Grey's Anatomy 9x05

Cristina (Sandra Oh) ist wieder mit Dr. Parker (Steven Culp) im Bett gelandet. Allerdings wird an Yangs Gedankengängen schnell klar, dass sich an ihren wenig romantischen Gefühlen für ihren „sex friend“ nichts geändert hat: „I am a knife and I am going to stab you in the eyeball.“
Freundschaft schlägt Sex
Mit Parker hat Cristina zwar Sex. Ihre Loyalität ist dennoch voll und ganz auf der Seite ihrer person in Minnesota, dem Ancient Guy Dr. Thomas (William Daniels). Da Parker an seinen Bestrebungen festhält, den in die Jahre gekommenen Kollegen in den Ruhestand zu zwingen, gerät Cristina im Mayo Hospital zwischen die Fronten.
Working Mom
Meredith (Ellen Pompeo) ergötzt sich unterdessen an den fragwürdigeren Freuden der Mutterschaft. Doch spätestens, als sie auf dem Weg zur Arbeit mit einem Unfallopfer konfrontiert wird, sehnt sie sich wohl zu dem Toilettentraining mit Zola zurück. Die schwer verletzte junge Frau ist unter einem Autowrack eingeklemmt und die Chirurgin hat große Schwierigkeiten, die beistehenden Passanten zum Mitanpacken zu bewegen.
Zurück im Seattle Grace hat Meredith alle Mühe, ihre mütterlichen Pflichten mit der Arbeit im Krankenhaus unter einen Hut zu bringen. Zola hat leichtes Fieber und kann deswegen nicht in der hauseigenen Kita unterkommen. Dass sich Meredith daraufhin ohne weiteres Miranda Baileys (Chandra Wilson) Assistenzärztin „stehlen“ kann, macht wieder einmal deutlich, wie sehr sich Grey und besonders „The Nazi“ in den letzten Jahren verändert haben.
Nachdem Miranda in der Vorgängerepisode I Saw Her Standing There als fleischgewordener Scherzkeks für allgemeine Erheiterung gesorgt hatte, verkörpert sie nun eine fürsorgliche Übermutter, die Grey mit Rat, Tat und Rüffel zur Seite steht.
Unsichtbare Wunden
Obwohl der furchtbare Flugzeugabsturz aus der Episode Flight bereits einige Zeit zurückliegt, sind besonders die psychischen Schäden der Betroffenen noch nicht zur Gänze abzusehen. Als Meredith so das Unfallopfer operiert, resultieren die Ähnlichkeiten ihrer Verletzungen mit denen von Lexie darin, dass sie die Lage der Patientin nicht länger objektiv einschätzen kann. Das geht so weit, dass Richard Webber (James Pickens Jr.) - der in seiner besonnenen Routine und seiner Menschenkenntnis das Herzstück vom Seattle Grace symbolisiert - ein Machtwort sprechen muss.
Parallele Universen
Cristina macht in Minnesota an diesem Tag ähnliche Erfahrungen wie Meredith in Seattle. Die Parallelen im Arbeitsleben werden auch grafisch untermauert, indem die beiden Handlungsstränge mithilfe eines Split-Screens dargestellt werden.
Während Cristina und ihr Ancient Guy eine knifflige Herz-OP durchführen, sind die beiden so ruhig und entspannt, dass sie nicht von ihrem liebevollen Kräftemessen absehen. Die konstanten Sticheleien der beiden Ausnahmechirurgen sind wie immer durchweg herzerwärmend: „Thank God I have never had children. They would be just like you.“
Die OP, die gleichzeitig in Seattle stattfindet, verläuft weitaus hektischer. Meredith und ihre Assistenzärzte haben Probleme, eine Verletzung auszumachen. Währenddessen wird Zola aufgrund Dereks (Patrick Dempsey) Abwesenheit von Arzt zu Arzt durch das Krankenhaus gereicht, was sich ebenfalls nicht stressmindernd auswirkt.
Glücklicherweise gelingt es Meredith, die Blutung zu stoppen, was Anlass zu einer dreißigsekündigen Tanzparty gibt. Die bescheidene Miniaturfeier von Grey und ihrem Team ist aus dem Grund so herzerwärmend, weil sich darin eine völlige Bejahung des Lebens an sich widerspiegelt.
Unheilvolles Glück
Nachdem die Seattle-Operation geglückt ist, kann man sich dem unguten Bauchgefühl nicht erwehren, das mit dem Wissen über die legendäre Grausamkeit der Shonda Rhimes einhergeht. Alles spricht dagegen, dass ausgerechnet in Beautiful Doom alle Protagonisten ungeschoren davonkommen. Insofern ist die zwischenzeitliche Glückseligkeit wie ein Rhimes'sches Stilmittel einzuschätzen, das seine unheilschwangeren Schatten vorauswirft.
WHAM!
Nein! Warum ausgerechnet Dr. Thomas? Unvermittelt antwortet der liebenswürdige Chirurg nicht mehr auf Cristinas Fragen. Dr. Thomas' Schicksal scheint bereits besiegelt, bevor er auf dem Boden aufschlägt. Sein Protegé muss seinem Sterben hilflos zusehen, weil sie alle Hände voll mit dem blutspritzenden Körper auf dem OP-Tisch zu tun hat.
Noch während die Wiederbelebungsmaßnahmen laufen, besinnt sich Cristina auf den letzten Rat, den ihr Mentor ihr hatte geben können: Sie atmet gleichmäßig weiter, um weiterhin „denken“ zu können. So gerät Cristina trotz allem nicht in Panik, rettet der Patientin das Leben und erweist sich somit dem Vermächtnis ihres alten Freundes für würdig.
Wiedergutmachung
Wie, um die heimtückische Ermordung von Dr. Thomas wiedergutmachen zu wollen, präsentiert Grey's Anatomy im Anschluss an seinen Tod die kleine Zola in all ihrer entzückenden Niedlichkeit. Auch die junge Frau, die Meredith unter dem Autowrack hervorgezogen hatte, ist auf dem Wege der Besserung. Indem sie die richtigen Entscheidungen getroffen hat, kann Grey nicht nur Dr. Webber, sondern auch sich selbst beweisen, dass sie stärker ist als das Trauma.
Cristina hat durch den Tod ihres Mentors - und Tequila - genug Kraft oder genug Verzweiflung gefunden, um ihre Flugangst zu überwinden und nach Seattle zurückzukehren. Endlich kommt es zu der lange überfälligen Wiedervereinigung der beiden Lieblingspersonen. Aug in Aug mit Cristina macht Meredith klar, dass die Trauerphase des Schocks und der Verleugnung überwunden ist: „Lexie is dead.“
Fazit
Die Episode Beautiful Doom lässt die übrigen Ärzte vom Seattle Grace außen vor, um sich auf Cristina und Meredith zu konzentrieren. Während Derek, Callie, Owen und die anderen nur kurz in die Handlung eingebunden sind - und Arizona überhaupt nicht vorkommt -, erhält der Zuschauer Einblicke in das (Seelen-)Leben der beiden Protagonistinnen. Auf diese Weise wird der langsame Prozess der Genesung hervorgehoben, in dem sich die beiden Chirurginnen befinden.
Der Tod von Dr. Thomas ist herzzerreißend inszeniert. Obwohl er keine offenen Wunden oder abgetrennte Gliedmaßen aufweist, bietet der Chirurg mit seinem offenen Mund und den leeren Augen ein schreckliches Bild. Weil sich Cristina in dem brillanten, aber einsamen Mann selbst zu erkennen scheint, besinnt sie sich auf den Wert der Freundschaft. Dabei gelingt es ihr, Dr. Thomas ein letztes Mal eines Besseren zu belehren. Anstatt ein Buch zur Hand zu nehmen, setzt sich die Chirurgen im Dienst der Freundschaft in ein Flugzeug. Es bleibt zu hoffen, dass Cristina trotz ihrer augenscheinlichen Verbitterung („Everyone's dead“) in Seattle ausharren wird. Dr. Thomas wäre nicht umsonst gestorben.
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 9. November 2012(Grey's Anatomy 9x05)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x05
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