Grey's Anatomy 10x18

Viele Ärzte aus Grey's Anatomy werden in der Episode You Be Illin' selbst zu Patienten, als sich im Grey Sloan Memorial eine besonders tückische Magen-Darm Grippe verbreitet. Inmitten der Viren können einige der alteingesessenen Charaktere für kleine Höhepunkte sorgen. Zudem tritt ein charismatischer Neuzugang in Erscheinung. Dennoch fehlt dieser Folge der langlebigen Arztserie das gewisse Etwas.
Mysterium und Teamwork
In der vorangegangenen Episode Do You Know? (10x17) wurde ausführlich abgehandelt, dass Cristina Yang (Sandra Oh) und Dr. Owen Hunt (Kevin McKidd) lieber die Finger von einander lassen sollten. Umso schöner ist es nun zu sehen, wie gut die beiden nach wie vor als Kollegen harmonieren. Während sich Steph (Jerrika Hinton) etwas widerstrebend der kleinen Patienten annimmt, die für Yangs Herzstudie infrage kommen, sieht Cristina sich mit einem merkwürdigen medizinischen Phänomen konfrontiert: Alle drei Kinder der Familie McNeil werden nach einander von Herzmuskelerkrankungen heimgesucht. Obwohl die Rollen der besorgten Eltern mit Rebecca Field und Billy Malone adäquat besetzt sind, kann diese Geschichte zunächst nicht aus der Fülle anderer Patientenschicksale herausstechen. Dass Cristina und ihr Exmann hier jedoch einem mysteriösen Phänomen auf der Spur sind, das die Ärzte wohl auch noch in der nächsten Episode beschäftigen wird, macht aber neugierig.
Allzu zufällig
Während die Geschichte der McNeils davon profitiert, dass ihr das Versprechen auf jede Menge Drama innewohnt, erscheint die Anekdote um Braden Morris (Armani Jackson) zu maßgeschneidert, um tiefer berühren zu können. Zwar tut der Nachwuchsdarsteller mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen alles, was in seiner Macht steht. Doch dass der Fokus bei seinem Charakter darauf gelegt wird, sich nicht länger von seinen Eltern knuddeln lassen zu wollen, bevor ihm genau dieses Privileg dann aufgrund seines schweren kombinierten Immundefektes genommen wird, raubt dem Handlungsstrang das Echtheitsgefühl.
Ähnlich verhält es sich im Falle von Alex Karev (Justin Chambers). So präsentiert sich dem Arzt die Möglichkeit auf eine saftige Gehaltserhöhung just in dem Moment, in dem ihm seine Studiendarlehen über den Kopf zu wachsen drohen. Doch immerhin kommen die Zuschauer dank seines Handlungsstrangs in den Genuss, Dr. Butthole (Patrick Fabian) kennenzulernen, der eigentlich Oliver Lebackes heißt, und sich in seiner Praxis auf Afterplastik spezialisiert hat.
Obwohl die Sequenz, in der Butthole seinen OP in eine Disko verwandelt, einen allzu theatralischen Eindruck macht, kann man den wortgewandten Arzt doch umgehend ins Herz schließen. Dementsprechend würde man ein Wiedersehen mit dem Neuzugang begrüßen - auch wenn dabei die Gefahr besteht, dass er den Zuschauern Alex abspenstig machen könnte. Aber wer kann personalisierten Kugelschreibern schon widerstehen?
Erfreuliches
Während diese Episode von Grey's Anatomy aufgrund des allgegenwärtigen Siechens und Würgens gewisse Längen aufweist, sorgen neben Lebackes besonders auch Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) für Aufheiterung. So ist es zwar etwas albern, aber durch und durch liebenswürdig, wie Arizona die eigene Erkrankung mithilfe ihrer „Superkraft“ vorausahnen kann. Ihre Ehefrau auf der anderen Seite begeistert durch die Euphorie, die sie bei dem Gedanken an den Tag legt, mit Jo (Camilla Luddington) Verstärkung für die Minderheit der Orthopädinnen gefunden zu haben.

In Bezug auf Jo mutet es zwar etwas merkwürdig an, dass die Assistenzärztin noch nie von der Möglichkeit gehört haben soll, dass durch Tetanus ausgelöste Spasmen zu Knochenbrüchen führen können. Dennoch kann man ihrem Charakter in der Episode durchaus wohlgesonnen bleiben. Schließlich bringt man dank Alex „Boy Wonder“ Karevs neuem Kosenamen für seine Freundin in Erfahrung, dass Onkel Dagobert in den USA auf den erquicklichen Namen Scrooge McDuck hört.
Liebesdienst
Es ist schön zu sehen, dass Meredith (Ellen Pompeo) ihre etwas anstrengende Phase überwunden hat, die sie im Laufe der zehnten Staffel zuweilen an den Tag gelegt hatte. So kommt sie ihrem Gatten Derek Shepherd (Patrick Dempsey) auf sympathische Weise zu Hilfe, als auch er sich den Grippeviren geschlagen geben muss. Indem Mere bei einer wichtigen Rede im Rahmen seines Gehirnentschlüsselungsprojektes für ihn einspringt, bietet sie Shepherd endlich den Rückhalt, den er verdient.
...und der Rest
Ansonsten bringt die Handlung ungefähr so viel Freude mit sich wie eine Erkältung. Baileys (Chandra Wilson) Ben (Jason George) und Jackson Avery (Jesse Williams) müssen exemplarisch verdeutlichen, wie das männliche Geschlecht sich im Falle einer geringfügigen Erkrankung verhält. Und die Interns vertreiben sich die Zeit mit einer Runde „Swap Monkey“, indem sie denjenigen, der sich der Krankheit als erstes geschlagen gibt, dazu verdammen, die ungewollten Schichten seiner Kollegen zu übernehmen.
Hierbei stimmt es befremdlich, dass sich auch Richard Webber (James Pickens Jr.) dafür ereifert, so lange weiterzuarbeiten, bis man sich in den eigenen Mund erbricht. Zwar machen ein Dereck, der schwankend im Ganzkörperanzug operiert oder eine würgende Leah Murphy (Tessa Ferrer) am Tropf einen unterhaltsamen Eindruck. Doch dabei erscheint ihr Verhalten in der unmittelbaren Nähe der vielen geschwächten Patienten - oder gar im OP - in seiner ungeheuren Fahrlässigkeit eher wie Klamauk als eine realitätsnahe Abbildung des Krankenhausalltags. Wollen wir's zumindest hoffen...
Fazit
Bei You Be Illin' handelt es sich insofern um eine konventionelle Episode von Grey's Anatomy, als dass den Patientengeschichten ein ähnliches Maß an Spielzeit eingestanden wird wie den privaten Querelen der Ärzteschaft. Vielleicht liegt es ja schlichtweg in der langen Laufzeit der Serie begründet, dass die Leiden der Kranken dabei als erzählerisches Element etwas an Reiz verloren haben. Immerhin ist es ein hübscher und zeitgemäßer Einfall, dass sich der Tetanus-Patient mit der Kieferstarre inmitten einer Verschwörung der Pharma-Industrie wähnt. Auch dass der Fall der herzkranken McNeil-Kinder wohl episodenübergreifend und somit vertieft abgehandelt werden wird, ist eine gelungene Abwechslung zu den medizinischen Komplikationen im Procedural-Stil.
Trotz kleiner Lichtblicke wie Dr. Butthole oder „Ortho Jo“ wird der Gesamteindruck der Episode in den Augen der Rezensentin dadurch getrübt, dass die Belegschaft des Krankenhauses der Ansteckungsgefahr - die zu Beginn übrigens stimmig grafisch umgesetzt wird - mit einer derartigen Arglosigkeit begegnet.
Im Endeffekt haben wir es hier mit einer durchweg durchschnittlichen Episode zu tun, in der sich so einige Ermüdungserscheinungen abzeichnen und große Höhepunkte ausbleiben. In Bezug auf die restlichen sechs Folgen der zehnten Staffel möchte ich den weisen Landsmann Dr. Strauss (Enn Reitel) zitieren: „I hope it is not - what is the phrase you use? - a complete waste of my time.“
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 4. April 2014Grey's Anatomy 10x18 Trailer
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Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x18
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