Grey's Anatomy 10x21

Grey's Anatomy 10x21

Mit der Episode Change Of Heart hält jede Menge Drama Einzug ins Leben der Patienten und der Ärzte aus Grey's Anatomy. Glücklicherweise sorgt dabei eine Furie namens Meredith Grey für die nötige Auflockerung.

Meredith (Ellen Pompeo) verbreitet in „Grey's Anatomy“ gemeinsam mit Derek (Patrick Dempsey) menschliche Wärme. / (c) ABC
Meredith (Ellen Pompeo) verbreitet in „Grey's Anatomy“ gemeinsam mit Derek (Patrick Dempsey) menschliche Wärme. / (c) ABC

Der Titel der neuesten Episode von Grey's Anatomy lautet Change Of Heart und nimmt dabei nicht nur Bezug auf die beiden Patientengeschichten, die die Serie nun bereits seit vier Folgen begleiten. So sorgt die Tatsache, dass Cristina Yang (Sandra Oh) der Harper Avery Award vorenthalten wurde - in Kombination mit den neuesten dramatischen Begebenheiten - dafür, dass sie ihr Leben überdenkt. Doch wohin wird sie ihr Herz wohl leiten?

Zwischen Sorge und Behaglichkeit

In der Serie Grey's Anatomy besteht drei Episoden vor dem Ende der zehnten Staffel kein Mangel an Drama. Auf Seiten der Patienten kommt es zu turbulenten Komplikationen, die ihren Höhenpunkt in einem traurigen Schicksalsschlag finden. Zudem droht mit der Abwanderung von Alex Karev (Justin Chambers) in den privaten Sektor der Verlust eines weiteren Urgesteins aus dem Ärztekollegium. Zum Glück gibt es aber noch das Paar aus Meredith (Ellen Pompeo) und Derek (Patrick Dempsey), das inmitten der ausufernden Tragik als Quelle der Wärme fungiert.

Heile Welt

Derek erhält Besuch von seiner Schwester Amelia (Caterina Scorsone), die sonst im parallelen Private Practice-Universum verortet war. An der Tatsache, dass Shepherd der Frau trotz ihrer nicht unproblematischen Vergangenheit umgehend seine beiden Kinder anvertraut, lässt sich ablesen, wie sehr er nach einer kleinen Entlastung von seinen immensen Verpflichtungen dürstet. Derek macht nicht nur durch seine pointierten Instruktionen fürs Baby-Sitting eine sympathische Figur. Er lässt zudem einen Hauch von Romantik in den Handlungsverlauf einfließen, indem er seine Zweisamkeit mit Meredith von einer verlockenden Operation in einen der berüchtigten Bereitschaftsräume ausweitet.

Amelia (Caterina Scorsone) vor ihrem Mutterschafts-Test. © ABC
Amelia (Caterina Scorsone) vor ihrem Mutterschafts-Test. © ABC

Die famose Furie

Seine Ehefrau sorgt gleichzeitig praktisch im Alleingang dafür, dass auch der Humor in dieser Episode nicht zu kurz kommt. In ihrer Loyalität gegenüber der leer ausgegangenen Cristina findet die wütende Meredith ihr erstes Opfer in April, die nach ihrer Heirat nun auch „dem Feind“ zugehörig ist: „You are an Avery by association!

Doch die wohl hübscheste Anfeindung ist dem armen Jackson (Jesse Williams) selbst vorbehalten, der doch durch seine Eheprobleme und die unangenehme Aufgabe, Forschungsprojekte einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu unterziehen, eigentlich schon genug gestraft ist. „If they cut my funding, I cut their tires,“ („Wenn sie mir meine Bezüge kürzen, schlitze ich ihre Reifen auf“), giftet Mere auf erquickliche Art und Weise. Neben dem fraglos hohen Unterhaltungsfaktor, der ihrem Wüten innewohnt, ist es in diesem Zusammenhang auch schön zu sehen, dass Merediths Freundschaft zu Cristina nach den bitteren Auseinandersetzungen der jüngeren Vergangenheit wieder vollkommen genesen ist.

April

Aprils Freunde dürften sich nicht nur innerhalb der Ärzteschaft rar machen, als sie ihr Umfeld unablässig und gewohnt metaphorisch mit Analysen ihres Privatlebens bombardiert. Doch dadurch gibt sie immerhin Owen Hunt (Kevin McKidd) die Gelegenheit, durch seine Geduld und sein beträchtliches Einfühlungsvermögen zu glänzen. Doch wird sich Owens Prognose, dass die Beziehung zu Jackson ihre Meinungsverschiedenheit in Religionsdingen verkraften wird, bewahrheiten? Immerhin steht hier nicht nur eine Ehe, sondern auch das Wohl ihres ungeborenen Kindes auf dem Spiel.

Obwohl dem umsichtig und liebevoll agierenden Jackson durch eine Trennung wohl eine Menge Stress erspart bleiben würde, hoffe ich - meinen Nerven zuliebe - doch auf eine baldige Versöhnung der beiden. Obwohl Avery laut Meredith Probleme haben könnte, Hintern und Ellenbögen auseinander zu halten, möchte man dem Kind seinen väterlichen Einfluss nämlich in keinem Falle vorenthalten. Und eine Abtreibung kommt hier wohl eher nicht infrage...

Patienten

Indem die Serie ihren Zuschauern die Mitglieder der Familie McKneil über mehrere Episoden näher gebracht hat, gewinnt deren Schicksal logischerweise an Relevanz. Zum einen wird man stärker davon berührt, dass Frankie (Harley Graham) trotz Cristinas verzweifelten Bemühungen auf dem OP-Tisch verstirbt, während sich ihre Schwester Ivy (Jadin Gould) dank des neuen Spenderherzes zu erholen scheint. Zum anderen ist es in Grey's Anatomy auf diese Weise nicht irgendeine Patientengeschichte, die mit Yang eine der bedeutendsten Figuren aus der Bahn wirft.

Der Erzählstrang um Braden Morris (Armani Jackson) hingegen krankt dadurch, dass man seiner Mutter Teresa (Bresha Webb) ihren „Change of Heart“ - also ihre Meinungsänderung - bezüglich der weiteren Behandlung ihres Sohnes nicht so recht abnehmen kann. Die überbrodelnde Hysterie wirkte meiner Meinung nach schon in der vorangegangenen Episode Go It Alone (10x20) etwas übertrieben. Und obwohl die Sorge um das Kind einem sicher beizeiten die Sinne vernebeln kann, sollte sich Teresa doch darüber im Klaren sein, dass sich Bradens Zustand wohl kaum von alleine bessern wird. Zudem muss man sich aufgrund ihrer Sturheit nun schon wieder Sorgen um Miranda Bailey (Chandra Wilson) machen, die die Behandlung des kranken Jungen allem Anschein nach heimlich fortsetzen wird. Ob die bereits getätigte Unterschrift von Bradens Mutter Bailey im Ernstfall wohl vor schwerwiegenden Konsequenzen bewahren kann? Oder wird hier vielleicht bereits Mirandas Karriere als Teleshopping-Star in die Wege geleitet, auf die die Episode Do you know? (10x17) verwiesen hatte?

Ideologie vs. Geschäftssinn

Zu der Figur Catherine Avery (Debbie Allen) hatte ich schon immer ein gespaltenes Verhältnis. In dieser Folge kann sie als Repräsentantin der Geschäftswelt keine Sympathiepunkte ergattern. So nimmt man es der Chirurgin zweifellos übel, Cristina als Marketing-Instrument benutzt zu haben, obwohl Yang hier aufgrund der vielen Verstrickungen zwischen der Stiftung, dem Krankenhaus und ihr selbst in jedem Fall eine große Enttäuschung widerfahren musste. Dennoch stimmt Catherines Anblick betroffen, als Richard Webber (James Pickens Jr.) sich enttäuscht von ihr abwendet, ohne seinen Heiratsantrag gemacht zu haben.

Cristinas Krise

Während Richard ins Grey Sloan Memorial zurückkehrt, dreht Cristina dem Krankenhaus frustriert den Rücken zu. Von einer existenziellen Krise bislang ungekannten Ausmaßes ergriffen, sucht sie zunächst in einer Dusche Zuflucht. Obwohl sie - wie Yang selbst am besten weiß - im Falle der McKneil-Kinder wirklich alles richtig gemacht hat, wird ihr von den traumatisierten Eltern nur Undank entgegengebracht. Obwohl ihr Forschungsprojekt ohne Zweifel das beste war, erntet die Lorbeeren doch ein anderer. Als Owen Cristina berichtet, dass sie den Harper Avery eigentlich doch gewonnen hat, scheint diese Information sie zu einem Entschluss zu bringen...

Fazit

Die Freude über den leichtfüßigen und humorvollen Einstieg in die Episode Change Of Heart wird stets von einem Gefühl der Beklommenheit überschattet. Schließlich steht schon seit geraumer Zeit fest, dass die Tage von Sandra Oh als Teil von Grey's Anatomy gezählt sind. Dementsprechend fahndet man instinktiv nach Fingerzeigen auf das Unabwendbare. Wird die berüchtigte Serienerfinderin Shonda Rhimes an der beliebten Figur vielleicht ihre ganze, grausame Schaffenskraft demonstrieren?

Glücklicherweise hat es nun zunächst den Anschein, dass sich Cristina aus freien Stücken aus dem Krankenhaus und der Serie verabschieden wird. Ist ihr der Harper Avery wohl so wichtig, dass sie den Arbeitsplatz wechseln würde, um eine realistische Chance auf die Auszeichnung zu bekommen?

Fans von Private Practice dürften sich wohl über das Wiedersehen mit „Amy“ Shepherd freuen. Dennoch fühlt sich ihr Handlungsstrang momentan noch etwas belanglos an. Dafür wird man hart von dem Drama getroffen, das dem Rest der Episode innewohnt. Ob auf Seiten von Cristina, Richard oder Frankie - über mangelndes Mitfühlen kann man sich in dieser Episode wohl nicht beschweren. Da kommt es gelegen, dass neben Derek und Meredith auch Arizona (Jessica Capshaw) und Callie (Sara Ramirez) menschliche Wärme beisteuern. So macht Arizona im Umgang mit dem hadernden Alex einen sehr liebevollen Eindruck. Im Zusammenspiel mit der angesäuerten Callie („Get out of my vagina!“; „Verschwinde aus meiner Vagina!“) sorgt sie zudem dafür, dass Meredith in puncto Witz nicht alles alleine machen muss. Dank der abwechslungsreich und unterhaltsam gestalteten Episode ist das ungewisse Schicksal von Cristina Yang nicht der einzige Grund dafür, warum man den kommenden Ereignissen bereits jetzt entgegenfiebert.

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 25. April 2014
Episode
Staffel 10, Episode 21
(Grey's Anatomy 10x21)
Deutscher Titel der Episode
Sinneswandel
Titel der Episode im Original
Change of Heart
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 24. April 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 3. Dezember 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 10. November 2014
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 15. September 2014
Autor
Meg Marinis
Regisseur
Rob J. Greenlea

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x21

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