Grey's Anatomy 11x15

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Während die beiden vorangegangenen Episoden wohl den bisherigen emotionalen Höhepunkt der aktuellen Staffel beschrieben, kehrt in I Feel the Earth Move wieder etwas mehr Normalität ein. Zumindest scheinbar, denn ein Erdbeben erschüttert Seattle und löst damit zwar keine Katastrophe aus, sorgt aber trotzdem für die eine oder andere mitreißende Patientengeschichte. Während sich Owen (Kevin McKidd) und Amelia (Caterina Scorsone) zunehmend näherkommen, erkennt Meredith (Ellen Pompeo), was ihr an ihrer Ehe mit Derek liegt - das Ende der Episode dürfte daher umso schockierender gewesen sein.
Zu den amüsanteren Momenten zählen dagegen die Szenen zwischen Maggie (Kelly McCreary), Callie (Sara Ramirez) und einer Patientin, die trotz ihres hohen Alters und einer kaputten Hüfte ihr Leben in vollen Zügen genießt.
Staying alive
Die zentrale Patientengeschichte von I Feel the Earth Move erscheint nervenaufreibend und emotional mitreißend angelegt, leider enttäuscht sie allerdings dennoch auf mehreren Ebenen. So irritiert einerseits das eine Spur zu überschwänglich geratene Ende des Handlungsstrangs, andererseits stört leider abermals die fehlende Unabhängigkeit der Patientengeschichte von den persönlichen Verwicklungen der Ärzte/Ärztinnen.
Eigentlich keine schlechte Idee und bisher, soweit die Erinnerung nicht täuscht, auch noch nie da gewesen (sieht man von Izzies OP beim Fährunglück in Staffel drei einmal ab): Die Chirurgen des Krankenhauses müssen per Telefon „operieren“. Wegen des Erdbebens wendet sich die elfjährige Ruby (Millie Bobby Brown) verzweifelt an das Krankenhaus, da ihre Mutter bewusstlos und offensichtlich verletzt auf dem Boden liegt. Während Owen, Amelia und Dr. Webber (James Pickens Jr.) versuchen herauszufinden, was Rubys Mutter fehlt, fällt schnell auf, dass an dieser Stelle unter anderem Owens nicht erfüllter Kinderwunsch thematisiert werden soll.
Die Bestätigung kommt dann in Form einer doch recht rührselig, wenn nicht gar kitschig geratenen Szene gegen Ende der Episode. Nachdem Ruby nicht nur ihre Mutter mit einem Küchenmesser traktieren musste, sondern auch zum Rhythmus von „Staying Alive“ versuchte, sie zu reanimieren, bricht die Telefonverbindung ab. Als Mutter und Tochter dann aber schließlich mit dem Hubschrauber zum Krankenhaus gebracht werden, irritiert ein wenig die Intensität, mit der sich Owen und Ruby begrüßen - sicher, so eine Operation per Telefon ist keine kleine Sache, doch das macht Owen noch nicht unbedingt zu Rubys Ersatzvater.
Zugegebenermaßen trägt das windige und daher dramatisch anmutende Hubschrauberlandeplatzsetting wohl einen großen Teil zum entstandenen Eindruck von Kitsch bei. Und vielleicht stört an dieser Stelle auch einfach die Tatsache, dass wieder einmal deutlich wird, was bei Owen alles nicht stimmt - der unerfüllte Kinderwunsch, noch immer tief verletzt von Cristina und die Unsicherheiten in Bezug auf Amelia. Als die beiden allerdings später im Bereitschaftsraum mehr oder weniger übereinander herfallen, könnte nun durchaus gemutmaßt werden, dass es mit der Familienplanung nicht mehr weit her ist.
Your kids. Your keys. Your family photo album
In Bezug auf die namengebende Protagonistin dieser Serie stellte sich eigentlich schon sehr lange nicht mehr ehrliche Fassungslosigkeit und/oder Anteilnahme ein - allenfalls in negativer Hinsicht, wenn es um die endlosen Streitereien mit Cristina oder Derek ging. Das ist schade, besonders, wenn man sich an frühere Staffeln erinnert, in denen Merediths Charakter bedeutend präsenter und der Zugang zu ihrer Figur weitaus unmittelbarer war. Ähnlich sieht es mit Derek aus, den man angesichts der jüngsten Ereignisse in Seattle aber eher weniger vermisst.
Aus diesen Gründen war es dann umso erstaunlicher, wie es den Autoren trotzdem gelingt, mit dem Ende der Episode tatsächlich noch einmal so etwas wie einen Schockmoment zu kreieren: Allem Anschein nach hat Derek Shepherd in D.C. eine Affäre. Die Szene selbst entfaltet aber vor allem wegen des Vorlaufs ihre volle Wirkung, denn Meredith gelingt eine Art Erkenntnis in Bezug auf ihre Ehe. Als sie von Jo (Camilla Luddington) darauf aufmerksam gemacht wird, dass sie seit November 2014 keine Patienten mehr verloren hat, kommt sie ins Grübeln. Nicht, weil sie nun befürchtet, ihre Glückssträhne könne abbrechen, sondern weil ihr auffällt, dass sie seit Dereks Fortgang nach D.C. Erfolg im Beruf hat - es sogar besser denn je für sie läuft.
Nachvollziehbar, dass sie sich nun fragt, ob es ihr ohne Derek schlicht besser geht. Doch ganz im Sinne ihrer Charakterentwicklung zieht Meredith andere Schlüsse aus diesem Umstand. Sie erkennt, dass sie Derek nicht braucht, um Erfolg zu haben und glücklich zu sein, ihn aber trotzdem daran teilhaben lassen will - an ihrem Leben, an ihren Erfolgen und Niederlagen. Als am anderen Ende der Leitung dann plötzlich eine unbekannte Frauenstimme zu hören ist, sitzt der Schock (nicht nur bei ihr) tief. Falls Derek wirklich eine Affäre haben sollte, dürfen sich die Zuschauer sicherlich auf einiges gefasst machen.
What's the point of living if you can't try something new?
Ein wenig Pause von sämtlichen Ernsthaftigkeiten wird vor allem durch die kurzweiligen Szenen zwischen Callie, Maggie und einer älteren Patientin ermöglicht. Die betagte Dame erfreut sich eines äußerst aktiven Sexlebens, was sie ihren beiden Ärztinnen auch ohne Umschweife und in allen Details mitteilt. Leider benötigt sie für ihre akrobatischen Vorlieben aber eine intakte Hüfte, die aufgrund des Erdbebens nun ernsthaft beschädigt wurde. Die komplexe OP gelingt und Jean (Jennifer Rhodes) erteilt Callie und Maggie noch einen nützlichen Rat: „I'm telling you girls, you have healthy hips. Put them to good use!“ („Mädels, ihr habt gesunde Hüften. Ich sag's euch - benutzt sie!“)

Gesagt, getan, denn Maggie überwindet sich schließlich und entscheidet sich für ein Date mit Ethan, dem Radiologen. Neben Jeans Aufforderung trugen wohl aber vor allem Callies Ermutigungen dazu bei, dass Maggie endlich über ihren Schatten springt. Als Callie sie nämlich zunächst auf den Flirt mit Ethan anspricht, blockt sie ab und erzählt irgendetwas von einer immer schon da gewesenen Distanz, einem Abstand zwischen ihr und allen anderen Menschen.
Das klingt glücklicherweise nicht nur in Callies Ohren komisch, so dass sie beginnt, Maggie auf sehr unterhaltsame Weise aufzuziehen („Well, it's okay if you're kind of a snob...“ / „Okay, es ist schon in Ordnung, wenn du so eine Art Snob bist...“). An dieser Stelle sind besonders die ausgesprochen gut geschriebenen Dialoge positiv zu erwähnen. Dies gilt ebenso für die Szenen zwischen Meredith und Alex (Justin Chambers).
Fazit
Nach zwei ausgesprochen mitreißenden Episoden rund um den Überlebenskampf von Nicole Herman kehrt nun mit I Feel the Earth Move wieder Alltag im Grey Sloan Memorial ein. Nachdem ein kleines Erdbeben Seattle erschüttete, müssen Owen, Amelia und Dr. Webber einem kleinen Mädchen per Telefon Anweisungen zur Rettung ihrer Mutter erteilen. In diesem Kontext nähern sich Owen und Amelia weiter einander an, zudem wird noch einmal an Owens unerfüllte Kinderwünsche erinnert. Die ein wenig zu überschwänglich geratene Interaktion mit Ruby dürfte man somit aber fast als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen - vielleicht ist Owen nun endlich, endlich ein wenig Glück gegönnt.
Während die Figur von Meredith in der bisherigen Staffel eher durch die endlosen Streitereien mit Derek nervte, gelingt es den Autoren in dieser Episode, den Zugang zu ihr ein wenig unmittelbarer zu gestalten. Als sie erkennt, dass sie auch ohne Derek glücklich sein kann, ihn aber trotzdem in ihrem Leben haben will, freut man sich tatsächlich für ihre Weiterentwicklung. Der Umstand, dass Derek sie womöglich betrügt, trifft daher umso mehr. Es bleibt abzuwarten, ob die Autoren mit diesem Handlungsstrang erneut auf zermürbende Streitereien setzen oder mal etwas ganz Neues wagen: Ist Grey's Anatomy ohne Meredith und Derek als Paar vorstellbar?
Trailer zur Episode „Don't Dream It's Over“ (11x16) der US-Serie „Grey's Anatomy“:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 13. März 2015Grey's Anatomy 11x15 Trailer
(Grey's Anatomy 11x15)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x15
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