Grey's Anatomy 10x22

Grey's Anatomy 10x22

In der Episode We Are Never Getting Back Together steht nicht nur die Trennung von Siamesischen Zwillingen an. Auch eine Chirurgin wird ihren Weg künftig alleine gehen. Der Auftritt eines alten Bekannten verläuft in Grey's Anatomy dabei anders, als befürchtet.

In der neuen Episode von „Grey's Anatomy“ kommen sich Derek (Patrick Dempsey) und seine Schwester Amy (Caterina Scorsone) wieder etwas näher. / (c) ABC
In der neuen Episode von „Grey's Anatomy“ kommen sich Derek (Patrick Dempsey) und seine Schwester Amy (Caterina Scorsone) wieder etwas näher. / (c) ABC

In Grey's Anatomy gibt es zwei Episoden vor dem Ende der zehnten Staffel ein Wiedersehen mit Preston Burke (Isaiah Washington). Der Chirurg und Herzspezialist war während der ersten drei Staffeln und über mehr als 60 Folgen hinweg ein fester Bestandteil der Serie gewesen, bis er in Didn't We Almost Have It All? (03x25) recht überstürzt die Flucht ergriff - und dabei seinem Schützling Cristina Yang (Sandra Oh) und Seattle gleichermaßen den Rücken zukehrte. Das Bild einer verzweifelt nach Luft schnappenden Cristina im Brautkleid dürfte vielen Freunden der Arztserie noch lebhaft in Erinnerung verblieben sein.

Nun, viele Jahre und unzählige Dramen später, gibt es in We Are Never Getting Back Together ein Wiedersehen mit seiner Figur. Und dieses hätte von Shonda Rhimes und den anderen Kreativen hinter Grey's Anatomy auch weitaus unglücklicher inszeniert werden können.

Bekannte Stimme aus der Dunkelheit

Heerscharen aus Spoilern ist es zu verdanken, dass es kaum eine Überraschung darstellen dürfte, als sich der Mann, der sich in Zürich aus der Dunkelheit an Cristina wendet, als Preston Burke entpuppt. Wie sich herausstellt hat der Chirurg, der mittlerweile ein privates Krankenhaus in der Schweiz leitet, persönlich dafür gesorgt, dass seine Exfreundin das altbekannte Stadtpanorama Seattles vorübergehend gegen eine idyllische Berg-Kulisse eintauscht. Doch was verspricht sich Burke nur davon, seinen früheren Protegé zu sich zu beordern?

Einige Wendungen und Burkes Masterplan

Glücklicherweise wird der so endgültig erscheinenden Trennung der beiden aus dem Finale der dritten Staffel Rechnung getragen, indem sich Prestons Beweggründe als rein geschäftlicher Natur herauskristallisieren. Die Wendung, dass der Chirurg und Gewinner des Harper Avery Awards bereits verheiratet ist - und zudem auch noch Kinder hat - stellt zwar eine interessante Überraschung dar. Gleichzeitig scheint es dabei doch recht unwahrscheinlich, dass Cristina, die seinen Werdegang selbstverständlich verfolgt hat, diese Information entgangen sein sollte.

Nichtsdestotrotz manifestiert sich auf diese Weise eine versöhnliche Möglichkeit, Yang den Weg aus dem Grey Sloan Memorial Krankenhaus heraus zu ebnen. In der Schweiz bieten sich ihr dank eines vermögenden Sponsoren und einer Armada aus 49 3D-Druckern beste Bedingungen, um ihren nächsten großen Coup zu landen und ein voll funktionstüchtiges Herz zu drucken. Auch der einzige Wehrmutstropfen, dabei wieder in den Schatten ihres früheren Mentors treten zu müssen, löst sich in Luft auf: Burke wird Cristina - und auch seiner Ehe - den größten Gefallen tun und der begabten Kollegin seine Stellung übergeben.

Ja; wen haben wir denn da...? Jupp; es ist Isaiah Washingtons Proston Burke. © ABC
Ja; wen haben wir denn da...? Jupp; es ist Isaiah Washingtons Proston Burke. © ABC

Zukunftsangst

Obwohl Cristina klar im Zentrum dieser Episode von Grey's Anatomy steht, geht es auch für die anderen Charaktere voran. Die Assistenzärzte schweben in der Sorge darum, ihren Job zu verlieren, nachdem Jo (Camilla Luddington) eine kritische Bemerkung Dr. Webbers (James Pickens Jr.) zu Dr. Hunt (Kevin McKidd) überhört hat. Aus dem Kreis der verschiedenen Nachwuchs-Chirurgen hat in We Are Never Getting Back Together wohl Jo selbst die schlechteste Figur abgegeben, da sie in ihrem störrischen Ehrgeiz das Wohl einer in die Jahre gekommenen Patientin gefährdet hatte.

Obwohl die Neuzugänge aus der neunten Staffel noch nicht unbedingt zu einem existenziellen Teil des Casts herangewachsen sind, wünscht man doch weder Shane (Gaius Charles) noch Steph (Jerrika Hinton), Leah (Tessa Ferrer) oder Jo, dass sie gefeuert werden.

Versöhnung und doppelter Kindersegen

Unheilschwanger schweben Webbers Worte von einer „doomed marriage“ („zum Scheitern verurteilten Ehe“) über den schwerwiegenden Differenzen zwischen Jackson Avery (Jesse Williams) und seiner April (Sarah Drew) - obwohl Richard damit doch nur die Verbindung zwischen „seinem“ Krankenhaus und der Avery-Stiftung beschreibt.

Doch dann schreitet April energisch ein, als der frühere Krankenhauschef ihren Ehemann erneut wegen der vermeintlichen Verfehlungen von seiner Mutter Catherine (Debbie Allen) attackiert. Zur Abwechslung kann man sich dabei voll und ganz auf Kepners (oder Kepner-Averys, oder nur noch Averys?) Seite schlagen. Denn Richards Wut scheint zu einem nicht unbedeutenden Teil auch aus seiner persönlichen Enttäuschung über das Verhalten seiner Freundin gespeist zu werden, und den armen Jackson trifft hier sowieso keine Schuld. April, die nach ihrer Standpauke auf sympathische Weise von sich selbst schockiert zu sein scheint, beweist hier ihre Loyalität. Ihr einfühlsamer Ehemann macht schließlich die Versöhnung komplett, indem er sich zu wöchentlichen Kirchenbesuchen im Familienverbund verpflichtet - so lange es danach denn Waffeln gibt. In Anbetracht der wiederhergestellten Harmonie steht der Vorfreude auf die „Blaubeere“ ja nun nichts mehr im Wege.

Obwohl im Falle von Arizona (Jessica Capshaw) und Callie (Sara Ramirez) noch gar keine Schwangerschaft vorliegt, schwelgen die beiden mit einer derartigen Glückseligkeit in der Vorfreude auf die geplante Familienerweiterung, dass man es fast schon mit der Angst zu tun bekommt. Schließlich sind in Grey's Anatomy Zufriedenheit und Verzweiflung nie allzu weit von einander entfernt...

Fazit

Cristinas beliebtem Charakter wird in Grey's Anatomy allem Anschein nach die Gnade zuteil, aus der Serie auszuscheiden, ohne dabei gleichzeitig aus dem Leben zu treten. Obwohl die Interaktion mit Burke dabei - besonders im überaus romantischen Umfeld eines Herz-Hologrammes - nicht frei von romantischen Schwingungen ist, darf sie dabei glücklicherweise ganz und gar auf eigenen Füßen stehen.

Während es für Meredith (Ellen Pompeo) und die Zuschauer einen herben Verlust darstellt, bald auf Cristina verzichten zu müssen, kann man sich doch immerhin mit der Vorstellung trösten, dass Yang jetzt an einem besseren Ort walten darf. Betrüblicher stimmt da schon, dass auch Alex Karev (Justin Chambers) einem neuen Job nachgeht. Es bleibt zu hoffen, dass sich seine Auftritte fortan nicht auf das Chauffieren seiner Freundin und das Betrinken mit den Assistenzärzten nach Feierabend beschränken werden.

In der Patientengeschichte um die Schwestern Annie (Alexis Stier) und Liz (Megan Stier) reflektiert sich die Tatsache, dass Cristina ihren Weg fortan alleine beschreiten muss, vielleicht etwas zu plumb. Dennoch geht es einem zu Herzen, als Annie sich von ihrem hirntoten Zwilling verabschiedet. Während die Familie McNeil sich anscheinend wieder aus der Handlung der Serie verabschiedet, ohne dass das Mysterium um die Dreifacherkrankung aufgeklärt wird, könnte Miranda Baileys (Chandra Wilson) regelwidriger Alleingang im Falle von Braden Morris (Armani Jackson) durchaus noch in einem bösen Nachspiel für die Chirurgin resultieren.

Obwohl große Höhepunkte ausbleiben, sorgen Details wie Aprils Fähigkeit zur Selbstkritik oder Dereks (Patrick Dempsey) liebevoller Umgang mit dem talentierten „Dorftrottel“ Amy (Caterina Scorsone) doch dafür, dass die Episode einen runden Eindruck macht. So kann man We Are Never Getting Back Together, deren verstörendste Bestandteile wohl die Kindernamen Agamemnon und Rainbow darstellen, als eine Art Verschnaufpause betrachten. Schließlich stehen die Chancen darauf, dass die Nerven der Zuschauer - spätestens im Staffelfinale - wieder einiges werden erdulden müssen, nicht gerade schlecht.

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 2. Mai 2014

Grey's Anatomy 10x22 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 22
(Grey's Anatomy 10x22)
Deutscher Titel der Episode
Verlockung
Titel der Episode im Original
We Are Never Getting Back Together
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 1. Mai 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 10. Dezember 2014
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Dienstag, 16. September 2014
Autor
Joan Rater
Regisseur
Rob Corn

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x22

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