Grey's Anatomy 13x22

Grey's Anatomy 13x22

Nur noch zwei Episoden trennen uns vom Ende der 13. Staffel und auch dieses Mal dürfen die Patientengeschichten im Vordergrund stehen. Sowohl Steph und Alex, als auch April, Maggie und Meredith behandeln komplizierte Tumorerkrankungen. Bei Steph kündigt sich derweil immer stärker eine neue Krise an.

Jerrika Hinton in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Jerrika Hinton in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
© errika Hinton in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Kurz vor dem Finale der 13. Staffel von Grey's Anatomy wird es ungewöhnlich ruhig im Grey Sloan Memorial. Dass der zuletzt überwiegend unaufgeregte Handlungsaufbau nur die Atempause vor einem dramatischen Staffelfinale darstellt, ist zwar denkbar, schließlich ist die Serie für ihre dramatischen Cliffhanger hinlänglich bekannt. Gleichzeitig befinden sich etliche Handlungsstränge in einer ambivalenten Schwebe, irgendwo zwischen Abschluss und Umbruch.

Mit der nun aufrichtig beginnenden Beziehung zwischen Meredith (Ellen Pompeo) und Riggs (Martin Henderson) schließt sich so beispielsweise der Kreis von Verlust zu Trauerphase und Neuanfang. Die aktuelle Episode Leave It Inside streut in dieser Hinsicht jedoch hier und dort kleinere Momente des Zweifels ein - der endgültige Abschied von Derek scheint nach wie vor nicht ganz abgeschlossen zu sein.

Völlig offen sind dagegen zahlreiche andere Handlungsstränge. Seit der figurenzentrierten Episode um Jackson (Jesse Williams) wurde der Annäherung zwischen ihm und April (Sarah Drew) keine weitere Aufmerksamkeit zuteil. Wie es zwischen Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) weiter geht - ob es überhaupt weitergeht - ist ebenfalls völlig unklar. Andrews (Giacomo Gianniotti) Annäherungsversuch an Jo scheitert jedenfalls, wie es ihm Steph (Jerrika Hinton) zuvor voraussagte.

Auf Stephs Entwicklung wird in Leave It Inside hingegen endlich noch einmal fokussierter eingegangen und auch Ben (Jason George) wird aus seinem Sidekick-Dasein hervorgeholt. Klares Highlight beschreibt aber auch in dieser Episode der Entschluss, die Patientengeschichten wieder stärker einzubeziehen und ihnen eine gewisse Eigenständigkeit zuzugestehen.

I'd go to jail for this one

Der Plot um den an einem Tumor erkrankten, jungen Patienten Liam (groß: Hudson West) ist langjährigen Zuschauer-/innen von Grey's Anatomy in seinen Grundzügen zwar keinesfalls neu. Die Intensität, die vor allem dank der herzzerreißenden Darstellung des jungen Gastdarstellers Hudson West erzeugt wird, tröstet über das gefühlt zigfach Wiederholte jedoch hinweg. Darüber hinaus gelingt es den Autor-/innen wieder einmal erstaunlich gut, in einem kurzen Handlungsbogen gesellschaftlich relevante Themen kritisch und trotz vieler Tränen weitestgehend unsentimental aufzugreifen. Die Geschichte um die tiefreligiösen Eltern, die den Hirntumor ihres jungen Sohnes lieber wegbeten wollen, als ihm durch die fähigen Chirurgen und Chirurginnen das Leben zu retten, berührt daher auf ganz besonderer Ebene: sie ist authentisch, sie spiegelt die gesellschaftliche Realität großer Teile der USA wider.

Parallelisiert wird diese Erzählung mit dem wiederaufgegriffenen Trauma von Steph, die sich aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen nur allzu gut in die Ohnmacht und Hilflosigkeit des kleinen Liam hineinversetzen kann - und deshalb die Kontrolle verliert. Außerhalb ihres Daseins als Ärztin und Chirurgin verbleibt ihre wütende Reaktion auf das vernunftverweigernde Weltbild des fanatischen Vaters von Liam restlos nachvollziehbar, und überhaupt ist die Frage aufzuwerfen, inwieweit das Konzept der distanzierten „Professionalität“ überhaupt tragbar ist, angesichts eines solchen Falles. Minnick verkörpert auch in diesem Handlungsstrang die personifizierte Regelkonformität. Diese dramaturgische Entscheidung ergibt zwar im Zuge einer polarisierenden, konturierten Darstellung des Themas durchaus Sinn. Der Figur Minnick, die zwar nicht bruchlos, aber dennoch relativ unkantig und wenig interessant entwickelt wurde, tut diese Entscheidung jedoch keinen Gefallen.

Was Steph betrifft, kommt das Wiederaufgreifen dieses Themas trotz der jüngst zurückliegenden Andeutungen etwas unvermittelt daher. Allem Anschein nach wurde sie nun ersteinmal suspendiert - wie die Autor-/innen Jerrika Hinton, die übrigens auch in dieser Episode wieder eine solide darstellerische Leistung abliefert, aus der Serie schreiben wollen, ist nach wie vor kaum abzusehen.

Change is good

Auch an anderer Stelle haben die Chirurginnen mit einer komplexen Tumorerkrankung zu kämpfen. Zwar weiß die abgeklärte Haltung von Patientin Holly (Aarti Mann) zu amüsieren (auch wenn der irgendwann zwölfte Sex-Joke nicht noch lustiger ist, als der erste); die Intensität der ersten Patientengeschichte erreicht sie jedoch bei weitem nicht. Immerhin lassen sie Autor-/innen die Operation nicht zu einem weiteren Sternchen auf der Liste des Wunderkindes Maggie (Kelly McCreary) werden. Wenngleich man sowohl der sympathischen Chirurgin, wie auch der Patientin einen positiven Ausgang wünscht, so sehr wird doch der Ruf nach einem gewissen Maß an Realitätsnähe stark. Die Chirurginnen des Grey Sloan gehören zwar im fiktionalen Rahmen zu den besten ihrer Zunft; Wunderheilerinnen sind sie aber auch nicht.

Das Augenmerk dieses Handlungsstrang liegt darüber hinaus sowieso auf der Ebene der Protagonisten. Meredith konnte sich in der vorangehenden Episode dazu überwinden, die Auseinandersetzung mit Schwester Maggie zu suchen. So hat Maggie die Information allem Anschein nach nicht nur bestens verdaut, sondern will gemeinsam mit Amelia (Caterina Scorsone) zudem dazu beitragen, dass Meredith ihren ersten großen Schritt in Richtung Neuanfang auch wirklich durchzieht. In dieser Hinsicht erzeugt Leave It Inside eine interessante Ambivalenz, die auch ästhethisch-dramaturgisch gelungen zum Tragen kommt. Meredith innere Auseinandersetzung mit einem endgültigen Abschied von Derek erleben die Zuschauer-/innen als weitestgehend stille Collage kleiner Szenen, in denen sie versucht, auch von den wichtigsten Symbole ihrer großen Liebe Abschied zu nehmen. Dass all das mitten in der Nacht geschieht, dass sie den gerahmten Ehe-Zettel in einer Schublade verschwinden lässt, lässt zumindest ansatzweise den Anschein aufkommen, dass Meredith nun zwar endlich und hundertprozentig will, aber vielleicht doch noch nicht kann. Durch die Nebenhandlungen am Rande von Hollys OP und das gemeinsame Verlassen des Krankenhauses mit Nathan scheint dieser Zweifel aber schließlich unbegründet: Change is good.

Fazit

Nur wenige Episoden vor dem Ende der aktuellen dreizehnten Staffel von Grey's Anatomy fokussieren die Autor-/innen ausgewählte Handlungsstränge, die wie viele zuletzt etwas an Bedeutung verloren. Dass dies in Bezug auf Stephs Figur sicherlich einer strategischen Entscheidung zuzurechnen ist - die Darstellerin wird in der kommenden Season nicht mehr zu sehen sein - tut dem Plot dabei kaum Abbruch, wenngleich er etwas unvorhergesehen daherkommt. Klar hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang allerdings die kurze, nicht besonders originelle aber dennoch gelungene Patientengeschichte um den kleinen Liam, dessen religiös-fanatische Eltern fast den Tod ihres Sohnes herausfordern.

Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „True Colors“ (13x23):

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 5. Mai 2017

Grey's Anatomy 13x22 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 22
(Grey's Anatomy 13x22)
Deutscher Titel der Episode
Gottes Wille
Titel der Episode im Original
Leave It Inside
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 4. Mai 2017 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 28. Juni 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 26. Juni 2017
Autor
Elisabeth Finch
Regisseur
Zetna Fuentes

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x22

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