Grey's Anatomy 11x19

Grey's Anatomy 11x19

In Crazy Love wird dem Titel der Episode gleich auf mehrfache Weise Rechnung getragen. Während Derek einmal zu viel betont, sicher bald wieder aus D.C. zurück zu sein, wird auch die noch frische Beziehung zwischen Owen und Amelia auf die Probe gestellt.

Jerrika Hinton und Camilla Luddington in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC / Foto: Mitchell Haaseth
Jerrika Hinton und Camilla Luddington in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC / Foto: Mitchell Haaseth

Auch in Crazy Love halten sich die Autoren von Grey's Anatomy mit dem Wink mit dem Zaunpfahl kaum mehr zurück. Wollten oder konnten die Zuschauer schon in der vorangegangenen Episode der neuerlichen Harmonie und Idylle zwischen Derek (Patrick Dempsey) und Meredith (Ellen Pompeo) nicht so recht trauen, scheint das Ende von „Crazy Love“ die Vorbehalte zu bestätigen. In Verbindung mit Amelias (Caterina Scorsone) Ansage an ihre Schwägerin und der Promo zur kommenden Episode schwant geübten „Grey's Anatomy“-Zuschauern allerdings nichts Gutes.

Abseits der angedeuteten Wendung im Fall von Meredith und Derek werden auch die zarten Bande zwischen Owen (Kevin McKidd) und Amelia auf die Probe gestellt. In Bezug darauf scheint es immer deutlicher zu werden, dass Dereks Schwester sehr mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Bei aller grundsätzlichen Sympathie (vor allem für Amelia) stellt sich dennoch die Frage, ob nicht eine mehr als breitgetretene Krisenbeziehung reicht - nicht nur in dieser Episode sind sämtliche „Baustellen“ kaum mehr überschaubar. Nicht zuletzt aus diesem Grund fallen die wirklich gelungenen Szenen um Steph (Jerrika Hinton) umso mehr ins Gewicht. Ihre Figur gewinnt nach und nach zunehmend an Profil und auch in „Crazy Love“ retten die kurzweiligen, teils sehr amüsant geschriebenen Monologe von Steph über das eine oder andere Ärgernis hinweg.

Wait for me

Der bereits erwähnte, unübersehbare Zaunpfahl erschlägt die Zuschauer schon in den ersten Momenten von „Crazy Love“. Und der beinhaltet das volle Programm: Sex wie frisch verliebte Teenager, Familienidylle und treuselige Versprechen und Beteuerungen seitens Derek, so schnell aus D.C. wieder zurück zu sein, dass Meredith kaum merkt, dass er weg war. Letztere werden dann allerdings einmal zu viel ausgesprochen, so dass neben den zwei Mobiltelefonen (gut, so ungewöhnlich ist das nicht) schlicht die allzu perfekte Atmosphäre zwischen den beiden für Irritation sorgt. Am Ende stellt sich dann auch noch heraus, dass Derek nie zu seinem Abschlussmeeting erschienen ist.

An diesem Punkt gelingt es den Autoren relativ geschickt, ein wenig Raum für Spekulationen zu schaffen: Ist Derek heimlich bei Renne? Oder ist ihm etwas Ernsthaftes zugestoßen? Die Annahme liegt nahe, dass die Autoren den großen Knall zwischen Meredith und Derek bis zum Staffelfinale hinauszögern wollen - so weit, so in Ordnung, denn diese Dynamik und Erzählweise ist nicht nur für Grey's Anatomy charakteristisch. Und überhaupt schreit es förmlich nach irgendeiner Wendung, ist man dem schier endlosen Hin und Her zwischen den beiden so langsam, aber sicher überdrüssig. Die Hoffnung, dass durch die Krise der beiden den Figuren ein wenig mehr (wortwörtlicher) Spielraum eingehandelt wird, erfüllt sich bislang nur halbwegs. Erstaunlicherweise ist es dann aber eine ganz andere Szene, die in Bezug auf Meredith wirklich einfach nur Unverständnis hervorruft.

Es ist ein schmaler Grat: Eine der beliebtesten Figuren beziehungsweise Schauspielerinnen (für manche vielleicht sogar die beliebteste) steigt aus Grey's Anatomy aus und es galt, diese Lücke elegant zu füllen. An dieser Stelle soll das Thema Cristina (Sandra Oh) nun nicht in aller Breite erneut aufgemacht werden. In Bezug auf die Szenen zwischen Amelia und Meredith ist ein kurzer Blick darauf allerdings unvermeidbar. Die Loyalität unter den beiden persons in allen Ehren - doch die Art und Weise, in der sich Meredith gegenüber Amelia verhält, ist schlichtweg anmaßend. Bei aller Aufopferungsbereitschaft und Hingabe, die Merediths Charakter auszeichnet (beziehungsweise auszeichnen soll), übersieht man schnell, dass sie gleichzeitig eine gehörige Portion an Egozentrik mitbringt.

So kommt doch recht schnell die Frage auf, was in aller Welt gerade Meredith die Berechtigung gibt, Amelia Anweisungen in Bezug auf Owen zu erteilen. Zwar freut es dann diesbezüglich, dass sich Amelia am Ende der Episode zu wehren weiß - doch auch an dieser Stelle dürfte der eine oder andere Zuschauer mit zwiespältigen Gefühlen verbleiben. Sie scheint ihre Vergangenheit bei Weitem nicht verarbeitet zu haben und das zeigte sich auch diesmal gleich mehrfach. So bezeichnet sie die Beziehung zu Owen als Fehler und auch, als der gutmütige Owen an späterer Stelle das Gespräch sucht, weicht Amelia aus. An dieser Stelle bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die Autoren diese beiden Figuren nicht ein zweites Mal durch ein und dasselbe Muster jagen. Bisher deutet aber einiges darauf, dass genau das passiert - sprich, dass zwei „kaputte“ Seelen versuchen, einander Halt zu geben und dabei an genau diesen Problemen scheitern.

Bild aus der Episode %26bdquo;Crazy Love%26ldquo; © ABC / Foto: Mitchell Haaseth
Bild aus der Episode %26bdquo;Crazy Love%26ldquo; © ABC / Foto: Mitchell Haaseth

So crazy in love

Den amüsanteren Teil der Episode beschreiben wohl sämtliche Szenen rund um den Patienten, der gleich zweimal hintereinander um seinen Penis gebracht wird. Sicher, ein abgetrennter Penis ist in dieser Serie nichts Neues - doch darum geht es auch eigentlich gar nicht. Vielmehr ist es dieser spezielle, makabere Humor, der Sinn für schräge Situationen und eine gewisse Situationskomik, die nie (oder wirklich äußerst selten) in einen flachen Slapstick abdriftet, die in diesen Szenen im Vordergrund steht. All dem wird durch die Interaktion zwischen Catherine und Richard, allen voran aber durch die Szenen um Steph Genüge getan.

Zugegebenermaßen ähneln sich Maggie (Kelly McCreary) und Steph zwar sehr in ihrem ausgesprochenen Talent für peinliche Situationen, doch das stört überhaupt nicht, im Gegenteil. Während Steph mit einer Reihe an unbeabsichtigten Anspielungen auf den abgetrennten Penis glänzt („It wasn't hard. I mean, it's not a big thing. I mean, it was easy, it was just in and out.“) und Maggie Selbstgespräche über ihre Vagina führt, ist selbst Catherine Avery (Debbie Allen) in dieser Episode etwas abzugewinnen.

Jacksons herrische Mutter machte sich zuletzt aus mehreren Gründen unbeliebt, allen voran in Bezug auf den verwehrten Harper Avery Award für Cristina und das damit im Zusammenhang stehende Ende der Beziehung zwischen ihr und Richard Webber (James Pickens Jr.). Ihre Sticheleien in Bezug auf Dr. Webbers angegriffenen Stolz - vor allem aber darauf, dass er sich in seiner „Männlichkeit“ bedroht sah - brachten ihr dann aber doch wieder ein paar Sympathiepunkte ein. Die erwähnten Seitenhiebe erlangen am Ende der Episode darüber hinaus eine gewisse Ernsthaftigkeit. Die (sicherlich zu großen Teilen verkürzte) Thematisierung von Rollenbildern wird hier zwar nur angedeutet, ist aber dennoch positiv hervorzuheben. Die Versöhnung zwischen Dr. Webber und Catherine Avery scheint diesmal eine endgültige zu sein - ein (wenn auch wenig relevanter) Lichtblick in der sonst sehr überschaubaren Anzahl an glücklichen Paaren in dieser Serie.

Fazit

In Crazy Love wird dem zu erwartenden Knall zwischen Meredith und Derek weiter Futter gegeben. Genau dieser scheint mittlerweile aber auch bitter nötig zu werden, denn längst drängt sich die Frage auf, wie die Autoren den beiden Figuren weiterhin eine ernsthafte Relevanz verleihen wollen, die über das ewige Beziehungsdrama hinausgeht. So wäre es beispielsweise durchaus interessant, wenn Charaktere wie Alex und Jo, aber auch Maggie, Steph und Amelia mehr im Zentrum des Geschehens stünden - im Grunde scheinen momentan so ziemlich alle Figuren und deren potentielle Handlungsstränge interessanter zu sein als der Plot um Derek und Meredith. Bereits in der vorangegangenen Episode waren sämtliche Lichtblicke sowie amüsante Szenen vor allem Nebenfiguren wie Maggie oder Steph zu verdanken.

Leider stehen auch die Zeichen für Owen und Amelia nicht sonderlich gut. Sicherlich wäre eine durchweg unproblematische Beziehung einerseits langweilig, andererseits sehr unwahrscheinlich. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die Autoren den beiden Figuren nicht das Gleiche „antun“, was sie bereits durchleben mussten. Ein wenig Abwechslung in dieser Hinsicht wäre wirklich wünschenswert.

Promo zur Episode „One Flight Down“ der Serie „Grey's Anatomy“:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 10. April 2015
Episode
Staffel 11, Episode 19
(Grey's Anatomy 11x19)
Deutscher Titel der Episode
Liebeswahnsinn
Titel der Episode im Original
Crazy Love
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 9. April 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 3. Oktober 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 14. September 2015
Autor
Elizabeth Klaviter
Regisseur
Paul McCrane

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x19

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