Grey's Anatomy 10x16

Grey's Anatomy 10x16

In der Episode We Gotta Get out of This Place finden fast alle Konflikte ein gutes Ende. Nur einem der Pärchen aus der Serie Grey's Anatomy scheinen schwere Zeiten bevorzustehen. Trotzdem hinterlässt die neue Episode ein Gefühl der Behaglichkeit.

In „Grey's Anatomy“ demonstriert Dr. Webber (James Pickens Jr.) gegenüber Dr. Hunt (Kevin McKidd) seine Autorität. / (c) ABC
In „Grey's Anatomy“ demonstriert Dr. Webber (James Pickens Jr.) gegenüber Dr. Hunt (Kevin McKidd) seine Autorität. / (c) ABC

Was für ein Glückstag für die Ärzte, die die Welt von Grey's Anatomy bevölkern. Obwohl sich im Verlauf der Episode We Gotta Get out of This Place vielerorts Brandherde manifestieren, gönnt Shonda Rhimes fast all ihren Schützlingen ein kleines Happy End. Obwohl einen nicht alle Begebenheiten überraschen können, fällt es doch nicht schwer, diese „Wohlfühlepisode“ zu genießen.

Für immer Crowen?

Seit Owen Hunt (Kevin McKidd) seiner Emma nach seiner recht merkwürdig anmutenden, nachwuchsbezogenen Kehrtwende den Laufpass gegeben hat, stehen er und Cristina Yang (Sandra Oh) wieder in regem Kontakt. Die Tatsache, dass Cristina im Internet nach einer Frau sucht, die perfekt zu ihrem Exmann passt, mutet zwar nicht furchtbar originell an. Gleichzeitig gehen mit dieser Storyline aber so viel Leichtigkeit und Cristina-typischer Humor einher, dass man sie fast uneingeschränkt genießen kann.

Als Yang ihrem Ex jedoch die vielversprechendsten Kandidatinnen präsentiert, wartet Owen mit einer Rede auf, die aufseiten der Zuschauer zu gemischten Gefühlen führen dürfte. Die Freunde der „Crowen“-Paarung sollten im Zuge von Hunts anrührender Liebeserklärung neue Hoffnung geschöpft haben. Trotz aller Romantik dürfte jedoch nicht das gesamte Publikum davon begeistert sein, dass die Wirren um das Pärchen in die nächste Runde gehen. Schließlich haben Hunt und Yang ihre unüberbrückbaren Differenzen in der Vergangenheit doch schon mehrfach unter Beweis gestellt.

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Auch die Handlung um Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) findet in einer emotionsgeladenen Rede ihren Höhepunkt. Zwar wird der Grund dafür, dass sich Jo seit der vorangegangenen Episode Throwing It All Away weigert, den „Liebesvertrag“ zu unterzeichnen, wenig überzeugend dargebracht. So wirkt es kaum plausibel, dass eine derartig ehrgeizige Nachwuchschirurgin wie Jo auf die Teilnahme an interessanten Operationen verzichten sollte, nur weil sie in dem kindlichen Aberglauben schwelgt, durch das Unterzeichnen des Papiers ihre Beziehung zu „verfluchen“.

Am Ende hat Alex mit seinem „Carpe Diem“-Appell Erfolg und kann so seine störrische Freundin umstimmen. Und weil es ab jetzt rechtlich unbedenklich ist, wenn die beiden Ärzte übereinander herfallen, bekommen die Zuschauer auch gleich noch einen besonders leidenschaftlichen Kuss präsentiert.

Der Krieg der Sensoren

Dem gängigen Muster dieser Episode entsprechend, endet auch der zeitweise verbitterte Streit zwischen Derek Shepherd (Patrick Dempsey) und Callie (Sara Ramirez) in harmonischer Einigkeit.

Recht unkompliziert kann Callie ihrem Kollegen vor Augen führen, dass es nicht „gerecht“ ist, wenn ihr eigenes Forschungsprojekt aufgrund Dereks Arbeit für die Regierung zum Erliegen kommt. Zum einen wohnt vielen der wütenden Anfeindungen, mit denen Callie Derek konfrontiert, eine sehr unterhaltsame Bockigkeit inne. Zum anderen ist es irgendwie befriedigend, dass auch ein „McDreamy“ einmal vom Pfad der Tugend abkommen kann. Am Ende kann sich der Hirnchirurg dann ja ohnehin durch seinen Heldenmut im Angesicht der amerikanischen Regierung wieder eindrucksvoll rehabilitieren. Zudem wird man hier durch Dereks Post-its an seinem Bildschirm auf angenehm subtile Weise an die erste „Eheschließung“ zwischen ihm und Meredith (Ellen Pompeo) erinnert...

Letztere kommt in dieser Episode übrigens ebenfalls zur Vernunft, was ihr Verhalten im Krankenhaus angeht. Das dürfte sich wiederum vielversprechend auf den Erfolg ihres 3D-Drucker-Projektes auswirken.

Wolken am Beziehungshorizont?

Catherine Avery (Debbie Allen) stellt wieder einmal unter Beweis, dass es sich bei ihr nicht zwangsweise um einen umgänglichen Charakter handelt. Wie ein Wirbelwind sucht die gekränkte Frau ihren Sohn Jackson (Jesse Williams) und dessen frischgebackene Ehefrau April (Sarah Drew) heim. Doch während es - nicht zuletzt dank Aprils Einfühlsamkeit - gelingt, Catherine ein Stück weit zu besänftigen, kommt es nun zwischen den frischgebackenen Eheleuten zu Problemen. Im Zuge ihrer Blitzhochzeit haben es die beiden nämlich versäumt, über die Details der Kindererziehung zu sprechen. So treffen plötzlich gänzlich konträre Vorstellungen über Religion oder Internatsbesuche aufeinander. Zudem ist April nicht gerade von der gnadenlos karrierefokussierten Lebensplanung begeistert, die ihrem - hypothetischen! - Nachwuchs im Dunstkreis der Avery Foundation bevorzustehen scheint.

Dank des Patienten Greg (Jeffrey Addiss) bekommt Dr. Webber (James Pickens Jr.) ein ganz besoderes Geburtstagsgeschenk. © ABC
Dank des Patienten Greg (Jeffrey Addiss) bekommt Dr. Webber (James Pickens Jr.) ein ganz besoderes Geburtstagsgeschenk. © ABC

Geburtstag

Während Catherine zunächst wieder allzu besitzergreifend daherkommt, darf sie später zum Glück auch noch ihre liebenswertere Seite zum Vorschein bringen. Dies gelingt besonders im flirtigen Umgang mit Richard (James Pickens Jr.), an dessen Seite sie nun endlich einmal wieder zu sehen ist.

Überhaupt bringt Dr. Webber in den Menschen in seinem Umfeld oft das Beste zum Vorschein. Und da es sich bei Richard ja zudem noch um den ehemaligen Chefarzt des Grey Sloan Memorial handelt, hat er sich zu seinem Geburtstag doch etwas mehr verdient als eine Broschüre zu Rentenfragen, oder?

In seinem Glauben, dass Dr. Hunt ihn mental schon aussortiert hat, findet Webber einen besonderen Zugang zu dem Patienten Greg (Jeffrey Addiss), der im Mutterleib irgendwie seinen Zwilling in sich aufgenommen hat. Dass Richard sich dabei zwischenzeitlich mit einer Masse aus Knöchelchen und Zähnen identifiziert - weil die ebenfalls davon bedroht ist, „entsorgt“ zu werden -, ist ebenso possierlich wie die Tatsache, dass Gregs Zwilling nun wohl in Webbers gewöhnungsbedürftiger Privatsammlung landen wird.

Neben einem weiteren OP-Souvenir bekommt Richard am Ende auch die Anerkennung zum Geburtstag, die er sich im Zuge seiner vielen Dienstjahre redlich verdient hat. Zum einen wird er von Hunt zum Leiter des Ausbildungsprogramms für die Nachwuchschirurgen befördert. Und „selbstverständlich“ haben sich am Ende all seine Kollegen zu einer Überraschungsparty zusammengefunden...

Fazit

In der Dramaserie Grey's Anatomy kann zu keinem Zeitpunkt wirklich alles gut sein. Doch in We Gotta Get out of This Place kommt die Serie der absoluten Glückseligkeit gefährlich nahe. Lediglich aufseiten von Jackson und April deuten sich weitere Probleme an. Zudem hält das Drama noch in einer der Patientengeschichten Einzug, in der einer jungen Mutter die heilversprechende Teilnahme an Cristinas Herzstudie verwährt bleibt. Glücklicherweise sind die Wege zu den jeweiligen glücklichen Ausgängen so verschnörkelt, dass im Verlauf der neuen Episode deswegen keine Langeweile aufkommt.

So schürt beispielsweise Miranda Baileys (Chandra Wilson) Euphorie über etwas, das sich im Bauch von Greg befindet, wirkungsvoll die Neugierde. Gleichzeitig steckt die Ärztin mit ihrer kindlichen Freude nicht nur ihre Kollegen an. Während das Verhalten von Greg dabei zwischenzeitlich zwar allzu absurd anmutet („I just found out I have a brother.“), bringt die Geschichte jedoch auch Highlights wie den „tell him, it is a demon“-Einwurf von Leah Murphy (Tessa Ferrer) mit sich.

Zwar ist es etwas vorhersehbar, dass Richard am Ende doch noch seine Party bekommt und dass der vermaledeite Liebesvertrag nicht das Ende für die Beziehung von Jo und Alex besiegelt. Doch gleichzeitig ist es auch schön, wenn man in der teils diabolischen Serie zur Abwechslung einmal nicht böse überrascht wird. Trotz ihres Titels schürt We Gotta Get out of This Place keine Fluchtgedanken, sondern lädt vielmehr dazu ein, es sich behaglich bequem zu machen. Allerdings sollte man sich auch in der nunmehr zehnten Staffel der Serie dabei nie zu sicher vorkommen. Die nächste Tragödie ist zumeist nur eine Frage der Zeit...

Verfasser: Thordes Herbst am Samstag, 22. März 2014
Episode
Staffel 10, Episode 16
(Grey's Anatomy 10x16)
Deutscher Titel der Episode
Standpauke
Titel der Episode im Original
We Gotta Get Out of This Place
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 20. März 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 5. November 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 6. Oktober 2014
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Dienstag, 26. August 2014
Autor
Jeannine Renshaw
Regisseur
Susan Vaill

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x16

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