Grey's Anatomy 10x15

Grey's Anatomy 10x15

In Grey's Anatomy muss die leidgeprüfte Callie schon wieder einiges durchmachen. Doch die Ehe von Calzona ist nicht das einzige, was in Throwing it All Away in Bedrängnis gerät. Endlich einmal wieder eine Episode, die wieder und wieder unter die Haut geht!

Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) bekommen in „Grey's Anatomy“ auch weiterhin Probleme wegen ihrer Beziehung. / (c) ABC
Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) bekommen in „Grey's Anatomy“ auch weiterhin Probleme wegen ihrer Beziehung. / (c) ABC

Was haben ein Satz Organe inklusive Spenderniere, missgebildete Beine, Verbindungen zu einem Exfreund, ein Baby, ein wissenschaftliches Projekt und zwischenzeitlich auch eine Ehe gemeinsam? Richtig, sie landen in der neuen Episode von Grey's Anatomy gemäß dem Titel Throwing it All Away in der metaphorischen Mülltonne. Endlich kommt es im Rahmen der Serie wieder zu emotionalen Höhepunkten, während gleichzeitig ein unausgegorener Erzählstrang durch ein stimmiges Ende aufgewertet wird.

Analogien überall

Für die Episode Throwing it All Away haben die Drehbuchautoren Patientengeschichten konzipiert, die die einerseits Zuschauer berühren können. Dies liegt nicht zuletzt in der Wahl der Episodendarsteller begründet. So leistet besonders W. Earl Brown in seiner Rolle des Herb Cramer gute Arbeit. Er mimt einen Mann, der sich zunächst weigert, seiner Tochter die Amputation ihrer beiden schmerzhaft missgebildeten Beine zu gestatten.

Neben der emotionalen Wucht, die dieser Geschichte innewohnt, reflektieren sich in ihr zur gleichen Zeit auf stimmige Weise die Konflikte der Ärzte aus dem Grey Sloan Memorial Krankenhaus. Gleiches gilt für die Erzählstränge um das Baby aus dem Müll und den zu früh verstorbenen Organspender.

Während es möglich ist, eine schier grenzenlose Vielzahl von Parallelen zwischen dem Privatleben der Chirurgen und den Dramen des Krankenhausalltags zu ziehen, drängen sich in den Augen der Rezensentin einige „Entsprechungen“ besonders auf.

Stephs Schritt zum Schnitt

Für Steph (Jerrika Hinton) fühlt es sich an, als wäre sie von Jackson (Jesse Williams) „wie Müll weggeworfen“ worden. Durch die Tatsache, dass er sie nicht nur verlassen, sondern quasi im gleichen Atemzug eine andere geheiratet hat, fühlt sie sich als ganz besonders wertlos deklariert. Hier kann man auch an den kleinen Oscar denken, der in dieser Episode abseits jeglicher Metaphorik im Abfall abgelegt wird.

Doch man kann das Analogiespiel noch weiter spielen: Die Beine von Herbs Tochter werden ihr nie gute Dienste tun und ihr für den Rest ihres Lebens Schmerzen bereiten. Obwohl es rigoros und brutal anmutet, scheint eine doppelte Amputation das Beste für das Mädchen zu sein. In diesem endgültigen Schritt spiegelt sich in gewisser - wenn auch deutlich weniger einschneidenden - Weise das anschließende Verhalten von Steph wider. Mit den Worten „To me, you just exist. Because I don't care.entfernt sie Jackson aus ihrer Wahrnehmung, indem sie ihm jegliche Relevanz für ihr Leben aberkennt. Dem Schmerz darüber, sich gedanklich mit Jackson zu beschäftigen - und sei es auch nur, ihm aus dem Weg zu gehen -, wird so ein schnelles Ende bereitet. Zumindest theoretisch.

Alles umsonst!

In Bezug auf Callie (Sara Ramirez), die in Throwing it All Away schon wieder eine ganze Reihe von Rückschlägen hinnehmen muss, lassen sich gleich mehrere Verbindungen zu den Geschichten der Patienten erkennen. Als Derek Shepherd (Patrick Dempsey) seiner Kollegin eröffnet, dass ihre gemeinsame Forschung zunächst (wegen des Präsidenten!) auf Eis gelegt ist, hält sie die harte Arbeit von Monaten für umsonst. Gleiches denkt Callie zunächst auch über den Aufwand, den sie in der Vergangenheit betrieben hat, um die Beine von Herbs Tochter zu retten. Eine ähnliche Enttäuschung legt auch der Nierenspender Thom (Geoffrey Arend;Body of Proof) an den Tag, der nun das Organ von seinem komatösen Freund zurückhaben möchte. Und gegen Ende der Episode hat es auf einmal den Anschein, als hätten sich selbst Calzona die ganze Mühe sparen können, die mit der Rettung ihrer Beziehung bislang einherging. Als Callie Arizona (Jessica Capshaw) trotz ihrem wirklich wunderschönen Liebesgeständnis alleine lässt, scheint plötzlich gar eine Scheidung im Raume zu stehen. Was für ein Tiefschlag!

Cristina Yang (Sandra Oh) macht in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; wie so oft eine gute Figur. © ABC
Cristina Yang (Sandra Oh) macht in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; wie so oft eine gute Figur. © ABC

Doch am Ende vollzieht sich nicht nur im Falle von Thom eine Kehrtwende. Da es höchst unwahrscheinlich anmutet, dass ein derartig ängstlicher und empathiearmer Mensch wie er überhaupt ein Organ gespendet hätte, kommt die Offenbarung seiner wahren Gefühle zwar nicht gänzlich überraschend. Dennoch geht das Szenario dank Geoffrey Arends eindringlichem Spiel zu Herzen.

Entscheidender und sogar noch viel bewegender ist allerdings die Auflösung des Calzona-Konflikts geraten. So wie Oscar am Ende trotz seines kranken Herzens weiterleben darf, wird auch die strapazierte Ehe zwischen Callie und Arizona am Leben bleiben. An dieser Stelle möchte sich die Rezensentin entschuldigen, falls ihre interpretatorischen Bemühungen zu weit gegangen sein sollten.

Highlights

Der Moment, in dem Callie und die rollende Arizona ausgelassen auf dem Bürgersteig herumtoben, ist gekonnt inszeniert und wirkt dank der beiden harmonierenden Schauspielerinnen so authentisch, dass einem fast die Augen feucht werden könnten. Zu der kräftigen Wirkung trägt fraglos auch die vorangegangene hinterhältige Andeutung bei, dass Callie endgültig genug von Arizona haben könnte, nachdem das leidige Thema Leah Murphy (Tessa Ferrer) wieder zur Sprache gekommen ist.

Übrigens ist es den Drehbuchautoren im Fall von Leahs Beschwerde über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gelungen, den eher durchwachsenen Erzählstrang zu einem befriedigenden Ende zu bringen. Nicht nur stellt die Tatsache, dass Murphy in Wirklichkeit Callie anprangert, eine kleine Überraschung dar. Gleichzeitig macht das unsympathische Verhalten der Assistenzärztin sogar Sinn, wenn man genau und unvoreingenommen darüber nachdenkt. Dass man dies ebenso spät realisiert wie die Ärzte selbst, stellt eine erfrischende Wendung dar.

Die Krönung

Die wohl gelungenste Szene dieser starken Episode vollzieht sich jedoch auf ruhige, und herrlich unaufgebauschte Art und Weise. Dass sich Cristina (Sandra Oh) und Arizona über den Flugzeugabsturz austauschen, lässt das Universum von Grey's Anatomy auf einmal sehr viel größer und auch lebensnäher erscheinen, da auch der Vergangenheit einmal Rechnung getragen wird.

Fast überrascht einen die plötzliche Nähe zwischen den beiden grundverschiedenen Chirurginnen. Doch dann wird man an die Schrecken des Absturzortes erinnert und begreift, wie sehr diese alle Opfer ganz unweigerlich zusammengeschweißt haben müssen. Ebenso melancholisch stimmt die Erwähnung von Mark und Lexie, wodurch den beiden Verblichenen auf schöne Weise eine Ehrung zuteil wird. Ähnlich verhält es sich übrigens damit, dass Alex (Justin Chambers) in seiner Angst, Jo (Camilla Luddington) in den Wirren der Anti-Beziehungs-Verordnung zu verlieren, auf Izzie zu sprechen kommt.

Fazit

In dieser Episode von Grey's Anatomy gelingt es Shonda Rhimes, Drehbuchautor Bill Harper und Regisseur Chris Hayden ausgezeichnet, die verschiedenen Erzählstränge thematisch und grafisch zu verbinden. Gleichzeitig kommt es in der Serie nach längeren Wartezeit gleich zu einer ganzen Reihe von Begebenheiten, die tief berühren können. Große Momente wie die Aussprache zwischen Cristina und Arizona oder Calzonas Herumgetolle auf dem Bürgersteig funktionieren ebenso gut wie die Patientengeschichten. Endlich fühlt man sich wieder der emotionalen Achterbahnfahrt preisgegeben, die das Arztdrama in ihren besten Momenten sein kann.

Cristina macht in dieser Episode sowohl gegenüber ihrem Schützling Shane (Gaius Charles) als auch im flirtigen Umgang mit dem Gummiband-schnipsenden Owen (Kevin McKidd) einen so liebenswerten Eindruck, dass man ihren nahenden Abschied aus Grey's Anatomy regelrecht zu fürchten beginnt.

Matthew (Justin Bruening) mag zwar nicht gerade zu den ausgeprägtesten Charakteren am Grey Sloan Memorial gehört haben. Dennoch hat es sich seine Figur sicher verdient, dass man sich von ihr nicht nur per Hörensagen verabschieden kann. Erfreulicher ist man hingegen mit dem anderen Opfer von Japril verfahren. So erscheint Steph nach der Episode Throwing it All Away ein ganzes Stück dreidimensionaler. Dazu trägt auch ihr erquicklich-verschwörerischer Fauststoß (so heißt das wohl in Deutsch) mit Jo bei. Auch Richard Webber (James Pickens Jr.) - selbsternannter Chefarzt auf Ewigkeit - kann trotz zeitlich kurz bemessener Auftritte sanften Humor in die Handlung einfließen lassen.

Es scheint etwas merkwürdig, dass ausgerechnet beim Anblick einer lesbischen Frau eine Neuauflage von Daryl Hall & John Oates' „Maneater“ einsetzt. Auch als Meredith die rhetorische Frage „Why does it feel so good to get rid of things?“ in ihrem Voiceover formuliert, könnte Stirne zum Runzeln bringen. Dass man wirklich nur an den Dingen festhält, ohne die man nicht existieren kann, würden sicher so einige Bewahrer von Fotoalben, Zeitschriften oder Plastiktüten bestreiten. Dennoch passt Merediths Feststellung über das

Festhalten am Ende so schön zu Cristina und Owen, dass man über die leichtfertige Verallgemeinerung leicht hinwegsehen kann - immerhin hat man sich ja eben auch eine der besten Grey's Anatomy-Episoden der zehnten Staffel zu Gemüte geführt...

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 14. März 2014

Grey's Anatomy 10x15 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 15
(Grey's Anatomy 10x15)
Deutscher Titel der Episode
Was wir entsorgen
Titel der Episode im Original
Throwing it All Away
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 13. März 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 29. Oktober 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 29. September 2014
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 25. August 2014
Autor
William Harper
Regisseur
Chris Hayden

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x15

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