Grey's Anatomy 13x23

© llen Pompeo und Martin Henderson in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Die letzte Episode vor dem Finale der dreizehnten Staffel mit dem harmlosen Titel True Colors hat es ganz Shonda-esque in sich. Zwar erlebten wir in der Vergangenheit durchaus Finalepisoden, die versöhnlich daherkamen - in der Regel dürfen Zuschauer-/innen von Grey's Anatomy aber dramatische Wendungen, schweres Unglück und viele Tränen erwarten. In diesem Sinne wird auch die Vermutung des vorangehenden Reviews zu Leave It Inside bestätigt: Im Grey Sloan Memorial war es verdächtig ruhig und katastrophenarm geworden; der Plot konzentrierte sich dagegen oftmals gelungen auf die Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen und einzelne Figuren.
Unter der Regie von Kevin McKidd wird die Spannung auf den Abschluss der aktuellen Season nun um ein vielfaches erhöht. Dass True Colors zu einer rundum gelungenen Episode geriert, ist vor allem der dreiteiligen Handlungsstruktur geschuldet, die einerseits auf Eis gelegte Plots wieder aufnimmt und sie gleichermaßen zuspitzt. Andererseits erhalten die Zuschauer-/innen einen Vorgeschmack auf einen der wohl dramatischsten Ausstiege einer Figur beziehungsweise Darstellerin.
Im Grunde ist das nun vorbereitete Ausscheiden von Jerrika Hinton in seinen Vorzeichen denkbar schematisch, denn wir finden alles, was man für eine passable Katastrophe braucht, in wenigen Szenen skizziert: Einen höchst gewaltbereiten und wohl psychisch gestörten Patienten, eine Ärztin, die von ihm gekidnappt wird sowie ein kleines Mädchen, das unglücklicherweise Teil der gefährlichen Situation wird. Und natürlich eine ordentliche Explosion.
...that day can end so so badly
Nach der Einlieferung der Patienten Keith (Casey Thomas Brown) und Alison (Bianca Collins) scherzen die Oberärzte des Krankenhauses noch über die Hintergründe ihrer Autounfalls: Einfach ein hinreißend verliebtes Paar, das vor lauter Anziehung nicht mehr darauf achtete, wo es parkt? Oder doch einfach nur zwei Menschen, die mit derselben Konsequenz schnellen Sex haben wollten? Die Szenen, in denen sich Maggie (Kelly McCreary), Jackson (Jesse Williams), Steph, Minnick (Marika Dominczyk) und Arizona (Jessica Capshaw) gegenseitig humorvoll ihren Zynismus vorwerfen, erhalten abrupt und ungewollt im Fortlauf der Ereignisse einen tatsächlich zynischen Unterton.
Alison war nicht Hals über Kopf in Keith verliebt, sie ist das Opfer einer versuchten Vergewaltigung, die Keith durch den Tritt aufs Gaspedal von diesem grauenvollen Vorhaben abhalten wollte. Dem offensichtlich gewalttätigen und manipulativen Keith gelingt es indes, Steph in seine Gewalt zu bekommen. Was folgt, endet in einer mutmaßlichen Katastrophe. Sicherlich kommt der Plot an und für sich relativ konstruiert daher; zumindest passt das Timing im schlechten Sinne eine Spur zu gut. Der Dramatik und Wucht der Szenerie tut das jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: Sowohl Casey Thomas Brown als brutaler Psychopath, wie auch eine selbstlose und mutige Steph bescheren den Zuschauer-/innen atemlose Spannung, die allem Anschein nach - die schwere Gasexplosion, verursacht durch den von Steph in Brand gesetzten Keith lässt das vermuten - für alle Beteiligten tödlich enden wird. Allerdings, so lässt sich einwenden, geschehen bei Grey's Anatomy nun doch in regelmäßigen Abständen Zeichen und Wunder. Angesichts des bevorstehenden Ausstiegs von Jerrika Hinton liegt die erstgenannte Vermutung jedoch nahe.
Jackson, der sich zwar von Maggie beruhigen lässt, nichtsdestoweniger bereits jetzt mit Schuldgefühlen zu kämpfen hat, könnte insofern im kommenden Finale und der darauffolgenden Season wieder mehr ins Zentrum des Geschehens rücken.
I gave up on her
Trotz dieser aufsehenerregenden Ereignisse gelingt es in True Colors, zwei nicht minder dramatische Entwicklungen gleichbedeutend in den Plot zu integrieren. Auch in diesem Zusammenhang erweist sich Kevin McKidd als Regisseur mit Gespür für eine starke Inszenierung, die in beiden Fällen mit der Wahrnehmungsperspektive der jeweiligen Protagonisten spielt.
Dies trifft insbesondere auf Alex' (Justin Chambers) mysteriösen Ausflug zu, der sich als gedanklicher Rachefeldzug gegen Jos (Camilla Luddington) brutalen Ex-Mann herausstellt. Gleich zwei mal wird die Wahrnehmung der Zuschauer-/innen durch eine suggestive Inszenierung in Frage gestellt. Der Effekt dieses Spiels mit Wirklichkeit und Einbildung, mit Innenperspektive und äußerlicher Realität gelingt dabei nicht nur auf der Oberfläche. Auch auf der Figurenebene werden wir gewissermaßen Teil eines gerafften Entwicklungsprozesses von Alex, der sich in unmittelbarer Nähe zu dem Mann, der seine Freundin (?) brutal misshandelte, mit seinen widerstreitenden Gefühlen auseinandersetzt. Am Ende siegt nicht in erster Linie die Vernunft, sondern der Zufall: Paul Stadler (Matthew Morrison) fährt vor Alex' Augen mit dem Taxi davon. Gerade weil davon auszugehen ist, dass Alex sich ohnehin gegen eine unmittelbare Konfrontation entschieden hätte, kann der dramaturgische Entschluss, ihm diese aktive Rolle vorwegzunehmen, nicht unbemerkt bleiben: Eine gewisse Ambivalenz wird nach wie vor aufrecht gehalten. Dies entspricht somit auch der Dreidimensionalität eines komplexen Charakters wie Alex.
Und auch im Falle des zwar vorhersehbaren, aber dennoch insgesamt überzeugenden Plots um die wieder aufgetauchte Megan Hunt beeindruckt die Wirkung der Wahrnehmungsinszenierung. Owens Panikzustand wird sowohl szenisch, als auch ästhetisch wirkungsvoll umgesetzt; großes Highlight bleibt indes die hervorragende darstellerische Leistung eines Kevin McKidd, der die Erschütterung seiner Figur in einer gemeinsamen Szene mit Caterina Scorsone mitreißend transportiert. Die Konsequenzen, die diese Entwicklung nicht nur für Owen und Amelia, sondern natürlich auch für Meredith (Ellen Pompeo) und Riggs (Martin Henderson) nach sich ziehen wird, stellen darüber hinaus bereits die Weichen für die kommende Season.
Ob eine Neuauflage des Hin und Hers zwischen Meredith und Riggs wirklich wünschenswert ist, bleibt zu bezweifeln. Gleichzeitig böte diese Entwicklung das Potential, letztgenannter Figur endlich etwas mehr Tiefe zu verleihen.
Fazit
Ungeachtet dessen zählt die Episode True Colors kurz vor dem Finale in der kommenden Woche zu den inszenatorisch und dramaturgisch stärksten der aktuellen Staffel. Sowohl in Bezug auf Alex, als auch hinsichtlich Owens Plot überzeugt eine mitreißende Ausgestaltung der Handlung, die besonders auf ästhetischer und darstellerischer Ebene hervor sticht.
Beide stehen sie der Dramatik um die gekidnappte Steph in kaum etwas nach. Inwiefern sich letztgenannter Handlungsstrang nun auflösen wird, ist zwar tendenziell absehbar - gleichzeitig war und ist das Autor-/innen-Team um Shonda Rhimes immer für Überraschungen offen.
Auch für die Rezensentin heißt es kurz vor dem Finale der dreizehnten Staffel Abschied zu nehmen - es war mir eine Freude!
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Grey's Anatomy“, „Ring of Fire“ (13x24):
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 12. Mai 2017Grey's Anatomy 13x23 Trailer
(Grey's Anatomy 13x23)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x23
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