Grey's Anatomy 9x07

Was sich in der Episode Second Opinion (9x06) bereits unheilschwanger für das Universum von Grey's Anatomy angedeutet hatte, wird in der Folge I Was Made for Lovin' You (9x07) zur bitteren Realität: Die Ärzte, die am Ende der achten Staffel mit dem Flugzeug verunglückt waren, verklagen tatsächlich das Seattle Grace.
Owens Fehler
Wie sich herausstellt, hatte das Krankenhaus den Anbieter für Flugreisen gewechselt, um Geld zu sparen. Der neue Flug-Vertragspartner Sky Trip hatte jedoch bereits eine problembelastete Vergangenheit. Die Unterschrift, die den fatalen Wechsel abgesegnet hatte, stammt von Owen Hunt (Kevin McKidd). Trotzdem versichert ihm Roberta Thompson (Roma Maffia) die uneingeschränkte Unterstützung durch den Aufsichtsrat. Allerdings nicht, weil Hunt so unentbehrlich, sondern weil er mit einem der Absturzopfer verheiratet ist. Die Anwälte erhoffen sich von Owens Ehe mit Cristina (Sandra Oh), dass der gesamte Prozess durch die Verbindung zum Erliegen gebracht werden könnte.
Bailey 2.0
The Nazi ist tot. Miranda Bailey (Chandra Wilson) macht ihrem neuen Spitznamen der Booty Call Bailey alle Ehre, während sie mit ihrem Zukünftigen über das Telefon turtelt. Ihre offensichtliche Schwäche für Ben Warren (Jason George) bringt sie nach einer Phase der Überwindung sogar dazu, sich mit der Idee einer weihnachtlichen Hochzeit anzufreunden. Es ist herrlich, wie die Chirurgin im Angesicht einer Callie (Sara Ramirez) im Ehefrauenbeschützer-Modus ins Straucheln gerät. Plappernd teilt sie Arizona (Jessica Capshaw) mit, dass sie das Stehen an sich oft langweilig finde. Und das Sitzen auch. Dank dieser komischen Einlagen ist es zu verschmerzen, wenn Meredith noch für eine Weile die Rolle des Assistenzärzteschrecks innehat.
Im Gegensatz zu ihrer besten Freundin pflegt auch Cristina einen ungewohnt feinfühligen Umgang mit den Nachwuchschirurgen. Obwohl ihr die augenscheinliche Veränderung, die Bailey ihr attestiert, grundsätzlich gut zu Gesicht steht, ist es sehr befriedigend, dass sie ihre Schüler nach wie vor mit geschmackvollen Kosenamen versieht. Eine noch weichere Cristina wäre keine Cristina mehr.
Leber und Herz
Der todkranke Patient Graham Cunningham (Ivar Brogger) kämpft mit einer versagenden Leber. Das tieftraurige Drama, das sich in diesem medizinischen Handlungsstrang entfaltet, bietet dem Ärzte-Neuling Shane Ross (Gaius Charles) auf eindrucksvolle Weise die Gelegenheit, sich als Mann mit Herz zu profilieren.
Graham versucht, seinen Lebensgefährten Hank (Miguel Sandoval) davon zu überzeugen, die eine gemeinsame Woche, die ihnen noch bleibt, als Geschenk zu betrachten. Da bricht der gestandene Mann Ross in Tränen aus - und das auf so unaufdringliche Weise, dass man Gaius Charles am liebsten in den Arm nehmen würde. Überhaupt bietet der Fall Graham emotionales Futter auf Gourmet-Niveau.
Kepner ist... doof
Dr. April „I want to get merried in a field with wildflowers everywhere“ Kepner (Sarah Drew) glaubt sich schwanger und macht ihrer damit einhergehenden Panik durch eine Reihe von Metaphern aus dem Reitsport Luft. Glücklicherweise wird Jackson Avery (Jesse Williams) durch Callies optimistischen Tatendrang angesteckt und macht dem Nervenbündel einen Quasiantrag. Nach dem langwierigen Jesus-Sex Hin und Her ist es schön und rührend, wie sich das Paar in den Armen liegt und eine rosige gemeinsame Zukunft heraufbeschwört. Doch leider verpuffen alle Pluspunkte, die sich Kepner erarbeitet hat, als sie dem durch und durch liebreizenden Avery nach der Schwangerschaftsentwarnung gewohnt wortgewaltig vor den Kopf stößt.
Facettenreiche Meredith
Dr. Jo Wilson (Camilla Luddington) arbeitet weiterhin mit Meredith zusammen und muss sich dementsprechend mit dem Prinzip der Tough Love arrangieren, das Medusa neuerdings an den Tag legt. Doch Dr. Grey ist keinesfalls boshaft geworden. Gegenüber Derek (Patrick Dempsey) und auch gegenüber Kepner zeigt sie sich von ihrer liebenswürdigsten Seite. McDreamy fasst diese Facette seiner Liebsten schön zusammen: „You used to be so dark and twisted. And now you are optimistic.“
Als sich Meredith mit einem Patienten herumschlagen muss, der seine Hände nicht von ihr lassen kann, darf sich die Chirurgin auch noch in ihrer Funktion als begabte Ärztin beweisen.
Frohsinn im Seattle Grace
Dr. Heather Brooks (Tina Majorino) betätigt sich im Auftrag von Callie und Alex als quietschender Chair Stalker und stellt damit ein zwar albernes, aber durchaus unterhaltsames Element in dieser Episode dar. Überhaupt tut Callie alles, um zu vermeiden, dass Arizona an ihrem ersten richtigen Arbeitstag mit unangebrachter Aufmerksamkeit bedacht wird. Wie sich herausstellt waren die Samthandschuhe jedoch unnötig - die Arizona der Euphorie ist zurück! Kichernd kann sie sich darüber amüsieren, dass sie kein linkes Bein mehr hat. Es ist regelrecht herzerwärmend, dass die Ärztin nach all dem Drama der Vergangenheit wieder zu sich selbst gefunden hat. Das regt nicht nur Karev zu einem erleichterten Lachen an.
Kein gutes Ende
Meredith ist schwanger! Das ist schön! Man freut sich mit ihr und Derek über die anstehende Familienerweiterung, auch wenn Merediths feindliche Gebärmutter das Glück bedroht. Doch Shonda Rhimes konnte es wohl nicht über ihr Herz bringen, die Zuschauer mit einem wohligen Gefühl aus der Episode zu entlassen. Während das eine Paar in Harmonie schwelgen darf, steht die Verbindung zwischen Cristina und Owen vor dem Aus.
Weil Owen seiner Noch-Frau nicht von dem durchtriebenen Spiel des Aufsichtsrates berichten darf, muss er sich von Cristina scheiden lassen, um den juristischen Plan zu durchkreuzen. Da diese Wendung noch nicht tragisch genug ist, hatte Yang fast simultan beschlossen, der Beziehung noch eine Chance zu geben. Wie so oft scheitert Glück an mangelnder Kommunikation...
Fazit
Die Beweggründe der Ärzte dafür, ihr eigenes Krankenhaus zu verklagen, machen in dieser Episode ebenso wenig Sinn wie in der vorangegangenen Folge Second Opinion„44540“. So ging es Derek und Co. doch in erster Linie darum, zukünftige Unfälle zu verhindern, und nicht, sich finanziell zu bereichern.
Nichtsdestotrotz offenbart sich, dass das Krankenhaus tatsächlich eine gewisse Mitschuld an der Tragödie trifft, die Lexie und Mark das Leben kosten sollte. Ob und wie es Owen Hunt gelingen wird, seinen Posten zu wahren, sobald er mit dem Ehefrauenbonus auch die Unterstützung des Aufsichtsrates verliert, bleibt abzuwarten.
Neben dem juristisch angehauchten Handlungsstrang hat die Episode I Was Made for Lovin' You aber noch einiges mehr zu bieten: Liebe, Hoffnung, Drama. Grey's Anatomy liefert genau das, was man sich von der Serie erwartet. Besonders hervorzuheben sind neben der überzeugenden schauspielerischen Leistung von Jessica Capshaw als Arizona die Sequenzen mit dem schwulen Paar Hank und Graham. Es gelingt den dazugehörigen Darstellern auf bestechende Weise, große Gefühle heraufzubeschwören.
Im Ganzen kann die siebte Episode der nunmehr neunten Staffel der Ärzteserie durchaus überzeugen. Lediglich der alberne Grabscher und der rechtliche Irrsinn trüben den Sehspaß. Und vielleicht Kepner.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 4. Dezember 2012(Grey's Anatomy 9x07)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x07
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