Grey's Anatomy 9x06

Grey's Anatomy 9x06

Die neue Episode von Grey's Anatomy ist die bislang schwächste der aktuellen Staffel. Zwar kehren zwei lieb gewonnene Charaktere ins Seattle Grace Hospital zurück, doch das Ende der Folge Second Opinion erstickt die Euphorie.

Nachdem sich die letzte Episode von Grey's Anatomy eingehend mit Meredith (Ellen Pompeo) beschäftigt hatte, konzentriert sich Second Opinion (9x06) auf Cristinas (Sandra Oh) Rückkehr und die anderen Ärzte. Außerdem gewährt die Folge erstmals tiefere Einblicke in das Paralleluniversum der neuen Assistenzärzte. Trotz einiger erfreulicher Entwicklungen kann sich die sechste Episode nicht mit den übrigen Folgen der neunten Staffel messen.

Cristinas Rückkehr

Cristina Yang kommt nach ihrer Flucht nach Minnesota endlich ins Seattle Grace zurück. Somit ist sie nach dem neuerlichen Verlust, den der Tod von Dr. Thomas darstellt, endlich wieder im Kreis ihrer Lieben und bringt ihre Freude auf gewohnt überschwängliche Weise zum Ausdruck: „Yes. Hi. Blabla. Pleasantries.“ Beim Einstellungsgespräch stellt Owen Hunt (Kevin McKidd) jedoch klar, dass es sich bei ihm nicht länger um einen der Liebsten sondern Cristinas Vorgesetzten handelt.

Cristina als Boss

Gleichzeitig wird auch Cristina selbst zur Vorgesetzten, indem sie sich der Assistenzärzte Shane Ross (Gaius Charles) und Heather Brooks (Tina Majorino) annimmt. Ihr neuer Chef Jeff Russell (Dominic Hoffman) setzt der Chirurgin keinerlei Grenzen. Dementsprechend kann Cristina es sich auch erlauben, die Neuen in Anlehnung an die sieben Zwerge umzutaufen. Dabei gelingt es Cristina, die hervorstechendsten Qualitäten in jeweils einem Wort zusammenzufassen. So wird aus Ross wahlweise „Happy“ oder „Dopey“ während sich die unscheinbare Brooks als „Mousy“ betitelt sieht.

Im Zuge einer Notfall-OP erhalten beide Zwergärzte die Gelegenheit, sich als motiviert und operationsgierig zu profilieren.

Cristina und Owen

Die negative Seite einer rein geschäftlichen Beziehung zu Owen offenbart sich in seiner harschen Rüge für Cristinas zwar lebensrettendes, jedoch vorschnelles Eingreifen. Doch im Gegensatz zu Hunt hat Jeff nichts an Cristinas Arbeitsweise auszusetzen. In einem kleinen Nebensatz manifestiert sich plötzlich und unerwartet Hoffnung für neuerliche Harmonie zwischen Hunt und Yang. So erfahren wir, wie sehr sich Owen für Cristinas Rückkehr eingesetzt hatte. Stärker, als es ein bloßer Vorgesetzter getan hätte...

Jo

Jo Wilson (Camilla Luddington) plagt sich mit einem heruntergekommenen Weihnachtsmann herum, der sich in regelmäßigen Abständen über die Assistenzärztin erbricht. Der altbewährte „Kotz-Gag“ kann auch jetzt im Zusammenspiel mit Karevs Tadel zum Schmunzeln anregen. Weil Santa jedoch wieder und wieder zielgenau Jos Brust anvisiert, schwindet die Freude.

Indem Jo sowohl gegen das Erbrochene, als auch gegen die Widerstände von Karev und Owen vorgeht, wird sich gleichzeitig als stark und mitfühlend charakterisiert. Die Tatsache, dass die Assistenzärztin dann auch noch in Bezug auf den Patienten richtig lag, lässt diese Profilierung jedoch zu gezwungen erscheinen.

The Bailey Method

Die clevere, clevere Miranda Bailey (Chandra Wilson) macht sich unterdessen auf fingierte Art und Weise daran, Dr. Arizona Robbins (Jessica Capshaw) in den Arbeitsalltag zurückzulotsen. Ihr spitzbübisches Konzept funktioniert weit besser als Callies (Sara Ramirez) aufopferungsvolle Hingabe, weswegen Arizona eine zaghafte Rückkehr ins Seattle Grace gelingt.

Der endlose Pfad Kepners

April Kepner (Sarah Drew) und Jackson Avery (Jesse Williams) haben Sex. Immernoch und wieder. Als Kepner sich dann aber wieder ihrer Obsession des eigenen Sündenfalles verschreibt, ist das so anstrengend, dass man sie insgeheim wieder auf die Schweinefarm verbannen will. Als Jackson April dennoch seine Liebe gesteht, erscheint dies zwar geisteskrank, aber trotzdem auch ein bisschen romantisch.

Seit Richard Webber (James Pickens Jr.) und Catherine Avery (Debbie Allen) sich innbrünstig ihrem zweiten Frühling hingeben, wird Avery Jr. zudem mit sexueller Spannung aus einer weiteren Richtung konfrontiert. So unendlich albern diese Begebenheiten auch sein mögen - dank Webbers Charme und Averys Verlegenheit kann man auch daraus Freude ziehen.

Randerscheinungen

Ein junger Patient mit Magenschmerzen und akutem Haarausfall wollte beliebt sein und hat deswegen Steroide genommen. Die Tränen seiner Mutter sind ebenso rührend, wie das geschwächte „I am so sorry“ des Jungen. Trotzdem stellt der Fall lediglich eine Randerscheinung dar, und gestattet es dabei mit Stephanie Edwards (Jerrika Hinton) einem weiteren Neuzugang, ein paar Sätze zu sagen.

Zudem wird endlich das Rätsel um den Piloten der Unglücksmaschine gelöst: Jerry (James LeGros) lebt, ist aufgrund seiner Verletzungen jedoch querschnittsgelähmt. Die im Flugzeug verunglückten Chirurgen lehnen eine Klage gegen den Mann entschieden ab.

Callie vs. Derek

Der unglaubliche Stress, dem Callie insbesondere durch Arizonas Verbitterung ausgesetzt war, führt schließlich zu einem wütenden Ausbruch. Dieser findet Derek als dankbares Ziel. Als eine Anschuldigung zur nächsten führt, lässt sich Shepherd ebenfalls zu unverhältnismäßiger Gemeinheit hinreißen. So bricht in einer intensiven Szene hinter Dereks tapferer Fassade endlich hervor, wie sehr er unter der Tatsache leidet, wohl nie wieder operieren zu können.

Während Derek - zusammengesunken wie eine Schildkröte - mit den Anwälten in einem Raum sitzt, kommt Callie, die wohl neue Kraft aus Baileys Erfolg bei Arizona gezogen hat, wieder zur Besinnung: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Das Ende

Die rechtlichen Vertreter von Meredith und den anderen Unfallopfern geben bekannt, dass es das beste wäre, Seattle Grace selbst zu verklagen. Dieser Cliffhanger soll wohl einen Konflikt zwischen den Abgestürzten auf der einen und Krankenhauschef Dr. Hunt auf der anderen Seite andeuten.

Da die großzügige Entschädigungsofferte aus der Episode Love the One You're With jedoch nur darum abgelehnt wurde, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen und somit weitere Opfer zu vermeiden, ist es mehr als abwegig, dass sich die Ärzte darauf einlassen werden.

Den Vorschlag der Anwälte nur aus dem Grunde nicht sofort abzulehnen, damit ein Spannungsmoment in die kommende Episode hinübergetragen wird, ist reichlich billig. Das eigene „Zuhause“ aus Gründen der persönlichen Bereicherung zu verklagen, wäre zu diesem Zeitpunkt so unplausibel, wie es eigenhändig in die Luft zu sprengen.

Fazit

Die Handlung der Episode Second Opinion verläuft nicht sonderlich spektakulär. Die Interns erhalten die Gelegenheit sich ein wenig zu profilieren, wobei aber insbesondere deren frischgebackene Mentorin Cristina eine gute Figur macht.

Bailey beweist einmal wieder den richtigen Riecher, Arizona macht Fortschritte und Callie und Derek dürfen ihrer Frustration auf überzeugende Weise Luft machen.

Auf der anderen Seite hat sich das ewige Hin und Her zwischen April und Avery - trotz des Liebesbekenntnisses - mittlerweile zu einem ausgewachsenen Störfaktor gemausert. Die Auseinandersetzung zwischen Webber und Avery ist niedlich, aber nicht gerade essentiell. Dass Karev jetzt mit Cristina in Merediths Haus zusammenlebt setzt zwar nostalgische Gefühle frei, hätte jedoch weit weniger Erzählzeit in Anspruch nehmen müssen.

So weit, so durchschnittlich. Doch der große „Verklagen wir doch einfach das Krankenhaus“-Twist dieser Folge von Grey's Anatomy ist derartig an den Haaren herbeigezogen, dass er auch die positiven Aspekte der Episode überschattet. Vielleicht hätten sich die Verantwortlichen lieber eine Second Opinion einholen sollen...

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 16. November 2012
Episode
Staffel 9, Episode 6
(Grey's Anatomy 9x06)
Deutscher Titel der Episode
Eine zweite Meinung
Titel der Episode im Original
Second Opinion
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 15. November 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 13. Februar 2013
Autor
William Harper
Regisseur
Chandra Wilson

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x06

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