Grey's Anatomy 11x18

Grey's Anatomy 11x18

Eine Schulklasse besucht das Krankenhaus und wird dabei schnell mit dem hektischen Alltag in der Notaufnahme konfrontiert. Neben großen Fragen nach Ethik und Moral, die im Zuge des Raubüberfalls aufgeworfen werden, zeichnet sich bei Derek, Meredith und Amelia ein Kurswechsel ab - ist ein Happy End in Sicht?

Sara Ramirez und Kevin Alejandro in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC/Mitchell Haaseth
Sara Ramirez und Kevin Alejandro in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC/Mitchell Haaseth

Nach Dereks (Patrick Dempsey) plötzlicher Rückkehr nach Seattle, den Flashblacks aus D.C. und seiner Aussprache mit Meredith (Ellen Pompeo) schreit es förmlich nach einer (Achtung, schlechter Wortwitz) Shepisode - bislang spannen die Autoren ihre Zuschauer aber weiter auf die Folter. So scheinen in When I Grow Up alle Zeichen auf einem Happy End der bitteren Ehekrise zu stehen - und irgendwie will man dieser neuerlichen Harmonie nicht so recht trauen. Nicht nur deshalb, weil man Shonda Rhimes' Hang zu herzzerreißenden Wendungen kennt, nicht nur, weil einen Dereks Andeutungen in dieser Episode misstrauisch werden lassen (er muss noch einige lose Fäden in D.C. fügen, bevor er nach Seattle zurückkehrt). Nach all dem Hin und Her, dem Kuss mit einer anderen Frau und den nicht gerade kleinen Zerwürfnissen zwischen den beiden erstaunt das aufpolierte Bild der perfekten Familie und Ehe dann doch ein wenig.

Nichts desto trotz wäre es durchaus wünschenswert, wenn dieser Handlungsstrang endlich sein Ende finden würde. Die versöhnlichen Töne zwischen Derek und Amelia (Caterina Scorsone) boten dahingehend Anlass zur Freude, und auch der ironische Schlagabtausch zwischen Maggie und Meredith in Bezug auf das schon fast unerträgliche Eheglück amüsierten. When I Grow Up setzt den Schwerpunkt dann aber doch wieder weniger auf Figurenentwicklung - der Besuch einer Schulklasse, ein blutiger Raubüberfall, große Fragen nach Moral und die ein oder andere kurzweilige Szene füllen eine durchschnittliche, trotzdem aber unterhaltsame Episode von Grey's Anatomy.

His moment

Auch in dieser Episode inszenieren die Autoren einmal mehr das non plus ultra an menschlichen Schicksalsschlägen. Der Raubüberfall auf eine Bank in Seattle fordert das Leben zweier Brüder - zweier Police Officers, um genau zu sein. Nachdem beide letztlich für hirntot erklärt werden, wird die Mutter (Libby Villari) der Polizisten zusätzlich mit der Frage nach einer Organspende konfrontiert. Für viele Menschen wäre wohl allein das nicht unbedingt einfach zu entscheiden - die Leber eines ihrer Söhne soll aber sogar dem Täter - also dem Mörder ihrer Söhne - gespendet werden. Ein Dilemma, könnte man meinen, unzumutbar und nicht vorstellbar.

In diesem Szenen fiel ein Punkt allerdings besonders auf, und zwar die Auseinandersetzung zwischen Bailey (Chandra Wilson) und Meredith, die, zumindest in Bezug auf Letztgenannte, dann doch ein wenig irritierte. So war es weniger verwunderlich, dass sich Bailey für den 15-jährigen Jared, Heimkind und offenbar Täter des Überfalls, einsetzte, sondern vielmehr der Umstand, dass Meredith genau das (zunächst) nicht tut. So wirkte es schlicht so, als wollte man für beide „Standpunkte“ eine jeweilige Vertreterin finden. Bezeichnenderweise ähneln sich Meredith und ihre ehemalige Lehrerin Miranda Bailey aber in genau jener Haltung, die Letztere einnimmt: Für beide steht das (Über-)Leben eines Patienten an oberster Stelle, egal welchen Hintergrundes (Bailey operierte einst einen Neonazi), egal welcher Vergangenheit oder Schuld (Meredith steckt gerne mal ihre Hand in einen Patienten mit scharfer Munition). Meredith lässt sich zwar später von einem weiteren Polizisten quasi überzeugen, sich für die lebensnotwendige Organspende einzusetzen. Doch eigentlich macht dies das Ganze nicht unbedingt besser, im Gegenteil. So scheint es, als würde Meredith Dans (Kevin Alejandro) Plädoyer für zweite Chancen lediglich auf sich selbst beziehen (sprich: auf ihre Ehe mit Derek) - und als wäre eine Projektion auf das eigene Leben und die eigenen Probleme notwendig, um sich für das Leben eines Patienten einzusetzen. Das ist nicht nur hinsichtlich ihres Eides als Ärztin fragwürdig, sondern auch in Bezug auf ihren Charakter. Das Dilemma ist an erster Stelle natürlich vor allem für die Mutter der toten Officers mehr als nachvollziehbar. Und auch Ärzte sind nur Menschen mit Gefühlen und Wertvorstellungen, so viel ist klar - dass hier aber angedeutet wird, dass es für Meredith „okay“ wäre, würde dem 15-jährigen Jungen eine rettende Organspende verweigert werden, kann man bestenfalls als irritierend bezeichnen.

Bild aus der Episode %26bdquo;When I Grow Up%26ldquo; der Serie %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Mitchell Haaseth
Bild aus der Episode %26bdquo;When I Grow Up%26ldquo; der Serie %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Mitchell Haaseth

Somit liegt die Vermutung nahe, dass hier einfach ungünstig auserwählt wurde, wer nun welchen Part übernehmen soll, um ein derartiges Dilemma darzustellen. Leider kam dies der gerade wieder ein wenig aufkommenden Sympathie für Meredith wenig entgegen - glücklicherweise trösteten mehrere amüsante Szenen in dieser Episode darüber hinweg.

Your sister is your boss?

Ganz unverblümt bekommt Derek diese Frage von einem der Kinder aus der Schulklasse gestellt - und beschert Amelia somit die perfekte Vorlage. Auch als Zuschauer lacht man sich ein wenig ins Fäustchen, und ist gespannt, wie sich das Verhältnis zwischen Bruder und Schwester nun also weiterentwickelt - und wird schnell mit einem kompletten Sinneswandel überrascht. Derek hat offenbar der Schlag getroffen, eine Erleuchtung erfahren oder er ist einfach mal ein bisschen zur Besinnung gekommen, jedenfalls beteuert er fast demütig, einfach nur arbeiten zu wollen. Außerdem sei er weit davon entfernt, seiner Schwester, Chefin der Neurochirurgie, ihren Platz streitig zu machen. Ob das so lange gut gehen kann?

Auch das versöhnliche und offene Gespräch der beiden am Ende der Episode fiel schon wieder fast zu positiv aus. Derek erklärt Amelia, dass er nun endlich erkannt hat, was ihm im Leben von Bedeutung ist: Zeit mit der Familie zu verbringen, die Kinder aufwachsen zu sehen, und natürlich Meredith. Außerdem sei ihm der „normale“ Job im Krankenhaus genug - Leben retten bedeute, die Welt zu verändern, und das sei nicht weniger bedeutsam als sein Projekt in D.C. Und auch die kleine Aussprache zwischen den rivalisierenden Geschwistern scheint diesmal zu glücken. Derek ermutigt Amelia, sich auf Owen (Kevin McKidd) einzulassen und ein Risiko einzugehen - genau das, wovor sich Amelia am meisten fürchtet. Schön und gut, und vielleicht sollte man einfach annehmen, dass sich dieser Handlungsstrang doch noch ins Gute aufgelöst hat. Dass dem nicht unbedingt so sein muss, untermauert allerdings Merediths letzter Satz aus dem Off: „Or are we still dreaming of something even bigger?“ („Oder träumen wir immer noch von etwas noch Größerem?“)

Fazit

In When I Grow Up steht vor allem ein folgenreicher Raubüberfall im Zentrum des Geschehens. Dabei geraten Bailey und Meredith aneinander, denn zu allem Unglück braucht der Täter des Überfalls dringend eine Leber, die ihm einer der erschossenen Police Officers spenden könnte. Ein moralisches Dilemma, zumindest von Außen betrachtet, so wie aus Sicht der Mutter. Aus der Ärzteperspektive muss sich, gebunden an den geleisteten Eid, jedoch immer für das Leben entschieden werden (sieht man einmal von Patientenverfügungen ab), und genau das wird zum Ausgangspunkt für den Konflikt zwischen ehemaliger Lehrerin und Schülerin. In diesem Zusammenhang irritierte vor allem das Verhalten Merediths, da es den Anschein machte, als bedürfe es bei ihr immer erst einmal Bezug zur eigenen Person - und das macht gelinde gesagt nicht gerade sympathisch.

Dereks Rückkehr bringt hingegen bislang nur Positives mit sich. So spricht er sich einerseits mit Amelia aus, und scheint darüber hinaus erkannt zu haben, was er wirklich will und was ihm wichtig ist. Dass all das schon wieder fast zu schnell und zu schmerzlos gelöst wurde, deutet sich zumindest in kleineren Szenen an - es bleibt also abzuwarten, ob die Autoren hier tatsächlich einmal gut sein lassen oder eine Runde zwei auf die Zuschauer wartet.

Im Review keine Erwähnung fanden die durchweg amüsanten Szenen um Steph, die zumindest an dieser Stelle genannt werden sollen. Sowohl ihr gescheitertes Date, als auch ihre pragmatische Einstellung zur Dating-App Tinder zählten zu den gelungensten Szenen dieser Episode. Gerne mehr davon!

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 3. April 2015

Grey's Anatomy 11x18 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 18
(Grey's Anatomy 11x18)
Deutscher Titel der Episode
Zukunftswünsche
Titel der Episode im Original
When I Grow Up
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 2. April 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 26. September 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 7. September 2015
Autor
Tia Napolitano
Regisseur
Zetna Fuentes

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x18

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