Grey's Anatomy 10x10

Grey's Anatomy 10x10

Mit der Episode Somebody That I Used to Know kehrt die Handlung von Grey's Anatomy wieder ins Krankenhaus zurück. Viele der Ärzte werden dabei von persönlichen Dramen heimgesucht. Leider muten dabei nicht alle Begebenheiten natürlich oder einfallsreich an.

Meredith (Ellen Pompeo) und Cristina (Sandra Oh) haben sich in „Grey's Anatomy“ noch immer nicht versöhnt. / (c) ABC
Meredith (Ellen Pompeo) und Cristina (Sandra Oh) haben sich in „Grey's Anatomy“ noch immer nicht versöhnt. / (c) ABC

Nach dem Exkurs in den Gerichtssaal in der Episode Sorry Seems to Be the Hardest Word (10x09) verlagert die Handlung ihren Fokus von Callie (Sara Ramirez) nun wieder auf die gesamte Ärzteschaft des Grey Sloan Memorial Hospital.

Dementsprechend können die Zuschauer auch endlich weiterverfolgen, wie es mittlerweile um die beiden zerstrittenen persons Meredith (Ellen Pompeo) und Cristina (Sandra Oh) bestellt ist. Doch auch an anderer Stelle besteht in der Episode Somebody That I Used to Know kein Mangel an persönlichem Drama. Bedauerlicherweise wirken einige Begebenheiten dabei allzu konstruiert.

OCD und Unvernunft

Miranda Bailey (Chandra Wilson) und Richard Webber (James Pickens Jr.) haben in dieser Episode von Grey's Anatomy zum Beispiel gemein, dass sie sich vollkommen unverhältnismäßig aufführen.

Auch wenn man in Betracht zieht, wie sehr sich die Chirurgin mit ihrer Arbeit identifiziert, kann Baileys leichtsinniger Umgang nicht mit ihrer obsessive-compulsive disorder entschuldigt werden. Gerade, weil Miranda so eine engagierte Ärztin ist, sollte sie erkennen können, dass sie durch ihre Zwangsneurose im Ernstfall das Leben ihrer Patienten gefährden könnte. Es ist der Rezensentin schleierhaft, warum Miranda in diesem Fall so kindisch und realitätsfremd reagiert. Vielleicht kann ja argumentiert werden, dass ihre Zwangsstörung Miranda in gewisser Weise die Sinne vernebelt. Immerhin ist es gut zu sehen, dass ihr Ehemann Ben Warren (Jason George) ihr trotz ihrer unausstehlichen Art nach bestem Wissen und Gewissen zur Seite steht.

Der merkwürdige Fall des Richard Webber

Was sich die Drehbuchautoren jedoch in Bezug auf Richard einfallen lassen, sprengt endgültig den Rahmen des Zumutbaren: Erst ist er dankbar, überlebt zu haben. Dann will er sterben und terrorisiert Meredith auf grausame Weise. Als Webber dann schließlich wieder neuen Lebensmut schöpft, legt er dabei jedoch gleich wieder einen so übertriebenen Ehrgeiz an den Tag, dass es unvernünftig und sogar kindisch anmutet.

Sicherlich ist es nachvollziehbar, dass der ehemalige Chefarzt es seit seiner letzten sprunghaften Eingebung nicht mehr erwarten kann, aus dem Krankenbett wieder in den Arztmantel zu wechseln. Doch die Art und Weise, wie Shonda Rhimes und ihre Komplizinnen diesem Prozess in der Serie Ausdruck verleihen, ist dem alteingesessenen Charakter schlichtweg unwürdig. Das schmerzhafte Ende der Szene auf dem Laufband ist nicht nur grenzenlos vorhersehbar, sondern trägt gar eine unfreiwillige Komik in sich. Selbstverständich lebt die Serie Grey's Anatomy von dramatischen Momenten, in denen man um das Wohlergehen der Protagonisten bangt. Doch wenn das Drama so plump und fantasielos erkauft wird, schlägt sich dies doch sehr negativ auf das Sehvergügen nieder.

Um die Beziehung von Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) steht es momentan sehr gut. © ABC
Um die Beziehung von Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) steht es momentan sehr gut. © ABC

Das Drucker-Drama

Cristina und Meredith stehen miteinander nach wie vor auf Kriegsfuß, wobei sie den 3D-Drucker als Austragungsort für ihre Scharmützel wählen. Die Wirkung, die ihre andauernden Kabbeleien auf so manchen Zuschauer haben dürften, lässt sich wohl am besten durch das gequälte Augenverdrehen von Derek Shepherd (Patrick Dempsey) zum Ausdruck bringen.

Doch so sehr man sich auch eine Versöhnung der beiden vormals besten Freundinnen herbeisehnen würde, so durchdacht und vielschichtig ist ihr Streit doch inszeniert: Es ist in Ermangelung des medizinischen Fachwissens schwer möglich, sich qualifiziert auf eine Seite zu schlagen. Wie plausibel ist es, dass dem kranken Baby durch die Pionierarbeit von Shane (Gaius Charles) und Cristina tatsächlich geholfen werden kann? Ist es diese fragile Hoffnung wert, damit Merediths Forschungsarbeit in Gefahr zu bringen?

Den Machern von Grey's Anatomy gelingt es sehr gut, wechselseitig sowohl den Standpunkt von Grey als auch die argumentative Grundlage von Yang zu hinterfragen. Während sich Alex Karev (Justin Chambers) für Merediths Seite stark macht, mutet es später an, als hätte Derek Probleme damit, die Position seiner Ehefrau nachzuvollziehen.

Auch, dass Ross unerwartet und vehement einschreitet, um Cristina den Rücken zu stärken, kann keine klare Antwort auf die Frage bringen, welche der beiden Chirurginnen richtig liegt. Schließlich untermauert Shanes nachfolgender Kuss mit Cristina, dass der junge Assistenzarzt in diesem Fall nicht gerade unparteiisch ist.

Human Sex Toy

Egal, ob man das Anbändeln zwischen Ross und seiner Mentorin befürwortet oder nicht, ist es doch schön zu sehen, dass Cristina nicht vollkommen alleine dasteht. Ihr früherer Vertrauter Owen Hunt (Kevin McKidd) verbringt nun sogar schon Thanksgiving gemeinsam mit seiner neuen Freundin Emma (Marguerite Moreau) und Meredith fällt ja nun in Anbetracht der Umstände aus, um Cristina darüber hinwegzutrösten.

In jedem Fall ist die Interaktion zwischen Shane und Cristina für einen Großteil der in dieser Episode spärlich gesäten humoristischen Höhenflüge verantwortlich. Besonders die „Are you offering to service me?“-„For the sake of the world“-Szene der beiden ist sehr schön geraten und profitiert durch eine ausgesprochen gute Chemie zwischen Oh und Charles. Gleichzeitig sieht es dank der romantisch eher abgeklärten Haltung („I'm glad he's getting laid. I should be getting laid.“) der beiden Ärzte nicht danach aus, als müssten sich die Zuschauer hier auf allzu anstrengende Liebeswirren einstellen. Es lebe das yaya!

Richard Webber (James Pickens Jr.) und die Assistenzärztinnen bereiten ihr ganz persönliches Thanksgiving vor. © ABC
Richard Webber (James Pickens Jr.) und die Assistenzärztinnen bereiten ihr ganz persönliches Thanksgiving vor. © ABC

Calzona und St-ackson-pril

Anders sieht es da schon aufseiten Callies und Arizonas (Jessica Capshaw) aus. Ihre zögerliche Versöhnung wird nun auch noch dadurch verkompliziert, dass Arizonas „Ten-plus“-Affäre mit Leah (Tessa Ferrer) ans Licht kommt. Die beiden Ehefrauen haben wohl noch einen recht weiten Weg vor sich, bis sie ihre Beziehung vollkommen wiederhergestellt haben - wenn dies überhaupt möglich sein sollte.

Während die Handlung um die Beziehungsprobleme von „Calzona“ dadurch profitiert, dass ihre Geschichte zumindest nicht auf der Stelle tritt, sind alle Probleme, die Jacksons (Jesse Williams) und Aprils (Sarah Drew) Vergangenheit betreffen, in den Augen der Rezensentin mittlerweile nur noch ermüdend. Sätze wie Aprils „I can't go through with this if I don't have your blessing“ scheinen alte Wunden wieder aufzureißen. Immerhin macht Jacksons Bekenntnis gegenüber Steph (Jerrika Hinton), dass seine Beziehung zu April Geschichte sei, einen wahrhaftigen Eindruck. Hoffentlich läuten bald die vermaledeiten Hochzeitsglocken, um diesem Handlungsstrang endlich ein Ende zu bereiten.

Fazit

Wer sich fragt, wo sich denn wohl die sonst so protektive Catherine Avery (Debbie Allen) herumtreibt, anstatt ihrem Freund Richard den Rücken zu stärken, der sei beruhigt: Allen war ihrem fiktiven Geliebten während der Episode Somebody That I Used to Know zumindest körperlich ganz nahe, denn die Schauspielerin hat in dieser Folge von Grey's Anatomy Regie geführt.

Dabei ist es bedauerlicherweise nicht allzu gut gelungen, die Patientengeschichten aus dem Grey Sloan Memorial mit dem Privatleben der Ärzte zu verknüpfen. Die Parallele zwischen der anhänglichen Leah und der Babysitterin, die sich zu sehr um das von ihr betreute Kind sorgt, wirkt so allzu konstruiert und dementsprechend wenig realitätsnah.

Auch die Verbindungen zwischen Aprils Hochzeit und der übers Internet gecasteten Zukünftigen für den Liebhaber einer Patientin sind etwas fantasielos geraten. Doch immerhin bringt diese Dreiecksgeschichte dank der überzeugenden Gastdarsteller dabei große Gefühle hervor. Auch der schreckliche Zustand, in dem sich Miranda momentan befindet, kann - trotz ihres unangehemen Verhaltens - tiefes Mitleid heraufbeschwören.

Im Ganzen wirkt ein Großteil des Dramas aus dieser Episode zu aufgebauscht, was besonders im Falle von Richard zulasten seines Charakters geht. Dafür ist der Streit zwischen Meredith und Cristina zwar schwer mit anzusehen, aber so ambivalent umgesetzt, dass die Neugierde geschickt darauf geschürt wird, wie es mit den beiden weitergeht.

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 22. November 2013

Grey's Anatomy 10x10 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 10
(Grey's Anatomy 10x10)
Deutscher Titel der Episode
Klare Worte
Titel der Episode im Original
Somebody That I Used To Know
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 21. November 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 12. März 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 10. März 2014
Autor
Debora Cahn
Regisseur
Debbie Allen

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x10

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