Grey's Anatomy 10x19

Für die Episode I'm winning hat wieder einmal der Schauspieler Kevin McKidd im Regiestuhl Platz genommen. Das Resultat profitiert durch einige originelle Einfälle und kann sich durchaus sehen lassen.
„Innovation, imagination, excellence. Soak it in, doctors - it is all around you!“ Richard Webber (James Pickens Jr.) strahlt bei dem Gedanken nur so vor Stolz, dass eine Chirurgin „seines“ Krankenhauses die Aussicht auf den höchst prestigeträchtigen Harper Avery Award hat. Doch nicht alle Ärzte können sich in dieser Weise über die Nominierung freuen...
Verborgener Neid
Meredith (Ellen Pompeo) gelingt es, ihren Neid hinter einer geschickten Fassade der euphorischen Anerkennung zu verbergen, indem sie für ihre erfolgreiche Freundin eine kleine Überraschungsparty organisiert. Und für den Fall der Fälle hat sie sich noch mit wasserfestem Maskara geschminkt. Selbstverständlich gibt es lobenswertere Charaktereigenschaften als die Eifersucht. Trotzdem kostet sie Meredith in diesem Falle keinerlei Sympathiepunkte. Erstens legt sie nämlich dabei, eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen, eine erquickliche Raffinesse an den Tag. Zweitens ist diese kleine Todsünde durchaus menschlich und dürfte der großen Mehrheit der Zuschauer nicht ganz unbekannt sein. Und außerdem gibt Greys Eifersucht Anlass für die herzerwärmende Szene mit ihrem Mann Derek Shepherd (Patrick Dempsey), der seine Ehefrau so spielerisch zu durchschauen vermag.
Überbordende Eifersucht
Miranda Bailey (Chandra Wilson) hingegen gibt sich keine große Mühe, ihre Missgunst zu verschleiern. Dabei wirkt sie in ihrem zickigen Verhalten wie ein kleines Kind. Während Beiley selbst mit ihrem Genprojekt auf der Stelle tritt, reißt sie sich gar hinterhältig Merediths Transplantation einer HIV-infizierten Niere unter den Nagel. Doch zum einen gibt sie dadurch Meredith eine weitere Gelegenheit, innere Größe zu demonstrieren. Außerdem kann Miranda sich auch selbst wieder rehabilitieren, indem sie Yang am Ende aufrichtig gratuliert.
Auch in medizinischer Hinsicht geht es für Baileys Charakter bergauf, nachdem ihr im OP endlich die Erleuchtung zuteil wird. Wird sie - ausgerechnet durch die Eigenschaften des tückischen Humanen Immundefizienz-Virus inspiriert - dem kleinen Braden Morris (Armani Jackson) ein Leben außerhalb seiner Isolationszelle ermöglichen können?
Bekannte Gesichter
Neben Braden gibt es auch ein Wiedersehen mit den Mitgliedern der Familie McNeil. Während es den Töchtern Frankie (Harley Graham) und Ivy (Jadin Gould) nach der mysteriösen Erkrankung ihrer Herzmuskel wieder deutlich besser geht, ringt ihr Bruder Link (Thomas Barbusca) mit dem Tode.
Im Rahmen dieser episodenübergreifenden Geschichte gelingt es weiterhin gut, die Neugierde darüber zu schüren, was wohl der Grund für die Erkrankung der drei Kinder sein könnte. Gleichzeitig wirkt sie sich maßgeblich auf das Leben der Ärzte aus, ohne dass dies einen allzu erzwungenen Eindruck macht.
Von Patienten und Ärzten
Der Zusammenhalt der McNeil-Sprösslinge kann so Arizona (Jessica Capshaw) von ihrer Entscheidung abbringen, keine weiteren Kinder mehr bekommen zu wollen. Die Tatsache, dass ihre Ehefrau Callie (Sara Ramirez) im Verlauf von I'm winning zum gleichen Entschluss kommt, resultiert in einem Gespräch, in dem die beiden auf amüsante Weise aneinander vorbei reden. Erleichtert kann man dabei verfolgen, wie sich ein Streit um Nichts wieder in Selbiges auflöst.
Auch Jackson (Jesse Williams) und April (Sarah Drew) werden durch die Familie McNeil beeinflusst. Nachdem die beiden mich in der Vergangenheit mit ihren Beziehungswirren nervlich beizeiten erheblich auf die Probe gestellt hatten, machen sie in dieser Episode von Grey's Anatomy einen sehr liebenswerten Eindruck. Die dramatisch anmutenden Diskrepanzen bezüglich der Erziehung ihrer Kinder scheint das Paar zunächst vertagt zu haben. Stattdessen widmen sich Jackson und April Kabbeleien über die Art und Weise, wie man sein Geld investieren sollte: „Paying someone to do your laundry is an extravagance!“

Obwohl es etwas merkwürdig anmutet, dass eine derartig durchorganisierte Frau wie April an dem Waschen ihrer Unterwäsche scheitern sollte, macht sie in ihrem Badeanzug doch eine sehr sympathische Figur. Ihr Mann kann hingegen dadurch begeistern, dass er zum Wohle des Patienten Link seiner Großzügigkeit freien Lauf lässt.
Die Vorzüge des Reichseins
Die Tatsache, dass es Avery aufgrund seines Reichtums möglich ist, ein dringend benötigtes Herz kurzum per Privatjet einfliegen zu lassen, veranlasst wiederum Alex Karev (Justin Chambers) dazu, seine Skepsis über eine Zusammenarbeit mit Dr. Oliver Lebackes (Patrick Fabian) zu überwinden. Hierbei stimmt auch die Aussicht optimistisch, vielleicht bald den charismatischen „Dr. Butthole“ wieder zu Gesicht zu bekommen.
Die Neuen und die Alte
Die Interaktion von Shane (Gaius Charles), Steph (Jerrika Hinton) und den anderen Assistenzärzten macht einen sehr dynamischen Eindruck, wobei besonders das „swap monkey“-Konzept für Erheiterung sorgt. Die Figur von Jo (Camilla Luddington) steuert ebenfalls eine hübsche Szene bei, in der sie sich als Katzen- und Strandhasserin offenbart und gleichzeitig ihre orthopädisch motivierte „sis-mance“ mit Callie verfestigt.
Während die Assistenzärzte des Krankenhauses im Hinblick auf Cristinas neuesten Erfolg in Bewunderung schwelgen, lässt sich die Nominierte selbst von dem Trubel um ihre Person nicht aus der strebsamen Ruhe bringen. Zwischenzeitlich scheint Yang von den Huldigungen gar richtiggehend genervt zu sein, obwohl ihr Ruhm ihr auch einige wichtige Vorteile verschafft. Erst ganz am Ende der Episode lässt sich Cristina gegenüber Dr. Hunt entlocken, von der Aussicht auf den Harper Avery Award vielleicht doch nicht gänzlich kalt gelassen zu werden... Sie hat es sich verdient.
Fazit
In Grey's Anatomy gibt es seit längerer Zeit einmal wieder Patientengeschichten, die sich über mehrere Episoden hinweg erstrecken. In diesem Zusammenhang bußen zwar einige Szenen wieder Authentizität ein, indem sie allzu konstruiert daherkommen. So beispielsweise im Falle des dramatischen Kreises aus Menschen, der sich um den aus seiner Kammer entflohenen Braden bildet. Dennoch wirkt es sehr erfrischend, dass einige Patientenschicksale etwas intensiver beleuchtet werden.
Die Interaktionen innerhalb der Ärzteschaft sind oft sehr unterhaltsam geraten, wobei sich besonders Sara Ramirez als Callie hevortut. Egal, ob sie Jos neue Leidenschaft über die Orthopädie beschwärmt („A broken arm makes her happy!“) oder die Erweiterung ihrer Familie in die Wege leitet. Mer hingegen verhält sich so gefestigt und rücksichtsvoll, dass sie auch dann das Empathiezentrum in den Zuschauerhirnen stimulieren dürfte, wenn sie nicht gerade ihren Sohn Bailey mit sich herumträgt.
Obwohl sich die großen Dramen in Grenzen halten, handelt es sich bei I'm winning doch um eine gelungene Episode. Besonders in der letzten Szene kann sich Regisseur Kevin McKidd dabei hervortun. So ruft es ein warmes Gefühl hervor, seinen Owen und Cristina wieder einmal im schicksalsträchtigen Lüftungsschacht vereint zu sehen. Auch wenn sie darin wohl nie wieder knutschen werden...
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 11. April 2014Grey's Anatomy 10x19 Trailer
(Grey's Anatomy 10x19)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x19
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