Grey's Anatomy 10x09

Grey's Anatomy 10x09

Die neue Episode von Grey's Anatomy ist sehr untypisch geraten. Statt viele verschiedene Ärzte zu begleiten, wird Callie in Sorry Seems to Be the Hardest Word unangefochten in den Vordergrund gestellt. Dabei stehen der beliebten Figur gleich mehrere schwere Prüfungen bevor.

In der neuen Episode von „Grey's Anatomy“ steht Callie (Sara Ramirez) im Vordergrund. / (c) ABC
In der neuen Episode von „Grey's Anatomy“ steht Callie (Sara Ramirez) im Vordergrund. / (c) ABC

In der Vergangenheit musste Callie Torres (Sara Ramirez) fraglos sehr viel durchmachen. Nach dem Tod von Mark musste sie auch noch die gravierenden Probleme, die auf die Beinamputation ihrer Ehefrau Arizona (Jessica Capshaw) folgten, verkraften. Als dann auch noch Arizonas Affäre ans Licht kam, gab es wohl niemanden, der die vitale Chirurgin nicht bemitleidet hätte.

Im Gegenzug hat gleichzeitig ihre Frau durch den Bruch des Ehegelöbnisses, der sich aus heiterem Himmel ereignet zu haben schien, allerlei Sympathiepunkte eingebüßt. Die Grey's Anatomy-Episode Sorry Seems to Be the Hardest Word bedient sich nun einer Reihe von Rückblenden, um den Zuschauern die letzten vier Monate aus Callies Leben näherzubringen. Dabei kommen auch über ihre Beziehung zu Arizona viele neue Erkenntnisse ans Licht.

Der Fall Reed

Travis Reed (Jason Dechert) ist einer der besten Snowboardfahrer der Welt und soll bald an den Olympischen Spielen teilnehmen. Kein Wunder also, dass er sich nur in die Hände der besten Chirurgen begeben möchte, um sein Hüftproblem aus der Welt zu schaffen. Als Cristina Yang (Sandra Oh) dem Athleten ihre Kollegin Torres als „Ortho goddess“ anpreist, wird dadurch eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, die sowohl für die Ärztin - doch insbesondere für den Patienten - schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Callie operiert Reed und setzt ihm eine neue Hüfte des Typus „Peterson“ ein, obwohl sie mit derlei Implantaten bislang keine Erfahrungen sammeln konnte. Fraglos fühlt sich die Ärztin durch den prominenten Patienten unter Druck gesetzt - aber gleichzeitig auch zu Höchstleistungen angespornt. Doch dann folgt eine Komplikation auf die nächste und am Ende müssen beide Beine des Extremsportlers amputiert werden.

Als Callie gerade gemeinsam mit Derek Shepherd (Patrick Dempsey) einem Publikum den Stand ihrer neurologischen Forschungen erörtert, durch die sie gelähmten Patienten dazu verhelfen wollen, mithilfe des Gehirns Prothesen zu steuern, überbringt ihr ein allzu gut gelaunter Mann die Hiobsbotschaft: Reed verklagt sie wegen ärztlichen Fehlverhaltens.

Im Gericht

Nicht nur die Juroren im Gerichtssaal sind sichtlich bewegt, als der begnadete Snowboarder von einst in seinem Rollstuhl mithilfe einer Hebeplattform schrecklich langsam und furchtbar beschwerlich in den Zeugenstand gehoben wird. Das glaubhafte Spiel von Jason Dechert in seiner Rolle des desillusionierten Reed trägt zusätzlich zu der deprimierenden Wirkung dieser Sequenzen bei.

Obwohl man als langjähriger Begleiter von Grey's Anatomy und als Quasivertrauter der Sympathieträgerin Callie eher dazu geneigt ist, sich auf ihre Seite zu schlagen, kommen tatsächlich Zweifel an ihrer damaligen Herangehensweise auf. Dafür sorgen zum einen Einblicke in die komplexen privaten Belange, die Callie zu dieser Zeit beschäftigten. Zum anderen ist dafür der grenzenlos unsympathische, aber dennoch sehr fachverständige Anwalt von Travis (Robert Wisdom) verantwortlich.

Travis (Jason Dechert) verklagt Callie. © ABC
Travis (Jason Dechert) verklagt Callie. © ABC

Der Schuldspruch

Gegen Torres wird beispielsweise verwendet, dass sie nach der Amputation gegenüber Travis jegliche Schuld auf sich genommen habe. Erst eine weitere Rückblende offenbart, dass es der Ärztin dabei lediglich darum gegangen war, Reeds Freundin Whitney (Nosheen Phoenix) vor dessen ungerechtem Zorn zu schützen.

Diese Bilder aus erster Hand werden den Juroren zwar vorenthalten. Doch nach Callies leidenschaftlicher Rede, in der sie sich gekonnt als empathisches Wesen profiliert und medizinische Verfahren alltagsnah erklären kann, wird sie dennoch freigesprochen.

Rückenstärkung

Jo (Camilla Luddington) und Cristina werden im Zuge des Prozesses ebenfalls befragt. Jo bemüht sich - nach Kräften, aber fruchtlos -, Callie in möglichst positives Licht zu rücken. Aufseiten der oft hart wirkenden Cristina hat es erst den Anschein, als würde sie ihre Kollegin schwer belasten. Doch am Ende stärkt auch Yang ihr den Rücken. Dies ist ebenso schön mit anzusehen wie das Erscheinen der übrigen Kollegen aus dem Grey Sloan Memorial als Rückendeckung im Gerichtssaal.

Auch Callies Vater Carlos (Hector Elizondo) kommt nach Seattle, um seiner Tochter beizustehen. Er findet genau den richtigen Mittelweg aus Einfühlsamkeit und Härte, um Callie erst Kraft zu spenden. Zudem gelingt es ihm, sie schließlich - mithilfe sanfter Gewalt und einem überraschenden Geständnis - zu einer Versöhung mit Arizona zu bewegen.

Kinderwunsch mit traurigem Ausgang

Wie sich herausstellt, hatten sich „Calzona“ vor vier Monaten dazu entschlossen, ein weiteres Kind zu bekommen. Die Bilder eines glücklichen und lebensbejahenden Paares, die den Zuschauern in diesem Zusammenhang gezeigt werden, sind besonders im Lichte der Differenzen aus der letzten Zeit regelrecht herzerwärmend. Die Szene, in der die beiden Ehefrauen nach einem geeigneten Spermaspender suchen, sprüht nur so vor Optimismus und wirkt aufgrund der ausgezeichneten Chemie zwischen den beiden Schauspielerinnen ausgesprochen natürlich.

Auch als Arizona das Kind verloren hat, ist das Spiel authentisch geraten und kann berühren. Gleichzeitig wird hier - als Verbindung zu der Klage - deutlich gemacht, dass sich Callie selbst von Ereignissen wie der ersten Ultraschalluntersuchung nie von dem Fall Reed hatte ablenken lassen.

Auch April und Dr. Webber wollen Callie unterstützen. © ABC
Auch April und Dr. Webber wollen Callie unterstützen. © ABC

Im Episodentitel Sorry Seems to Be the Hardest Word schwingt zum einen die Anspielung auf eine der Eigenheiten des amerikanischen Rechtssystems mit. So ist einer Veröffentlichung der American Medical Association zu entnehmen, dass es tatsächlich eine „I am sorry“-Klausel gibt. Sie untersagt es, die Entschuldigung eines Arztes bei einem Patienten vor Gericht gegen ihn oder sie zu verwenden. Dennoch hätte sich Callies „Sorry“ vor Gericht beinahe nicht als „schwierigstes“, sondern eher als „verheerendstes“ Wort herausgestellt.

Moralisches Dilemma

Während Callie bei der Behandlung von Travis tatsächlich nichts unversucht gelassen hatte, um ihm zu helfen, und ihr das eigene Unvermögen sichtlich zusetzt, tut sich später noch ein Grund auf, der eine Entschuldigung mehr als rechtfertigen würde. Gemeinsam mit Meredith (Ellen Pompeo) stößt sie nämlich auf ein Schreiben, in dem vor potentiellen Infektionen durch die neue Prothesenart gewarnt wird. Und dieses war bereits drei Wochen vor der Operation bei Callie angekommen.

Torres nimmt Merediths Rat an und verschweigt den Brief vor Gericht. Nun könnte man tatsächlich argumentieren, dass diese neuen Erkenntnisse Travis seine Beine nicht zurückgeben würden, dafür aber gleichzeitig andeuten könnten, dass sich Callie nachlässig verhalten hatte. Das wäre eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Doch wie geht es jetzt mit Travis weiter? Hätte er im Zweifelsfall mit Schmerzensgeld von den Herstellern des Hüftimplantats rechnen können - auch, wenn es sich noch in der Testphase befand?

Während all ihre Kollegen im Gerichtssaal in Jubel ausbrechen, bleibt Callie betroffen sitzen. Ein ähnliches Gefühl bleibt auch in der Magengegend der Rezensentin zurück.

Fazit

Zwar ist es schade, dass so viele Charaktere in dieser ungewöhnlich konzipierten Episode zu kurz kommen. Gleichzeitig ist es aber auch großartig, dass man dadurch die Gelegenheit bekommt, eine der lieb gewonnenen Figuren aus Grey's Anatomy derartig zeitintensiv und detailliert zu begutachten. Vieles wird dadurch im Nachhinein klarer. Auch wenn ihre Fehlgeburt und Callies Arbeitswut Arizonas Fremdgehen wohl kaum rechtfertigen können, ist es nun ein bisschen besser nachvollziehbar, wie es überhaupt zu ihrer Affäre kommen konnte.

Eine weitere Stärke dieser Episode besteht darin, dass sie keine einfachen Antworten vorgibt. Hat sich Callie falsch verhalten, als sie den Brief verheimlichte? Hat Arizona ihre zweite Chance verdient, obwohl sie seit geraumer Zeit mit Leah anbandelt? Szenen wie die, in der Arizona wehmütig auf Callies Ehering schaut, stehen im Kontrast dazu, dass sie dennoch mit einer anderen Frau schläft. Doch gerade in solchen Widersprüchlichkeiten kommt Sorry Seems to Be the Hardest Word der Realität am nächsten.

Humor kommt in dieser Folge zwar recht kurz. Dafür kann man sich jedoch an dem Zusammenhalt erfreuen, der zwischen den verschiedenen Kollegen im Ernstfall herrscht. Besonders schön ist hier auch Owen Hunts (Kevin McKidd) Einsatz als protektiver Bodyguard.

Auch wenn Grey's Anatomy nun möglichst schnell ins Krankenhaus zurückkehren sollte, ist dieses „Callie-Special“ doch packend. Zwar ist das Wirken der Anwälte, das in den USA stets auf die Manipulation der Juroren ausgerichtet zu sein scheint, mitunter schwer zu ertragen. Doch dabei sind die Sequenzen so geschickt mit Callies Privatleben verknüpft, dass man nie Gefahr läuft, sich zu langweilen.

Obwohl es die Rezensentin nicht gutheißen würde, wenn Shonda Rhimes der großen Konfrontation zwischen Meredith und Cristina noch weiter aus dem Weg geht, stellt diese „personifizierte“ Folge doch eine willkommene Abwechslung vom Serienstandard dar. Gerne dürften auch andere der alteingesessenen Charaktere einmal auf diese Art und Weise gewürdigt werden.

Trailer zu „Grey's Anatomy“ (10x10):

Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 15. November 2013
Episode
Staffel 10, Episode 9
(Grey's Anatomy 10x09)
Deutscher Titel der Episode
Entschuldigungen
Titel der Episode im Original
Sorry Seems to Be the Hardest Word
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 14. November 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 12. März 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 10. März 2014
Autor
Stacy McKee
Regisseur
Jeannot Szwarc

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 10x09

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