Grey's Anatomy 10x14

Grey's Anatomy 10x14

Den Ärzten aus der Serie Grey's Anatomy ist es fortan untersagt, mit Kollegen anzubändeln. Das Verbot sorgt zwar für Furore und es kommen einige verborgene Wahrheiten ans Licht. Dennoch mangelt es auch You've Got to Hide Your Love Away wieder an Höhepunkten.

Aus Meredith (Ellen Pompeo) und Cristina (Sandra Oh) ist in „Grey's Anatomy“ endlich wieder ein Team geworden. / (c) ABC
Aus Meredith (Ellen Pompeo) und Cristina (Sandra Oh) ist in „Grey's Anatomy“ endlich wieder ein Team geworden. / (c) ABC

Die Harmonie ist im Leben der jungen Ärzte aus Grey's Anatomy zu Beginn der Episode You've Got to Hide Your Love Away so verbreitet, dass man sich in Anbetracht der berüchtigten Grausamkeit der Serienerfinderin Shonda Rhimes unvermittelt Sorgen macht. Als Meredith (Ellen Pompeo) in ihrem einführenden Monolog dann auch noch davon spricht, dass heimtückische Krebszellen besonders gern die Arglosen überfallen, sehen die paranoideren Zuschauer bereits das nächste Mitglied aus der Stammbesetzung der Serie zu Grabe getragen werden. Obwohl später hier und da ein paar Tränen vergossen werden, bleibt die Katastrophe jedoch aus. Leider.

Ehe und Anerkennung

Das Grausamste, womit das Publikum in den ersten Minuten von Grey's Anatomy konfrontiert wird, ist der Sexentzug, mit dem Meredith ihren Ehemann Derek Shepherd (Patrick Dempsey) quält.

Es ist zwar aus normalsterblicher Sicht vollkommen nachvollziehbar, dass man sich für seinen Partner nicht unbefangen freuen kann, wenn man ständig von diesem in den Schatten gestellt wird - und das auch noch im eigenen Berufsfeld. Gleichzeitig wirkt Meredith in ihrem fast schon pathologischen Ehrgeiz und dem damit einhergehenden unverholenen Neid eher kindisch. Als sich dann herausstellt, dass Derek im Dienste des Präsidenten die leitende Funktion in dem Projekt zur Entschlüsselung des Gehirns bekleiden soll, scheint sich auf Merediths Gesicht für einen Sekundenbruchteil so auch fast physischer Schmerz auszubreiten. Hierbei leistet Pompeo so gute Arbeit, dass Meredith ihr mangelndes Wohlwollen ein paar Sympathiepunkte kosten dürfte. Glücklicherweise reißt sich die Ärztin im nächsten Moment aber zusammen und gewährt ihrem Ehemann nach drei langen Wochen und auf höchst charmante Weise ein wenig Anerkennung.

Freundschaft und Selbstsucht

Die Tatsache, dass sie mit ihrem eigenen Forschungsprojekt in eine Sackgasse gerät, kann man in Bezug auf Merediths Betragen wohl als mildernden Umstand werten. In jedem Fall ist es gut, dass sie sich in dieser schwierigen Zeit wieder auf ihre person Cristina (Sandra Oh) verlassen kann.

Als die beiden Freundinnen sich zusammenfinden, um einer Flasche Rotwein den Garaus und sich wortgewaltig Luft zu machen, vergisst man leicht die herben Auseinandersetzungen der jüngeren Vergangenheit. Dem Traubensaft ist es wohl ebenso zu verdanken wie diesem vertrauten Flair, dass Cristina sich eingesteht, wie viel Dr. Hunt (Kevin McKidd) ihr nach wie vor bedeutet. Gekrönt wird die neuerliche Verschwesterung zwischen Grey und Yang später im Krankenhaus durch Merediths hellsichtiges „You slept with Owen.“ Seiner person kann man eben nichts so leicht vorenthalten...

Das ungerechte Sex-Verbot

Die neue Anti-Beziehungs-Verordnung für das Grey Sloan Memorial hatte sich ja bereits in der Vorgängerepisode Take It Back (10x13) angekündigt.

Erwartungsgemäß sorgt die Regelung für einige Gefühlsaufwallungen. Schließlich gehören die sexuellen Verbindungen zwischen den Ärzten in Seattle genauso zum Alltag wie Blinddarm-OPs. Dass besonders die Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen schärfstens verurteilt werden, während bereits verheiratete Pärchen nicht weiter belangt werden, bringt besonders Jo (Camilla Luddington) und Alex (Justin Chambers) in eine missliche Lage. Wutentbrannt und nicht unbegründet gibt Jo ihrer Kollegin Stephanie (Jerrika Hinton) die Schuld für das neue Verbot. An dem ungewöhnlich hohen Grad an Aggressivität in Jos Betragen kann man dabei sehr schön ablesen, wie wichtig ihr die Beziehung zu Alex mittlerweile ist.

Hereingelegt

Mit dem Handlungsstrang über das Fraternisierungsverbot gehen zwei kleine Überraschungen einher. Zum einen offenbart sich Leah (Tessa Ferrer) als Urheberin der Beschwerde. Zum anderen stellt sich der verbissene Streit zwischen Jo und ihrem Alex als wohlüberlegte Scharade heraus. Trotz dieser gelungenen Irreführungen kommt die Geschichte um das innerbetriebliche Sex-Verbot über den dramaturgischen Durchschnitt nicht heraus. So mangelt es ihr an wirklich packendem Drama und langfristiger Relevanz. Außerdem ist das Gebot an sich in diesem Krankenhaus wirklich so unglaublich scheinheilig, dass man Alex für sein ungehaltenes Anprangern dieser Tatsache aufmunternd auf die Schulter klopfen möchte.

Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) halten ihre Kollegen mit einem einstudierten Streit zum Narren. © ABC
Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) halten ihre Kollegen mit einem einstudierten Streit zum Narren. © ABC

Die Patienten

Ein völlig zermatschtes Bein ermöglicht es den Serienverantworlichen, die Zuschauermägen mit der Hilfe von unappetitlichen Verunreinigungen der Wunde sehr vehement auf die Probe zu stellen. Anstatt die unglücklich und bis zur Selbstaufgabe verliebte Patientin gleichzeitig auf einfühlsame Weise menschliche Schwäche widerspiegeln zu lassen, wird die Passage leider allzu übertrieben in Szene gesetzt. So ist es doch sehr schwer vorstellbar, dass man selbst dann noch albern vor sich hin plappert, wenn das eigene Bein derartig in Mitleidenschaft gezogen ist. In Grey's Anatomy ist Humor fraglos von riesiger Bedeutung, da nur durch ihn das teils niederschmetternde Drama abgefedert werden kann. Doch Humor konnte die Serie in der Vergangenheit auch an den Tag legen, ohne dafür jegliche Authentizität zu opfern.

In der zweiten Patientengeschichte fällt ein Mädchen einem tückischen genetischen Defekt zum Opfer. Obwohl alle beteiligten Episodendarsteller überzeugend agieren, verfehlt es auch dieser Erzählstrang, wirklich tief zu berühren. Er kommt der Handlung dramaturgisch schlichtweg viel zu gelegen: Erst das schreckliche Schicksal der Jugendlichen bringt die Assistenzärzte dazu, ihre zwischenmenschlichen Diskrepanzen pädagogisch allzu wertvoll zu überwinden, um sich endlich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das ist nicht der Austausch von Körperflüssigkeiten, sondern ihr Job. Theoretisch zumindest.

Liebeswirren

Arizona (Jessica Capshaw) und Callie (Sara Ramirez) genießen den zweiten Frühling in ihrer Beziehung, während April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) ihre geheime Ehelichung publik machen. In beiden Fällen sorgen ausgetauschte Liebesbeweise für ein behagliches Gefühl. Doch wirklich erinnerungswürdige Szenen kann keines der Pärchen zu dieser Episode beisteuern.

Etwas turbulenter geht es da schon zwischen Owen und seiner Emma (Marguerite Moreau) zu. Dabei gibt die alteingesessene Figur des Chefarztes Rätsel auf.

War es nicht Owens tiefes Bedürfnis, Vater zu werden, das seiner Ehe mit Cristina letztendlich den Todesstoß gab? Jetzt nennt er ausgerechnet den Wunsch seiner fortpflanzungswilligen Partnerin, für die Familiengründung beruflich kürzer zu treten, als Grund dafür, dass er sie abserviert? Vielleicht möchte Owen Emma ja auch nur weiteren Kummer ersparen, indem er ihr seinen Beischlaf mit Cristina vorenthält. Falls ihm in Bezug auf die Gewichtung von Familie und Karriere nun aber tatsächlich ein Licht aufgegangen sein sollte, dürfte einem Neustart für Crowen ja wohl nichts mehr im Wege stehen, oder...? Obwohl es Emma nie gelingen konnte, sich zu einem vollwertigen Charakter aufzuschwingen, tut sie einem doch Leid. Vielleicht würde es ihr ja helfen, sich wöchentlich mit Steph und Matthew zur kollektiven Verarbeitung ihrer Liebestraumata zusammenzufinden...

Fazit

Es ist sicher nicht leicht, es den Fans von Grey's Anatomy recht zu machen. Wenn man Charaktere per Flugzeug ins Jenseits befördert, ist die Empörung groß. Und lässt man die Ärzte für ein paar Episoden verhältnismäßig unbehelligt vor sich hin leben, gibt es auch wieder Beschwerden. Wo ist nur das Drama geblieben, das uns immer wieder so herrlich an den Rand der Verzweiflung bugsierte?

Die Serie kann sich mit You've Got to Hide Your Love Away im Vergleich zur Vorgängerepisode nichtsdestotrotz leicht steigern und präsentiert sogar die eine oder andere gelungene Überraschung. Als der melodramatische Streit zwischen Alex und Jo als schauspielerische Einlage der beiden enttarnt wird, scheinen die Serienverantwortlichen augenzwinkernd darauf zu verweisen, dass Grey's Anatomy mehr sein kann als nur Seifenoper.

Ob die neuesten Entwicklungen zwischen Yang und Hunt bekömmliche Früchte tragen werden, werden erst die künftigen Episoden zeigen. Ob es den Drehbuchautoren gelingen kann, diese etwas angestaubte Paarung noch einmal reizvoll erscheinen zu lassen und dabei gleichzeitig den beiden Charakteren gerecht zu werden?

Überhaupt ist es an der Zeit für neue Impulse in einer Serie, in der man mittlerweile fast alles schon einmal gesehen zu haben glaubt. Dies gelingt auf Seiten der Assistenzärzte ein Stück weit dadurch, Ben Warren (Jason George) in die Gruppe zu werfen. Der etwas reifere Charakter tut der allzu quirligen Gruppe von Jungspunden gut. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass die Figur auch noch ein paar Ecken und Kanten offenbaren wird. Denn die Stelle für den perfekten Ehemann und Vater ist schließlich schon für Monsieur Derek Shepherd reserviert.

Meredith muss schnell einen Weg finden, ihre wenig schmeichelhafte Phase der Missgunst gegenüber Derek entgültig zu überwinden. Schließlich bahnen sich für ihn weitere, bahnbrechende Erfolge an, während ihr eigenes Projekt stagniert. Zwar sorgt momentan noch Merediths Interaktion mit Cristina dafür, dass auch ihre positiveren Charaktermerkmale - wie Menschenkenntnis und die Fähigkeit zur Selbstreflexion - zur Geltung kommen. Doch selbst einer derartig essentiellen Figur wie Dr. Meredith Grey werden die Zuschauer ewig andauernde Zickereien nicht endlos durchgehen lassen.

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 7. März 2014

Grey's Anatomy 10x14 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 14
(Grey's Anatomy 10x14)
Deutscher Titel der Episode
Heimlichtuereien
Titel der Episode im Original
You've Got to Hide Your Love Away
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. März 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 22. Oktober 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 22. September 2014
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Dienstag, 19. August 2014
Autor
Tia Napolitano
Regisseur
Ron Underwood

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x14

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