Grey's Anatomy 11x16

In Don't Dream It's Over beweisen die Autoren von Grey's Anatomy wieder einmal ihren Hang zu unerträglich spannenden Cliffhangern. Endete schon die vorangegangene Episode mit einem großen Fragezeichen in Bezug auf Meredith (Ellen Pompeo) und Derek (Patrick Dempsey), werden die Zuschauer auch dieses Mal vertröstet - auch wenn sich Merediths Befürchtung langsam, aber sicher in traurige Gewissheit zu wandeln scheint.
Sich den Dingen stellen: Das übergreifende Thema dieser Episode betrifft auch Maggie (Kelly McCreary) und Dr. Webber (James Pickens Jr.). In Zusammenhang mit einer durchaus mitreißenden und tragischen Patientengeschichte wird Merediths Halbschwester mit nicht minder dramatischen Familienhintergründen konfrontiert. Glücklicherweise gelingt es dabei, der Alzheimerthematik mit neuen Vorzeichen zu begegnen, anstatt Maggie die gleichen Gefühle durchleben zu lassen wie einst Meredith.
Auch den Postbeziehungsverwicklungen von Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) wird durch eine amüsante Wendung der Wind aus den Segeln genommen. Trotz anfänglicher Zweifel scheint sich mit Blick auf die letzten, überwiegend sehr starken Episoden zunehmend zu beweisen, dass „Grey's Anatomy“ auch noch in der elften Staffel funktionieren kann.
I can't live with this
Als Fan der ersten Stunde hat man in dieser Serie wohl schon so ziemlich alles gesehen - über Amoklauf, Fährunglück, Flugzeugabsturz und Erdbeben bis hin zu äußerst seltenen Krankheiten und traurigen Patientengeschichten. Daher darf an dieser Stelle einmal ausdrücklich quotiert werden, dass es den Autoren auch noch in der elften Staffel gelingt, mitreißende Handlungsstränge zu entwickeln. Dabei sind es aber vor allem diejenigen, bei denen die Betonung auf das Zwischenmenschliche gelegt wird - nicht immer müssen verschluckte Puppenköpfe oder Ähnliches im Spiel sein. So auch in dieser Episode: Ein durch einen vermeintlich alzheimerkranken Fahrer verursachter Autounfall beschäftigt das halbe Chirurgenteam des Krankenhauses.
Sowohl das Schicksal der Opfer als auch das des Verursachers berührt. Aufseiten der Unfallopfer ist es wohl vor allem die schreckliche Szene der Entbindung, die verstört, denn während die schwangere Frau (Mekia Cox) des vermeintlich schwerer verletzten Musikers (Jeff Staron) stirbt, versuchen Arizona, Bailey (Chandra Wilson), Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington), das Baby zu retten. Nach der geglückten Entbindung bricht Jo in Tränen aus - ein traurigerer Start ins Leben ist wohl kaum vorstellbar. Schön war in diesem Zusammenhang jedoch, am Ende der Episode zu sehen, dass Bailey die Assistenzärztin nicht zu mehr Härte ermahnt, sondern sie im Gegenteil für ihre Anteilnahme lobt. In diesen Szenen dürften sich so manche Zuschauer vielleicht an Izzie Stevens (Katherine Heigl) erinnert haben.
Auf der anderen Seite der Verursacher: Während Maggie, nicht ahnend, dass ihr leiblicher Vater Richard sowohl seine Affäre als auch seine Ehefrau an diese Krankheit verloren hat, über den alzheimerkranken Fahrer urteilt, entwickelt sich der Fall in eine völlig andere Richtung. Martin scheint plötzlich geheilt und seine in Tränen aufgelöste Ehefrau kann ihr Glück gar nicht fassen. Dass Dr. Webber natürlich keine Heilung für Alzheimer gefunden hat, ist klar und so stellt sich heraus, dass Martins (Dan Lauria) Erinnerungsvermögen aufgrund einer anderen Problematik beeinträchtigt war - die wiederum Amelia (Caterina Scorsone) beheben könnte.

Als sich Martin dann angesichts des von ihm verursachten Autounfalls gegen die rettende Operation entscheidet, kann man die Verzweiflung seiner Ehefrau fast körperlich nachfühlen. Das Thema Alzheimer betrifft aber offensichtlich nicht nur den Patienten. Als sich Dr. Webber endlich ein Herz fasst und seine Tochter über die Erkrankung ihrer leiblichen Mutter Ellis aufklärt, war kurzzeitig zu befürchten, dass wir mit Maggie nun einem Abklatsch von Merediths Auseinandersetzung mit diesem Thema zuteil werden.
Aber weit gefehlt: Maggie weiß bereits, dass sie die Veranlagung hat. Auch mit diesem Handlungsstrang gelingt es den Autoren, Maggies Charakter nach und nach mehr Profil zu verleihen. In diesen Szenen zeigt sie sich von ihrer starken, aber auch durchaus mitfühlenden Seite, denn ihre Angst bezieht sich vor allem auf andere: So befürchtete sie, Richard könne ebenfalls an Alzheimer erkranken.
Von Pferden und Zebras
Erst an das Wahrscheinliche, Offensichtliche denken, bevor man Außergewöhnliches erwägt - schön und gut, doch was, wenn das Offensichtliche gleichzeitig auch das Schlimmste bedeutet? Während Maggie, Callie und Alex versuchen, Meredith zu beruhigen und ihr sämtliche Möglichkeiten aufzählen, die die Frauenstimme an Dereks Telefon erklären könnten, scheint Meredith mit ihrer Intuition längst richtig zu liegen. Auf ihren gedanklichen Ausflug in die Vergangenheit fällt selbst ihren drei Freunden nichts mehr ein, schließlich passt es eins zu eins: Schon einmal zog Derek in eine andere Stadt, lernte eine neue Frau kennen, verliebte sich, ignorierte seine Ehefrau - damals war diese neue Frau Meredith. Wer ist es jetzt? Die Anspannung wird ein wenig durch Merediths Mutmaßungen aufgelockert, denn sie scheint anhand der Stimme am Telefon erkannt zu haben, dass die Frau „perky, happy and tall“ („frech, glücklich und groß“) sein muss.
Als Derek am Ende der Episode in der gemeinsamen Haustür steht, deutet dann auch alles darauf hin, dass er wirklich eine Affäre hat. Und auch der Trailer zur kommenden Episode scheint diese Annahme zu bestätigen. Bleibt also die Frage, was die Zuschauer in den nächsten Episoden erwarten wird. Erreicht die Ehekrise von Derek und Meredith einen neuen Tiefpunkt, droht vielleicht sogar eine Trennung? Und wenn, wäre das tatsächlich so schlimm? Schließlich scheint es Meredith augenblicklich sowohl beruflich als auch sonst besser denn je zu gehen. Vielleicht finden die beiden dadurch aber auch wieder mehr zueinander - die Storyline bietet so oder so das Potential, den beiden Figuren noch einmal mehr Raum zu verschaffen.
Fazit
Nach den durchweg sowohl inhaltlich als auch schauspielerisch gelungenen Storylines um April und Jackson sowie um Nicole Herman und Arizona schließt Don't Dream It's Over mit einem nicht weniger interessanten Handlungsbogen an.
In Bezug auf Meredith und die zu erwartende Affäre von Derek in D.C. dürften die Erwartungen diesbezüglich allerdings ungleich höher sein. Die Herausforderung besteht nun nämlich darin, der fortwährenden Ehekrise der beiden, die sich bereits in der zehnten Staffel ankündigte, eine gelungene Wendung zu verleihen. Und das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es so dramatisch, schlimm und traurig wie nur möglich werden muss. Seit einer gefühlten Ewigkeit erreicht der Plot um die beiden nicht mehr die Intensität von früher, so dass eine Annäherung an die Charaktere nicht nur wünschenswert, sondern schlicht notwendig erscheint. Die jüngsten Entwicklungen bieten somit das Potential, die Urgesteine der Serie ein wenig wiederzubeleben.
Auf anderer Ebene funktioniert das allerdings schon ganz gut: So zeigt sich in dieser Episode abermals, dass es den Autoren trotz der unzähligen Patientengeschichten immer wieder gelingt, emotional berührende Fälle zu konstruieren. In diesem Zusammenhang sind sowohl die (wenn auch kurzen) Szenen um Jo als auch die um Maggie und Dr. Webber positiv zu bewerten.
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 20. März 2015Grey's Anatomy 11x16 Trailer
(Grey's Anatomy 11x16)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x16
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