Grey's Anatomy 13x21

Grey's Anatomy 13x21

Die Episode Don't Stop Me Now beweist gegenüber ihrer Vorgängerin, dass nicht immer große Katastrophen nötig sind, um emotional mitzureißen. Neben gelungenen Patientengeschichten überzeugt auch die Konfrontation zwischen Meredith und Maggie sowie die Versöhnung von Webber und Catherine.

Kevin McKidd und Debbie Allen in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Kevin McKidd und Debbie Allen in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
© evin McKidd und Debbie Allen in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Gerahmt von einer mittelschweren Katastrophe mit glimpflichen Ausgang stellte die Episode In the Air Tonight die Weichen für lang erwarteten Handlungsfortschritt: Meredith (Ellen Pompeo) konnte sich nun endlich ihren Gefühlen für Nathan Riggs (Martin Henderson) stellen und ihre Verlustängste überwinden. Dass diese Entscheidung von mehr abhing, als einem Unbehagen gegenüber ihrer Halbschwester Maggie (Kelly McCreary) erklärte sich von selbst - zahlreiche Verluste von nahestehenden Menschen in ihrem Leben, etliche Traumata und die Angst davor, mit ihrem toten Ehemann Derek abzuschließen, bestimmten Meredith Verhalten.

Es erfordert daher einiges an Kraft und Mut, den Schritt in ein neues Leben zu wagen. So erfreulich das Ergebnis des turbulenten Fluges auch gewesen sein mag, ließ Meredith somit zwar ihre Vergangenheit ein Stück weit hinter sich. Im Hier und Jetzt gibt es allerdings immer noch Maggie, vor der sie ihre Gefühle bis zur aktuellen Episode Don't Stop Me Now erfolgreich hatte verbergen können. Die nun unausweichliche Konfrontation ist streng genommen deshalb ärgerlich, weil sie einerseits unnötig, und andererseits in ihrem jetzigen Ausgang bis aufs letzte Wort vorhersehbar gewesen ist. Die Inszenierung derselben übertrifft dahingehend überraschenderweise die Erwartungen, was nicht zuletzt der hervorragenden Dynamik zwischen Kelly McCreary und Ellen Pompeo zu verdanken ist.

Handlungsfortschritte finden sich aber auch anderorts. Und manchmal braucht es dafür keinen großen Knall, der mehr von dem ewigen Hinauszögern des Handlungsstrangs erlöst, als dass sein Ausgang tatsächlich überzeugt. Dramaturgisch und dialogisch anspruchsvoller, deshalb aber meist auch gelungener ist es, Zusämmenhänge zu stiften und kleinere Szenen zu verdichten. In der aktuellen Episode wird der Streit zwischen Webber (James Pickens, Jr.) und Catherine Avery (Debbie Allen) auf diese Weise gelöst. Besonders überzeugend und ähnlich unaufgeregt nähern sich die Autor-/innen aber auch Amelia (Caterina Scorsone) und indirekt Owen (Kevin McKidd) wieder an.

Veronica beschließt zu sterben

Um eine Patientengeschichte zu mehr als einer Randnotiz oder Assoziationsfläche der inneren Belange der Protagonist-/innen von Grey's Anatomy zu machen, bedarf es eigentlich nicht viel. Interessanterweise werden beide Varianten in Don't Stop Me Now einander gegenübergestellt: Der Plot um das schräge, weil zuckersüß-nervige Paar Mary (Britt Baron) und Dennis (Shainu Bala) dient einerseits zum Amusement und andererseits zum Anstoß für die Versöhnung zwischen Catherine und Webber. Gegen humorvolle Nebenhandlungen, die so schnell wieder verschwinden, wie sie auftauchten, ist generell nichts einzuwenden - gleichzeitig bewies die Serie gerade in früheren Staffeln, dass mitreißende Patientengeschichten zu den stärksten Elementen derselben gehören.

Das beweist der Plot um die hochschwangere, aber todkranke Krebspatientin Veronica (Brigid Brannagh), die mit ihrem besten Freund Jeremy (Dave Shalansky) einen gemeinsamen Sohn erwartet. Die Zuschauer-/innen lernten die werdenden Eltern und die Dramatik ihrer Beziehung und ihres Lebens schon einige Episoden zuvor kennen. Dass diese schon an und für sich tragische Geschichte so mitreißt, ist also nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass ihr mehr Zeit gewährt wird, als der Umfang einer halben Episode. Darüber hinaus ist es immer wieder so bemerkenswert als erfreulich, wie treffsicher und hervorragend selbst das Casting der Gastdarsteller ist. Brigid Brannagh lässt als sterbende Mutter nur schwerlich ein Auge trocken; die Interaktion zwischen ihr und Amelia am OP-Tisch zählt zu den emotionalsten der aktuellen Episode.

Bis zu ihrem Tod darf Veronicas Geschichte für sich stehen. Amelias eigener Schmerz, der einerseits mit dem Verlust ihres Kindes, andererseits mit den komplexen Verworrenheiten in Bezug auf Owen zusammenhängt, wird zwar bereits in Veronicas letzten Momenten gespiegelt. In dieser Szene wird aber weit mehr verhandelt, als Amelias Selbstreflexion und die Konfrontation mit ihrem eigenen Schmerz. In der Unmittelbarkeit zwischen den beiden Frauen, die in den Minuten vor Veronicas Tod entsteht und sich über alles Gegebene hinwegsetzt, werden die Zuschauer-/innen beinahe gezwungen, sich aus dem Krankenhausserien-Kontext zu lösen. Vielleicht liegt es an dem tollen Schauspiel beider Darstellerinnen. Veronicas Sterbeszene dürfte jedoch zu einer der stärksten Inszenierungen dieser Thematik innerhalb von Grey's Anatomy zählen.

But you're my sister

Nach der überfälligen Entscheidung zwischen Meredith und Riggs steht nun erwartungsgemäß die Konfrontation zwischen den beiden Schwestern an. Deren Eckpunkte sind seit Beginn dieses unglücklichen Dreiecks am Ende der vorangehenden Season vorhersehbar gewesen. Die Entwicklung dieses Handlungsstrangs lässt sich leider nicht hinreichend mit Meredith Charakter, ihrer Vergangenheit und sonstigen inneren Konflikten erklären - er wurde schlicht und ergreifend aus dramaturgischen Gründen bis auf ein Maximum in die Länge gezogen. So war spätestens ab dem Zeitpunkt, als Maggie Meredith immer und immer wieder ihre Gefühle für Nathan ausbreitete klar, dass Letztgenannte sich eigentlich hätte verpflichtet fühlen müssen, Maggie die Wahrheit zu sagen. Gerade Maggie, der aufgrund ihrer eigenen Hintergründe Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit das Höchste sind, wäre ihrer Schwester sicher dankbar gewesen, hätte sie ihr das eigene Hadern mit Nathan erspart.

Dass die Inszenierung dieser notwendigen Konfrontation dennoch einen facettenreichen Drive gewinnt, überrascht daher umso mehr. Sei es die durchaus ergreifende Szene zwischen Pompeo und McKreary in der Kammer, die humorvollen Spitzen in der Cafeteria oder aber das versöhnliche Ende mit Aussicht; trotz der Vorhersehbarkeit der Ereignisse überzeugen diese Szenen gleichermaßen. Vorweggenommen wird zudem, dass sich in Bezug auf Merediths Figur eine Wandlung anbahnt - insofern, als dass die Phase der Neuorientierung nun beendet scheint und sie endlich den Mut fassen kann, sich mit Hingabe und ohne Angst sowohl auf einen neuen Partner, als auch auf ihre Schwestern als enge Bezugspersonen einzulassen.

Fazit

Die Episode Don't Stop Me Now überzeugt vor allem aufgrund der unaufgeregten Inszenierung. Wenngleich Inhalt und Ausgang der Konfrontation zwischen Maggie und Meredith vorhersehbar erschienen, weiß die Ausgestaltung vor allem aufgrund der darstellerischen Leistung von Pompeo und McKreary zu überzeugen. Darüber hinaus scheinen wir mit dem Ende der Unentschiedenheit nun am Anfang einer neuen Phase in Merediths Leben angelangt zu sein - hoffnungsvolle Aussichten finden sich bei Grey's Anatomy eher selten, umso erfreulicher also, dass sie einer der zentralen Figuren gegönnt sind.

Überraschendes Highlight der Episode stellt aber die sowohl darstellerisch, als auch dramaturgisch überzeugnde Patientengeschichte um Veronica dar. Im Anschluss daran werden hoffentlich sowohl Amelias Traumata, als auch die Ehekrise zwischen ihr und Owen in den kommenden Episoden stärker fokussiert werden.

Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Leave It Inside“ (13x22):

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 28. April 2017

Grey's Anatomy 13x21 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 21
(Grey's Anatomy 13x21)
Deutscher Titel der Episode
Vertraute Gesten
Titel der Episode im Original
Don't Stop Me Now
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 27. April 2017 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 21. Juni 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 19. Juni 2017
Autor
Andy Reaser
Regisseur
Louis Venosta

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x21

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