Grey's Anatomy 13x20

© llen Pompeo und Martin Henderson in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Wie so oft bedarf es erst einer mittelgroßen Katastrophe, damit lang schwelende Konflikte, unausgesprochene Gefühle und sonstige Krisen gelöst werden. Mit In the Air Tonight lassen sich die Autor-/innen endlich dazu hinreißen, einen lang hinausgezögerten Entscheidungsmoment zu erzwingen. Meredith (Ellen Pompeo) und Riggs (Martin Henderson) werden dafür buchstäblich an einen Ort versetzt, aus dem es erstmal kein Entkommen gibt: Ein Langstreckenflug mit gehörigen Turbulenzen.
Die Wahl dieser Rahmensetzung ist, so viel bleibt nachvollziehbar, auf vielen Ebenen eine verheißungsvolle. Er eignet sich nicht nur ob der verwehrten Möglichkeit, dieser Konfrontation zu entfliehen dazu, dem Hin und Her ein Ende zu setzen. Vor dem Hintergrund eines der schlimmsten Traumata in Merediths Leben, nämlich jener Flugzeugabsturz, durch den sie ihre Schwester Lexie verlor und Todesängste durchstehen musste, illustrieren die Turbulenzen an Bord ihre Verlustängste und Schuldgefühle durch Flashbacks.
Neben diesen ganz gegenständlichen Rückblicken scheint das Bild des Flugs auf der metaphorischen Ebene aber für weitaus mehr zu stehen: dafür, den Mut zu fassen, Entscheidungen zu treffen - auch auf die Gefahr hin, zu scheitern, (jemanden) zu verlieren, verletzt zu werden.
All das kann In the Air Tonight durchaus transportieren - nur leider nicht sonderlich subtil, sondern mit bildgewaltigen Szenen, die den Zuschauer-/innen emotionale Flashbacks um Flashbacks um die Ohren hauen. Die obligatorischen Chirurgen-Stunts, die Meredith und Riggs während der schlimmen Turbulenzen durchführen, nehmen darüber hinaus derart viel Raum ein, dass am Ende die Frage bleibt, ob es das zweiminütige Gespräch in der Schlusszene nicht auch getan hätte.
You're scared
Einmal abgesehen davon, dass wir diesen Wortwechsel in zahlreichen Variationen schon mehrmals gesehen haben, hätte ein intensiver, dialogischer Vorlauf vor anderem Hintergrund dafür sorgen können, dass an Riggs als Person und neuer Partner von Meredith nicht derart unmittelbare Vergleichsparameter zu Derek angelegt werden.
Meredith hat eine Vergangenheit - eben nicht wie jede/r andere, sondern voll von einem Übermaß an schrecklichen Tragödien, Verlusten und Kämpfen. Es bleibt daher restlos nachvollziehbar, dass sie mit sich hadert, sich ihre Ängste aus Selbstschutz nicht eingestehen kann. Der Grund für ihr Zögern liegt nicht ausschließlich bei Maggie (Kelly McCreary, die sie als Schwester so wie einst Lexie liebt und beschützen will, sondern nach wie vor auch bei Derek: “I'm married.“
Die Verhandlung dieser inneren Auseinandersetzung beschränkt sich in der aktuellen Episode auf wenige Sätze. Das könnte mitunter daran liegen, dass sie gefühlt schon mehrfach ausgetragen wurde, aber nie zu einem Ende fand - warum das so ist, darauf scheint es keine zufriedenstellende Antwort zu geben. So bleibt das ewige Hinauszögern dieser Konfrontation nach wie vor unverständlich. Noch bedauernswerter als das ist das zurückbleibende Gefühl, dass all jene Dialogfetzen und kurzen Szenen auch trotz des nun positiven Ausgang weder Merediths Figur, ihrer Vergangenheit noch Riggs gerecht wurden.
It better be a nice hotel
Riggs kennen wir bislang nur als ehemaligen Schwager von Owen und unnachgiebigen love-interest für Meredith; in letztgenannter Hinsicht sagt er (meistens) die richtigen Dinge zur richtigen Zeit, hat ansonsten aber wenig Profil. Während sich Figuren wie Maggie schnurstracks zu handlungstragenden Charakteren mit Tiefe entwickelten, ist Riggs nach wie vor das Dasein als rebound guy vorbehalten.
Dass dem eigentlich nicht so ist, lässt sich an der augenscheinlichen Anziehung und den inneren Kämpfen ablesen, die Meredith austrägt - weil Riggs aber meist nur reagiert, statt agiert, weil wir ihn als Figur mit eigenen Tiefen nur schemenhaft kennenlernten, drängt sich der oben beschriebene Eindruck weiterhin auf. Die nun bald 20 Episoden, in denen das Hin und Her kein Ende zu nehmen schien, hätten dafür durchaus genutzt werden können.
Ein Großteil der Episode wendet sich dann, einem Ablenkungsmanöver gleich, auch allzu ausführlich den Patienten an Bord oder dem Geplänkel zwischen der Flugbegleiterin und Riggs sowie zwischen Meredith und dem Kinderzahnarzt zu. Gerade letztgenannte Szenen irritieren in In the Air Tonight maßgeblich. Zwar gewinnt der Ort des Geschehens durch die Einbindung der Fluggäste an Raumtiefe. Anstelle der unnötigen Flirts zur Illustration der eigentlich stark vorhandenen Anziehung zwischen Meredith und Riggs hätte auch hier auf mehr Miteinander statt Drumherum gesetzt werden können.
Fazit
Obwohl es zwischen Meredith und Riggs in der Episode In the Ait Tonight endlich zu einer Entscheidung mit positivem Ausgang kommt, kann die Inszenierung derselben nur bedingt zufriedenstellen.
Der gewählte Hintergrund dieser Konfrontation ist zwar naheliegend und bietet scheinbar optimale Eckpunkte der Erzählung, um Merediths innere Konflikte zu illustrieren. Diese Rahmensetzung kommt aber nicht nur wenig originell und dramaturgisch karg daher - trotz bildgewaltiger Szenen und spannungsvollen Elementen.
Vielmehr fehlt eine dialogische Tiefe und ein Vorlauf, der bereits in vorangehenden Episoden versäumt wurde, und der sich vor allem durch die mangelnde Profilschärfung von Riggs Figur erklären lässt. So bleibt zu hoffen, dass die nun getroffene Entscheidung füreinander mit mehr Figurenentwicklung einhergeht.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Don't Stop Me Now“ (3x21):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 14. April 2017(Grey's Anatomy 13x20)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x20
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