Grey's Anatomy 11x17

In With or Without You werden neue Weichen für ein weiteres Kapitel der Ehekrise zwischen Meredith (Ellen Pompeo) und Derek (Patrick Dempsey) gestellt. Zumindest liegt die Vermutung nahe, denn, was den Zuschauern in den D.C.-Flashbacks präsentiert wird, will nicht so recht zu der emotionalen Versöhnung am Ende der Episode passen. Nicht nur deshalb hinterlassen diese Szenen einen doch recht unschönen Beigeschmack. Die Richtung, in die sich sowohl Derek als auch Meredith innerhalb der letzten Staffel(n) entwickelten, erschwert es zunehmend, vor allem für Derek Verständnis aufzubringen. In Bezug auf Meredith droht hingegen ein Abdriften in die Bedeutungslosigkeit. So liegt der Gedanke nahe, dass ihre Figur durchaus von einer Trennung vom einstigen McDreamy profitieren könnte.
Die übrigen Storylines fallen dagegen lediglich durch ihren offensichtlichen Füllercharakter auf. In Bezug auf Jo (Camilla Luddington) stört das allerdings wenig, die Szenen um ihre Patientin sind durchaus amüsant. Deutlich mehr Raum wird dem Handlungsstrang um Owens (Kevin McKidd) Mutter (Debra Mooney) gegeben. Sicherlich gab es auch in diesem Zusammenhang den einen oder anderen kurzweiligen Moment, dennoch erschließt sich nicht vollends, weshalb die Autoren den Fokus nicht weiter auf die Beziehung zwischen Owen und Amelia (Caterina Scorsone) legen - bisher scheinen die beiden gut zu harmonieren.
I love my wife
Nach dieser Episode müssen wohl auch die zuletzt noch hoffnungsvollen Zuschauer von Pferden und nicht von Zebras ausgehen, denn die D.C.-Flashbacks deuten schon in den ersten Szenen eine gewisse Spannung zwischen Derek und Renne (Scottie Thompson) an. Sicherlich kein Zufall also, dass Dereks ambitionierte Forschungspartnerin Meredith auf den ersten Blick nicht nur äußerlich zu ähneln scheint. Fast wirkt es so, als erfülle Renne für Derek das, was Meredith ihm (nicht mehr) geben kann und will: grenzenlose Bewunderung für sein Können, ein Aufblicken und große Ambitionen. Vor allem aber Leichtigkeit und Unbeschwertheit - daran fehlt es den beiden seit geraumer Zeit mehr als offensichtlich.
Schön und gut also, dass Derek schlussendlich zwar erkennt, was er an Meredith hat. Und an sich wäre der Kuss, den er dann auch unterbricht, kein allzu großes Drama - einmal außen vor gelassen, dass all das Dereks neuerliche Rücksichtslosigkeit und seinen Egoismus unterstreicht (gemeint ist hier weniger der „Betrug“ an sich, sondern vielmehr sein Verhalten im Gesamten). Wenn jedoch nicht alles täuscht und kein Hinweis entgangen ist, verschweigt er Meredith genau diesen Moment. Die gegenseitige Beteuerung der Liebe kann daher wohl eher nicht als Ende dieser Storyline angesehen werden.
Und vielleicht ist gerade das auch gut so, so sehr man eine mögliche Trennung wohl mit gemischten Gefühlen hinnehmen würde. Denn wie schon im vorangegangenen Review erwähnt, bietet dieser Handlungsstrang für beide Figuren das Potential, ihr Schattendasein ein Stück weit zu verlassen. So wirkte es in Bezug auf Meredith zumindest so, als käme sie nicht nur ohne Derek bestens (vielleicht sogar besser?) zurecht. Die Erkenntnis, dass sie ohne ihren Mann leben kann, wird deswegen durch den Zusatz, dass sie es aber nicht möchte, fast schon wieder getrübt. An dieser Stelle kommen unweigerlich Erinnerungen an Cristinas (Sandra Oh) „letzte Worte“ hoch: „He is not the sun. You are.“ Klar, Meredith ist nun eine erwachsene Frau und zudem Mutter - die Tequilazeiten sind offenbar vorbei. Aber muss das gleich für alles, was ihre Figur einst ausmachte, gelten?

Do you really want to hear about your mother's sex life?
Nein, danke, muss nicht sein - dem würden wohl die meisten Menschen egal welchen Alters zustimmen. Insofern kann man Owens Reaktion gut nachvollziehen, vor allem, weil die neue Liebe seiner gealterten Mutter jünger ist als er selbst. Zumindest dann, wenn man empfindlich auf alles reagiert, was von der „Norm“ abweicht. Der positive Aspekt dieses Handlungsstrangs ist daher der, dass sich die Thematik wunderbar auf das eigene Verhalten und die eigenen eingeschriebenen Denkmuster projizieren lässt. Bin ich tatsächlich so offen, wie ich denke, es zu sein? Und wenn nicht, woran liegt das?
In Bezug auf Owens Charakter könnte man vorsichtig behaupten, dass er tendenziell eher nach konservativen Wertvorstellungen lebt. Man könnte an dieser Stelle jetzt auf seinen ausgiebigen Patriotismus verweisen oder auf seinen dringenden Wunsch nach einer Familie. All das ist auch in Ordnung (mit der kleinen Einschränkung, dass seine Patriotismussalven zeitweise wirklich schwer nerven) - sein Verhalten in Bezug auf seine Mutter verwundert trotzdem.
Allerdings nicht deshalb, weil er irritiert reagierte, wie bereits erwähnt. Vielmehr war es dann sein Mangel an Feingefühl gegenüber seiner Mutter, das so weit führte, dass sie sich gezwungen sah zu fragen, ob es nicht vorstellbar sei, dass „so“ ein Mann sie lieben könne. Gemessen an Owens sonstigem Auftreten gegenüber anderen Menschen - das sich vor allem durch seine mitfühlende, liebevolle Art auszeichnet - büßt er in diesen Szenen dann doch ein wenig an Sympathie ein. All das muss nun nicht überbewertet werden und vielleicht fällt diese Storyline auch aus einem anderen Grund auf. Dennoch dürften die Autoren der Beziehung zwischen Amelia und Owen gerne mehr Platz einräumen. Bisher ging die Interaktion zwischen den beiden über verliebte Blicke (und Fastsex) nicht wirklich hinaus.
Fazit
In With or Without You werden die Hintergründe über die Frau an Dereks Telefon in D.C. schließlich näher beleuchtet. Es stellt sich heraus, dass sich zwischen Renne und Derek tatsächlich eine Art Flirt entwickelte, der mit einem Kuss zwischen den beiden anscheinend endet.
Bis zu diesem Zeitpunkt hinterlässt die Entwicklung dieser Storyline recht ambivalente Gefühle. Einerseits scheint Derek zunehmend an Sympathie zu verlieren, andererseits bietet dieser Handlungsstrang das Potential, sowohl seinem als auch Merediths Charakter ein wenig aus der Belanglosigkeit zu helfen. In dieser Hinsicht bleibt aber vor allem zu hoffen, dass Meredith bei ihrer neuen „Erkenntnis“ bleibt - und Derek nicht wieder zum Zentrum ihres Lebens und zum Maß aller Dinge macht. Allgemein hätten die Autoren all dem auch gerne eine ganze Episode widmen dürfen - allein aus dem Grund, weil die auf eine Figur bezogenen Episoden der elften Staffel bisher auch zu den besten zählten.
An anderer Stelle wird Owen dagegen durch die Beziehung seiner Mutter mit Fragen nach der eigenen Offenheit konfrontiert. Diese Füllerszenen stören zwar nicht, zumal der eine oder andere amüsante Kommentar der Mutter für kurzweilige Momente sorgt. Trotzdem wäre es durchaus interessant(er), wenn der Beziehung zwischen Amelia und Owen ein wenig mehr Inhalt (und Spielzeit) gegeben würde. Gerade in den Episoden um Dr. Herman und die große Operation zeigte sich, dass die Entscheidung, Amelias Figur in die Serie einzubinden, die richtige war.
Promo zur Episode „When I Grow up“ (11x18) der US-Serie „Grey's Anatomy“: Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 27. März 2015Grey's Anatomy 11x17 Trailer
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Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x17
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