Grey's Anatomy 11x20

Grey's Anatomy 11x20

Ein Flugzeugabsturz ruft vor allem bei Arizona und Meredith schreckliche Erinnerungen hervor. Während Steph ihren Glauben an die große Liebe verteidigt, scheinen sich Owen und Amelia von einem Happy End immer weiter zu entfernen. Dringlicher bleibt aber die Frage um Dereks Verschwinden.

April, Alex und Jo in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC / Foto: Mitchell Haaseth
April, Alex und Jo in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC / Foto: Mitchell Haaseth

Wie zu erwarten, wird auch in One Flight Down nicht aufgelöst, was es mit Dereks (Patrick Dempsey) Verschwinden auf sich hat - im Gegenteil. Angesichts der turbulenten Ereignisse im Krankenhaus rund um einen Flugzeugabsturz mitten im Zentrum von Seattle schwante den Zuschauern nämlich nichts Gutes: Ist Derek in das Unglück verwickelt? Nun, zumindest nicht in dieses. Die letzten Sekunden dieser Episode, so wie die Promo für die kommende Folge scheinen allerdings zu bestätigen, dass ihm etwas zugestoßen ist. Somit erfüllen die bittersüßen Flashbacks dann auch ihren Zweck, zumindest ist es so angedacht. Die schrecklichen Szenen aus dem Wald werden überlagert von Dereks und Merediths (Ellen Pompeo) „letztem“ Gespräch, so dass alles auf eine neue Katastrophe hindeutet. Leider kann diesem Handlungsstrang noch immer wenig abgewonnen werden; Besserung ist nicht in Sicht und überhaupt kann spätestens jetzt gefragt werden, ob es nach elf Staffeln Grey's Anatomy in Bezug auf Derek und Meredith noch etwas zu erzählen gibt.

Why do bad things happen to good people?

Mit dieser Problematik werden Ärzte und Chirurgen zwangsläufig tagtäglich konfrontiert, und jede/r beantwortet diese (Glaubens-)Frage auf seine eigene Art und Weise. Während die einen einen pragmatischeren Umgang pflegen (Alex, Justin Chambers), verteidigen die anderen ihren Glauben an das Gute, die Liebe, das Schicksal (Steph, Jerrika Hinton) - sprich an all das, was das Unerträgliche erträglicher macht. Um dieses Thema geht es in „One Flight Down“ allerdings nur ansatzweise und leider kommen sämtliche Patientengeschichten auch in dieser Episode deutlich zu kurz. Wie so oft dienen sie lediglich als Projektionsfläche für die Probleme, Sorgen und Gefühlszustände der Hauptcharaktere. Natürlich ist das zwangsläufig so, sehen sich Meredith, Arizona (Jessica Capshaw), Callie (Sara Ramirez) und Alex doch eins zu eins konfrontiert mit einem Unglück, dass sie so direkt oder indirekt selbst in ähnlicher Form miterlebt haben. Der kurze Plot um Kate und den Piloten Sam, die vor dem Absturz ihr erstes Date miteinander verbrachten, wirkt nicht zuletzt aus diesen Gründen arg skizzenhaft und exemplarisch - einerseits für Stephs Hoffnungen auf die eine, wahre Liebe, andererseits für die (jetzt schon) problematische Beziehung zwischen Owen (Kevin McKidd) und Amelia (Caterina Scorsone).

Und damit wären wir auch schon bei dem nächsten Ärgernis. Eigentlich hätte alles so schön und/oder so spannend werden können: Owen und Amelia, zwei verletzliche Menschen mit ähnlich prägender Vergangenheit finden und verlieben sich. In der vorangegangen Episode deuteten sich dann aber die ersten dunklen Wolken am rosaroten Himmel an, vor allem von Amelia ausgehend. Sicherlich dürfte klar gewesen sein, dass die Autoren den beiden den ein oder anderen Stein in den Weg legen, wir reden hier schließlich von Grey's Anatomy. Dass dies aber nach dem scheinbar gleichen Muster abläuft und darüber hinaus ein wenig schwammig bleibt, was genau jetzt eigentlich Amelias Problem ist, stört maßgeblich. Die besagte Schwammigkeit ergibt sich vor allem aus dem Umstand, dass sowohl Kenner als auch Nicht-Kenner des Spin-Offs Private Practice mit der schlichten Begründung ihrer „dunklen, schlimmen Vergangenheit“ abgespeist werden. Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Ihr verstorbener Verlobter? Ihre Drogenabhängigkeit? Die Konkurrenzkämpfe mit Derek? Oder alles zusammen? War sie am Ende aber nicht sogar glücklich verlobt? Nicht zuletzt deshalb wirken die Auseinandersetzungen zwischen Owen und Amelia ein wenig zu konstruiert, zu beabsichtigt.

Ein kleiner Lichtblick kommt allerdings in Form von Owens Reaktion auf Amelias Verhalten. Wenigstens scheint er mittlerweile doch sicherer zu sein, in dem, was er will - im Umkehrschluss auch in dem, was er nicht will. Dementsprechend deutlich wurde er dann auch mit seinem (wenn auch fragwürdigen) Vergleich der kurzen Beziehung mit einem Flugzeugabsturz. Auch, wenn das sicherlich noch nicht alles gewesen sein kann zwischen Owen und Amelia, ist sein neuerliches Durchsetzungsvermögen definitiv ein Fortschritt. Es bleibt zu hoffen, dass die Autoren hinsichtlich dieses Handlungsstrangs noch nicht am Ende ihrer Ideen angelangt sind - scheinbar gilt das allerdings für Meredith und Derek.

What if?

Meredith ist mit den Nerven am Ende, denn Derek ist offenbar weder zu seinem letzten Meeting in D.C erschienen, noch gab es seit seiner Abreise ein Lebenszeichen von ihm. Alles deutet mehr als offensichtlich auf eine Katastrophe hin, und dieser Vorahnung wird durch eine Vielzahl an Flashblacks dann auch weiter Futter gegeben. So werden die schrecklichen Erlebnisse des Flugzeugabsturzes und den damit verbundenen Ängsten um die Liebe ihres Lebens dem letzten Gespräch der beiden vor Dereks Abreise gegenübergestellt. Abgesehen von der irritierenden Harmonie in Bezug auf letztgenanntes Gespräch (von Kinderwunsch bis „It has always been you“ seitens Derek) stört letztlich aber vor allem das „große Ganze“.

Amelia und Owen in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/ Mitchell Haaseth
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Denn mittlerweile liegt schlicht und ergreifend die Annahme nahe, dass den Autoren nach elf langen Staffeln nichts Neues mehr einfällt. Das ist gewissermaßen vor allem deshalb nicht nachvollziehbar, da zumindest theoretisch noch einiges denkbar wäre - offenbar aber nicht seitens der Autoren. Was wäre denn, wenn man die beiden tatsächlich einmal (endgültig) trennen würde, statt die Beziehungsprobleme wenig elegant durch eine weitere lebensbedrohliche Katastrophe zu lösen? So wird doch immer und immer wieder ein altbekanntes Muster durchgekaut (das Bailey ironischerweise in dieser Episode in den Mund gelegt wird): Die beiden haben tiefgreifende Probleme, trennen oder streiten sich, dann geschieht irgendein Unglück, und die beiden erkennen - so wie Dr. Webber (James Pickens Jr.) - was sie eigentlich aneinander und im Leben haben. Irgendwann ist die darauffolgende Harmonie dann aber wieder so ausgereizt, dass etwas neues passieren muss, und der ganze Spaß beginnt von Neuem...

Vielleicht wird sich an dieser Stelle auf hohem Niveau beschwert, schließlich kann der Serie andernorts durchaus noch einiges abgewonnen werden - man denke an den Plot um April und Jackson, an das humoristische Potential der Figur von Steph oder an die noch längst nicht ausgeschöpften Potentiale in Bezug auf Alex. Mit dem Handlungsstrang um Meredith und Derek scheint der Zenit aber erreicht, wenn nicht gar überschritten. Darum ist es wie im echten Leben: Manchmal ist es einfach an der Zeit für etwas Neues.

Fazit

One Flight Down arbeitet sich an den Auswirkungen eines Flugzeugabsturzes in Seattle ab. Vielmehr als die Opfer des Unglücks stehen allerdings abermals die persönlichen Bezugnahmen der Hauptcharaktere darauf im Vordergrund des Geschehens - logisch, schließlich mussten Arizona, Meredith und auch die indirekt Betroffenen einst Ähnliches durchleben. Die mehr oder weniger exemplarische Patientengeschichte um Kate und Sam wird dann vor allem der problematischen Beziehung von Owen und Amelia gegenübergestellt.

In diesem Zusammenhang störte weiterhin die Unschärfe in Bezug auf Amelias Verhalten. Bislang wirkt es schlicht so, als begründeten sich die Schwierigkeiten der beiden schlicht im Selbstzweck: Für ein Happy End, beziehungsweise für eine erst einmal unproblematische Beziehung ist es zu früh. Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits schade, und es bleibt zu hoffen, dass dem Handlungsstrang um Owen und Amelia bald eine interessantere Wendung gegeben wird.

Gleiches gilt gewissermaßen für Derek und Meredith. Da eine 180 Grad-Wendung in diesem Fall aber eher unwahrscheinlich ist, dürfen sich die Zuschauer hoffentlich wenigstens auf eine spannende Auflösung von Dereks Verschwinden in der kommenden Episode freuen.

Promo zur Episode 11x20 der Serie „Grey's Anatomy“:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 17. April 2015

Grey's Anatomy 11x20 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 20
(Grey's Anatomy 11x20)
Deutscher Titel der Episode
Last der Erinnerung
Titel der Episode im Original
One Flight Down
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 16. April 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 3. Oktober 2015
Autor
Austin Guzman
Regisseur
David Greenspan

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x20

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