verschönern soll.

Es wird schnell deutlich, dass diese Nebengeschichten nicht um ihrer selbst Willen erzählt werden. Vielmehr dienen sie als schiere Projektionsfläche, um bestimmte Facetten der Ärzte hervorzuheben: Die Stripper erlauben Bailey (Chandra Wilson), sich über die vaginalen Sandprobleme auszulassen, die sie während ihrer Flitterwochen von sexuellen Höhenflügen abgehalten hatten. Anhand des Haare-essenden Mädchens kann sich Heather Brooks (Tina Majorino) nicht nur als schräg („I used to eat dirt“), sondern auch als einfühlsam im Umgang mit Patienten zu erkennen geben. Diese Vielschichtigkeit verhilft der Figur der Jungärztin zwar zu etwas mehr Substanz. Der medizinische Fall hingegen wirkt abgedroschen und kann deswegen keine nennenswerten Gefühlsregungen heraufbeschwören.

Averys Emanzipation

Der dritte Patientenerzählstrang ist auf eine Profilierung von Jackson Avery zugeschnitten:

Während Karev sich darüber beklagen kann, nicht in der Unglücksmaschine gewesen zu sein, wird einem die Lücke bewusst, die Mark (Eric Dane) hinterlassen hat. Sein Erbe lebt jedoch in dem Jungen mit dem entstellten Gesicht weiter, den er über Jahre hinweg hingebungsvoll betreut hatte.

Jetzt ist Avery zur Stelle, um in die Fußstapfen von McSteamy zu treten. Dabei legt er allerdings ein hohes Maß an Individualismus an den Tag und wählt eine andere Herangehensweise, als es sein Mentor im Sinn hatte. Von seiner eigenen Strategie lässt er sich auch nicht durch Arizona (Jessica Capshaw) abbringen. Mehr noch - Jackson gibt sich gegenüber seiner Kollegin so selbstbewusst, dass es schon fast an Hochmut grenzt. Doch seine Operation verläuft erfolgreich und damit hat sich Jackson als vollwertiger und vielversprechender Nachfolger für Mark etabliert.

Alles wird gut

Als wenn Avery noch nicht genug zu tun hätte, darf er sich auch wieder als Bote beschäftigen, der Botschaften seiner Mutter Catherine (Debbie Allen) an Richard Webber (James Pickens Jr.) weiterleitet. Doch während bei ihm zuvor die Scham über die Liebschaft überwogen hatte, zeigt er sich nun sichtlich besorgt darüber, dass Webber die Avancen mittlerweile zurückweist.

Als Catherine selbst auf der Bildfläche erscheint, wird sie sehr unwirsch von Richard abgespeist. Wenn die Chirurgin daraufhin alleine im Gang des Krankenhauses zurückbleibt, wirkt sie stark gealtert. Und ihr trauriger Gesichtsausdruck könnte mit Sicherheit auch Granit erweichen. Doch im Einklang mit dem positiven Grundtenor von The End is the Beginning is the End gibt es auch für Richard und seine Catherine ein händchenhaltendes Happy End.

Dinner for Survivors

Erstmals lässt sich Derek anmerken, dass er Owen zumindest eine Teilschuld für den Flugzeugabsturz einräumt. Auch das Gericht sieht Hunts Entscheidung über einen Wechsel der Fluggesellschaft als fahrlässig an - schließlich war die neue Stammairline des Krankenhauses zuvor mehrfach durch mechanische Probleme aufgefallen.

Das Urteil: Die Chirurgen bekommen 15 Millionen Dollar - pro Kopf. Statt den beachtlichen Geldsegen zu feiern, verfallen die frischgebackenen Multimillionäre zunächst in eine Art von Schreckstarre. Callie will diese Reaktion nicht tolerieren und organisiert ein Surviver Dinner.

Nach einer das Leben zelebrierenden Ansprache von Callie kann sich auch Meredith endlich dazu durchringen, neben der Trauer um die Toten auch die Freude über die Zukunft der Lebenden zuzulassen. Euphorisch verkündet sie die frohe Babybotschaft. Beseelt von der allgemeinen Hochstimmung ist auch Derek nicht länger nachtragend und vergibt Owen.

Zu viel des Guten

Wenn enthaltsame Flitterwochen die schlimmste Tragödie in einer Episode von Grey's Anatomy darstellen, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass Shonda Rhimes noch eine bitterböse Überraschung parat hat.

So lässt der Super-GAU - der gleichzeitig als vermeintlich spektakulärer Cliffhanger herhalten muss - nicht lange auf sich warten: Weil die Versicherungsgesellschaft des Krankenhauses sich letztendlich weigert, für die finanziellen Kompensationen der Chirurgen aufzukommen, steht das Seattle Grace nun vor dem Bankrott.

Fazit

Die Episode The End is the Beginning is the End ist witzig und spritzig und verfliegt dank ihrer ausgeprägten Dynamik wie ein gutes Ping-Pong-Match. Negative Aspekte wie die blassen Patienten oder die wenig natürliche Inszenierung der Platonie zwischen Alex und Jo können den Sehspaß nicht trüben.

Sowohl die revitalisierte Cristina als auch die lebensbejahende Callie tragen einen großen Teil zu dem herzerwärmend optimistischen Flair der Folge bei.

Doch dann kommt das Ende: Der Erzählstrang, in dem die Chirurgen ihr eigenes Krankenhaus verklagen, war von Anfang an - gelinde gesagt - fragwürdig. Jetzt soll die drohende Pleite des Seallte Grace für einen schnellen Puls sorgen. Aber im Ernst: Wird die Serie von nun an in vier verschiedenen Privatkrankenhäusern spielen, die sich Cristina, Meredith, Arizona und Derek in ihre Vorgärten bauen? Oder wird es doch auf die pathetische Geste hinauslaufen, dass die Ärzte das eigene Geld am Ende wieder in ihren Arbeitsplatz investieren... Trotz der - in den Augen der Rezensentin - durch und durch überflüssigen gerichtlichen Eskapade kann die Serie Grey's Anatomy auch im Mittelfeld ihrer nunmehr neunten Staffel erquickliche Unterhaltung präsentieren.

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 18. Januar 2013
Episode
Staffel 9, Episode 11
(Grey's Anatomy 9x11)
Deutscher Titel der Episode
Das Ende ist der Anfang ist das Ende
Titel der Episode im Original
The End is the Beginning is the End
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. Januar 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 20. März 2013
Autor
Joan Rater
Regisseur
Cherie Nowlan

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x11

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